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Gemeinsam schlagen wir die Stiftung Warentest-Bewerber!

Die Profis in Kommunikation und PR sollten es eigentlich draufhaben: das Anschreiben, das garantiert funktioniert.

Es gibt Besserwisser und Bessermacher. Mein Job: Bewerbungen besser zu machen. Ein Anschreiben von mir sollte besser sein als die Vorlage, besser als die Versionen der Mitbewerber und immer noch besser als das, was meinen Kollegen einfällt. Ich kann keine Fakten faken. Ich kann vorurteilsgetriebene Jobanbieter kaum umstimmen. Ich kann aber, wenn man mich mit Daten füttert, auch eine gute Bewerbung zu einer noch besseren, wahren und starken Selbstdarstellung umbauen. Und wenn ich es nicht könnte, warum sollte ich mich dann als Bewerbungshelfer empfehlen? Sie, lieber Leser, stehen im Wettbewerb mit anderen Jobsuchenden. Ich stehe in Konkurrenz zu allen.

Das maßgebliche Urteil in diesen Ausscheidungsrennen geben die Jobanbieter ab.

Menschen, die über Jobs entscheiden, haben ihre eigenen Gründe. Davon gibt es viele. Der Stellenanbieter bedient vielleicht sein persönliches Interesse. Er beugt sich einem Druck von Außen oder einer Anweisung von oben. Er möchte dem Bewerber oder dessen Fürsprecher gefällig sein. Angesagt ist heute die Idee, dass ein Personaler der Verführungskunst, der Schmeichelei, der Werbebotschaft des Selbstvermarkters erliegen soll. Auch der große Jürgen Hesse hält Bewerben für Eigenwerbung: "Machen Sie Werbung für sich. Wo sind Ihre Verführer?"

Während sich die Verführer unter den Selbstvermarktern noch ihr Schmucktüchlein einstecken, und sich ansonsten würdig gealterte Sachbearbeiter plötzlich im Lotto-Talk üben („mit mir gewinnen Sie einen hoch motivierten Spezialisten für Datenerfassung“), beamen die Bloß-kein-Unsinn-Bewerber schon Ihr Profil in die Firmen.

Ich möchte nicht nachfragen, weshalb Berater, die ihre Botschaften durchweg mit der Spritzigkeit eines Feuchtwischtuchs kommunizieren, Bewerbern ausgerechnet das kreative, innovative, überraschende und freche Genre empfehlen.

Ich weiß nur: Ein Jobanbieter ist kein Konsument. Leistungsanbieter sind weder Markenartikler noch Discounter. Die schriftliche Bewerbung ist nicht Eigenwerbung. Die berufliche Vita allerdings schon. Bewerber bauen sich auch nicht als Marke auf. Sie entwerfen sich einfach nur von einem Profil her in eine Funktion. Man verstehe darum Bewerben als simple Präsentation eines geschäftlichen Vorschlags. Dann braucht auch niemand, wie in der Konditorei H & S üblich, mit der breiten Verführer-Tülle seine Bewerbertörtchen garnieren.

Ein Bewerber ist nicht Porsche und der Personaler braucht kein Auto. Lassen Sie uns doch genau hinschauen, was beim Bewerben in Wirklichkeit passiert. Bewerber sprechen Jobanbieter an. Diese Jobanbieter zählen tendenziell zur Leistungselite. (Nicht nölen. Diese Leute haben es zum Jobanbieter gebracht. Sie nicht.) Solche Funktionsträger, die führen und entscheiden, handeln oft nicht sehr rational. Es wird berichtet, dass manche Manager sogar ausgesprochen kurzsichtig oder dumm agieren. Dennoch zahlt es sich aus, wenn Sie sich an das professionelle Ich des Jobanbieters halten. Der dünne Aufguss an Marketingtalk, die laue Laber-Brühe der jobsuchenden Ich-Botschafter trifft so gut wie immer auf einen Experten, der kundig genug ist, um die Differenz zwischen abgestanden und prickelnd zu schmecken.

Beim Screening der Unterlagen wollen Jobanbieter noch nicht mal unterschwellig verführt werden. Sie wollen auch nicht unterhalten werden. Sie wollen keine Zeit verlieren und zu einem Ergebnis kommen.

Man muss sich darum nicht anpreisen. Sie müssen sich auch nicht verkaufen. Ihre Vermarktungsaufgabe in der Präsentationsphase ist simpel: Vortreten & für sich sprechen. Meinen Job erleichtert, dass meine Konkurrenten immer neuen Bewerbungsballast predigen. In der Süddeutschen lese ich: “Zu einer guten Bewerbungsmappe gehört eine Inhaltsangabe.” Verzeihen Sie mein klares Deutsch, aber ein Vermarktungsprofi, der zulässt, dass sein Klient eine Mappe abgibt, die man nur noch per Inhaltsverzeichnis kapiert, der sollte sich reumütig mit dreiflügligen Klappmappen geißeln oder in den mittleren Dienst eines staatlichen Liegenschaftsamts wechseln.

Als Bewerber haben Sie die Wahl. Wenn Sie davon ausgehen, dass Personaler geföhnt werden wollen, dann ventilieren Sie eben heiße Luft und putzen Sie das Schaumgebäck mit Deckblatt, Beiblatt und Inhaltsangabe schnuckelig auf.

Bewerben ist Wettbewerb. Über kurz oder lang bestraft der Wettbewerb prätentiöses oder umständliches Vorgehen. Nur, wenn eine Jobbeschreibung ausdrücklich verlangt, dass man sich sinnlos Mühe macht, sollten Sie als Bewerber signalisieren, dass Sie von Hesse gern Pomp & Umstände zelebrieren.

In den folgenden beiden Fassungen eines Anschreibens möchte ich Ihnen die unterschiedlichen Konzeptionen Bewerben ist Werbung und Bewerben ist Wettbewerb vorstellen. Werbebotschaften bleiben vage. Wettbewerber werden konkret. Die junge Verfasserin von Anschreiben 1 stellt sich als die mögliche Mitarbeiterin für Presse und Kommunikation vor. Sie ist tüchtig, umtriebig und erfolgreich. Sie hat begriffen, wie man die Fundamente einer beruflichen Karriere legt: Die Ausbildung in der Regelstudienzeit oder noch früher abschließen. Aus eigenem Antrieb dazu lernen. Lern-, Forschungs- oder Arbeitszeit ins Ausland verlegen. Während des Studiums Joberfahrung sammeln, so viel man kann. Chancen auf Bewährungsproben, auf Projekt- und Teamengagement geradezu suchen.

Anschreiben 1: Bewerben ist Werbung

Sehr geehrte Frau Franz,

Kommunikation ist mein Geschäft. Das beweist nicht nur mein erfolgreich abgeschlossenes Studium der Kommunikationswissenschaft. In Media und Öffentlichkeitsarbeit sammelte ich schon studienbegleitend erste berufliche Erfahrungen in den Bereichen Journalismus, Marketing und PR.

Ich habe im August 2004 mein Studium der Kommunikationswissenschaft abgeschlossen und im Anschluss daran ein viermonatiges Auslandspraktikum in der Marketingabteilung der Firma Residence-worldwide.com in Madrid gemacht. Im Moment bin ich bei eben genannter Firma als freie Mitarbeiterin in den Bereichen Sales & Marketing und Finanzen tätig. Zu meinen Aufgaben gehören neben der kontinuierlichen Durchführung von Online Marketing-Konzepten unter anderem das Repräsentieren der Firma gegenüber unseren Kunden und Partnern.

Durch meine mehrmonatige Werkstudententätigkeit in der zentralen Pressestelle von Dim Sum, die direkt dem Vorstand unterstellt ist, bin ich vertraut mit den Aufgaben der internen und externen Kommunikation. Überdies konnte ich mich bei Dim Sum in Finanzthemen einarbeiten.

Flexibilität, Belastbarkeit und Teamfähigkeit sind für mich selbstverständliche Voraussetzungen für die von mir angestrebte Tätigkeit.

Mein frühest möglicher Eintrittstermin wäre zum 01.03.05. Über meine Gehaltsvorstellungen würde ich mich gerne persönlich mit Ihnen unterhalten.

Ich freue mich über eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch.

Mit freundlichen Grüßen

Die Bewerberin kommt aus der Branche, traut sich aber über die in der Bewerbungsindustrie üblichen Floskeln nicht hinaus. Ich habe die Kandidatin völlig neu als Leistungsanbieterin aufgebaut. Dabei griff ich auf alle Fakten zurück, die mir in Lebenslauf, Zeugnissen und Hinweisen zur Verfügung standen. Übrigens: Je anspruchsvoller ein Job, desto intelligenter im Regelfall die Person, die darüber entscheidet. Deshalb darf man als Fachkraft auch Sätze im Anschreiben formulieren, die mehr als sieben Worte umfassen. Der einfachen Sprache befleißigen sich bevorzugt nicht die klugen Leute, sondern die kleinen Geister.

Anschreiben 2: Bewerben ist Wettbewerb

Sehr geehrte Frau Franz,

meine Praktika und studienbegleitende Tätigkeiten umfassen Einsätze in der Corporate Communications der Leipziger Dim Sum AG, in der Redaktion des Fachjournals marketing & mix und im Organisationsbüro der Bregenzer Wasser-Festpiele. In meinen mehrmonatigen Tätigkeiten habe ich selbständig Redaktions- und Verwaltungsaufgaben übernommen und erste PR-Aufgaben erfolgreich gelöst. Marketing- und Vertriebserfahrung sammelte ich insbesondere auch beim Media-Vermarkter Crossmountain Nights AG. Derzeit bin ich im Anschluss an mein letztes Praktikum als Managerin für Sales und Marketing des Madrider Appartement-Service Residence-worldwide.com tätig.

Mein B.A.-Studium der Kommunikationswissenschaften an der Bären Universität Berlin habe ich im August 2004 mit gutem Erfolg abgeschlossen. Um schon ausbildungsbegleitend mein fachliches Wissen und Können zu erweitern, habe ich IHK-Zertifikate in Betriebswirtschaft, Marketing und Projektmanagement erworben. Darüber hinaus absolvierte ich erfolgreich ein 40-Stunden-Training in Verhaltenskommunikation & Präsentationsstrategien. Ich erstelle Marktanalysen, Reports, Mailings und Newsletter, bin mit der betrieblichen Pressearbeit vertraut und verstehe mich auf die Kontaktpflege mit Fachjournalisten, Geschäftspartnern und Kunden. Auch in anspruchsvoller Umgebung trete ich jederzeit verbindlich auf. Ich verhandle sicher in Englisch, kommuniziere täglich in Spanisch und bin in DTP, Redaktionssysteme, MS Office und datenbankgestützte Anwendungen eingearbeitet.

Meine ausgewiesenen Stärken in der Kommunikation von Events, Storys und Marken, in Recherche, Auswertung und Planung möchte ich als proaktives Teammitglied Ihrer PR- oder Marketingabteilung wirkungsvoll zur Geltung bringen. Planen Sie, Ihre Mannschaft in nächster Zeit um eine konzeptionell denkende, mit der klassischen Presse- und Medienarbeit vertraute und auch in Marketing und Vertrieb jederzeit einsetzbare Mitarbeiterin zu verstärken? Dann freue ich mich über Ihr Feedback.

Mit herzlichen Grüßen

Stärken und Verdienste zu kommunizieren ist mein Geschäft. Ich schwöre, ich habe kein Proargument dazu gedichtet. Den Ausdruck proaktiv verstehen Sie bitte als reaktive Würdigung der Sprachgepflogenheiten in PR und Marketing.

Fürs Anschreiben gilt: Konkret ist sexy. Wenn der Jobanbieter die Bewerberin in voller Größe sehen soll, soll er keinen Schaum sehen, sondern allein die schaumgeborene Göttin. Was das berufliche Profil angeht, zeigen Sie sich im bestmöglichen Anschreiben tatsächlich nackt und unverhüllt. Dass das, was Sie zeigen, nicht Abbild der Natur, sondern ein idealisiertes Bild ist, versteht sich von selbst. Wenn Sie das nicht schaffen, wird es auch nicht die beste Fassung Ihres Bewerbervorschlags. Das berufliche Ich präsentieren, sich in seiner idealen Ganzheit sichtbar zu machen, das ist im Bewerbungsgeschäft Ihre Pflicht und zugleich Ihre Chance.

Ostrach, 23.01.2004 - Gerhard Winkler
Kommentar an den Bewerbungshelfer: gwinkler@jova-nova.com

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