An die Arbeit! - Ein Ratgeber von Gerhard Winkler

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FREI HANDELN

Sie haben Ihren Teil geleistet. Unbestechlich wie ein Analyst haben Sie Ihr Ich-Audit durchgeführt und Ihre Selbstprüfung betrieben. Ihr Profil können Sie, wenn es sein muss, auch im Dunkeln aufzeichnen. Ihre fachlichen Fähigkeiten und Ihr berufliches Wissen haben Sie ja gewissenhaft notiert (Arbeitsblatt Bewerberprofil). Auf Anfrage sind Sie in der Lage, kurz und präzise zu beschreiben, welche berufsbezogenen Erfahrungen, Leistungen und Erfolge Sie auszeichnen. Über Ihre positiven Eigenschaften und Verhaltensdispositionen können Sie ebenso bestimmt sprechen wie über Ihre beruflichen Wünsche und Ziele. Natürlich verfügen Sie auch über klare Entscheidungskriterien, was den künftigen Arbeitgeber betrifft. Mögliche Beschäftigungsorte, Einsatzschwerpunkte, betriebliche Größe, hierarchische Position, Gehalt, Aufstiegsmöglichkeiten ... Kurzum, Sie wissen, was Sie können. Auch was Sie wollen, ist Ihnen völlig bewusst. Unklar ist Ihnen nur mehr, wie Sie es bekommen.

Diese Inspektion hat Sie euphorisch und ängstlich zugleich gemacht. Sie schweben halb, halb hängen Sie in der Luft. Sie suchen einen guten Landeplatz und hoffen auf ein Empfangskomitee. Ob Sie einen Ausbildungs- oder einen Arbeitsplatz besetzen wollen, ob Sie sonntags morgens gemütlich den Jobteil der Frankfurter Allgemeinen durchblättern oder himmelweit von allen Jobinformationen entfernt auf der Straße stehen: Immer denken Sie lokal:


Wo könnte meine Arbeit etwas zum Guten wenden?
Wo könnte mein Einsatz einen Mangel ausgleichen?
Wo könnte mein Beitrag ein Team erfolgreicher machen?


Woher soll ich das wissen, denken manche.

Wohin es gehen soll, das verdrängt man gern. Irgendwann wird eben das passende Angebot auf einer Stellenseite oder in der Bildschirmmaske erscheinen. Irgend ein Engel vom Amt oder sonst ein professioneller Retter in der Not wird irgend etwas Konkretes tun. Man hat sich ja schon bis an den Rand des Dienstwegs geschleppt. Jetzt muss nur einer vorbeikommen, anhalten und den Fall aufgreifen. Viele Stellen-Suchende sind vollauf damit beschäftigt, ihre Arbeitslosigkeit als Trauma zu durchleben oder in eine gereizte Passivität zu verfallen. Es heißt: Die gerade Arbeit haben, geben nichts davon ab und die Arbeit geben, tun so, als gäbe es keine Vakanzen. Manche Arbeitslose sind stolze Reiter ohne Pferde. Die Gesellschaft oder die Wirtschaft soll ihnen gefälligst ein Pferd zuführen, sie in den Sattel hieven und im Passgang voltigieren. Man kann sich aber auch selbst aufmachen und sich ein Pferd besorgen. Man kann gehen, wenn es gerade nicht anders geht. Und man kann sich nicht zueletzt selbst vor den Karren spannen, wenn umständehalber kein Gaul frei ist.

Arbeit zu finden ist eine Herausforderung an das Problemlöseverhalten. Zugleich ist es auch Glücksache - wobei jeder Tüchtige ziemlich sicher früher oder später Glück hat. Vielleicht schafft man es morgen, vielleicht erst in einem Jahr. Die zwölf Monate sollen dann aber keine verlorene Zeit sein. Machen Sie sich an die Arbeit und trainieren in aller Ruhe handlungsgerichtete Stärken, die Sie auch sonst im Leben gut brauchen - zum Beispiel


Findigkeit - Lösungen auch auf unkonventionelle Weise suchen

Routine - entmutigende Wechselfälle gelassen überstehen

Einfallsreichtum - nicht bloß wiederholen, was andere tun

Initiative - Eigene Interessen energisch vertreten

Jeder kennt Leute, die das Beste aus sich gemacht oder unkonventionelle Erfolgswege gefunden haben. Der ehemalige PH-Student, der in die USA ausgewandert ist, sich dort nach einiger Zeit als Dachdecker selbständig gemacht hat - auf den Dächern von Okland bis Albany ist er sitting on top of the world. Der Fußballspieler, der sich gegen Karriereende langsam sein Geschäft als Schulvernetzer aufbaut. Der Weidenkorbflechter, der alles vom Großvater abgeschaut hat und wieder aufnimmt, was sein Vorfahr aufgegeben hatte. Es gibt mehr Arbeitswelten zwischen Schule und Alter, als unsere Fernsehweisheit sich träumen lässt.

Auch Sie würden lieber schon heute aktiv werden und endlich handeln? Ihre Aufgabe ist klar: Gesprächsgelegenheiten suchen, ausbauen, pflegen und nutzen.



 
Sie glauben an so vieles. Glauben Sie einmal an sich!

Dabei sind Sie nicht allein. Bauen Sie auf die Unterstützung im Familien- oder Freundeskreis. Tun Sie sich mit Leuten zusammen, die Sie und Ihre Absichten positiv verstärken. Lassen Sie sich nicht von Kassandras, Unken und freiberuflichen Katastrophenszenaristen entmutigen. Das Ziel, Ihre materielle Existenz durch eigene Arbeit zu sichern, haben Sie sich schon gesetzt. Sich sachkundig zu machen, Handlungssicherheit zu erwerben und Handlungsdruck aufzubauen, das streben Sie mit der lektüre dieser Seiten an.

Foto auf dieser Seite von Gerald Lampe

(Revision 09.2002 © Gerhard Winkler, jova-nova.com))