An die Arbeit! - Ein Ratgeber von Gerhard Winkler
 

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Das Anschreiben
SIE MÜSSEN FARBE BEKENNEN

Wenn Sie verkünden, dass Sie sich 'hiermit' bewerben und im nächsten Satz die beiliegenden Unterlagen übersenden, damit der Empfänger alles weitere daraus entnehmen kann, wenn Sie sich schließlich treuherzig mit der Zusicherung empfehlen, Sie würden sich auf ein Vorstellungsgespräch freuen, dann verkennen Sie den Zweck der Sache.

Obendrein haben Sie noch geflunkert, als Sie behaupteten, die Tätigkeit in [egal wo] entspräche genau Ihren Vorstellungen, und der Umgang mit [egal was] würde Ihnen großen Spaß machen. Denn von eben dieser Tätigkeit haben Sie wahrscheinlich keinen blassen Schimmer. Der tiefe Sinn eines Anschreibens liegt auch nicht darin, im Talkshow-Tonfall frivole Geständnisse abzulegen. Falls Sie 'besonders an einer abwechslungsreichen Tätigkeit interessiert' sind, 'die Verantwortungsbewusstsein und Engagement fordert' dann machen Sie sich doch einfach selbständig und werden Sie Bundeskanzler oder Gebrauchtwagenhändler. Mit Worthülsen beweisen Sie nur, dass Sie nicht wirklich nachgedacht haben.

Ein Anschreiben ist mehr als nur bloßer Begleitbrief zum Informationspaket 'Bewerbungsunterlagen' (und selbst dann müßten Sie sich vor Floskeln hüten). Es soll keine auch Anweisung enthalten, dass und wie die Unterlagen auszuwerten sind; der Adressat weiß ja längst, wie er damit umzugehen hat.

Selten im Leben setzt man sich so intensiv mit sich selbst, mit der eigenen Persönlichkeit auseinander wie bei der Stellensuche. Man vergißt darüber leicht, dass zu einem erfolgreichen Bewerbungsverfahren zwei Parteien gehören. Ihr Anschreiben ist eine Botschaft an die andere Partei:

Der Adressat hat ein ganz spezifisches Problem (bzw. eine Aufgabe.).

Sie sind die Lösung dieses Problems (dieser Aufgabe).

Um das klarzumachen, haben Sie maximal zwanzig Zeilen an Text zur Verfügung.