Neue Texte auf jova-nova.com Zur Inhaltsübersicht Tipps, Beispiele, Vorlagen, Anleitungen für Job- und Ausbildungsplatzsuchende Arbeitsblätter, Fragebögen, Formulare An die Arbeit - der Online-Ratgeber Ich helfe! Suchen auf jova-nova.com Guter Rat seit 1997 auf jova-nova.com
Gerhard Winkler ist Ihr Bewerbungshelfer
Die neuesten
Beiträge
jova-nova.com hat
(sehr) viele Seiten
Alles, was
Bewerber brauchen
Bewerben kann
man lernen

An die Arbeit!
(Online-Fassung)
Das kann ich
für Sie tun
Worüber
möchten Sie lesen?
Seit 1997 online:
Gerhard Winklers
Rat für Jobsuchende




Bewerbung - Praxisbeispiele



"Warum habe ich die Stelle nicht gekriegt?"

Dabei war Ihr Gespräch doch so gut gelaufen. Und jetzt die Absage. Der ratlose Ton in Ihrer Frage verrät, dass Sie die ganze Wahrheit hören wollen. Dann machen Sie sich dafür bereit!

Ein Wort vorab für alle verbitterten und beleidigten Bewerber: Wahrscheinlich hat sich außer Ihnen eine ganze Bewerberriege präsentiert. Auch wenn jeder den Job gleich gut gemacht hätte: Es konnte nur einer den Zuschlag erhalten. Das spricht tatsächlich nicht gegen Sie. Der Auswahlprozess im Jobinterview hat ziemlich viel von einem Würfelspiel, ein bisschen was von einem Wettbewerb und fast gar nichts von einem Wettlauf. Stimmen die Rahmenbedingungen, dann würfeln Sie einfach weiter. Bald sind Sie wieder am Zug. Wollen wir wetten?

Ein Trost für alle selbstkritischen Zweifler. Klar doch: Sie haben nicht alles gesagt. Nicht alles deutlich genug gesagt. Nicht alles im richtigen Moment hervorgebracht. Dafür ist Ihnen manches einfach so herausgerutscht. Und auf Ihrem Jackettärmel war ein Krümel. Dermaßen penibel bewerten sich eher Menschen mit einer überdurchschnittlich ausgebildeten Selbstwahrnehmung und einer ausgeprägten Selbstkontrolle. Keinem Performance-Profi gelingt es, Bewerbungsrunden von 45 - 120 Minuten fehlerfrei zu meistern. Noch nicht einmal an einem Glückstag. Nicht einmal Doris' Mann, der sonst alle schafft, könnte dies schaffen. Und auch für die wenigen Virtuosen, die fehlerfrei vorspielen, bleibt stets noch die bange Frage, wie die Jury die individuelle Interpretation bewertet.



Keinen Trost weiß ich im für Sie ungünstigsten Fall. Sie mussten gegen den Bewerber mit dem WOW!-Effekt antreten. Sie hatten keine Chance. Sie haben sie dennoch genutzt. Ohne Erfolg. Und ehrlich gesagt, es hätte auch niemals geklappt. Selbst wenn Sie mehr Umsatz gemacht, mehr Leute geführt, mehr Produkte vermarktet, mehr Fälle bearbeitet oder mehr Bäumchen gepflanzt haben: Der WOW!-Bewerber bringt dennoch mehr als Sie. Mehr Ausstrahlung.

Ein Fachvorgesetzter reagiert auf
WOW!-Kandidaten spontan: Welch ein offenkundiges Wunder! Ein Personaler reagiert auf ihn automatisch: Wahrhaftig die optimale Wahl! Selbst die geleaste Front-Desk-Amazone lächelt auf einmal authentisch und denkt nur noch WOW!, während Sie den Star-Kandidaten oder die Traumbewerberin am Telefon avisiert.

Warum siegen
WOW-Bewerber? Als Antwort können Sie lesen: Es liegt am Charisma. An der Körpersprache. An der Selbstvermarktung. Am Power-Selling. An einer Verschwörung. An neuronaler Selbstprogrammierung. An der Lektüre von Schnellschüssen aus der Manufaktur Hesse/Schrader. Am Durcharbeiten der Trainingsvideos von wild gestikulierenden Headset-Gurus. Vielleicht stimmt ja alles davon ein bisschen.

Weiterlesen
Nach meiner langjährigen, 'detailversessenen' (Com!Direct) Bewerber-Beobachtung liegt es ganz einfach daran: Siegertypen senden starke Signale. Ich habe für Sie sieben WOW-Botschaften herausgefiltert.



Geben Sie sich so, verhalten Sie sich unter allen Bewerberumständen so, dass Sie diese Signale gleichmäßig ausstrahlen. Verweisen Sie zugleich aktiv auf
Ihre konkreten Kompetenznachweise. Dann kann ein Stellenanbieter nicht anders, als warmen Herzens an Sie denken.



Selbstgewissheit meint, dass Sie sich über sich selbst vollkommen im Klaren sind: "Ich bin ein Bauingenieur." Oder: "Ich werde mich zum Verwaltungsangestellten ausbilden lassen." Oder: "Egal, welches Produkt. Ich manage es." Nagelprobe: die Frage, was Sie beruflich machen. Erst wenn Sie die Antwort in einem Wort geben, sind Sie Ihrer beruflichen Identität gewiss. Sagen Sie es wirklich in einem Wort. Und nicht in einem Begriff plus drei erläuternden Nachsätzen.

Selbstgewissheit drückt sich sprachlich aus. Sie vermurmeln sich nicht immer leiser werdend. Ihre Stimme geht am Satzende nicht fragend hoch. Zielgerichtete persönliche Fragen werfen Sie nicht aus dem Gleichgewicht. Selbstgewissheit stärkt das Selbstbewusstsein so sehr, dass Sie sich auch körperlich stellen. Ohne dass Ihre Arme und Hände dem Gesprächspartner Barrieren aufbauen.

Bestimmtheit bedeutet, dass Sie sich von nichts und niemanden beirren lassen. Sie haben Ihr Ziel selbst bestimmt und kennen den Weg. Ein Personaler gleicht seine Zielplanung und seinen Routenplan gern mit Ihnen ab. Er wird Ihnen für Ihre Bestimmtheit sogar dankbar sein. Die Organisation, die er vertritt, dient endlich einmal nicht als Leuchtturm für desorientierte Bewerber.

Bestimmt sein bedeutet auch, eine bestimmte Art zu sprechen. Deshalb ist Bestimmtheit hörbar. Bestimmtheit sucht den Augenkontakt.




Eindeutigkeit heißt, dass Sie niemanden über sich im Unklaren lassen. Uneindeutig handelt, wer beklommen in ein Gespräch geht, weil er schon vorab daran zweifelt, ob die Gesprächszusage eine gute Idee war. Mehrdeutig handelt, wer zu Vorschlägen und Wünschen nicht klar Stellung bezieht. Ihre Rede sei eindeutig ja oder eindeutig nein. Oder aber Sie legen sich so fest: "Geben Sie mir 3 Tage Zeit, um mit mir darüber zu Rate zu gehen."

Eindeutigkeit im Gespräch bedeutet, dass Sie nicht langatmig erklären. Uneindeutige Bewerber lassen den Blick wandern wie jemand, der dringend einen Ausweg sucht.

Wiedererkennbarkeit garantiert, dass Sie dem idealtypischen Bild entsprechen, das man von einem tüchtigen Berufsvertreter oder Absolventen im Kopf hat. Sprechen Sie die Sprache? Kennen Sie die Themen? Äußern Sie die Meinung? Sind Sie passend gekleidet? Stimmen die Accessoires? Sind Sie an den richtigen Stellen begeistert? Personaler haben natürlich auch feste Problemtypen im Kopf. Hoffentlich erkennt man Sie nicht wieder als Mobbingopfer, Flurgeist, Pausenfüller, Krankheitsfeierer, Ränkeschmied, Drogeneinwerfer, prätraumatischen Postangestellten oder notorischen Betriebsfriedensbrecher.

Gelten alle Ihre aktiven Gesprächsinitiativen einzig Ihren eigenen Themen - Gehalt, Urlaub, Sonderleistungen, Arbeitsbedingungen, Überstundenregelung, Bildungszuschuss - dann erkennt ein Personaler Sie sofort wieder: Sie sehen sich als Leistungsempfänger. Nagelprobe: Womit haben Sie im Gespräch klargestellt, dass Sie ein im vernünftigem Maße uneigennützig handelnder, am Wohl und Schicksal der Organisation aufrichtig interessierter Bewerber sind? - Durch nichts Besonderes? Au Backe.

Verlässlichkeit strahlen Sie durch Ihre Rede aus, durch Ihr Äußeres, durch Ihre Körpersprache. Nicht sehr verlässlich erscheinen Zauderer, Nicht-So-Recht-Wisser, inkompetente, unreife und unkonzenrierte Mitarbeiter. Vor allem Nachlässigkeit in Kleidung, Manieren und Sprachen signalisiert dem Personaler, dass man sich nicht auf den Kandidaten verlassen kann.

Ein
WOW!-Bewerber behauptet nicht: Ich bin zuverlässig. Er erzählt, dass man sich in seinem Team blind aufeinander verlässt und dass nichts besser funktioniert als Vertrauen gepaart mit strukturiertem Projektmanagement.

Robustheit meint, dass Sie morgens Ihre Traglast aufschultern und tapfer tragen. Tag für Tag. Dass Ihr Gewissen Ihnen Krankfeiertage verbietet. Dass Ungerechtigkeiten, Kränkungen und Verletzungen Sie nicht davon abhalten, Ihre Pflicht zu tun.

Selbständig agierende Menschen wirken robust, weil sie signalisieren: Sollte ich mal stürzen und mir die Knie aufschlagen, kümmere ich mich selbst um das Pflaster. Warum leugnen, dass Nehmerqualitäten Karrieren erleichtern? Die berufliche Wirklichkeit ist nur dann echt nett, wenn alle fair und regelgeleitet miteinander umgehen, wenn jeder gute Leistung bringt und wenn es der Organisation insgesamt gut geht. Daraus können Sie mit einem gewissen Recht ableiten, dass der berufliche Alltag meist nicht besonders nett ist.

Gelassenheit ist im Gespräch ein Zeichen von mentaler Robustheit. Lassen Sie sich nicht von Ihren Interviewern provozieren und aus dem Gleichgewicht bringen.

Und eine
gute Kinderstube? Was nutzt die dem angehenden Substituten, der mit einem Regionalleiter von Popelig Leben Und Seufzen über einen Job in der Kühlfachzone des Lebens verhandelt? Nun, der Leiter müsste schon von BILD und Billigfusel komplett benebelt sein, um nicht zu würdigen, dass ihm die guten Umgangsformen seiner Mitarbeiter nachweisbar Geschäftsvorteile bringen.



Nagelprobe: Sie bewegen sich selten in einem etwas formelleren gesellschaftlichen Rahmen. Jemand anderes als Ihre Eltern hat Ihnen schon einmal zu verstehen gegeben, Sie seien unpassend angezogen.Sie verstummen oft, wenn Sie ungezwungen reden sollten. Sie finden, das man Menschen in untergeordnetem gesellschaftlichen Rang nicht sehr gut behandeln muss. Können Sie einem dieser Sätze getrost zustimmen? Dann sieht es ganz so aus, als ob Sie's beruflich nicht weit bringen.

In jedem Fall werden Sie dann nicht nur von den
WOW-Bewerbern ausgestochen. Zum Beispiel auch von jedem assimilationshungrigen Aufsteiger. Der hat sich aus den Beschränktheiten seines Elternhauses und den Gruppenzwängen seiner Peer Group gelöst und hat die desinteressierte Inkompetenz seiner Lehrer ohne Schaden an Verstand und Leben überstanden. Er wird Sie mit seinen antrainierten guten Manieren locker schlagen.

Mein Rat für das nächste Interview: Treten Sie bestimmt auf. Verhalten Sie sich eindeutig. Erfüllen Sie in den Kernpunkten die klischeehaften Vorstellungen von einem guten Bewerber. Erweisen Sie sich als robust und verläßlich. Benehmen Sie sich comme il faut.

In jeder von mir optimierten Bewerbung finden meine Klienten WOW!-Signale. Als erste Reaktion erklären mir einige verlegen, ich lasse ihr Licht viel zu hell scheinen. Aber ich muss sagen, ein jeder Bewerber adaptiert sich doch sehr schnell und ohne zu blinzeln an seine neue, starke Außenwirkung.

Ostrach, 6. Dezember 2002
© Gerhard Winkler, jova-nova.com

Seitenanfang




Job-Interview:
Übersicht Bewerbungshelfer:
Übersicht

[Aktuell] [Übersicht] [Bewerbung] [Arbeitsblätter] [Online-Buch] [Service] [Suchen] [Impressum]