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| Bewerbung - Praxisbeispiele | ||||||||
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"Der Bewerbungsflyer wurde speziell für Initiativbewerbungen entwickelt. Er gibt Ihrem zukünftigen Arbeitsgeber in übersichtlicher, ansprechender Form alle Informationen, die nötig sind, um ihn von Ihrer Qualifikation zu überzeugen: Ihre beruflichen Qualifikationen (Skills), eine Kurzübersicht über Ihre bisherhige berufliche (oder schulische) Entwicklung, Ihre persönlichen Daten, ein Foto und Ihre Kontaktdaten" - Da hat sich die Entwicklungsabteilung von bewerbungs-spezialist.de aber schwer ins Zeug gelegt. Doch das Produkt ist ein Flop, seine Entwickler sind Stümper, ihre Versprechungen leer. Ich erkläre Ihnen, warum. Flyer sind wie jede Art von Bonus-Basteleien kontraproduktiv für Ihre Bewerbung. Ein Faltblatt setzen Sie allenfalls ein, wenn Sie sich frei vermarkten & auch dann ist das längst nicht das Werbemittel der Götter. Vertrauen Sie mir. Ich bin ja zufälligerweise, ich sag das nicht nur so, auch der gefragteste Flyer-Texter nördlich des Urals. In manchen Iglus und Katen sind meine Flyer der einzige Wandschmuck. Mein geschäftliches Motto heißt: Mit mehr Worten würden Sie weniger sagen.Ich weiß, wie Flyer funktionieren und weiß vor allem, dass sie als lebende Fossilien aus dem Holozän der Werbemittel heute nur ein Nischen-Dasein führen. Flyer sind ein Medium, mit dem wackere Dienstleister die Nachbarschaft abdecken. Klar stößt so ein Aufklappblatt manchmal auch etwas Positives an. Kleiner Flyer, große Wirkung: Man war tief in der Lebenskrise, sagenhaft mit sich uneins, und der unstete Blick wanderte über die adrett ausgelegten Handzettel auf dem Vollholz-Board neben der Kurbelkasse des Reformhauses bei Onkel Toms Hütte, und da strahlten diese mandelmilchbraunen Yoga-Fachkraftaugen von einem arvedisch-gelben Infoblatt in bestechend himmlischer Güte einem mitten ins Herz, und man dachte wie erleuchtet: Zum Glück hab ich mich nur ein bisschen zu verrenken. Seit Gautamas Zeiten hat aber noch kein einziger Bewerberflyer einen Arbeitgeber jemals in mystisches Entzücken versetzt. Arbeitgeber sind auch Menschen, die je nach Interessenlage durchaus wohlwollend die Faltblätter von Pizza-Services, Hunde-Ausführdiensten, Power-Walking-Gruppen und Darbietungen von Villancicos Y Danzas Creolas studieren. Je weniger ein Rekrutierer aber Zeit hat, desto mehr wird er sich weigern, einen Bewerberflyer anzufassen, aufzufalten, anzulesen, aufzunehmen. Fliegende Bewerber und ihre eilfertigen Berater hören es nicht gern, aber jemand, der so tief unten ist, dass er seine Daten drittelt und faltet und in Haettenschweiler setzt, nur um in einen Job zu kommen, an dem klebt das, was man die pechschwarze Strähne des permanenten beruflichen Desasters nennt. Und sobald Sie als Arbeitgeber dasV orzeigeprodukt eines talentlosen Schneiders von Papierfliegern anfassen, bleibt dessen Pech für die nächsten sieben Jahre an Ihnen selber kleben. Sie halten das gewiss für einen irrationalen Gedanken. Ich halte so manchen Akteur in der Jobwelt für vorurteilsgetrieben und vom vom Aberglauben verfolgt. Doch doch selbst der eiskalt rechnende Manager ist peinlich berührt, wenn er mit ansieht, wie ein Jobsuchender seinen Lebenslauf zerhäckselt, wie er sein hilfloses Geschreibe aus dem Anschreiben kopiert und wie er seine Vermarkterhoffnung ausgerechnet in ein mittenzentriertes, mit den Designelementen seines Betriebssystemaustatters aufgehübschtes, geistiges Armutszeugnis legt. Dienstleister, die etwas unbeholfen, aber durchaus geschäftstüchtig auf ihr Englischtraining, ihre Pudel-Pediküre, ihre Parkettschleiferei hinweisen, vermarkten nicht ihre Person, sondern ihr Angebot. Jeder mir bekannte Bewerberflyer krankt daran, dass auf einem Medium, das für eine breite Streuuung bestimmt ist, eine Biographie breitgetreten werden. Es sind einfach die falschen Daten auf dem falschen Blatt. Bewerber-Fluchblätter zählen zu den typischen Bastelaufgaben, mit denen man größere Gruppen ruhig hält. Von Kindergarten bis Altenkreis sind solche unter pädagogischer Führung im wechselseitigen Ansporn fabrizierten Nichtigkeiten fürwahr eine kreative Lösung, falls man die Zeit als einen Todfeind betrachtet, der auf möglichst uncharmante Weise totzuschlagen ist. Nur laufen alle Jobsuchende, auch Sie, in einem Wettlauf gegen die Uhr. Um noch in der Zeit zum Job zu kommen ist Ihnen aufgetragen, sich selbst flott zu vermarkten. Überall dort, wo Menschen arbeiten wollen, fallen ihnen seit jeher die selben Methoden ein: Sich da aufstellen, wo der Blick des Jobanbieters auf einen fällt. (Nur kann das ewig dauern.) Einen Agenten oder Fürsprecher in diplomatischer Jobmission losschicken. (Das braucht ebenfalls seine Zeit.) Hingehen und ansprechen. Oder anrufen. Oder anschreiben. (Desinteresse, Absagen, unfeine Reaktionen darf man als Selbstvermarkter nicht persönlich nehmen!) Warten, bis man aufgerufen oder zugeordnet wird. Sofern Sie fachlich nicht ganz auf dem Trockenen, psychosozial nicht ganz aus dem Häuschen, kommunikativ nicht absolut auf den Kopf gefallen sind, spricht nichts dagegen und alles dafür, sich selbst zu vermarkten: Zielperson identifizieren sie geradewegs ansteuern ihr die Übernahme einer konkreten Aufgabe vorschlagen seine Leistungen spezifizieren abklären, ob man weiter im Gespräch bleibt. In einem kurzen Vortrag bauen Sie in ganzen Sätzen Ihr Leistungsangebot auf. Tun Sie das schriftlich. Damit zeigen Sie, dass Sie der deutschen Sprache mächtig sind, dass Sie ein Thema präzis auf den Punkt bringen, dass Sie einen Adressaten in Kenntnis setzen, ohne dessen Zeit zu stehlen und dass Sie insgesamt die Antwort auf einen Mangel geben, weil eben Ihr Jobeinsatz dessen Lösung ist. Ihr Schreiben an einen Arbeitgeber nennt man Anschreiben. Legen Sie dazu ein Template, aus dem man rasch und leicht alle Daten und Fakten zu Ihrer Jobeignung nehmen und aus dem man die Entwicklung Ihres beruflich relevanten Lebens herauslesen kann. Dieses Datenblatt heißt Lebenslauf. Wozu braucht die Zielperson da einen Flyer? Um ihre Bürotasse drauf abzustellen? ![]() ![]() Die üblichen Präsentationsfehler und ein paar neue mehr: Unkonkretheit, Umständlichkeiten, Formalismus, Beteuerungen & andere Ich-Aussagen, sprachliche Versatzstücke, Fakten-Mangel sowie die komplette Absenz eines Wirkungsverständnisses: Flyer aus dem GREIFSWALDER BEWERBUNGS- UND VERMITTLUNGSZENTRUM. In der Stuttgarter Cleverles-Ecke des Web versucht sich eine "MOBILE BÜROWERKSTATT" an der individuellen Erstellung und Vervielfältigung von Bewerbungsflyern: "Vorzüge von Bewerbungsflyern: * Sind sowohl für Einzel- wie auch Massenbewerbungen geeignet * Lassen sich mit der günstigsten Versandoption verschicken * Sind optisch vorteilhafter als die nüchterne Variante der bisher favorisierten Zielgruppenkurzbewerbung (ZGKB) * Signalisieren dem Arbeitgeber Kreativität und Mut zu neuen (anderen) Präsentationsmethoden * Bündeln Ihre persönlichen Informationen in übersichtlicher und sinnig reduzierter Form, sodass Sie dem gestressten Personalleiter eines Unternehmens sehr entgegen kommen * Die Chance auf Beachtung erhöht sich deutlich" Hier paart sich blanke Chuzpe mit dem Eifer des Marktnischen-Aufspürers. Bewerbung haben alle zielgerichtet, ausgerichtet und auf den Adressaten eingestellt zu sein. Sie sind außerdem so nüchtern, wie die Anbahnung von Geschäftsbeziehungen eben sind. Wir Berater reden gewiss auch Jargon, aber Zielgruppenkurzbewerbung ZGKB ist kein Terminus technicus, sondern einfach nur ZGKB Ziemlich Großer Kunden Beschiss. Bewerbungen gehen stets an definierte Adressaten, manche Bewerbung an mehrere, aber kürzer als Anschreiben und Lebenslauf funktioniert nun einmal nicht auch nicht für Initiativ-Bewerber. Sie, liebe Selbstvermarkter mit Stil und Schmackes, leite ich seit 1997 im Web zum kreativen Jobfindungsverhalten an. Ich ermutige Sie, so gut ich kann, aber Sie sollten auch wissen: 100 von 100 Bewerben holen nicht das Maximum aus den idealtypischen Präsentationsformen Lebenslauf und Anschreiben heraus. Solange Sie nicht in der Lage sind, Ihr Leistungsangebot übersichtlich und auf das Notwendige reduziert in Anschreiben und Lebenslauf vorzulegen, verbieten sich Ausflüge in andere Textgenres. Und wenn Sie texten wie ein Meister, warum sollten Ihre anspruchsvolle Präsentation in eine mediale Form gießen, die nur subkomplexe Darbietungen ermöglicht? Werbung wirkt entweder als freudige Überraschung oder als liebgewordene Wiederholung. Eine korrekte Bewerbung ist nun mal keine Werbung, aber wenn Sie subversiv, kreativ und appetitanregend für Ihren Personaleinsatz werben wollen, dann plazieren Sie doch ein Kurz-Angebot mit auf den Flyer einer den Zielfirmen nahegelegenen Sushi-Bar. Schmuggeln Sie so Ihre Botschaft auf den Schreibtisch von hungrigen Jobanbietern! Kreativität ohne Können ist wie Sonne, Baum und Sterne-Malen im Kindergarten. Die Erziehungsberechtigten sind begeistert. Der Rest der Menschheit hängt sich solche Produkte nicht auf. Machen Sie als Jobsuchender nichts, was nur Sie beschäftigt, wenn Sie in der Zeit auch was machen könnten, was einen Jobanbieter beschäftigt. Nehmen Sie den direkten Weg - um so mehr, wenn Sie sich wochen-, monate- oder gar ein Leben lang vor dem Direktkontakt gedrückt haben. Sollten Sie nach einer sehr intensiven Phase der unverdrossenen Selbstvermarktung immer noch nicht mit Jobangeboten belohnt werden, dann propagiert Ihre Leistungsschau vielleicht nicht das, was Jobanbieter derzeit einkaufen wollen. Dann, aber auch nur dann trauern wir gemeinsam ein bisschen, reißen wir uns aber auch bald wieder zusammen und denken uns was Neues aus, womit wir auf dem Arbeitsmarkt reüssieren. Oder wir weichen auf andere Märkte aus. Oder wir suchen uns künftig Auftrag- statt Arbeitgeber. Wir Leistungsanbieter trotzen dem Untergang von Standorten und Industrien, der geschäftigen Lähmung der Politiker, der geschwätzigen Ratlosigkeit von Arbeitsexperten, dem Auskennertum der Wirtschaftsweisen, der kalten Hand der Profiteure und dem schweren Arm der Besitzstandwahrer. Was kann uns heute noch schrecken? Wir lassen keine Papierflieger los. Wir heben selber ab, schauen uns das Terrain an und entscheiden dann, wo wir landen. Berlin, 23. April 2006 - Gerhard Winkler Kommentar an den Bewerbungshelfer: gwinkler@jova-nova.com Seitenanfang |
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| Der Flyer ist ... ein weiteres Werkzeug in Ihrem Bewerbungskoffer. Viele Arbeitgeber, die unaufgefordert von Ihnen angeschrieben werden, finden es geradezu angenehm, zunächst einen kurzen Informationshappen zu bekommen, der im handlichen Format einen ganz schnellen Überblick zu Ihrer Person bietet.(IHK Flensburg) Mit all den Gadgets tun Bewerber nur so, als ob sie sich vermarkten. Tatsächlich vermeiden sie damit, sich direkt den Marktteilehmern auszusetzen. Liebe Leser, Sie brauchen keinen Bewerbungskoffer. Sie brauchen nur Ihren gesunden Vermarkterverstand und den Mut, direkt zu handeln. Liefern Sie Ihren kurzen Teasertext persönlich. Vertrauen Sie, was das Schriftliche angeht, allein der Kraft Ihrer Doppel- Präsentation in Anschreiben und Lebenslauf. Was immer der schlecht beratene Bewerber aus seinem Köfferchen herausholt, es ist billig, schäbig und nicht durchdacht. Er bleibt auf seinem Koffer sitzen. Sie kommen weiter. |
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