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| Bewerbung - Praxisbeispiele | ![]() |
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Halb rechnet man ja schon mit bösen Fragen. Sie treffen einen oft, wenn man sowieso auf dem Prüfstand steht. Dann gilt es, sich zu behaupten und vor allem vor Zeugen und Zuhörern das Gesicht zu wahren. Ab und zu gerät jeder, der als Vermarkter für ein Produkt oder in eigener Sache auftritt, unter schweren Beschuss. Mitten in der schönsten Überzeugungsarbeit durch eine persönlich gehaltene Unterstellung aus dem Tritt gebracht zu werden: Dagegen entwickelt man als Vermarkter in eigener Sache seine eigenen Abwehrroutinen. Gesprächspartnern fallen wie von selbst kleine und große Gemeinheiten ein, um ihre Überlegenheit, ihre Machtposition, Ihre Verfügungsgewalt vorzuführen. Oder sie signalisieren einem, dass man nicht dazugehört und dass man außen vor zu bleiben hat. Im Jobinterview will der Fragesteller vielleicht nur prüfen, wie sattelfest jemand in seinem Metier ist. Gerade, wenn das Gespräch zum beiderseitigen Entzücken ablief, ist die jähe Stressfrage kein Ausbruch von Feindseligkeit, sondern sogar ein verstecktes Kompliment. Man traut Ihnen bereits zu, dass Sie stressresistent und hellwach sind. In so einem Fall nutzt man als tüchtiger Leistungsanbieter die Chance, kaltblütig, besonnen und beherrscht zu reagieren. Personaler bohren aber gnadenlos nach, wenn sich der Jobkandidat Blößen gibt oder wenn sich seine Rede ganz und gar nicht mit seinen schriftlichen Äußerungen deckt. Im Jobinterview mit einem Profi gilt: Tut der Personaler allzu vertraulich, dann sollten sich Ihre Nackenhaare aufstellen. Greift er Sie frontal an, dann weichen Sie flink aus, blocken Sie energisch ab oder servieren Sie hart zurück. Wie hart, das hängt davon ab, wieviel Härte Ihr Job verlangt. In einer Gesprächssituation, die unklar ist, brenzlig oder gefährlich, brauchen Sie jedenfalls einen kühlen Kopf, beste Manieren und eine flinke Zunge. Jedes Gespräch lässt sich aber auch abbrechen oder vertagen. Man zieht den Ausstieg in Erwägung, wenn der Dialog heillos festgefahren ist oder wenn sich die Gegenseite fortgesetzt unfair verhält. Manchmal stößt man auf taube Ohren. Auch dies ist ein triftiger Grund für einen vorzeitigen strategischen Rückzug. Ersparen Sie sich alle Zeitverschwendung und dulden Sie keine fortgesetzten Demütigungen. Bewerben ist Arbeit und für Ihre guten Arbeitsbedingungen sind Sie allein verantwortlich. Mögliche Kunden darf man nie ganz abschreiben, unmögliche Jobanbieter immer. In ein Gespräch geht letzten Endes man wie in einen Marathon: Nur weil das Ganze vielleicht sehr hart und schmerzhaft wird, braucht man noch lange nicht ans Aussteigen denken. Aber bevor man ernsthaft zu Schaden kommt, bricht man eben doch ab. Beachten Sie insbesondere im Jobinterview: Nicht jeder Stellenanbieter ist ein Personalprofi und nicht jeder Profi verhält sich immer korrekt. Die Leute fragen, was ihnen durch den Kopf geht. Sie können als Jobkandidat auch keinem verbieten, unangenehm zu werden. Aber Sie können mit ein bisschen Gesprächsvorbereitung jedem Stresstester und jedem fiesen Gesprächspartner Paroli bieten. Und hier sind die härtesten Unterstellungen und Vorwürfe: ![]() Böser Vorwurf #1 Wie soll man denn glauben, dass Sie kompetent sind? Typischerweise schließt sich der Einwurf unmittelbar an Ihre muntere Aufzählung der bisher erbrachten Leistungen, Stärken und Erfolge an. Jetzt nicht ratsam: beleidigt darauf hinzuweisen, dass Sie ja soeben Ihre Kompetenz ausführlich dargelegt haben. Antworten Sie: Sie prüfen mich gerade auf Herz und Nieren, haben bereits meine Zeugnisse studiert und werden hoffentlich noch mit meiner Referenz, Frau Bonafide Kontakt aufnehmen. Was ich alles für Sie tun kann, kann ich Ihnen aber letztlich nur beweisen, wenn ich für Sie arbeite. Böser Vorwurf #2 Sie sind viel zu teuer. Damit würdigt die Gegenseite immerhin, dass man nicht schlecht ist. Man hat sich als Bewerber gut präsentiert und sich bereits schon über die Aufgabenstellung und die allgemeinen Rahmenbedingungen verständigt. Man hat auch auf Aufforderung frank und frei seine Gehaltsvorstellung genannt. Sofort hört man, dass man damit zu viel verlangt. Spontane erste Reaktion oder eher ein automatischer Abwehrreflex? Sie gehen besser nicht davon aus, dass Jobanbieter in Finanzfragen irgendwie gefühlsmäßig oder unüberlegt reagieren. Rechtfertigen Sie jetzt weder Ihre Gehaltsangabe noch geben Sie Ihre Position auf: Sie haben bereits klar gemacht, wieviel Sie wert sind. Halten Sie Ihre Stellung. Sagen Sie: Wir haben ein sehr angenehmes und sehr spannendes Gespräch geführt und wir haben dabei herausgefunden, dass ich für Sie in fast jeder Hinsicht wie gerufen komme. Ich verstehe, dass Sie jetzt Zeit brauchen, um das alles zu verarbeiten, einzuordnen und mit der Performanz meiner Mitbewerber zu vergleichen. Lassen Sie uns doch über die Vergütungsfrage in der nächsten Runde sprechen. Falls man Ihnen vorhält, dass es andere gibt, die es billiger machen, antworten Sie knapp, dass es Sie auch sehr wundern würde, wenn dies nicht der Fall wäre. In Ihrem Beruf ist Preis eben ein wichtiger Indikator für Leistung. Ich mache nicht meinen Preis. Der Markt macht ihn. Wenn Sie mich unterbewerten, kommt jemand anders und zahlt mehr. Böser Vorwurf #3 Sind Sie nicht eigentlich viel zu alt für uns? In jeder geschäftlichen Verhandlung bleibt man höflich. Weit über die Grenze der Selbstverleugnung hinaus. Jeder verständige Erwachsene rät Ihnen darum dringend von frechen Antworten ab. Wer im Auswahlgespräch unhöflich reagiert, gibt sich nicht nur eine Blöße. Er wird sich auch später im Job schlecht benehmen. In Firmen werden aber die Kläffer und Beißer immer weniger toleriert. Das Verhaltensmodell heißt nicht mehr Bullterier, sondern Pudeldame. Dennoch möchte man auch als zahmer Pudel die Altersfrage am liebsten so kontern: Wovor haben Sie eigentlich Angst? Dass Sie mich tot am Schreibtisch finden, wenn Sie morgens das Office betreten? Oder Sie möchten eine kleine verbale Ohrfeige austeilen: Ich bin jedenfalls alt genug, um in allen Jobforen zu empfehlen, dass man sich in Ihrer Firma erst bewirbt, wenn Sie hier weg sind und sich ein rationales Personalmanagement etabliert hat. Bleiben Sie bitte höflich, verlieren Sie unter keinen Umständen den Kopf und bemerken Sie nicht: Aha. Vor mir sitzt der alte graue Leitwolf, der ein Rudel scharfer Jungwölfe anführt. Wird Ihnen nicht mulmig, wenn die alle so dicht an Ihrem Hintern kleben? Falls Ihnen das doch herausrutscht, berichten Sie mir anschließend, wie Sie da lebendig wieder herausgekommen sind. Streiten Sie sich also nicht. Faken Sie aber bitte auch keine Jugendlichkeit. Signalisieren Sie, dass Sie das Handtuch werfen: Sie schauen nicht auf meine Eignung. Sie schauen nicht auf meine Leistung. Sie schauen auf eine blanke Äußerlichkeit, an der ich nichts ändern kann. Sorry, aber wir haben keine gemeinsame Gesprächsgrundlage. Böser Vorwurf #4 Ihr Know-how ist ziemlich veraltet. Immerhin hat Ihr Wissen Sie bis zum Vorstellungsgespräch gebracht. Egal, Ihre Aufgabe besteht jetzt darin, ein Maximum an Information herauszuholen: Können Sie das bitte präzisieren? Wo fehlt es genau? Oder: Bitte erläutern Sie mir, auf welche Methoden und Arbeitsweisen man bei Ihnen zurückgreift. Vielleicht bemängelt man nur das Fehlen eines speziellen Wissens, das Sie sich noch kurzfristig aneignen können. Sollten Sie jedoch fachlich nicht auf dem aktuellen Stand sein, hilft nur eine Reevaluation Ihres beruflichen Standorts. Das schöne Wort Reevaluation meint, dass Sie schleunigst aufwachen, sich die Augen reiben und sich mit der Wirklichkeit des Jobmarkts befassen. ![]() Böser Vorwurf #5 Sie sehen nicht so aus, als ob Sie durchhalten. Im Film sagen das dickliche Männer zu schmächtigen Frauen. Im Leben hören das übernächtigte und desinteressiert wirkende Schulabgänger von leidgeprüften Personalern. Vielleicht fasst man damit auch einen Gesprächseindruck zusammen: Sie haben sich dann als fahrig, unkonzentriert, überaus ängstlich, skeptisch oder eben als Schwächling gezeigt. In den meisten Fällen korrespondiert der Gesprächseindruck auch mit entsprechenden Warnhinweisen im Lebenslauf: Abgebrochene Ausbildungen, kurze Beschäftigungsverhältnisse, rechtfertigende Kommentare signalisieren den Mitarbeiter, dem immer alles gleich zu viel wurde. Am besten, Sie kontern mit einer wahren Begebenheit und schildern Ihr Durchhaltevermögen so konkret wie ausdrucksstark. Falls Sie bisher in der Tat nie etwas bis zum Ende durchgestanden haben, sagen Sie: Ich habe mich früher manchmal nicht sehr verantwortungsbewusst verhalten, aber ich bin mittlerweile erwachsen geworden und habe begriffen, worauf es ankommt. Bitten Sie um eine Chance, wenn Ihre Job-Chancen völlig selten geworden sind. Gehen Sie einen Jobanbieter aber nur dann an, dass er etwas Gutes für Sie tut, wenn Sie ihm zugleich ehrlich angeben, was er von Ihnen dafür zurück erhält. Böser Vorwurf #6 Sie wirken nicht sehr vertrauenswürdig. Einen Vorwurf versucht man als ehrliche Haut spontan zu entkräften: Andere Menschen halten mich für überaus verlässlich. Unser Kaplan vertraut mir sogar den Schlüssel zur Sakristei an. Fordern Sie stattdessen eine genauere Erklärung: Was veranlasst Sie zu diesem falschen Eindruck? Nichts schafft außerdem mehr Vertrauen, als wenn man jemandem konstant zuhört. Also fragen Sie zuerst zurück: Was befürchten Sie, was eintritt, wenn Sie mir Ihr Vertrauen schenken? Und dann hören Sie interessiert zu. Schütteln Sie ab und zu den Kopf, aber unterbrechen Sie die Rede nicht. Greifen Sie auf Stichworte zurück, wenn Sie in Ihrer anschließenden überzeugenden Entkräftung aller Missverständnisse und Vorurteile das Vertrauen des Jobanbieters erobern. Böser Vorwurf #7 Wie wollen Sie je Erfolge bringen? Man heuert bevorzugt den an, der von Erfolgen auf dem ausgeschriebenen Aufgabengebiet zu berichten weiß. Und falls Sie noch ein unbeschriebenes Blatt sind? Dann bringen Sie eben Lern- und Prüfungsleistungen oder ansehnliche Leistungen in einer anderen beruflichen Sparte. Tatsächlich haben Sie aber in ihrem Leben immer alles falsch gemacht. In diesem traurigen Fall fassen Sie die Frage, wie Sie je Erfolge bringen wollen, am besten wörtlich auf und erwidern: Ich werde die Augen aufhalten und von den erfahrenen Kollegen lernen. Und da Erfolg von Engagement kommt, werde ich mich mit maximaler Kraft einsetzen und das auch solange durchhalten, bis sich mein Erfolg einstellt. Leider haben Sie aber bisher nicht nur alles vergeigt und versiebt, sondern man hat aus Ihnen auch noch den letzten Rest an beruflichem Selbstbewusstsein herausgemobbt. Wer nach Erfolglosigkeit riecht, dem ist auch der Hemdkragen umgeknickt, dem glänzen nicht die Lederschuhe und dem sackt der ganze Körper ab. Sie fragen sich ja fortgesetzt selber: Warum bin ich so verdammt erfolglos? Fragen Sie sich weiter: Und wieso seh ich dann auch noch dementsprechend aus? Gehen Sie nach Hause. Überdenken Sie Ihre Strategie. Muss es ein Job sein, in dem Sie täglich zum Rattenrennen antreten? Oder wollen Sie sich nicht eher an etwas setzen, das Sie routinemäßig abarbeiten können? In jedem Fall trainieren Sie sich vor dem Spiegel das erfolglose Aussehen und Auftreten ab. Ein Looser-Gesichtsausdruck ist genauso wenig naturgegeben wie eine ausdruckslose Stimme, eine fahrige Haltung und ein matter Händedruck. Böser Vorwurf #8 Sie wirken nicht sehr sicher. Man hat mir gesagt, das ändert sich von allein, wenn man erst einmal zwanzig ist. Tipp für alle älteren Semester: Sofort Körper und Gesichtszüge straffen, sich aufrecht und gerade hinsetzen, kernig lächeln, dem Gegenüber fest in die Augen schauen und fest dagegen halten: Ich bin sicher, dass der Eindruck täuscht. In so einem Moment einem Jobanbieter zu erklären, woran das liegt, dass man nicht ganz sicher wirkt: Das bestärkt ihn nur in seinem Urteil, dass man sicher nicht die richtige Person für den Job ist. Vom unsicheren Auftreten zur fachlichen Unsicherheit zieht jeder Jobanbieter eine schnurgerade Linie. Er kann gar nicht anders und er hat ja auch Recht. Böser Vorwurf #9 Was Sie vorbringen, überzeugt mich überhaupt nicht. Fallen Ihnen denn keine besseren Argumente ein? Haben Sie das Herz zu sagen: Gehen wir doch noch einmal Punkt für Punkt durch, was für mich spricht Sie suchen jemanden, der Ich biete Ihnen Oder wollten Sie tatsächlich in diesem Augenblick, trotz akuter Sauerstoffunterversorgung Ihres überforderten Gehirns, nach besseren Argumenten suchen? Sie gehen mit einer Botschaft ins Jobinterview. Sie passen diese Botschaft im Gesprächsverlauf vielleicht an. Aber Sie erfinden sich nicht mitten im Job-Gespräch selber neu. ![]() Böser Vorwurf #10 Wie wollen Sie mir beweisen, dass Sie was taugen? Drücken Sie mir einen Spaten in die Hand und zeigen Sie mir das Beet, das ich für Sie umgraben soll. Man kann etwas, das in der Zukunft angesiedelt ist, nicht hier und jetzt beweisen. Fügen Sie deshalb hinzu: Sie haben es ja selbst in der Hand, dass ich Ihnen meine Tauglichkeit beweise. Böser Vorwurf #11 Tut mir leid, aber Sie scheinen nicht viel von Ihrem Job zu verstehen. Man mag kaum glauben, dass so eine Frage im Jobinterview fällt. Welcher Teufel reitet wohl jenen anwesenden Dritten, der sich schon mehrfach in die Gesprächsführung des Personalers eingemischt hat und der jetzt diesen ganz dummen Einwand äußert? Diese unangenehme Person ruiniert Ihnen noch Ihr ganzes Interview! Fixieren Sie den Menschen und sagen Sie: Erklären Sie mir bitte Ihr Jobverständnis. Worauf Sie zu hören kriegen, das müssten Sie aus der Jobbeschreibung schon kennen, falls Sie die noch in Erinnerung haben. Sie antworten: Sind Sie ganz sicher, dass Sie auch den richtigen Lebenslauf vor sich liegen haben? Dann würden Sie bitte noch einmal meine BERUFLICHE PRAXIS überfliegen? Inwiefern möchten Sie die in Frage stellen? Vielleicht ist der Quälgeist ja nur ein Praktikant von der Personalerakademie. Falls der doofe Dritte aber Ihr zukünftiger Fachvorgesetzter werden soll, ist die Sache schon gelaufen. Sie werden nicht für ihn arbeiten. Er hat es früh signalisiert. Böser Vorwurf #12 Haben Sie überhaupt eine Vorstellung, worum es geht? Vor allem, falls Sie weitere Zuhörer haben, antworten Sie: Klar. Wir treiben fünf Tausend Rinder von El Cerrito nach Alameda County. Und dann setzen Sie nach, dass Sie das Unternehmen und die Jobbeschreibung verstanden haben und fassen zusammen. Das rettet Sie nicht, wenn Sie vor einer Viertelstunde den Einführungstalk des Personalers verschlafen haben. Dort hat er Ihnen genau erklärt, was er von Ihnen möchte. Davon abgesehen: Es ist Ihr Job, den Jobanbieter besser zu verstehen als er sich selbst. Böser Vorwurf #13 Sie scheinen nicht zu wissen, was Sie wollen. Wenn Sie das hören, haben Sie den Personaler bereits auf die hvP gebracht. Dort sitzt er auf der höchsten vorhandenen Palme und spricht genervt das aus, was er sonst höflich für sich behält: Bewerber sind meist so schrecklich vage. Glauben Sie mir: Eindeutigkeit zählt zu den sieben Bewerbertugenden. Zählen Sie jetzt positiv, unmissverständlich und eindeutig auf, wie Sie sich den Job und die Rahmenbedingungen vorstellen. Sonst bewirft Sie der Personaler als nächstes mit Kokosnüssen. Böser Vorwurf #14 Jedes Mal, wenn man von ihnen Flexibilität erwartet, schalten Sie auf stur. Ich bin Ihnen bisher in allen Punkten entgegengekommen. Aber ich kann nicht über meinen Schatten springen. Eine Alternative: Ich respektiere alles, was Sie für nicht verhandelbar erklären. Und in dieser einen Sache kann ich jetzt leider selbst nicht anders. Deuten Sie um: Der Job verlangt doch jemanden, der hart verhandelt. Oder wollen Sie, dass ein Knickstengel für Sie Geschäfte macht? ![]() Böser Vorwurf #15 Sie sind anscheinend doch nicht sehr belastbar. Wer sich so äußert, hat von Ihnen im Gespräch zu viele nein kassiert. Wenn Sie schon in der Gesprächsvorbereitung merken, dass Sie auf wichtige Wünsche und Forderungen ablehnend reagieren werden, dann sagen Sie besser das Gespräch ab. Belastbarkeit ist keine Floskel. Manches im Job mag eine Zumutung sein, aber man wird auch nicht für Anmutungen bezahlt. Gegen Ihr Armes-Hascherl-Image kämpfen Sie an, indem Sie sagen: Das wundert mich jetzt. Ich sehe in dem Job gar keine besondere Last. Sieben Aufgaben auf einen Streich zu lösen, das machen Sie doch mit links. Böser Vorwurf #16 Sie haben ja anscheinend null Erfahrung. Antwort: Sie waren klug genug, ein Gespräch zu vereinbaren. Wieso verlässt Sie gerade jetzt Ihr Instinkt? Sie verstehen die Aufgabenstellung. Sie bringen alles mit, um sie zu lösen. Sie machen es aber nicht in jedem Punkt so, wie es sich Ihr Gegenüber vorstellt. Fragen Sie ihn, ob er lieber will, dass man seine Auffassung bestätigt oder dass man den Job gut erledigt. Böser Vorwurf #17 Sie haben ja gar keine Referenzen. Au weia. Sie denken, Sie hätten doch einen Ukrainer dafür zahlen sollen, dass er Ihnen bezeugt, seine ganze Belegschaft wäre von Ihnen trainiert worden. Zu spät. Also nimmt Ihre Stimme die Klangfarbe von trockenem Martini an: Sie erkennen doch Qualität auf den ersten Blick. Und alle Informationen über mich haben Sie auch. Oder Sie antworten: Auf Ihrem Tisch liegen keine Referenz, aber Sie haben ein gutes Gefühl. Ich habe das auch. Ich weiß nicht, wie Sie das bewerten, aber ich vertraue Ihnen voll. Das ist jenseits jeder Logik, aber es ist Herzmassage pur. Sagen Sie keinesfalls: Ich bin leider bloß selbstreferentiell. Böser Vorwurf #18 Sie sehen nicht sehr gesund aus. Ich habe mich vielleicht gestern abend beim Rudern ein bisschen übernommen. Wissen Sie, in meinem Vierer ist man sehr ehrgeizig. Die Antwort rettet Sie vielleicht, aber wenn ein Jobanbieter Ihnen so etwas sagt, dann fürchtet er ernsthaft, dass Sie tatsächlich ausfallen werden. Einige famose Menschen fassen das Stichwort gesund in der Tat als Aufforderung auf, von der eigenen Befindlichkeit zu sprechen. Ja, tun Sie das! Krempeln Sie das Hosenbein auf und zeigen Sie alle Narben. Sprechen Sie unbedingt auch von Ihrer Heilung durch die rollierende Bachkieseltherapie. Böser Vorwurf #19 Sie wirken nicht sehr professionell. Selbstvermarktung ist wirklich nicht meine Kernkompetenz. Glauben Sie mir, ich leide mehr darunter als Sie. Die Antwort ist aufrichtig, Sie rutschen damit auf die Seite des Jobanbieters und Sie fordern sein Verständnis ein. Was will man mehr. Mein Trost für Anfänger: Selbstvermarktung und Präsentation sind 90% Praxis, 9% eigene Manöverkritik und 1% Anregung von außen. Je mehr man das betreibt, desto normaler kommt es einem vor. Am Ende sitzen Sie im Zug, sprechen wildfremde Leute an und verabschieden sich mit Ihrer Visitenkarte. So waren Sie früher nicht, aber früher waren Sie auch der Ansicht, man dürfe nicht mehr verdienen, als es die Gesellschaft erlaubt. Böser Vorwurf #20 Sie stehlen mir eigentlich nur meine Zeit. Winklers Gesetz vom Ende der Höflichkeit lautet: Wenn das eigene Bemühen gegen Unendlich strebt und zugleich die Zufriedenheit des Gesprächspartners gegen Null, dann kippt die Höflichkeit Knall auf Fall um wie ein Stuhl, den man beim Aufstehen umstößt. Und dann sagt man: Nicht nur das. Ich stehle Ihnen nicht nur Ihre Zeit, ich stelle Ihnen auch noch meine Fahrtkosten in Rechnung. ![]() Ostrach, 26.04.2004 Seitenanfang |
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