![]() |
||||||||||
| Bewerbung prüfen | |||||||
![]() |
Anschreiben sanieren zwingt Farbe in Ihre Präsentation. Im zweiten Teil, Prüf den Anschreiben-Boss, stellen Sie den Verantwortlichen für Ihre Bewerbung auf den Prüfstand. Sie können kein Rot sehen? Dann halten Sie Ihre Bewerbung im grünen Bereich! Ihr letztes Anschreiben hat Ihnen leider kein Jobinterview eingebracht. Ebenso wenig wie die meisten früheren Versuche. Dann hat sich der Textaufwand nicht rentiert. Unrentable Anschreiben schreiben Sie mit Schaden ab. Oder Sie versuchen zu retten, was zu retten ist. Ihre Aufgabe als Anschreiben-Sanierer lautet in jedem Fall: Sie bringen Ihre Bewerbung zum Laufen. Doch vorher finden Sie heraus, was genau schief gelaufen ist. Zur Analyse empfehle ich Ihnen den Farb-Test und den Boss-Prüfstand. GRÜN Markieren Sie mit dem grünen Textmarker alle Ihre konkreten und faktischen Angaben zur bisherigen Jobpraxis. Loben Sie sich selbst, wenn Sie Namen und Orte nennen und färben Sie das auch grün: Beispiele für die Online-Redaktion und die Lokalredaktion Bergisch Gladbach des Kölner Stadt-Anzeigers bewähre ich mich Ich arbeite Angebote aus, verhandle Vertragskonditionen und gewährleiste den After-Sales-Service. ROT ROT markieren Sie alle unkonkreten, verallgemeinernden Aussagen wie zum Beispiel diverse Tätigkeiten, anspruchsvolle Aufgaben, Arbeiten im kaufmännischen Bereich, vielschichtige Herausforderungen, administrative Aufgaben Beispiele Meine Teamfähigkeit bewies ich hier während einer 2-jährigen Antarktisexpedition auf einem Forschungsschiff befasse ich mich mit einem breiten Spektrum an personalbezogenen Themen. Ich erledige selbstständig die Büroorganisation sowie alle anfallenden administrativen Aufgaben. ROT streichen Sie wiederum alle unspezifischen und vagen Ausführungen zu Ihren Kenntnissen und Fähigkeiten an. Blutrot markieren Sie alle Allgemeinplätze, klugen Bemerkungen und Schmusesätze: Mich begeistern das Wirkungsspektrum, das Entwicklungspotential sowie der konsequente globale Ausrichtung Ihres Unternehmens. Auch Satzteile und Passagen, die nicht unmittelbar der Beweisführung, der Geltendmachung Ihres Anspruchs, der Nennung eines Fürsprechers, der Verdeutlichung Ihres Bewerbungsgrunds und Ihrer Rahmenbedingungen dienen sowie insbesondere alle selbstreferentiellen Hinweise auf das, was Sie gerade tun, streichen Sie rot an. GELB Markieren Sie gelb alle faktischen Angaben zur Ausbildung und zu Ihrem Wissen und Können. Beispiele Unternehmensprüfung, -planung und -kontrolle waren Schwerpunkte meines in Aachen und Mönchengladbach absolvierten Diplomstudiums der Betriebswirtschaft BLAU Kennzeichnen Sie blau Ihre eigenen Konditionen. (Ab wann? Für wieviel?) Ebenso einen aus Sicht des Jobanbieters triftigen Bewerbungsgrund. Blau färben Sie schließlich auch noch, sofern Sie Ihre Argumentation am Ende zusammengefasst und auf den Punkt gebracht haben, die rhetorische Rekapitulation Ihrer Eignung. Markieren Sie ebenfalls in Blau Ihre freundliche Ermunterung an den Jobanbieter, auf Ihr Gesprächsangebot zu reagieren. Beispiel Frau Dora Dacke, Redaktionsleiterin beim Staatssender Niederrhein, bestätigt Ihnen gern meine fachliche Tüchtigkeit, meine konstante Leistungsbereitschaft und meine Fähigkeit, anspruchsvolle Themen zu kommunizieren. Zur kundigen und engagierten Betreuung von Autoren, Themen und Projekten aus Biowissenschaften, Medizin, Psychologie oder Pharmazie stehe Ihnen auch kurzfristig zur Verfügung. Von meiner besten fachlichen und persönlichen Eignung überzeuge ich Sie sehr gern im direkten Gespräch. Ich freue mich über Ihre Rückmeldung. . Auswertung Es gibt klare Indikatoren für nicht so gute Anschreiben. Sie werden Ihnen sofort ins Auge springen. Zwingen Sie sich dazu, Farbe zu bekennen. Wappnen Sie sich innerlich für Ihre anstehende Selbstbeurteilung. Haben Sie den Mut, sich anzeigen zu lassen, ob Sie mit Ihrer Selbstpräsentation in den roten Bereich geschlittert sind. Die drei häufigsten Typen der Nieten-Anschreiben: 1. Man sieht bloß rot. 2. Die grünen Passagen sprenkeln den mittleren Briefteil. 3. Die Seite schaut aus wie ein rot-gelb-grün-blauer Flickenteppich. Vielleicht hat Ihnen Ihre Farbverwirrung ja doch statt der roten Karte eine Einladung eingebracht. In der Tat rekrutieren Personaler auch Bewerber, die sich nicht sehr geschickt präsentieren. Sie selber wählen ja auch Politiker jedweder Couleur, obwohl die in Ihren gräulichen Auftritten tranigen Tiefsinn oder aufgeschäumte Artigkeiten produzieren. Sie wollten aber doch wegen und nicht trotz Ihrer Selbstdarstellung fürs Jobinterview ausgewählt werden? Akzeptieren Sie, was zu tun ist. Sanieren Sie Ihr Anschreiben: GRÜN markierte Teile: Rücken Sie diese Passagen ganz an den Anfang des Anschreibens. Der einleitungslose Hauptteil wird ein Drittel bis die die Hälfte der verfügbaren 1700 bis 2000 Abschläge beanspruchen. GELB markierte Teile: Diese Angaben machen den zweiten Absatz oder falls Ihr Anfangsteil sehr umfangreich wird, den dritten Textabschnitt aus. BLAU markierte Teile: Diese Informationen stehen im letzten Drittel des Anschreibens. Vor allem dann, wenn Sie mit Ihren Job-Fähigkeiten einen großen Bogen schlagen, eignet sich die Zusammenfassung vom Ende auch als Teaser-Text für den Einstieg. Ihre Rekapitulation können Sie je nach Bewerbungsfall als Augenfänger ganz an den Anfang Ihres Briefings setzen. ROT: Erfolgreiche Sanierer streichen ohne Bedenken, ohne Bedauern, ohne Erbarmen. Zeigen Sie die denkbar größte Härte, die jeder gute Texter sich selber abverlangt: Streichen Sie Sätze und Satzteile, auch wenn Sie stundenlang darum gerungen haben. Kappen Sie unbekümmert, was Ihr Interesse, Ihre guten Absichten, Ihr So-Sein, Ihre positiven Eigenschaften, Ihre Ansichten und Einsichten ausdrückt und bekundet. Sofern Sie so clever waren, für den Jobanbieter zusammenzufassen, was er sucht, streichen Sie auch das. Sie-Suchen-Ich-Biete ist als Eröffnungszug so bauernschlau wie biedersinnig. Sie zeichnen Stereotype und kontern mit Klischees. Sagen Sie doch gleich, was Sie de facto bieten. Der Platz, den Sie haben ist der Platz den Sie brauchen. Im Anschreiben ist jede Zeile dafür reserviert, um sich selbst aufzubauen. Vergessen Sie nie: Die meisten Anschreiben-Texter wollen sich mit Falschgeld in den Job einkaufen. Kein Jobanbieter nimmt die gängigen Beteuerungen für bare Münze. Dass die meisten so schreiben, entschuldigt Ihr Versagen vor der Präsentationsaufgabe nicht. Reden Sie sich auch nicht damit heraus, das man Leuten, deren Erwartungen man erfüllen möchte, eben nach dem Mund zu reden hat. Bedienen Sie keine Erwartungen. Zeigen Sie, was jenseits der Erwartungen an Exzellenz noch möglich ist. Sanieren heißt gesundschrumpfen. Falls Sie Ihr Anschreiben von Ballast reinigen und verdichten und es bleibt nichts mehr von Ihrem Text übrig: Dann hat diese erste Fassung eben von Anfang an nichts getaugt. Auch das ist eine wertvolle Erkenntnis. Ihr Auftrag lautet dann: Noch einmal von vorn. Und dieses Mal korrekt. Umstandslos, einleitungslos grün anrühren. Das Ganze massiv mit Gelb unterfüttern. Der ganze Schluss zielt fröhlich ins Blaue. Ein Jobanbieter darf kein Rot sehen. Sonst fallen Sie als glückloser Selbstvermarkter in ein schwarzes Loch. Wenn sie wissen wollen, woran eine Firma krankt, schauen sich erfahrene Sanierer die Person an der Spitze an. Auch jedes Anschreiben hat jemand persönlich zu verantworten. Es ist genau die Person, von der das Anschreiben handelt. Schauen Sie doch dem Boss Ihres Anschreibens einmal genau in die Augen. Wem vertrauen Sie da die Sorge um Ihr berufliches Fortkommen an? Als alter Bewerbungssanierer weiß ich: Ist der Chef des Ganzen ein Ausfall, floppt die ganze Bewerbung. Deutschlands Anschreiben-Bosse sind leider oft schlimmer, als der Personaler erlaubt: 1. Kein Boss in Sicht Aus Feigheit, Unsicherheit oder Unkenntnis spielt man sich herunter oder man spielt Versteck. Dabei ist der Urheber des Anschreibens doch der Betreiber seiner Bewerbung. Ein gutes Anschreiben funktioniert wie eine Plakatwand. Man kann Sie genau wahrnehmen, erkennen und unterscheiden. 2. Der Boss kann nicht führen Als Chef des Anschreibens führen Sie jemanden durch Ihre Präsentation. Ganz offensichtlich hüten sich viele Bewerber aber davor zu sagen, was zu sagen ist. Sie scheuen die Verantwortung, zum eigenen Job-Anspruch zu stehen. Oder sie haben kein klares geschäftliches Ziel. 3. Der Boss ist ein Schwätzer Warum schwadronieren manche Chefs? Warum erzählen diese Fußlahmen ständig etwas vom Pferd? Sie haben nichts zu sagen oder sie wollen es nicht preisgeben oder sie können sich einfach nicht bremsen. Von einem Chef erwartet man aber knappe, klare und präzise Vorgaben. 4. Der Boss hat kein Konzept Eine Bewerbung führt Absender und Adressaten zu einem gemeinsamen Treffpunkt. Das Ziel ist immer ein Gespräch. Zur Entscheidungsfindung, ob das anvisierte Meeting sinnvoll ist, legt man seine Auswahl an Fakten vor. Wer diese Fakten nicht vorab arrangiert und gewichtet, wer kein vernünftiges Konzept vorlegt, wer nicht zuarbeiten kann oder mag, der taugt nicht wirklich als Leiter des eigenen Bewerbungsprojekts. Um zu erkennen, dass die eigene Bewerbung ein Sanierungsfall ist, brauchen Sie Mut. Hart durchzugreifen und die eigene Selbstvermarktung retten, das kratzt meist am Selbstbild und tut deshalb weh. Mit dem Farbtest prüfen Sie die Wertigkeit und den Zusammenhalt ihrer Argumente. Mit dem Boss-Test klären Sie, wer da eigentlich für Sie spricht. Bewerben ist ein harter Job. Sie sind der Boss. Führen Sie Ihre Bewerbung zum guten Ende. Berlin, 29. März 2006 - Gerhard Winkler Kommentar an den Bewerbungshelfer: gwinkler@jova-nova.com Seitenanfang |
||||||
![]() |
|||||||
| Job-Interview: Übersicht Bewerbungshelfer: Übersicht |
|||||||
![]() |
|||||||
|
|
|||