An die Arbeit! - Ein Ratgeber von Gerhard Winkler
 
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STELLENGESUCH - (Online und auf Papier)

Gehören Sie zu den Leuten, die leise grummelnd durch Haus, Feld und Flur streifen und auf die gut gemeinte Frage "suchst du was?" stets mürrisch murmeln "lass mal, ich komm schon allein zurecht"? Ich zähle zu diesen Solo-Suchern, und ich kann nicht behaupten, dass ich mir mit dieser Einstellung Zeit und Ärger erspart hätte.

Gewiefte Sucher sehen zu, dass andere sehen, wie sie suchen. Sie sorgen, dass es die richtigen Leute bemerken. Dort zu trommeln, wo Leute sind, die das haben, was man sucht oder die einem beim Finden helfen können: Das ist das Einfachste auf der Welt. Könnte man zumindest meinen.

Sie suchen einen Job. Sie sind der richtigen Ansicht, dass davon möglichst viele Menschen erfahren sollten, die selber auf der Suche sind. Und zwar nicht nach einem Job, sondern nach einem Jobber. Dafür arbeiten Sie sich fleißig durch's Alphabet der Aktivitäten: anfragen, ansprechen, ausrichten lassen, hinschreiben, herumtelefonieren, vorbeischauen ...

Und schon sind Sie bei Z gelandet und denken: "Z wie Zeitungsanzeige aufgeben. Wird sofort erledigt!"

Man kann pro-aktiv handeln und Stellengesuche schalten, ohne lang zu überlegen. Mit einem Schnellschuss testen Sie, ob es für Sie einen Markt gibt. Zumindest die notleidenden Anzeigenvermarkter werden Ihnen das danken. Handeln Sie besser so umsichtig wie planvoll. Entwickeln Sie sich zunächst zum Erforscher der Anzeigenmärkte. Ihre Fragen:

Wer inseriert wo?
Wer liest das?
Will ich jede Menge Leute erreichen?
Oder nur eine kleinere, aber genauer definierte Leserschaft?

Inserieren Sie ausschließlich in den Zeitungen, die von den Anbietern Ihres Jobs durchgeblättert werden. Das sagt sich so leicht. Und es umzusetzen, das ist eigentlich auch nicht schwer. Lassen Sie sich von diesen Einsichten führen:

Personaler lesen manche Tageszeitungen ganz sicher.
Ein paar tägliche erscheinende, entweder wirtschaftsnahe oder wirtschaftsbezogene Blätter sind Pflichtlektüre für Führungskräfte.
So gut wie jede Branche hat ihr Fachblatt.
Manche Märkte sind so überschaubar, dass Sie am besten alle Zieladressen recherchieren und sich durchtelefonieren.
Schließen Sie, wann immer Ihr Beruf passt, Jobmärkte anderer europäischer und transatlantischer Länder ein.
Schalten Sie in Zeitschriften, die nichts kosten, nur Gesuche nach Jobs, die nicht viel bringen.

Nach qualifizierten Mitarbeitern sucht man ja auch nicht in einem Wochenblatt, das nur von Leuten durchgeblättert wird, die mit der Lupe lesen. Mein Karriere-Tipp: Abonnieren Sie die FAZ. Das wird Ihr Tagestraining für schärferes Denken. Abonnieren Sie auch den New Yorker, um wenigstens einmal in der Woche aus dem Gurkenglas Deutschland hinaus in die Sonne zu blinzeln. Manche Blätter wenden sich ausschließlich an die karrieremäßig Steckengebliebenen. BILD lenkt Idioten davon ab, dass sie Idioten sind, indem sie den Idioten bestätigt, was die anderen für Idioten sind. (Die ganze Massenkultur in Deutschland funktioniert nach diesem Prinzip.) Aber in der BILD findet man ja eher Positionsbeschreibungen a tergo als Stellengesuche a priori.

Neben der Tages- und Wochenpresse lohnt es vor allem, die Fachblätter durchgehen. Von den wichtigen Zeitungen erhalten Sie auf Anfrage Hinweise für Inserenten zugeschickt.

Ihre Anzeige wird von Menschen gelesen, die aus allem noch den letzten Buchstaben rausholen, egal ob es in Zeitungen, auf Flaschenetiketten oder auf Packpapier steht. Analysiert wird ihr Text von den klugen unter Ihren Mitbewerbern. Sie selbst erhoffen sich, dass Ihre Anzeige der anvisierten Zielgruppe auffällt. Doch wie empfiehlt man sich selbst i. wenig. abe. wohlform. Worten?

Ein Stellengesuch transportiert ein Minimum an Informationen. Kurze, aber starke Reizworte provozieren, dass der Adressat tatsächlich reagiert. Reduzieren Sie auf das Wesentliche, spielen Sie mit dem Anzeigentext, indem Sie ihn umstellen, umschreiben, radikal kürzen und verschiedene Fassungen herstellen.

Die Anzeigengröße ist der gewünschten Position angemessen. Wie Ihre Anzeige optisch wirkt, testen Sie so:

Konstruieren Sie Ihre einspaltige (z.B. 45 mm) oder zweispaltige (z.B. 90 mm) Anzeige auf Ihrem Computer. Wählen Sie dazu eine der Zeitung möglichst ähnliche Schrift im möglichst gleichen Schnitt. Mit einer Preisliste ermitteln Sie leicht die Kosten pro mm Anzeigenhöhe.

Oder Sie zählen die Anschläge (Buchstaben und Leerzeichen) Ihres Textes, vergleichen die Werte mit bereits publizierten Anzeigen und ermitteln das optimale Verhältnis zwischen Textmenge, Gestaltung und Kosten.

Ihre berufliche Position (oder Ihre Tätigkeit) dient als Überschrift. Es gelten keine formale Regeln wie für ein Anschreiben. Verwenden Sie möglichst keine bzw. nur sinnvolle Abkürzungen. Fassen Sie sich kurz. Flunkern Sie nicht. Wenden Sie die 2E2a-Regel an, argumentieren Sie ehrlich, einfach, angemessen, ansprechend. Die Informationsabfolge einer Annonce, von oben nach unten gelesen :

Titel (Berufsangabe)

Bewerberdaten (z.B. Alter, Geschlecht, Familienstand, Wohnort)

Positionsbestimmung (Branche, Rang, Aufgabenbereiche)

Schlüsselqualifikationen (Auswahl; nur Nachweisbares)

Zusatznutzen (spezielle Stärken, Leistungen, Erfolge)

Verfügbarkeit (frühester Eintrittstermin, Einsatzorte)

Adresse (Chiffre-Nr. oder E-Mail, Telefon, Fax-Nr.)


Ein Stellengesuch könnte so lauten:

Für mich, Diplom-Bibliothekarin, 31 Jahre, sprechen: Know-how (SISIS, Bond-Bibliotheca und Allegro ÖB), Engagement, Ideenreichtum. Schwerpunkte: Bestandspflege, Nutzer-Services, Events, Kinder/Jugendbereich, Öffentlichkeitsarbeit. Erfolgreiche Mitarbeit in ÖB und WB sowie Auslandspraktika (Schweiz, Spanien). Interneterfahren, fit in Web Design. Englisch perfekt, Spanisch gut, Französisch ausbaufähig. Kontakt: (0 17 00) 31 32 33 oder wi.kopf@wiwerke.de

Machen Sie ein Stellengesuch im Web nicht davon abhängig, ob das Einstellen der Daten etwas kostet. Die entscheidende Frage ist, ob Sie Ihre Zeit damit verbringen, wollen, ein Online-Gesuch zu tippen. Prüfen Sie die Seite:

Wo bin ich gelandet? Auf einem branchenweit bekannten, vielbesuchten Fachforum? Überwiegt der Inhalt? Oder baut man nur eine Werbewand auf? Klicken Sie sich aus den Seiten, auf denen die Betreiber massiv Werbung für sich selber machen. Laute Selbstreferenz, so lehrt schon Professor Bohlen, belegt allemal, dass man kein tragendes Thema hat. Sind die Infos auf einer Homepage tages- oder sogar stundenaktuell, dann lebt sicher auch der Stellenmarkt. Für Online-Plattformen gilt: Wirkt schon die Homepage tot und leer, stinkt's im Jobteil um so mehr.

Immer mehr Websurfer nutzen die Angebote von Jobbörsen. Vorne weg der pragmatische Nutzen eines Bewerberprofils: Man wird als Jobsuchender angeleitet, sein Qualifikationsprofil zu erstellen und zu optimieren. Der Nutzeffekt ist vor allem für all jene beträchtlich, die sich selbst nur schlecht einschätzen können. Die Formulare lenken und leiten unerfahrene Jobwechsler, Einsteiger, Arbeitslose und all die armen Menschen, für die Deutschland immer noch bessere Jobchancen bietet als ihr Heimatland. Und man kann sein aktuelles Profil natürlich auch kopieren und an anderer Stelle einsetzen, also mehrfach verwenden.

Die Profile werden tatsächlich häufig abgerufen. Allerdings führt das Sichten noch nicht oft zur Kontaktaufnahme seitens eines Unternehmens. Offensichtlich dienen Bewerber-Pools und Datenbanken eher zu einer allgemeinen Orientierung. Vielleicht erschwert es die Uniformität der Daten, die wirklich überzeugenden Persönlichkeiten in der Menge auszumachen. Ich denke auch, dass viele Personaler von sich aus weniger gern kontaktieren. Das wird sich mit den immer raffinierteren Internet-Tools zunehmend ändern. Meine Prognose: Wir werden zunehmend aktives Personalerverhalten erleben. Diese “Bewerbersucher” nutzen das Internet mehr und mehr - so, wie die Jobsucher auch.

Sie legen mit Ihrem Profil in jedem Fall eine Angel aus. Beisst niemand an, obwohl ab und zu jemand am Köder schnuppert, heißt das für Sie: Ihr Profil Eintrag für Eintrag prüfen, ob da nicht etwas zweifelhaft oder missverständlich oder nicht mehr gefragt ist.

Ein clever formuliertes und wohlüberlegt formuliertes Print- oder Online-Stellengesuch belegt allemal aktives Bewerberverhalten. Sein Job-Profil in eine Datenbank einzustellen ist sinnvoll, aber noch nicht wirklich aktives Bewerben. Bewerben heißt präsentieren. Keine Präsentation funktioniert, ohne dass sie jemand aktiv steuert und gestaltet. Bewerben heißt ganz klar selbst auftreten und nicht, aufgerufen zu werden.

(Revision 08.2004 © Gerhard Winkler, jova-nova.com)