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Bewerbung - Praxisbeispiele
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Hinweis des EU-Komitees zur Kennzeichnung und Vereinheitlichung von Gebrauchstexten: Der folgende Text enthält Spuren von Ironie und Witz. Er kann insbesondere unerfahrene, leichtgläubige oder bedeutungsschwangere LeserInnen gefährden. Im Falle von Schwindel oder Unwohlsein nach der Lektüre wird empfohlen, den Vorfall unter Angabe der Fundstelle an die EU Förderstelle für Verbraucherschutz, Referat Non-Fiktion GER/W zu melden.

Hey. Ich bin der Gerd. Ich mach gerade eine Berater-Ausbildung und schreib was über Cool bewerben. Und da habe ich auch was über dich recherchiert. Ja, über dich. Ich finde dich cool. Deine Bewerbung bringts. Ich sag dir: Dein Ich, das ist voll der Mittelpunkt der Welt. Ehrlich. Und dein Nabel ist das Zentrum des Ichs. Darum gehts aber nicht. Es geht um dein Gefühl im Bauch. Und so aus dem Bauch heraus kommt die Message:

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Ein echter Stressfaktor sind aber schon mal die Typen, die man nicht kennt. Leute, die man sogar siezen muss. Verdammt. Sprich du mal einfach so fremde Leute an. Wenn du sie nicht kennst. Woher auch? Die sind vielleicht auch noch voll uncool. Am besten, du tust so, als wär nichts:

Beispiel #1

Sehr geehrtes Mitglied des JWG-Software Teams,

ich würde mich sehr freuen, bei euch als Betreuer für vernetzte Systeme mitarbeiten zu dürfen.

Beispiel #2

Hallo,

hiermit möchte ich mich um einen Praktikumsplatz bei Euch im Eventmarketingbereich bewerben.

So macht man das. Vergiss das hiermit nicht. Sonst schnallen die ja nicht, womit du dich bewirbst. Was aber, wenn es gerade so cool läuft zwischen dir und dem Jobanbieter und da schlüpfen gerade Johannes Rau und Sonja Merkel zur Tür rein? Die zwei schauen kurz in der Industrie nach, ob alles rund läuft mit den Ausbildungsplätzen. Und die kannst du ja schlecht duzen. Konkret heißt das: Schalter um und auf Dummy Talk switchen:

Du siehst so brutal alt aus. -> Sie sehen aber noch ganz gut erhalten aus.

Mir wird abrupt schlecht, wenn ich
dich sehe. -> Ich freue mich so sehr, Sie zu sehen.

Dir kann keiner mehr helfen, Alter. -> Kann ich Ihnen behilflich sein?

Wenn ich
euch zwei sehe, kommt es mir voll hoch. -> Ich sehe Sie beide als meine wichtigsten Vorbilder.

Eure Visagen sind voll SabineChristiansen. -> Ihre Mienen sind heute ein bisschen bekümmert.

Ihr zwei stresst mich brutal. -> Sie schlagen da gute und richtige Dinge vor.

Aber wenn du die Wahl hast zwischen bloß höflich anreden und cool anreden, dann rede die Leute besser cool an. Und jetzt zu deiner
Message im Anschreiben. Deine Task Nr. 1: Make it clear, was die ganze Zeit uncool gelaufen ist:

Beispiel #3

Aufgrund der derzeitigen wirtschaftlichen Lage bekam ich leider nicht den ursprünglich erwünschten Ausbildungsplatz zur Werbe- oder Veranstaltungskauffrau ...

Beispiel #4

Meine späte Bewerbung resultiert daraus, dass ich mir mit meinem Lehrerstudium, dass ich immer angestrebt habe langsam sehr unsicher wurde und mich entschloss eventuell ein Praktikum im IT-Bereich zu machen um mir klarer über meine Ziele zu werden.

Als Jobsucher bist du der Star. Die Leute wissen das und erwarten von dir voll Auskunft. Die wollen auch, dass du konkret klärst, wie das alles so kam. Gib die volle Story. Express yourself. Bring’s raus, wenn’s in dir abgeht.

Beispiel #5

Leider entsprach der Lehrinhalt jedoch weder meinen Vorstellungen noch den Forderungen, die ich an mich selbst gestellt habe und so beendete ich die Ausbildung im März wieder.

Beispiel #6

Das sprach mich zunächst nicht sehr an, aber in meinem Kopf wurde mir die Vorstellung immer sympathischer und jetzt würde ich mich wie schon gesagt sehr freuen diese bei euch zu verwirklichen.

Es gibt massig solcher kleinen Tricks, um zu beweisen, dass du kein Show-Off bist. Starke Typen fighten mit sich selbst. Du im Clinch mit deinem Inner Self. Voll der Hit! Wenn du zwischendrin beim Bewerben mal aufs Klo oder nachdenken musst, mach einfach einen Punkt.

Beispiel #7

Momentan leiste ich meinen Zivildienst in der AWOHA Neustadt ab. Auch hier erledige ich, neben anderen Aufgaben.

Und dann spring zu was anderem. Das hält die Zwerge wach. Weißt du, manche Leute wagen echt nicht zu träumen. Die sind wie tot. Nutz die Gelegenheit deiner Bewerbung, um auch dein emotional wichtiges Thema voll stark zu besetzen:

Beispiel #8

Im Frühling vergangenen Jahres erfüllte ich mir dann den langersehnten Traum einer 2-monatigen Neuseelandreise, wodurch ich viele Eindrücke und Erfahrungen sammeln konnte.

Da war dein Samsonite am Ende aber echt voll, oder? <LOL!> - Hey, war nicht so gemeint! Kommen wir vielleicht mal zum Schluss. Apropopos Schlus: Wer einen Briefe anfängt, muss ihn auch beenden. Schade, aber that’s life. Manchmal steckt man so voll drin, dass man mitten im Satz abspringen muss. Macht aber nichts:

Beispiel #9

Durch ein Praktikum erhoffe ich ein paar Eindrücke in der Berufwelt des Eventmarketings zu bekommen und würde mich daher sehr über eine positive Rückmeldung Ihrer-/Eurerseits freuen und verbleibe bis dahin,

mit freundlichen Grüßen

Hängt voll durch, wie du nebenbei grüßt. Noch ein Sahnebonbon aus der Bewerber-Box: Hoffen, hoffen, hoffen! Zeig, dass du ein echter Hoffnungsträger bist!

Beispiel #10

Ich hoffe auf Ihre baldige Antwort und auf eine etwaige baldige Zusammenarbeit.

Hope like an Angel. Du bist innerlich reich. Du hast so vieles, was dich beschäftigt. Beschäftige damit auch die Jobanbieter. Jeder braucht eine Aufgabe und so ein Geschäftsführer ist happy, wenn du ihm was zu denken gibst. In diesem Sinne: Hang loose. Speziell beim Sammeln von Einblicken und Eindrücken sowie beim Umgang mit Menschen und der EDV! Meint

der Gerd von der Berater-Bronx


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Schluss mit lustig. Über die Ich-Bezogenheit junger Menschen, über die Unbeholfenheit junger Hunde und über die Ironie-Resistenz heranwachsender Leser lästert man nicht. (Gut für dich, peterziegler4.) Meine Tipps für Unangepasste:

Jobsuchende und Jobanbieter sitzen nicht an der selben Seite des Tischs. Vielleicht haben Sie etwas dagegen, die Aufstellung zu akzeptieren und sich an Ihren Platz zu setzen. Vielleicht finden Sie, dass es Ihnen dumme Rituale und Förmlichkeiten erspart, wenn Sie authentisch handeln und von Mensch zu Mensch Ihre eigene Bewerbungssache regeln. Sie werden damit scheitern. Und wenn Sie sensibel sind, werden Sie merken, dass Sie sich zugleich blamieren.

Das Ziel des Bewerbens liegt nicht darin, in eine Community aufgenommen zu werden. Und dort, wo eine Community sehr heftig mit dem Community-Aspekt wirbt, sollte eigentlich ein Schild stehen: Achtung, Inkompetenz und Antrophagie.

Sie sind in dem Schmuse-Alter, in dem der Himmel für Sie bedeutet: nette Clique. (Es ist ein Alter, aus dem Sie nie mehr herauskommen.) Community übersetzt ein Jobanbieter aber nicht mit Wohlfühlgemeinschaft, sondern mit Arbeitsgemeinschaft. Was Ausbilder und Arbeitgeber auch immer sind, es sind

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Schreiben Sie Leuten nur kumpelhaft, wenn Sie mit ihnen auch kumpelhaft reden. Selbst wenn Sie gemeinsam mit einem Jobanbieter 40 Lastkamele durch Sielmann County getrieben haben, wird er nicht zu Ihrem Kumpel. Folgen Sie der Form und perfektionieren Sie den höflichen Briefstil.

Vielleicht finden Sie einen Jobanbieter, der genau so redet und sich genau so crazy gibt wie Sie (oder zumindest so, wie Sie sich gern geben möchten). Schreiben Sie ihn nicht an. Gehen Sie zu ihm oder telefonieren Sie. Wenn dieser Typ wirklich so cool ist wie Sie, dann kann er genauso wenig lesen, wie Sie schreiben können.

Wenn Sie sich trotzdem schriftlich bewerben, eine Warnung: In jedem Betrieb oder Laden, der so viel Geld macht, dass man Sie zahlen kann, sitzt im Personalbüro jemand, der gerade eben zum Boss bemerkt: Dass wir immer die Freaks und Looser anziehen, das ist der Preis für unser hippes Marken-Image.

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Wer erklärt, verliert. Wer sich erklärt, verliert die Aufmerksamkeit des Jobanbieters. Schon möglich, dass das, was junge ernsthafte Menschen bewegt, auch einen Personaler interessiert. Und jedes Mal, wenn das geschieht, weint der Iron-Man vor dem schönen Frankfurter Messeturm eine eiserne Träne.

Jobsuchende schauen nicht nur aus nach einen Job. Sie schauen zugleich tief in sich hinein. Sie sammeln Eindrücke und verarbeiten ihren ganzen bisherigen Weg und Werdegang. Das ist ein wichtiger und aufwendiger Prozess in der Persönlichkeitsbildung, vor allem, wenn Berufsberater Lunte riechen und Beratungsbedarf ermitteln.

Diese
Selbstfindung ist dramatisch, krisenhaft und provisorisch. Doch weder diese wichtigen Prozesse noch ihre bemerkenswerten Einsichten spielen als Argumente in Anschreiben oder Lebenslauf irgend eine Rolle. (Ich weiß, Karriereberater können das jetzt nicht so stehen lassen. Aber ich kann's.)

Wie Sie dazu gekommen sind, als Bewerber Ihre Selbst-Präsentation vorzubringen, das ist nicht wichtig. Beim Texten von Bewerbungen gilt deshalb: Wer erklärt, verliert. Es gibt keine Ausnahme von dieser Regel.

Ausbilder erfragen natürlich, wie sich eine Berufswahl motiviert. Sie wollen ausschließlich wissen, ob der Kandidat kapiert hat, worauf er sich einlässt. Deshalb sagt man Ihnen aber nicht, was sie hören wollen. Man erklärt auch nicht lang und breit, auf welchem verschlungenen Pfad man hergefunden hat. Man signalisiert, dass man verstanden hat, was die Ausbildungsrichtung, die tägliche Arbeit und das Ausbildungsziel am Ende für einen bedeuten.

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Halten Sie Ihr privates Ego und Ihr berufliches Ich auseinander. Die Frage „Wer sind Sie?“ ist kein freudiger Anlass, das Ich auszuwalzen. Wozu denn nur wie ein Rebell oder wie ein VIP oder wie ein Selbst-Verkäufer oder wie ein 3-Minuten-Prediger oder wie ein armes Häschen oder wie ein Landei oder ganz tief aus sich selbst heraus antworten? Es geht doch nur um einen Job. Sie sprechen sich doch nur für Ihre Job-Eignung aus. Und was da aus dieser Präsentation spricht, das ist nicht mehr, aber auch keinesfalls weniger als Ihr BIIW. Ihr berufliches Ich im Werden.

Bewerben ist kein Grund, um privat zu werden.

Sehen Sie sich in einer angestrebten Ausbildung, in einem angepeilten Job? Betrachten Sie sich aufmerksam, mit den Augen eines Beobachters. Wenn Sie sich selber bei Ihrer Arbeit oder Ausbildung zusehen können, dann können Sie auch eine Bewerbung schreiben.

Wenn Sie sich nicht voll und ganz selber sehen - an dieser Arbeitsstelle, mit diesen Leuten, bei dieser Arbeit - dann bewerben Sie sich besser nicht.

Es gibt
Kandidaten, die sich nicht bildhaft vorstellen können, wie sie einen Job oder eine Ausbildung machen. Die strahlen die selbe Wirkung aus wie diese Menschen in leuchtend orangefarbenen Westen mit heftig rotierenden lila Lampen, auf Helmen, die so aussehen wie umgestülpte Blechtrichter. Jetzt kommen sie auch noch auf uns zu und wedeln mit Ihren Plastikheftern. Schnell auf die andere Seite.

Noch Kraft für ein Beispiel? - Eat this.

Sehr geehrte Frau Ludwig,

meine erfolgreiche Ausbildung zur Hotelfachfrau, beste Umgangsformen, geschicktes und freundliches Auftreten sowie gute Kommunikationsfähigkeit in Englisch sprechen für meine Eignung als Commis de Rang. Während meiner Ausbildung habe ich mich in einem Haus mit über 600 Zimmern sowie bei gastronomischen Großveranstaltungen bewährt und mich dabei stets durch freundliche Ansprache, kundige Beratung und fachgerechtes Servieren ausgezeichnet. Dass ich arbeitseifrig bin, zupacken kann und meine Arbeit sehr engagiert leiste, stellte ich auch in einem sozialen Jahr beim Dortmunder Winklergenesungswerk unter Beweis.

Nach meiner Lehre im Bielefelder Palace Hotel habe ich mit dem Abitur an einer Wirt-schaftsoberschule die Basis für eine weitere Ausbildung in Tourismus und Eventmanagement gelegt. Zuvor möchte ich jedoch in der fordernden und anspruchsvollen Umgebung der gehoxbenen Gastronomie weitere Praxiserfahrung erwerben und mich mit dem betrieb-lichen Alltag eines Kreuzfahrerschiffs vertraut machen.

Als Schulabgängerin stehe ich Ihnen sofort für eine Mitarbeit zur Verfügung. Darf ich Sie von meiner fachlichen Eignung und meiner hohen Motivation in einem persönlichen Gespräch ganz überzeugen? Dann würde ich mich über Ihren Terminvorschlag mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen


Ostrach, 08.08.2003 - Gerhard Winkler
Gerhard Winkler gibt 100 x Rat: Anders bewerben

L.B. schreibt: "Das Buch "Anders Bewerben" hat mir übrigens sehr gut gefallen, viele Anregungen gebracht und die joblose Zeit sinnvoll ausgefüllt."

Mein Verleger schreibt: "Sie müssen das Buch nun unbedingt auch außerhalb des Web bekannt machen!"

Und ich schreibe tagein, tagaus Bewerbungen für meine Mandanten. Könnten Sie nicht mein Buch ein wenig weiterempfehlen? Und ich kümmere mich weiter drum, dass alle Bewerbungen optimal und fristgerecht ankommen.

Merci.

GW

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