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Auch das noch! Strahlen für den Job.

Lächeln Sie wieder. Hier steht, wie Sie an Ihrer positiven und natürlichen Ausstrahlung arbeiten können.

Im simulierten Vorstellungsgespräch vor der Videokamera stimmte eigentlich alles: Die Münchener Absolventin punktete in Sachen Studienerfolge, Noten, praktische Erfahrungen. Sie hatte das Richtige an. Sie war beredt. Eigentlich fehlte da nur eine Kleinigkeit: Ein Quentchen an Enthusiasmus, an Charme … der zündende Funke. So ist es mit der Ausstrahlung. Ist sonst alles da, fällt ihr Fehlen um so mehr auf.

Ausstrahlung, die geheimnisvolle Kraft: „Ausstrahlung hat viel mit dem inneren Lot, mit einer inneren Balance zu tun,“ äußert die Image- und Strahlungsexpertin Verena Unger. „Vor allem stimmt die innere Persönlichkeit mit dem äußeren Tun überein.“ So tief wollen wir nicht schürfen. Uns reicht, was an der Oberfläche passiert. Wie fein eine Person auch ihren inneren Unger mit der äußeren Verena austariert, sie sendet uns ohne ihr Zutun nicht zu übersehende, überdeutliche Signale. Ein paar Beispiele:

Die fein polierten Schuhe sagen: Ich achte darauf, wohin ich den Fuß setze.
Die makellosen Bügelfalten sagen: Wer diese Hose trägt, der wird sich nicht vor anderen bücken.
Farbton, Muster, Qualität der Jacke sagen: Ich falle nicht unvorteilhaft aus der Umgebung heraus.
Gesicht, Hände, Frisur sagen: Ich pflege mich zu pflegen.
Der Gesamteindruck sagt: Natürlich repräsentiere ich mich selbst und auch jede Organisation, in deren Namen ich auftrete.

Kleider machen Leute. Das Outfit gibt Anweisung, wie man aufgefasst und angefasst werden möchte. Dies gilt für Biedermänner wie für Siegerfrauen, für Freizeitkluftis wie für Muskelschausteller, für Gegenbewegte wie für Angepasste: Jeder trägt seine Uniform. Manchmal stört ein einziges Accessoire die positive Ausstrahlung. Da schultert der sanftäugige Weise ein Maschinengewehr, den Vorstandsvorsitzenden hält eine Gel-Frisur zusammen und der smarte Vertriebsmann scharrt mit abgewetzten Schuhen.

Halten wir für unsere Selbstvermarktungsabsicht fest: Wer klare Signale geben will, der achtet auf Einheitlichkeit, Eindeutigkeit und Stimmigkeit schon in seinem Outfit. Man kann es nicht oft genug sagen: Wenn Sie nicht lernen, Berufs- und Gesellschaftskleidung zu tragen, strahlen Sie Ihr Leben lang den Charme eines deutschen beamteten Lehrers aus.

Was in uns vorgeht, was uns beschäftigt, das spiegelt sich mal mehr, mal weniger kontrolliert an der Oberfläche. Vor allem das Fremde und Ungewohnte provoziert oft sichtliches Unbehagen: eine betriebliche Umgebung, die formale Gesprächssituation, die erste Krawatte, das sprachliche Niveau des Gesprächspartners, die Gesprächsthema selbst und überhaupt der ganze olle Zwang zur Selbstdarstellung.

Das vielleicht besonders deutsche Phänomen, hier zu stehen und nicht anders zu können, erweist sich als Fluch für Vermarktung und Selbstpräsentation. So manchem, der störrische Steifheit ausstrahlt, möchte man zurufen: Sehen Sie die Differenz zwischen dem, was Ihre berufliche Rolle verlangt und dem, was die eigene Stoffeligkeit hergibt, doch als eine Chance, sich ein bisschen berufs- und gesellschaftsfähiger zu machen.

Bleiben wir noch ein wenig an der Oberfläche: Um mehr auszustrahlen, werden Sie vielleicht etwas wegnehmen: Den Bart, mit dessen standestypischer Form Leute ihre Zugehörigkeit zur Gilde der Versicherungsvertreter, Verkehrspsychologen oder Vaneo-Fahrer signalisieren. Oder die billigen Accessoires von der Handyschale bis zur Handtasche, die nur die Unsicherheit in Geschmacksfragen belegen. Manche Leute reduzieren besser ihre Lautstärke, ihr Lachen, ihre fahrigen Gesten, ihre an rollende Rhein & Neckar-Kiesel erinnernde Sprechweise.

Natürlich ist die Stärke, die aus dem inneren Gleichgewicht kommt, im Berufsleben von Vorteil. Starke Charaktere kultivieren geradezu ihre Ausstrahlung. Auf der selben Etage in einem süddeutschen Verlagshaus trifft man auf das Punkgirl Ende 40 vom Typ Annie get your Gun. Den Mann mit der pastoralen Ruhe, der einem ernst und überzeugend jeden Bullshit reinsingt. Den smarten Hitman, Weltmeister im Smalltalk und Freund aller besuchenden US-Partner. Den Kollegen, der entweder farbenblind ist oder doch die Modetrends der nächsten Jahre vorausahnt - was einen nicht wundert, denn dieser Mitarbeiter denkt in die Zukunft wie kein zweiter.

Ein Unternehmen, dessen Mitarbeiter farblos bleiben, ist ein Unternehmen, dessen Mitarbeiter sich nicht auf produktivste Weise entfalten. Wo man andererseits Mitarbeitern zugesteht, sie selbst zu sein und sie darin auch noch fördert, dort wächst das Humankapital stetig an.

Reden wir nicht länger drum herum: Strahlen Sie als Bewerber doch erst einmal Handlungsfreude aus. Der Rest ergibt sich wie von allein. Wenn Sie Angst vor Absagen haben, dann bewerben Sie sich eben beharrlich. Wenn es Ihnen schwer fällt, sich anderen vorzustellen, suchen Sie fleißig Anlässe. Üben Sie das Kontakten ein. Sollte Ihnen für Ihre eigene Bewerberstory absolut gar nichts oder nur das offensichtlich Verkehrte einfallen, dann arbeiten Sie doch Satz für Satz an Ihrer Rede. Üben Sie das zusammen mit einem Trainingspartner ein! Der kontrolliert, ob Sie strahlungsarm den Blick nach unten senken, während Sie sich Jobanbietern anempfehlen.

Ein guter Trainingspartner hilft Ihnen, einen eigenen Vermarkterstandpunkt zu finden und ihn sicher nach außen zu vertreten. Für das Wiederfinden der inneren Balance ist allein Tchibo zuständig. Erwerben Sie Duftkerzen, Reibeöl plus eine Singsang-CD, mit deren esoterischer Kraft Sie die Mönche von Kyoto ins Meer treiben können. Gönnen Sie sich das spirituelle Schnäppchen und das Fleece-Hemdchen noch dazu. Balancieren Sie sich aus.

Die positive Ausstrahlung ist sogar für einen Meister der Meditation eine Frage von internalisierten Routinen. Aus der inneren Ruhe kommt dabei gewiss die stärkste Kraft, aber wir wollen für Bewerbungszwecke unsere Strahlkraft ja nur situationsgerecht dosieren:

Wir geben uns als Leistungsanbieter und Leistungsträger.
Wir sind ganz bei der Sache.
Wir sind ganz beim Jobanbieter.
Wir sind ganz durchdrungen. Von unserer Kompetenz. Von der segensreichen Wirkung unseres Tuns. Von unserer Mission.

Die Bewerberpräsentation ist traditionell eher nicht der Ort, um seine innere Work-Life-Balance zu demonstrieren. Zu demonstrieren haben Sie nicht Ihren inneren Gleichmut, sondern dass Sie den Hintern hochkriegen. Aktivieren Sie Ihre professionelle Ausstrahlung. Bringen Sie Ihre Energiefelder zum Glühen. Young Professionals von Jane Eyre bis Ulrike Winkelmann streben danach, Herz und Verstand in Einklang zu bringen. Tun Sie das, aber geben Sie sich weder allzu herzig noch allzu offenherzig.

Gegenüber der Negativität, die manche Jobkandidaten ausstrahlen, möchte man Herz und Verstand jedenfalls in Sicherheit bringen:

Die dort oben haben mich arbeitslos gemacht und auch Sie werden mir nicht helfen.
Ich trau mir den Job nicht wirklich zu und die Firma liegt sowieso nicht in Sichtweite meiner Wohnung.
Eigentlich möchte ich den Job nur, wenn ich mich sofort nach Einstellung krank schreiben lassen kann.
Warum sollten gerade Sie anders sein als die Mobber und Quäler in meinem letzten Foltergefängnis?
Ich schaue schon im Voraus böse, weil ich weiß, dass auch Sie die Fahrtkosten zur Arbeit nicht übernehmen wollen.
Die von der Arbeitsagentur hören meine Klagen nie an, dann hören doch wenigstens Sie zu.
Arbeit zu finden ist nicht meine dringendste Sorge. Ich suche jemand, der mir meine Bereitschaft zur gelegentlichen Anwesenheit vergütet.

Als ehrliche Arbeiterin der Stirn, die ihr Auskommen darin findet, jeglichen Ausbeutern die Faust zu zeigen, wird frau diesen Sachverhalt natürlich anders ableiten: “Der Job selbst lässt … den wenigsten die Möglichkeit, sich moralisch zu verhalten.” Ulrike Winkelmann sprach damit in der TAZ den Jobanbietern insgesamt die Moral ab. Am Moralistenstandort Deutschland beziehen einige ihren Lebenssinn daraus, keine gute Miene zum bösen Spiel zu machen, zu dem sie keiner einlädt.

Lassen wir uns auf die Wirtschaft ein. Nicht gerade arglosen Herzens, aber doch ohne Furcht, ein moralisches Bordell zu betreten. Wie visualisiert man da als Bewerber gegenüber verständigen Personen seine Vertrauenswürdigkeit, Verlässlichkeit, Stetigkeit, Belastbarkeit, Arbeitsfreude, soziale und fachliche Kompetenz? - Ganz einfach.

1. Machen Sie sich mit den Anforderungen der Stelle und mit Ihrer eigenen Eignung vertraut. Wissen macht sicher.

2. Üben Sie die Abläufe in den Kontakt-, Gesprächs-, Verhandlungsphasen ein. Routinen tragen einen zum Ziel.

3. Ändern Sie ihr Äußeres, bis es einem erfolgreichen Vertreter Ihres Berufsstands gleicht. Bis hin zu Ihrer Sprache.

4. Kontrollieren Sie jedes Detail Ihrer Kleidung. Auf der Checkliste stehen: Angemessenheit, Sauberkeit, Gepflegtheit.

5. Werden Sie nicht nachlässig gegenüber ihrem Körper. Das kulturelle Paradigma der Zeit heißt: Bring dich in Form!

6. Kontrollieren Sie Ihre Körperhaltung. Sitzen Sie aufrecht? Halten Sie still? Setzen Sie Augen und Hände ein? Öffnen Sie sich? Oder senden Sie Zeichen der Unterwerfung, der Resignation oder des inneren Grolls?

7. Kontrollieren Sie Ihre Sprache und Ihr Sprechen auf Klarheit, Kürze, Bestimmtheit, Bezug auf den Adressaten und vor allem auf Verständlichkeit. Reden Sie hörbar und mit fester Stimme. In unserer klassenlosen Gesellschaft signalisiert man Klasse wie Klassenstandpunkt durch das, worüber man redet und durch das, worüber man schweigt.

8. Lassen Sie Ihre Manieren von einer Person prüfen, der Sie auch unangenehme Wahrheiten abnehmen.

9. Blenden Sie nicht. Geben Sie niemals vor, jemand zu sein, der Sie nicht sind. Wenn Sie im Gespräch merken, dass man einen anderen und nicht Sie sucht, dann ziehen Sie die Konsequenzen. Es ist nicht Ihr Job, um jeden Preis zu gefallen.

10. Gehen Sie nur in ein Gespräch, wenn Sie definitiv wissen, dass Sie Zusagen auch erfüllen können. Sie wünschen sich Verlässlichkeit, die Gegenseite braucht sie auch.

Rauchen Sie nicht mehr, nachdem Sie Ihre frisch gewaschene Bewerbungskluft angezogen haben. Man soll nicht riechen, dass Sie paffen. Jeder, auch der aschfahle und nikotinsüchtige Vorgesetzte, assoziiert: Unsicherheit, Ich-Schwäche, fehlende Kondition, langes Siechtum. Früher Tod. Dummerweise steht das Stinkertum bei uns auch noch für eine wohlfeile Geste der gesellschaftlichen Unangepasstheit. Der Westen spielt damit, dass die Jugend den Alten was hustet.

Man wagt es kaum mehr zu schreiben, aber eine natürliche Ausstrahlung haben keine Naturkinder oder Vertreter der Neuen Deutschen Authentizität. Solche Leute riechen bloß streng. Natürliche Ausstrahlung ist das Ergebnis einer fortgesetzten erzieherischen Anstrengung. Strahlen kann man lernen. Üben Sie's ein.

Gehen Sie einmal all die überwältigend positiven Leute durch, die Ihnen begegnet sind. Sofern Sie nicht für ein Moralblatt arbeiten, haben Sie sicher starke Typen getroffen, mit denen Sie von Herzen gern kooperieren, denen Sie vergnügt zuarbeiten können. Ganz gleich, wes' Geistes Kind Sie sind, können Sie deren Verhaltensweisen adaptieren. Authentische, positiv gestimmte, nachhaltig begeisternde Leute geben sich weder schlecht gelaunt noch egozentrisch noch aggressiv-dominant. Sie treten liebenswürdig, aufmerksam, auch im Dissens immer höflich und gewinnend auf - allerdings handeln sie ebenso bestimmt, verbindlich, selbstbewusst und wenn es darauf ankommt, auch durchsetzungsstark.

Sollten Sie von einer ehrlichen Begeisterung für das eigene Fach, für die eigene Arbeit erfüllt sein: Bringen Sie das rüber. Arbeitgeber und Auftraggeber bevorzugen den, der sich sichtlich auf seinen Job freut.

Dank an Werner Brendli, Edith Nebel.
Ostrach, 5.2.2005 - Gerhard Winkler
Kommentar an den Bewerbungshelfer: gwinkler@jova-nova.com


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