Sind Sie beruflich auf dem aktuellen Wissensstand? Entsprechende Warnsignale überhören viele wackere Berufstätige, die sich voll und ganz auf das Tagesgeschehen konzentrieren. Noch mehr Mitarbeiter verpassen, was die Stunde schlägt, weil sie es sich gerade im Job so schön gemütlich gemacht haben. Doch die Zeiten ändern sich schneller als wir uns mit ihnen:
„Ich arbeite seit zehn Jahren in meinem speziellen Bereich der Anwendungsentwicklung und –betreuung. Dem Unternehmen, bei dem ich beschäftigt bin, geht es schon seit einiger Zeit wirtschaftlich nicht besonders gut. Ich denke deshalb intensiv darüber nach, meinen Job zu wechseln. Allerdings gibt der Stellenmarkt in meiner besonderen Sparte nicht mehr viel her. Ich möchte auch in Zukunft mithalten können und auf anderen Systemen mit aktuellen Programmiersprachen Anwendungen entwickeln. Wie soll ich das aber am besten angehen?“
Statt arbeiten und beten, dass man dabei im Lauf der Zeit nicht hinter die mit aktuellem Wissen dotierten Einsteiger zurückfällt, hilft nur Arbeiten und Lernen. Am besten, man sucht sich möglichst Arbeit, bei der man dazulernt. Der Unterschied zwischen Jobanforderungen noch nicht ganz oder sie nicht mehr abdecken ist wie die Differenz zwischen jemanden noch nicht einstellen und nicht mehr beschäftigen. Sie könnten das ignorieren, die Wirklichkeit kurzerhand umdeuten oder erst einmal versuchen, die Lage zu peilen.
Ab zum Kreuzverhör
Stellen Sie sich dem Fragenkatalog. Formulieren Sie dazu immer auch eine Begründung für Ihr Ja oder Nein. Belügen Sie sich nicht selbst, reden Sie Klartext. Sprechen Sie über die hier angeschnittenen Themen auch mit Ihrem Partner, mit dem Kollegen, mit dem man offen darüber reden kann, vielleicht sogar mit Ihrem Vorgesetzten. Wenn Sie sonst keinen interessierten Zuhörer und Gesprächspartner haben, dann schreiben Sie Ihrem Bewerbungshelfer!
Recherchieren Sie in Fachzeitschriften, Blogs, Foren, Online-Communities. Halten Sie sich den nächsten verregneten Sonntagnachmittag frei. Sie werden ihn brauchen. Plündern Sie zunächst den lokalen Bahnhofskiosk. Besorgen Sie sich die Ausgaben aller verfügbaren überregionalen Tageszeitungen. Suchen Sie sämtliche attraktiven Stellenanzeigen heraus, die für Sie mangels fachlicher Eignung gerade nicht mehr beziehungsweise leider nicht mehr in Frage kommen. Recherchieren Sie zugleich auch in möglichst vielen Jobbörsen nach Jobangeboten. In einem dritten Schritt gleichen Sie die aktuellen Online-Informationen der Berufsberatung über Ihr Berufsfeld ab. Dazu googlen Sie Begriffspaare wie
Drucken Sie sich alle Infos aus.
Je breiter Ihr Überblick, desto objektiver das Gesamtbild. Notieren Sie am Ende Ihrer Recherche sämtliche von den Stellenanbietern als notwendig und erwartet oder als wünschenswert deklarierten Voraussetzungen. Erstellen Sie eine Rangliste aller in Ihrer Sparte verlangten und von Ihnen derzeit nicht erfüllbaren Anforderungen. Benutzen Sie dazu das PDF Stellenofferten - Was wird verlangt oder ein selbst entworfenes Raster, in dem Sie zum Beispiel notieren:
Ihr erstes Ziel war es, auf dem Jobmarkt die aktuellen Anforderungen zu identifizieren. Bravo! Sie haben das bald geschafft - selbständig, selbstmotiviert und selbstredend, ohne bei Ihrer Seitenschau im Sportteil oder im digitalen Konzertsaal der Philharmonie hängen zu bleiben.
Zur Auswertung Ihrer Recherche:
Sie haben hauptsächlich Stellenofferten gefunden, die ziemlich genau auf Ihr derzeitiges Profil passen. – Gut für Ihr Selbstbewusstsein und gut für alle Unternehmen, bei denen Sie sich bewerben werden.
Sie haben zwar Jobangebote für Ihre Position gefunden. Die beschreiben jedoch meist Anforderungen, die Sie derzeit nicht erfüllen können. – Und das in Ihrem erlernten Beruf? Quali-Alarmstufe Rot!
Sie haben kaum Angebote gefunden, auf die Ihre Suchkriterien passen. – Das kann verschiedene Gründe haben. Doch nur einer davon wäre OK: Falls Firmen es aufgegeben haben, per Inserat nach so qualifizierten Top-Leuten zu suchen, wie Sie es sind. Ansonsten: Quali-Alarmstufe Rot!
Quali-Alarmstufe Rot bedeutet für Sie: Lebenslauf und Kompetenzprofil prüfen und kommentieren lassen. Defizite klar benennen. Gegenmaßnahmen entwerfen und prüfen. Den Weiterbildungsmarkt auskundschaften und Angebot auswählen. Einen Finanzier suchen. (In der Regel landen Sie da bei sich selbst.) Sich in das Lernabenteuer stürzen!
Jetzt ist Zeit zum Handeln. Sparen Sie sich Zerknirschtheiten. Sie wetteifern nicht um den Hätte-Ich-Doch-Preis des Deutschen Schlafmützenverbands. Hätten Sie Ihre Fachzeitschriften studiert, wären Ihnen die Entwicklungen Ihres Metiers nicht verborgen geblieben. Hätten Sie die Zeit von letzter Woche gelesen, so wüssten Sie, welche neuesten Erkenntnisse es gibt über das autonome Jobsubjekt, das sich immerfort selbst erfindet. Doch auch, wenn Sie mit Ihrer Innovationsfreude die Leute vom Gründerzentrum schlagen: Ihr Ziel ist nicht Anpassung um jeden Preis. Hauptsache, Sie schaffen es, sich in einer wandelnden Welt verlässlich zu orten.
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Text zuletzt überarbeitet: Berlin, 26.3.2009