An die Arbeit! - Ein Ratgeber von Gerhard Winkler
 

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TELEFONAKTION

Als geborener Kontakter beweisen Sie allemal situative Sicherheit, verkaufstarkes Verhandlungsvermögen und irritationsfreies Improvisationstalent. Als verlorener Kandidat sind Sie unsicher, gehemmt und haben Schwierigkeiten, sich verständlich zu machen. Egal, ob Sie lieber auftreten oder abwinken: Sind Sie dabei, einen Job zu suchen und wissen Sie, wie man ein Telefon bedient, dann nehmen Sie's in die Hand und rufen Sie an.

Denn entweder wenden Sie dann an, was Sie schon gut draufhaben oder Sie erlernen es mit der Zeit. Kein Mensch muss talken wie ein Meister. Jeder Zeitgenosse hat aber die Verpflichtung, freundlich, artig und geläufig aufzutreten. So gesehen, gehören bei uns ganze Berufsstände in die Nachschulung der Sprachfürsorge.

Was Kontaktkümmerlinge um jeden Preis vermeiden, nämlich Ansprechen und den ersten Schritt tun, ist gleichzeitig das Einfachste von der Welt. Drei Gründe führen die Redeverweigerer an, warum sie auf keinen Fall in die Gilde der Erstkontakter aufrücken möchte:

Es fällt einem kein überzeugender Satz ein.
Man möchte nicht wirken wie ein redseliger Rentner.
Man würde es nicht ertragen, abgewiesen zu werden.

Pardon, ich sehe gerade, Sie studieren etwas unschlüssig diesen Text. Bitte erlauben Sie mir folgenden Tipp: Starten Sie mit einer Floskel. Überschreiten Sie kühn die Linie zwischen Nichtstun und Handeln. Die unsichtbare Schwelle, die Sie spüren, trennt Sie nicht von vermintem Gelände. Es kann nichts passieren. Unser sozialer Alltag ist vollgestellt mit derartigen Kontakt-Schranken. Gerade in der Jugend erscheint einem die Welt als ein großes, schlecht ausgeleuchtetes Labyrinth voller Stolpersteine. Die Pflicht, niemandem zu nerven, verträgt sich aber durchaus mit dem Recht, jemanden anzusprechen. Raus mit der Sprache!

Starten Sie als erster und nehmen Sie den Kontakt auf. Der größte soziale Unfall, dass man Sie brüsk und hart zurückweist, ist bewerbungstaktisch gesehen eher von Vorteil: Wer mit Ihnen nicht ins Gespräch kommen will, der ist eben von Ihrer Seite aus ein hoffnungsloser Fall. Desto mehr Zeit bleibt Ihnen eben für weitere erfolgversprechende Gespräche mit anderen.

Kluge Bewerber legen aber nicht sofort los, sondern recherchieren zunächst und setzen sich Ziele. Als Gesprächsergebnis sollte auf Ihrem Notizblock stehen:

die Einladung zu einem Interview oder

der Termin für eine Fortsetzung des Telefonats oder

Namen, Position, Telefonnummern weiterer Kontaktpersonen.

Namen und Durchwahl des besten Ansprechpartners haben Sie sich zuvor schon besorgt. Je nach Betrieb kann das ein Inhaber, ein Geschäftsführer, ein Leiter der Personalabteilung oder ein einflussreicher Mitarbeiter sein. Und wie kommt man zu einer Nummer? über Ihre persönlichen Kontakte, über Ihre Recherchen oder über einen simplen Anruf beim Pförtner. Einen telefonischen Wachhund überlisten Sie ganz einfach:

"Guten Morgen! Könnten Sie mir bitte genau sagen,
wie sich der Name Ihrer Personalleiterin buchstabiert?"

Etwas später rufen Sie noch einmal an. Oder Sie lassen sich sofort mit Frau ... verbinden. Wenn der Türsteher mehr wissen möchte als Ihren Namen, zum Beispiel die Organisisation, für die bzw. von der aus Sie anrufen, erklären Sie verbindlich, dass Ihr Name als Angabe schon genügt. In keinem Fall lassen Sie sich von der Frage und von welcher Firma? ins Bockshorn jagen:

"Es ist eine persönliche Angelegenheit."
"Geben Sie bitte einfach meinen Namen durch."

Unter Umständen haben Sie bereits vorab schon Leute aus dem Unternehmen angesprochen und die Lage sondiert, ohne jedoch Ihre Bewerbungsabsichten preiszugeben. Sehr gewitzt! Sie wenden die alte preußische Bewerbungsregel an: Jeder Sieg braucht ein Terrain. Und Ortskenntnis macht Sieger klüger.

Wann ist die beste Zeit, um anzurufen? Führungskräfte fangen bei uns oft früh an zu arbeiten. Später stecken sie gern in Besprechungen fest; nachmittags sind sie selten besser gelaunt als am Morgen. Probieren Sie es doch einmal nach 17.30 Uhr, dann ist das Verwaltungspersonal nicht mehr dazwischen geschaltet.

Neben Ihrem Telefon sollten liegen: Ihr tabellarischer Lebenslauf, die Auflistung Ihrer Fähigkeiten und Kenntnisse, Ihre Notizen über das Unternehmen (Größe, Mitarbeiter, Produkte, Märkte usw.) und Ihr Aufschrieb der drei Gründe, warum Sie ausgerechnet dort mitarbeiten wollen.

Nie spontan anrufen! Auch am Telefon zählt der erste Eindruck. Bereiten Sie sich vor, überlegen Sie und halten Sie fest, welche 'Botschaft' beim Gesprächspartner ankommen soll. Spielen Sie mehrfach (genauer: immer wieder) Dialoge durch. Einige Tips für den Gesprächsanfang:

Nennen Sie zuerst Ihren Namen.

Nennen Sie dann Ihren Beruf und geben Sie in knappen Worten
ein positives Argument aus Ihrer beruflichen Karriere.

Bitten Sie um etwas Gesprächszeit.

Zählen Sie auf, was für Sie spricht.

Fassen Sie sich dabei kurz.

Bekunden Sie darauf Ihre Bewerbungsabsicht.

Warten Sie auf eine Reaktion. Geben Sie dem Gesprächspartner Zeit.

Sollte der von Ihnen Aus- und Angewählte jetzt ganz und gar ablehnend reagieren oder sich für unzuständig erklären, bitten Sie Ihn zumindest um Adressen, um die Namen anderer möglicher Ansprechpartner oder um Tips.

Fragen, die Sie niemals stellen: Störe ich Sie im Augenblick? oder: Komme ich Ihnen ungelegen? Die falsche Reaktion leiten Sie ein mit: Hätten Sie etwas dagegen, wenn...? Zu nerven fangen Sie an mit Wendungen wie ich weiss, dass Sie ...

Analysieren Sie im Nachhinein jedes Gespräch, machen Sie Aufzeichnungen und optimieren Sie von Mal zu Mal Ihre Vorgehensweise. Nehmen Sie sich nicht bloß vor, bei nächster Gelegenheit zu kontakte. Sie und niemand sonst schaffen diese Gelegenheit. Jemanden zwanglos ansprechen zu können macht übrigens viel Spaß. Es ist, als ob man die Gabe hätte, Stumme zum Sprechen zu bringen.

(Revision 09.2002 © Gerhard Winkler, jova-nova.com)