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1. Was mache ich eigentlich unter der Woche?***

"Was machen Sie eigentlich so unter der Woche", fragt mich ein Leser.

Na ja, er formulierte das anders.

Tatsächlich schrieb er: "Du sitzt wahrscheinlich in der Sonne und zählst den ganzen Tag Kolibris."

Also ehrlich.

Ich habe von Montag bis Freitag Anfängern geholfen. 4000 Wörter über SFGATE und andere Online-Zeitungen geschrieben.

Und fleißig Lesereinsendungen beantwortet.

Eine davon lautet:

"Ich habe mich entschieden, meine selbständige Tätigkeit für ein Angestelltenverhältnis aufzugeben.Deshalb wäre ich für eine Durchsicht meiner Bewerbung sehr dankbar."

Zu den eingereichten Unterlagen gehören eine beeindruckende Projektübersicht, ein Lebenslauf sowie dieser Entwurf:




2. Das Anschreiben

Betreff: Ihr Stellengesuch beim Arbeitsamt via Internet; Delphi - Programmierer


Sehr geehrter Herr ...,

Sie suchen einen technischen Assistenten für Informatik mit Kenntnissen der Entwicklungsumgebung Delphi.

Ich habe meinen Abschluß als technischer Assistent für Informatik 1990 in Weinheim gemacht. Mit der Entwicklungsumgebung Delphi arbeite ich seit über fünf Jahren.

Meine Fähigkeiten bringe ich gerne in Ihrem Team ein.

Ich freue mich auf ein informatives Gespräch mit Ihnen und wünsche Ihnen einen schönen Tag.



3. Mein Kommentar

"Sehr geehrter Herr ...,

alle Achtung vor Ihren bisherigen Leistungen! Ein Stellenbieter kann nicht anders, als Ihre beruflichen Fähigkeiten und Kenntnisse attraktiv zu finden. Sie gestalten Ihr Anschreiben deshalb recht lakonisch; Lebenslauf und vor allem die beeindruckende Projektauflistung sprechen ja für sich.

Sich zu bewerben kostet Zeit und Mühe. Stecken Sie in Ihr Anschreiben noch ein wenig mehr Arbeit, und sie optimieren nicht nur Ihre Chancen, sondern bereiten schon ein wenig das Terrain für Ihr Interview vor.

Ihr Anschreiben besteht aus der einfachen Gleichung "Gesucht = Geboten"; "technischer Assistent" + "Delphi" = "technischer Assistent" + "Delphi".

Das ist, wie wenn einer fragen würde: "Ich suche eine blaue Jeans" und der Verkäufer würde antworten : "Hier".

So etwas klappt nur, wenn der Verkäufer Hellseher oder dem Kunden alles gleich ist.

Wenn Sie auf die (nicht unbedingt ausdrücklich erwähnten) Anforderungen ausführlicher eingehen und dann noch im Anschreiben mehr über sich sagen, dann erkennt der Leser:

Sie wissen, worauf es ankommt,
Sie verstehen es zu argumentieren,
Sie setzen sich ein und geben sich Mühe
Sie können Probleme erkennen, Sachverhalte darstellen, überzeugen, sich gutausdrücken ...

Ein wichtiges Faktum, das Sie im Anschreiben jedoch nicht erwähnen: der Umstand, dass Sie Ihre Selbständigkeit aufgeben wollen. Warum, das ist für einen Arbeitgeber von höchstem Interesse.

Probleme? Ausgebrannt? Gesundheitlich überfordert? Schlecht gearbeitet?

Auf solche Gedanken kommen Arbeitgeber leicht Da müssen Sie vorarbeiten.

Etwa so:

"für Ihren neuen Informatiker soll Delphi kein Orakel sein, sondern tägliches Werkzeug.

1990 habe die Ausbildung zum technischen Assistenten für Informatik abgeschlossen. Um meine Stärken in der kundennahen Konzeption , Entwicklung und Implementierung von EDV-gesteuerten Prozessen besser ausspielen zu können, arbeite ich seit 1994 als selbständiger EDV-Entwickler. Seit vier Jahren nutze ich Delphi für meine Projektarbeit.

Jetzt suche ich die neue berufliche Herausforderung in größeren Projekten und in einem Umfeld, in dem ich mich ganz auf fachliche Aufgaben konzentrieren kann.Teamerfahrung, Kommunikationsfähigkeit und eine überdurchschnittliche Leistungsbereitschaft bringe ich mit.

Gern würde ich Ihnen mehr über die von mir realisierten Lösungen berichten. Schicken Sie mir eine kurze Mail oder rufen Sie mich an und vereinbaren Sie mit mir einen Termin."

An Ihrem Schreiben gehört in jedem Fall geändert:

"Betreff: " - ersatzlos streichen

"Ihr Stellengesuch" - Nein, das ist ein Angebot!

"beim Arbeitsamt via Internet" - Achtung! Holperstelle.

So sieht der Betreff aus:

Bewerbung um die Stelle als Delphi-Programmierer;
Ihr Angebot im Info-Service des Arbeitsamtes ...

"Meine Fähigkeiten bringe ich gerne in Ihrem Team ein." - in ihr Team ein.

Die Floskel "einbringen" würde ich aus meinem Bewerber-Wortschatz streichen. Landwirte bringen Getreide ein, Geschäfte bringen vielleicht etwas ein. Als Mitarbeiter tragen Sie bei, helfen Sie mit, leisten Sie Ihren Teil. Und wehe, Sie bringen sich selbst ein.

"... und wünsche Ihnen einen schönen Tag." - Nein. Nicht in förmlichen Schreiben.

Soweit zu Ihrem Anschreiben. Erfolg für Ihre nächste Bewerbungsaktion!"

(Berkeley, 1998)

*** Nachtrag 2002: Manche Bewerber brauchen mehr Rat und Unterstützung, als ich per Mail geben kann. Dann setze ich mich mit ihnen zusammen. Einen Termin können Sie mit mir unter (01 70) 8 13 83 11 vereinbaren.

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© Gerhard Winkler. Hinweis: Meine Site jova-nova.com ist neutral und unabhängig. Damit es so bleibt, bitte ich Sie, jova-nova.com zu fördern. Empfehlen Sie mich weiter. Mailen Sie mir vor allem auch Ihre Anregungen, Kommentare, Erfahrungen. Gemeinsam schlagen wir die Schema-F-Bewerber!



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