An die Arbeit! - Ein Ratgeber von Gerhard Winkler
 

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DAS STELLENANGEBOT

Gibt Ihnen das hier zu denken:

Überdurchschnittliches Engagement, die Fähigkeit zur Teamarbeit, Verantwortungsbewusstsein und Belastbarkeit gehören ebenso wie Selbständigkeit und Eigeninitiative zu Ihren persönlichen Eigenschaften.

Das gibt Ihnen sogar sehr viel zu denken? Das sollte es aber nicht. Es stammt nur aus einem Stellenangebot.

Weshalb werden Stellenangebote veröffentlicht? Weil schnellere und kostengünstigere Wege, wie z.B. die interne Ausschreibung, nicht den gewünschten Erfolg hatten. Und was, wenn Sie in Ihrer bevorzugten Jobbörse oder Zeitung vergeblich nach spannenden Annoncen blättern? Vielleicht besteht wirklich kein Bedarf nach Ihnen. Sie werden es nie genau erfahren, wenn Sie nicht von sich aus nachfragen.

Die Samstagsausgaben der überregionalen Tagespresse und die wichtigen Wochen- und Fachzeitschriften können Sie in öffentlichen Bibliotheken durchblättern. (Lesen Sie bei der Gelegenheit auch den Wirtschaftsteil.) Für jede Branche und jeden Beruf existieren Fachzeitschriften mit entsprechenden Annoncen. Zwischen Ärzteblatt und VDI-Nachrichten gibt es so viele Periodika wie geldbringende Tätigkeiten. Zeitschriftenverzeichnisse recherchieren Sie ganz ohne Rechercheberater im Web. Beispiel: Wissen und Management sind die beiden Pole Ihrer beruflichen Welt. Dann geben Sie in google einfach ein Begriffspaar wie "Zeitschrift+Wissensmanagement" ein.

Stellenangebote publiziert aber auch das Arbeitsamt. Rundfunksender verlegen sich auf akustische Stellenmärkte. Um die großen Jobbörsen im Web wachsen heftig kommunizierende Online-Gemeinschaften. Dort lassen sich die Guides und Gemeindemitglieder in ihren Diskussionen von den eingehenden Jobangeboten nicht groß stören.

Stellenangebote sind Indikatoren für Beruf, Karriere und Wirtschaft. Indikatoren zeigen an, was passiert. In manchen Berufszweigen, so könnte man meinen, braucht es keine Indikatoren. Controller sind zum Beispiel immer gesucht und die Leute, denen sie auf die Finger klopfen, auch. Aber fragen Sie mal einen Controller. Über Stellenanzeigen, Business-News, Lektüre von Geschäftsberichten, Insidertalk und Infos vom Nachbartisch sammelt er in aller Ruhe Daten für seine Analysen. Kurzum, Leute, zu deren Jobbeschreibung es gehört, informiert zu sein, verfolgen eher die Märkte und reagieren deswegen auch schneller auf Gelegenheiten und Veränderungen.

Ihnen ist egal, was in der Welt passiert? Dann analysieren Sie doch, was heutzutage an Schlüsselqualifikationen verlangt wird. Vielleicht kommen Sie zum Schluss, dass Sie Ihr Englisch oder Ihre zweite Fremdsprache noch ausbauen sollten...

In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit mehren sich dubiose Anzeigen. Bitte vergessen Sie bei der Lektüre nicht den alten Grundsatz: Steig zu keinem fremden Jobanbieter ins Auto.


Wanted - Intelligente Menschen mit einem Hang zur Selbständigkeit und viel Verständnis für Neuerungen für ein Geschäft der Zukunft mit geringen Investitionen ...

Hilfe !!! Ich ersticke in Arbeit !!! Wer kann mir ...

Junger Unternehmerin wächst das Geschäft über den Kopf ...


Überhören Sie am besten derartige Appelle an Ihre Intelligenz oder an Ihre natürliche Hilfsbereitschaft gegenüber jungen Unternehmerinnen. Alle Anzeigen, auch die seriösen, lesen Sie kritisch und sorgfältig durch. Annoncen werden natürlich von Unternehmen als ein Medium der Selbstdarstellung benutzt. Um Bewerber anzusprechen, spart man nicht an schönen Worten.

Trotz aller Beteuerungen, wieviel Spaß der Job bei Firma Ernst & Bieder machen wird: Meist steht da noch in sehr klaren Worten geschrieben, welche minimalen Voraussetzungen der Kandidat erfüllen muß. Glauben Sie dem Stellenanbieter, wenn er Formulierungen wie "unbedingt", "notwendig" oder "wünschenswert" verwendet. Ihre Chancen verringern sich drastisch, wenn Sie eine oder gar mehrere grundlegende Bedingungen nicht erfüllen. Statt sich mit aussichtslosen Bewerbungen abzumühen, könnten Sie z.B. weiter recherchieren, Ihren Aktionsradius erweitern und sich die überregionalen Angebote anschauen.Manch einer bemerkt bei der Lektüre von Stellenanzeigen entsetzt, dass die eigenen Fähigkeiten nicht mehr up-to-date sind. Dann ist es allemal klüger, Bewerbungsabsichten bis auf weiteres zu vertagen und sich erst einmal die fehlenden Schlüsselqualifikationen zu erwerben.

Lassen Sie sich von den verlangten nicht-spezifischen Eigenschaften nicht ins Bockshorn jagen. Bewerber reagieren auf Aufzählungen wie Engagement, Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Belastbarkeit, Selbständigkeit, Eigeninitiative ... in der Regel so, dass sie alle Kriterien einzeln abfragen: Bin ich eigentlich engagiert? Was ist engagiert? Wie stehts mit meiner Teamfähigkeit? Bin ich belastbar? In jedem Fall viel weniger als Uli Ludwig. Der arbeitet ja noch auf dem OP-Tisch seine Aufträge ab. - Sich so zu prüfen ist der falsche Ansatz. Meine dringende Empfehlung:

Versuchen Sie nicht, die verlangten persönlichen Eigenschaften Punkt für Punkt zu belegen.

Versuchen Sie aber stets, den verlangten fachlichen Erfordernissen punktgenau zu entsprechen.

Beispiel: Sie sind Baustellenleiter. En Personaler schreibt eine Position Baustellenleiter aus. Die aufgelisteten persönlichen Eigenschaften in der Jobofferte beschreiben den Baustellenleiter so, wie sich der Personaler das eben vorstellt, wenn der Betriebsrat mitliest. Sie sind aber selber ein tüchtiger Baustellenleiter. Sie wissen viel besser, wie ein idealer Baustellenleiter tickt. Greifen Sie darum nicht den Forderungskatalog auf. Veranschaulichen Sie stattdessen den herausragenden König der Baustellen, so wie Sie ihn verkörpern. Über Ihrem lebendigen Bild vergisst der Personaler seinen Entwurf. Und falls er es nicht tut, haben Sie verloren.

Versuchen Sie es. Haben Sie endlich eine interessante Anzeige gefunden? Innerhalb von 14 Tagen nach Veröffentlichung sollten Sie darauf antworten. Rechnen Sie mit mehr Konkurrenten, als Ihnen lieb ist. Und mit Mitbewerbern, die geradezu vom Glück verwöhnte Sunnyboys und -girls sind. Jetzt ist es an der Zeit, Ihr Friedenscamp-Lächeln aufzufrischen.

Wie Ihre Mitbewerber haben Sie keine Wahl der Waffen. Der Dreischritt analysieren - formulieren - präsentieren ist Ihnen vorgegeben. Da empfiehlt sich eine simple, aber erfolgreiche Methode. Übertragen Sie alle wichtigen Informationen aus der Annonce einfach in Ihre Checkliste für Stellenanzeigen. Wie man vorgeht, zeigen Ihnen die folgenden Übungen.

(Revision 12.2002 © Gerhard Winkler, jova-nova.com)