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In meiner Familie gibt es eine Plaudertasche, die man gern gezielt auf unleidliche Tanten und Onkels ansetzt. Wir sind alle froh um unseren Eckbert, einen Gesprächsjoker, der auf Familienfeiern so nett und liebenswürdig eine komplette Griesgram-Ecke neutralisiert. Wenn man Eckbert in Action sieht, wird einem klar, weshalb Geschmeidigkeit eine echte Gesprächstugend ist: Verstehend zuhören. Sichtbar machen, dass man sich auf den anderen einstellt. Passend reagieren. Befolgen Sie diesen Dreierschritt auch im Jobinterview. Sie können sicher sein: Auch aus unleidlichen Jobanbietern werden Gesprächspartner, die sich mit Ihnen wohlfühlen und die sich Ihnen gern anvertrauen.

Auf meine Komplimente reagierte Eckbert, indem er einige seiner Kniffe für eine erfolgreiche Gesprächsführung preisgab: Verweil stets dort, wo du dich bestens auskennst. Lass nicht zu, dass einer seine schlechten Gedanken weiter spinnt. Heb hervor, was dich mit dem anderen verbindet. Und vergiss nicht: Ein Gespräch lebt vom Timing.

Der Zähler tickt gerade im Vorstellungsgespräch bis zuletzt. Einiges, was man als Bewerber aufgreift oder anbringt, hat in den letzten Minuten seinen vorbestimmten Platz. Im Gegensatz zum folgenlosen Familienplausch ist ein Interview mehr wie ein Match, in dem man bis zum Schlusspfiff die Chance hat zu punkten und allen Unkenrufen zum Trotz sogar noch das Spiel herumzureißen. Konsequenz für den Selbstvermarkter: Ohne einen Reservetank an Konzentration bleiben Sie liegen. Sie selbst verübeln es jedem Dienstleister, wenn sein Engagement abreißt, er auf die Uhr schaut und ihm alles sichtlich zu viel wird. Bleiben Sie fokussiert und übersehen Sie keinen Ball, den man Ihnen zuspielt.

Malen Sie sich im letzten Gesprächsdrittel nicht aus, wie Sie gleich außer Sichtweite flitzen und sich einen Suizide-Stengel anzünden, den Liebsten anrufen, sich die heiße Stirn und die Schläfen benetzen oder es gerade noch rechtzeitig auf den Topf schaffen. Denken Sie am Gesprächsende nicht an das Gesprächsende. Träumen Sie sich nicht aus dem Zimmer. Bleiben Sie präsent, hören Sie zu und entwerfen Sie dabei Ihre nächste Entgegnung, den intelligenten Einwurf, den überzeugenden Vorschlag.

Ihr Vorteil ist, dass Sie am Gesprächsende klüger sind als am Gesprächsanfang. Sie wissen weit genauer, wie sich die Organisation den Job vorstellt. Sie haben zugleich erfahren, wie man sich die Person vorstellt, die in Zukunft die Position besetzen soll. Das macht es für Sie leichter – aber nur, wenn Sie während des gesamten Jobinterviews aufmerksam und klug alle Statements gesammelt, gewichtet und im Gedächtnis behalten haben.

Sie skizzieren und korrigieren gesprächsweise Ihr Bild vom Job, von dessen Anforderungen und von der Person, die ihn erledigt. Im letzten Gesprächsdrittel legen Sie diese Skizze vor. Starten Sie ungefähr so:

„Alles in allem bedeutet die Aufgabe, dass man … Gerade in diesem Punkt könnte ich …“

„Sie haben mir den Job nahe gebracht und Sie haben ihn für mich auch attraktiv gemacht. Ich könnte vor allem da ansetzen, wo …“

Damit signalisieren Sie eine ganze Menge: Sie haben den Job begriffen. Sie nehmen die Sorgen und Wünsche ernst. Kurzum, Sie haben verstanden. Das macht Sie glaubhaft, wenn Sie im Anschluss klar vermitteln: Sie sind von Ihrer Eignung überzeugt. Sie sind selbst interessiert. Sie haben eigene Ideen und Vorschläge.

Hüten Sie sich vor allzu viel Überschwang. Aus irgendeinem Grund gewinnen am Ende nicht die Entzückten und die Euphoriker unter den Jobkandidaten. Rufen Sie darum keinesfalls aus: „Der Job ist wie für mich gemacht“ oder: „Das ist genau das, was ich immer gesucht habe.“ Wann immer Sie der Gegenseite signalisieren: „Sie können gar nicht anders, als mir den Job zu geben,“ wird man sich überlegen, ob man nicht doch anders kann.

Wann ist aber der beste Moment, um ein Fazit zu ziehen? Auf keinen Fall verabschieden Sie sich mit einem längeren Resümee. Beim Händeschütteln mag macht man nicht viele Worte. Wenn Sie im letzten Gesprächsdrittel keine Gelegenheit finden, dann ist Ihr Stichwort die Aufforderung: „Haben Sie denn noch Fragen an uns?“ Natürlich haben Sie noch ein paar letzte Fragen. Doch bevor Sie die stellen, fassen Sie eben das Gespräch zusammen und präsentieren Sie sich noch einmal als die Person, der man gern vertraut und der man den Job unbesorgt zutraut.

Apropos Fragen: Dass man insbesondere dann im Gespräch keinen egozentrischen Standpunkt einnimmt, wenn die Falle deutlich sichtbar vor einem aufgebaut ist, habe ich bereits in meinem Interview-Helfer Anders antworten erklärt. Nur die Kleingeister richten die ominösen eigenen Fragen auf Gehalt, soziale Leistungen, Arbeitszeit- und Urlaubsregelung, Kantinenessen für Veganer und den Abstellplatz für das teure TCM-Bike. So etwas regelt man im Zuge der Vertragsverhandlung – es ist sinnlos, darüber zu reden, solange die Gegenseite nicht klar ausgesprochen hat, dass sie hier und jetzt konkret über die Jobbedingungen verhandeln will.

Hilflose Bewerber stellen Fragen, deren Antwort sie ganz sicher schon wissen oder auf deren Antwort sie mittels einer kurzen Firmen-Recherche selbst hätten kommen können. Klären Sie als Job-Profi dagegen die Punkte ab, die Ihnen möglicherweise einmal den beruflichen Alltag zur Hölle machen:

Wo stehe ich im Team (in der Abteilung – im Betrieb)? Wer gibt mir Weisungen? Wem gegenüber bin ich weisungsberechtigt? Ist der Jobtitel auch mit den entsprechenden Befugnissen und Zuständigkeiten ausgestattet? (Ist dies auch schriftlich festgehalten? Wird dies auch gegenüber den Mitarbeitern kommuniziert?) Welche Entwicklungsmöglichkeiten bietet der Job? Was werden die wichtigsten Aufgaben in der nächsten Zeit sein? Was hat der Jobanbieter an der Job-Performance des Vorgängers am meisten geschätzt? Was hat er bemängelt? Werde ich dem Team vorgestellt? Kann ich den Arbeitsplatz sehen?

Egal, welches glänzende Schuhwerk Sie tragen: Ihr Frageverhalten belegt eindeutig, ob Sie von Ihrer Grundhaltung her zum Personal gehören, das nur ausführt oder zum Pool derer, die eine Sache weiter führen.

Vergessen Sie nicht, sich am Gesprächsende darüber zu vergewissern, was als nächstes passiert. Verkündet man Ihnen salopp: „Sie hören dann von uns,“ so fragen Sie stets nach: „Innerhalb welchen zeitlichen Rahmens?“ Sollten Sie anfangs keine Geschäftskarten eingesammelt haben, erbitten Sie jetzt welche: „Dürfte ich um ihre Visitenkarte bitten?“ (Fragen Sie auch den verstockt schweigenden Dritten, dessen Funktion Sie bis jetzt nicht so recht durchschaut haben.)

Sobald Sie wieder zu Hause sind - spätestens am Tag danach - bedanken Sie sich artig per Mail für das Gespräch. Die Adressen stehen auf den Business-Kärtchen. Meine Anregungen, wie man per Dankbriefchen einen Jobanbieter verzaubert, finden Sie auf dieser Web Site. Mehr Informationen zum Thema Jobinterview in Anders antworten.

Anders antworten

Ostrach 11 - 05 - 04

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