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Bewerbung - Praxisbeispiele
Lebenslauf: Chronologisch oder thematisch?
E-Mail an den Bewerbungshelfer

"... möchte ich auf diesem Wege auch ein wenig Kritik oder einige Verbesserungsvorschläge anmerken.Beim Lesen der Lebensläufe auf ihrer Web Site fällt mir auf, dass sie in chronologisch aufsteigender Reihenfolge dargeboten werden. Ist es für die Adressaten nicht interessanter, die letzten Stationen als erstes zu lesen, statt zunächst mit dem Besuch der Grundschule konfrontiert zu werden? Die Aufmerksamkeitsspanne beim Lesen von Bewerbungsunterlagen ist ja sehr kurz, so dass Bewerber das Wichtigste doch zuerst nennen sollten ..." - M. H., 28.4.98

Fleiß, Treue, Stetigkeit

Mein Vater arbeitete volle vierzig Jahre im selben Betrieb. Bei seinem Ausscheiden erhielt er eine Landesurkunde mit integriertem Treuelob und fetter Unterschrift des Präsidenten. Sein ungeschriebener Lebenslauf würde auf eine halbe Seite passen.
Rührend, nicht wahr? Loyalität. Langfristige Arbeitsverhältnisse. Auf gegenseitigem Respekt und Vertrauen basierende, stabile Beziehungen. - Und an wen werden Sie gerade verkauft?
Der Dreisprung in das Rentnerglück mit Schule - Ausbildung - stabiler Arbeitsplatz gelingt nur wenigen. Welche(r) Bewerber(in) produziert heute noch einen geradlinigen und kontinuierlichen Lebensweg_ Deshalb ordnen die meisten Leute die zeitlich aufgereihten Stationen sinnvollerweise in thematische Rubriken ein :

"Persönliche Daten"

"Ausbildung"

"Berufliche Tätigkeiten"

"Weiterbildung"

und andere mehr.
Meist werden die einzelnen Lebensabschnitte dadurch fragmentiert und verschoben. Dennoch entdecken geschulte Leser in diesem Puzzle ohne großen Aufwand die berüchtigten zeitliche Lücken. Auf den Monat genau möchten's die Personalleute allemal wissen.

Titelsucht

Ein tabellarischer Lebenslauf gefällt auch den strengsten Betrachtern, wenn er solche Kriterien erfüllt:

vollständig - aber nicht aufgebläht

übersichtlich und in kargen Stichworten

durchaus konventionell, aber nicht
schablonenhaft.

Ich schaffe übrigens unbedenklich neue Rubriken, sofern sie tatsächlich

einen individuellen Lebenslauf bezeichnen

von Sache und Relevanz her gerechtfertigt sind

auf eine ganz bestimmte Position hin
ausgerichtet werden.

[weiterlesen]

(Titelsucht)
"Auslandstätigkeiten", "Lehrtätigkeiten", "Veröffentlichungen", "Projekte", "Fähigkeiten" - hinter dem gemeinsamen Nenner steht immer das eigene, individuelle Schicksal. Dennoch: Höchste Zurückhaltung im Ausdenken und Aufstellen zusätzlicher Titel!

Auf und ab

Gewöhnlich fängt der tabellarische Lebenslauf mit der Schule, mit den biographisch am weitesten zurückliegenden Ereignissen an. In den oben dargestellten Grenzen liest er sich wie ein Lebensweg, der Akzent liegt auf der personalen Entwicklung.
In den
USA richtet man sein curriculum vitae bevorzugt argumentativ, auf ein Ziel aus.
Nach den persönlichen Daten kommt deshalb gleich

- eine "umgekehrt chronologische" Auflistung der beruflichen Tätigkeiten , die aktuelle ganz oben, danach die vorherige usw.

- oder eine Aufzählung der Fähigkeiten und Kenntnisse (in der Argumentationsauswahl auf die Bewerbung zugeschnitten )

- oder ein Verweis auf die angestrebte Position.

Wer schreibt in Deutschland Lebensläufe nach diesem Muster? Sehr wenige Leute: Hochschulabsolventen, Techniker, Führungskräfte - oft mit Auslandserfahrung. Sinn macht diese Bewerbungsart eigentlich nur , wenn man international ausgerichtete Großbetriebe anspricht. In den USA sind cover letters (Anschreiben) oft noch kürzer und formelhafter als bei uns. Die argumentativen Schwerpunkte befinden sich deshalb im résumé.Auch weil man in Deutschland einen guten Teil der Überzeugungsarbeit im Bewerbungsschreiben besorgt, würde ich dem traditionellen Lebenslauf in der Regel den Vorzug geben. Schließlich lenkt er die Aufmerksamkeit über die gesamte personale Entwicklung.
Die Konzeption einer Bewerbung hängt von so vielem ab:

von der eigenen Persönlichkeit
von dem Unternehmen/der Organisation
von der angestrebten Position
von den Bewerbungskonventionen.

Es ist immer leichter, den Konventionen zu folgen. Manchmal ist es wirkungsvoller, sie zu brechen. Wenn Sie die eingeschliffenen Lese- und Analyseweisen deutscher Personalverantwortlicher knacken wollen, sollten Sie schon einen triftigen Grund dafür haben. Nur, um auf sich aufmerksam zu machen? Beste Augenfänger sind immer noch die gesuchten Qualifikationen.

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© Gerhard Winkler. Hinweis: Meine Site jova-nova.com ist neutral und unabhängig. Damit es so bleibt, bitte ich Sie, jova-nova.com zu fördern. Empfehlen Sie mich weiter. Mailen Sie mir vor allem auch Ihre Anregungen, Kommentare, Erfahrungen. Gemeinsam schlagen wir die Schema-F-Bewerber!



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