An die Arbeit! - Ein Ratgeber von Gerhard Winkler
 
Seite wird geladen ....
9

Letztes Kapitel

Inhalt

jova-nova

nächstes Kapitel
Seite wird geladen ....
ARBEITSAMT

Die Arbeitslosigkeit ist eine Phase, die man durch strategisches Ungeschick mühelos verlängern kann. Ein strategischer Fehler: sich allein auf das Arbeitsamt zu verlassen. Fehler Nummer zwei: sich voll und ganz auf das Arbeitsamt plus Stellenangebote aus der Zeitung auszurichten. Strategischer Fehler Nummer drei: sich allein auf sich selbst zu verlassen.

Alles in allem ist die Arbeitslosigkeit eine Zeit, in der Sie sich am besten auf nichts allein verlassen.

Nebenbei bemerkt: Sie haben, egal, was man Ihnen sonntags predigt, kein elementares Recht auf Arbeit. Ganz einfach, weil es für niemanden eine elementare Pflicht gibt, als Unternehmer tätig zu werden und Arbeitsplätze zu schaffen. Die Arbeit ist auch nicht einfach da, so dass ein Arbeitsverteilungsamt sie einfach gerecht verteilen könnte.

Stimmt nicht? Sie sehen jede Menge Aufgaben? Wunderbar. Werden Sie Ihr eigener Arbeitgeber. Machen Sie sich an die Arbeit und suchen Sie sich für die Ergebnisse, die Sie produzieren einen Markt.

Sie haben immer das Recht, Arbeit zu schaffen und Sie haben auch das Recht auf freien Zugang zum Arbeitsmarkt.

Wenn Sie aber als Arbeitssuchender weder ganz auf sich allein bauen noch sich einfach auf irgend einen Verteiler setzen können: Wie handeln Sie dann am besten?

Indem Sie loslegen:

Sich auf dem Arbeitsmarkt zum eigenen Jobscout ausbilden
Nachfrage aufspüren
Marktkenntnis erwerben, Vermarktungsgeschick perfektionieren
das eigene Potenzial vermarkten
Nachfrage erzeugen
sich und andere in Bewegung setzen
sich selber Ziele setzen und darauf hinarbeiten
jemanden finden, der einem Leistungen abnimmt und dafür zahlt
jede freie Minute nützen, um sich leistungstärker und kompetenter zu machen.

Da fiel eben ein bisschen oft das Wort Markt. Wird von Ihnen jetzt auch noch verlangt, dass Sie zum Marktschreier werden? Sich im Alexander-Christiani-Stil aufplustern wie ein Kampfhähnchen? I wo. Verlangen Sie aber etwas von sich selbst. Fordern Sie sich ab, sich mit dem Arbeitsmarkt vertraut und mit den Marktteilnehmern bekannt zu machen. Überlegen Sie selbst: Befolgen alle anderen Jobsucher diese Strategie, sind Sie verloren, wenn Sie passiv bleiben. Verharrt die Mehrzahl der Jobsucher aber in träger Arbeitslustlosigkeit, übertreffen Sie allemal das Gros Ihrer Mitbewerber.

Mehr als nur eine Pflichtübung ist der Kontakt mit dem Arbeitsamt. Es ist mehr als nur der große deutsche Umschlagpatz für Transferleistungen. Es ist der Ort, wo Jobexperten darauf warten, Ihre Kooperationspartner zu werden.

Wer hat Angst vor dem Arbeitsamt?
Solange man berufstätig ist, macht man eher einen großen Bogen darum. Ist man arbeitslos geworden, betritt man die lokale Zweigstelle der Bundesanstalt für Arbeit zunächst einmal beklommen. Man sieht sich bereits als Opfer undurchschaubarer Verwaltungsakte, man ahnt, gleich stapelweise Formulare ausfüllen zu müssen und man weiß, dass man bald alles mögliche falsch macht. Abhilfe schafft da allein ein Trainingsprogramm, das Sie morgens früh absolvieren: Suchen Sie das nächstgelegene Arbeitsamt auf und gehen Sie zu dem freundlichen Menschen am Informationsschalter. Sie werden staunen, wie schnell und vergleichsweise unkompliziert Sie Aufnahmeverfahren und Verwaltungsvorgänge durchlaufen.

Die objektive Lage ist unbefriedigend bis verzweifelt und von Ihrer subjektiven Situation möchten Sie lieber nicht sprechen? Auch wenn Sie nicht damit rechnen, für längere Zeit arbeitslos zu sein, lohnt es sich, den
LEITFADEN FÜR ARBEITSLOSE zu besorgen. Mittlerweile auf fast 600 Seiten angewachsen, umfassend, gut gegliedert und verständlich geschrieben, informiert das Handbuch über alle Ihre Rechten und Pflichten. Es startet bereits mit dem Kapitel "Sie werden (demnächst) arbeitslos - worauf Sie achten müssen". Sollte es also in Ihrer Organisation, in Ihrer Abteilung berechtigten Anlass zur Sorge um die unmittelbare Zukunft geben, dann bestellen Sie am besten das Buch gemeinsam mit ein paar netten Kollegen. Wenn Sie es einmal durchgearbeitet haben, sind Sie bestens vorbereitet für ein Gespräch mit dem netten Mitarbeiter der Agentur, die sich so energisch um Ihre berufliche Reintegration kümmert. Und nach wiederholter Beschäftigung mit dem Leitfaden können Sie selbst ein kleines Vormittagsseminar für die Nummernziehgemeinschaft in Ihrem Flurbereich halten. Der Fachhochschulverlag in Frankfurt hat diesen verdienstvollen Band herausgegebenen. Hier die Bestelladresse:

Leitfaden für Arbeitslose. Der Rechtsratgeber zum SGB III
Herausgeber: Arbeitslosenprojekt TuWas
ISBN: 3-936065-16-0
Stand 1.1.2004
592 Seiten
11 Euro (versandkostenfrei).
E-Mail: bestellung@fhverlag.de

Aktives Bewerberverhalten zahlt sich auch gegenüber dem Arbeitsamt aus. Lassen Sie sich also nicht bloß betreuen. Melden Sie sich vor allem nicht erst wieder zum vorgesehenen Zeitpunkt. Informieren Sie sich statt dessen vor Ort über neue Stellenangebote, so oft Sie können. Auf einen nützlichen Service weist ein freundlicher Arbeitsvermittler aus dem Arbeitsamt Schweinfurt hin:

"Der Stelleninformationsservice SIS bietet Arbeitslosen und Arbeitsuchenden die Möglichkeit, per Selbstbedienungscomputer im Arbeitsamt nach offenen Stellen zu suchen. Im SIS (gibt es in jedem Arbeitsamt) kann man sich über den Stellenmarkt informieren, ohne mit einem Bediensteten des Amtes sprechen zu müssen, man kann auch kostenfrei mit dem Arbeitgeber telefonieren, dessen Stelle man sich aus dem SIS geholt hat!"

Ebenfalls eine Erwähnung verdient die schon lange eingeführte Zeitung Markt & Chance, in der bundesweit sowohl Stellenangebote als auch Bewerbergesuche veröffentlicht werden. Freundlicher Hinweis des Arbeitsamts:

Für Privat-Abonnenten gilt: Sie erhalten MARKT+CHANCE Stellenangebote National · International zunächst für 8 Wochen (8 Ausgaben) in einem Kurz-Abonnement. Hier ist der Link zu Markt+Chance.

Wenn Sie ernsthaft eine Stelle in Ihrer Region suchen, gibt es keine Entschuldigung dafür, das Arbeitsamt als einen lokalen Stellenmarkt nicht in kurzen Intervallen aufzusuchen. Doch lassen Sie es dabei nicht bewenden. Pflegen Sie den für Sie wichtigen Geschäftskontakt zu den Leuten im Amt. Rufen Sie Ihren Sachbearbeiter an, bringen Sie sich in Erinnerung; vielleicht hat er gerade heute etwas Neues. Kümmern Sie sich immer selbst um ihre Sache. Informieren Sie sich eingehend über Förder-, Umschulungs- und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen.

Erscheinen Sie als Arbeitsloser nirgendwo, auch nicht im Arbeitsamt, ungepflegt und nachlässig gekleidet.

Sie brauchen sich für einen Termin mit dem Berater nicht kleiden wie für ein Bewerbungsgespräch, aber es ist ein Bewerbungsgespräch. Und schließlich: Wer sollte Sie respektieren, wenn Sie es nicht selbst tun? Sofern Sie sichtlich und sichtbar von sich selbst überzeugt sind, überzeugen Sie andere.

Im Web finden Sie das deutsche Arbeitsamt unter www.jobs-bis-zum-abwinken.de - Ist gar nicht wahr. Sie finden es unter www.arbeitsamt.de.

(Revision 09.2002 © Gerhard Winkler, jova-nova.com)