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| Ich hoffe, Sie werden mir nicht gleich widersprechen, wenn ich feststelle, dass man als Bewerber eine Job-Verhandlung nicht mit Angriffen startet. Zu Beginn meines Gesprächs gab mir der Geschäftsführer ein paar Daten zur Firma. In der mir vorher ausgehändigten Broschüre las sich das alles aber anders. Ich machte den Geschäftsführer gleich darauf aufmerksam, dass er sich widersprach, was zwar der anwesenden Personalerin gefiel, aber ihm nicht so sehr. - Ein Leser berichtete dies in meiner laufenden Interview-Umfrage. Er schrieb dazu, dass er mit diesem Einstieg nicht wirklich punkten konnte. Da hat er recht. Unbekümmertheit ist ein typischer Charaktervorteil junger Helden im dunklen Wald. Die forsche Haltung verdampft sofort im kalten Halogen-Schein der Office-Lampen. Unserem Interview-Kandidaten war es im Nachhinein bewusst, gegen welche Basis-Regeln er verstoßen hatte: Du sollst nicht smarter sein als die Person, die dich einstellt. Du sollst einen Gesprächsteilnehmer nicht vor anderen vorführen. Du sollst nicht versuchen, deine Interviewer gegeneinander auszuspielen. Du sollst dich insbesondere am Gesprächsbeginn zurückhalten. Zu allem Überfluss hatte der Kandidat etwas später vielsagend gegrinst. Die Frage zu seiner non-verbalen Antwort lautete: Können Sie sich vorstellen, unter einer Frau zu arbeiten? Die Frage war nicht wirklich mehrdeutig. Das Grinsen aber umso mehr. Der Regelverstoß: Man weicht vom Thema ab. Wer sich in einer Besprechung nicht unter Kontrolle hat, wird sich in allen möglichen Standardsituationen abweichend verhalten. Ein Jobinterview ist kein Gespräch, sondern ein Gespräch über eine Partizipation. Um mitmachen zu dürfen, weicht man nicht ab, bleibt man bei der Sache und gesellt man sich von der Sprache, dem Auftreten, der Haltung und der Vision her sichtbar zur Mannschaft. Jeder Chef folgt der ihm innewohnenden Tendenz, seine Mannschaft um sich zu scharen. Er kann gar nicht anders, sonst wäre er keine Führungskraft. Unterlassen Sie alles im Bewerbungsgespräch mit einem Chef, was ihn in diesem Punkt irritieren könnte. Der einzige distanzierte Standpunkt, den ein Chef akzeptiert ist der, auf den er mit seinem Geschäft hinsteuern möchte. Als Lotse oder Spezialist für schwierige Passagen werden Sie besonders geschätzt - solange Sie dem Kapitän nicht seinen Beruf erklären. Es gibt einen optimalen Abstand im Bewerbungsgespräch. Er ist gerade so groß, dass er sich mit einem ausgetreckten Arm überbrücken lässt. Wer gegen Regeln verstößt, lässt es an Respekt fehlen. Regelverstöße der Gegenseite empfinden Jobsuchende denn auch stets als Mangel an Respekt. Ob man Sie ablehnt oder Sie aufnimmt, ob man Sie ausschließt oder einlässt: Die Ergebnisse der Kandidaten-Sichtung und Jobverhandlungen hängen nicht allein von Ihnen ab. Auch als fachlich kompetenter, äußerst liebenswürdig und vertrauensbildend auftretender Profi können Sie nicht mehr, als Substanz zu zeigen und darauf zu bauen, dass die Chemie stimmt. (Haben Sie viele Rezeptoren; umso leichter docken Sie an.) Das Jobinterview ist auch für die selbstsicheren Jobsucher kein leichter Gang. Je seltener jemand an geschäftlichen Verhandlungen teilnimmt, desto weniger Verhaltensregeln hat er verinnerlicht. Immerhin besteht für Sie als Leser meiner Site nicht wirklich Grund zur Sorge: Sie sind Ihrer beruflichen Identität gewiss oder Sie markieren sie wenigstens überzeugend. Sie haben Ihren eigenen Werdegang gut drauf. Sie inszenieren Ihren Ausbildungsweg und Ihre Arbeitserfahrung nicht als Verlierer-Story. Und Sie kennen die alten Verhaltensregeln, die Großmutti noch wusste und die auch Großvati stets befolgte, bevor beide nach 68 im öffentlichen Dienst untergekommen sind. Nehmen Sie den Termin wahr Es gibt nur zwei legitime Gründe, ein Vorstellungsgespräch abzusagen: Sie sind die Verpflichtung voreilig eingegangen, obwohl Sie wussten, dass der Job niemals für Sie in Frage kommt. Oder es ist etwas derart Gravierendes passiert, dass Sie Ihre ganze Terminplanung umzustellen haben. In beiden Fällen wenden Sie sich umgehend an den Jobanbieter. Sagen Sie mit der Begründung ab, es hätte sich in Ihrer beruflichen Planung eine grundlegende Veränderung ergeben. Oder geben Sie an, warum Sie verhindert sind und versuchen Sie, eine Terminänderung auszuhandeln. Wer Leuten Arbeit gibt, der hat ein feines Gespür dafür entwickelt, was einem Kandidaten alles wichtiger als die anstehende Jobverhandlung erscheint. Darum keine Ausreden und keine Ausflüchte. Termine hält man ein, auch wenn zwischenzeitlich die Bedenken gewachsen sind. Tun Sie es nicht, dann respektieren Sie nicht, was Sie selber abgemacht haben. Falls seit der Vereinbarung einige Zeit verstrichen ist, wird Ihre Zusage damit nicht weniger bindend. Sie respektieren auch die Gegenseite nicht, die sich ja ihrerseits ebenso verpflichtet hat und sich wertvolle Arbeitszeit für Sie frei hält. Wie man sich gibt und wie man Regeln einhält, das wird von anderen aufmerksam notiert und bewertet. Handeln Sie untadelig, um Ihren guten Ruf zu schützen. Einen Termin platzen zu lassen ist zweifellos schlechtes Benehmen. Wägen Sie nie ab, ob Sie es sich leisten können, sich unhöflich aufzuführen. Man kann es sich nicht leisten. Im Übrigen ist Unhöflichkeit in Deutschland eine stumpfe Waffe, weil jeder sie so häufig einsetzt wie die Lichthupe. In Ihrer besonderen Situation als beruflicher Selbstvermarkter sind drei Dinge kostbar: Alle Aufmerksamkeit, die man Ihnen widmet. Alle Zeit, die man für Sie reserviert. Alle Jobvorschläge, die man Ihnen macht. Bringen Sie in klaren Worten rüber, dass Sie das zu schätzen wissen. Und wenn Sie es nicht gewohnt sind, sich für etwas formvollendet zu bedanken, dann bringen Sie sich auch das noch bei. Geben Sie sich Zeit, um sich zu sammeln Erscheinen Sie einfach einige Minuten früher als vereinbart. Pünktlichkeit zählt wie Dankbarkeit zu den kleinen Aufmerksamkeiten, die um so mehr geschätzt werden, als sie heute nicht mehr selbstverständlich sind. Davon abgesehen ist es nur gut für Ihre anstehende Präsentation, sich ein wenig zu sammeln, einmal tief durchzuatmen, die Kleidung noch einmal kritisch zu prüfen ... und die Lokalität genau in Augenschein zu nehmen. Behandeln Sie die geringsten Leute mit dem größten Respekt. Schenken Sie vom Eingangstor bis zum Besprechungsraum allen, denen Sie begegnen, ein freundliches Lächeln und zugleich ein freundliches Wort. Manche der Personen, die Sie treffen, haben die Funktion, einen Eingang zu hüten oder den Empfang zu managen. Oder sie nehmen es auf sich, Besucher von einem Ort zum anderen zu geleiten. Mich erreichen genügend Hinweise aus der arbeitenden Bevölkerung, dass Kommentare und Beobachtungen dieser Kontaktpersonen von Leuten aufgegriffen wird, die Personal einstellen. Falls Sie eine berufliche Karriere anstreben und diese westlich von Moskau verwirklichen wollen, dann gelten für Sie die drei Regeln des Respekts: Behandeln Sie Leute, die ihnen schaden können, respektvoll. Behandeln Sie Leute, die Ihnen nutzen können, respektvoll. Behandeln Sie Leute, die hierarchisch unter Ihnen stehen, besonders respektvoll. Weiter östlich gilt neben diesen drei Regeln noch eine gesonderte Bestimmung: Behandeln Sie die Leute, die Sie schmieren, mit ausgesuchtem Respekt. Drücken Sie sich nicht mit Ihrem Outfit aus Eine weitverbreitete Bewerberweisheit fordert Jobkandidaten auf, das Outfit zu tragen, indem man sich wohl fühlt. Schön, wenn Sie sich gern in Jackett und Lederschuhen sehen. Falls nicht: Sie dürfen Ihre Kleidung hassen. Sie dürfen sich sogar dafür schämen, dass Sie Ihre Jugendideale verraten. Sie dürfen sich absolut unwohl in Ihrer Kapitalistenhaut fühlen. Sie dürfen es nur nicht zeigen. Geschäftskleidung ist das, was man trägt, wenn man seinem Geschäft nachgeht. Ziehen Sie für den Jobanbieter das an, was ein Vorgesetzter anziehen würde, wenn er einen wichtigen Termin hat. Ihr Outfit hat Signal- und Zuordnungscharakter. Sie drücken mit Ihrem Bewerber-Outfit weniger sich selber aus, als vielmehr sich selbst in Ihrem Job unter vorgegebenen formalen Umständen. Tragen Sie keine dunkle Sonnenbrille. Tragen Sie keine komplizierten Frisuren. Tragen Sie möglichst kein Parfum und verwenden Sie Ihr Eau de Cologne mehr als sparsam. Egal, was die Werbung einflüstert: In einer Jobrunde dürfen Sie weder riechen noch duften. Das Geheimnis der persönlichen Note in der geschäftlichen Kleidung ist einfach, dass sie fast unsichtbar ist. Die meisten Menschen, die sich ausdrücken möchten, drücken gleich die ganze Tube aus. Seien Sie ein Partner im Gespräch Partnerschaftliches Verhalten meint, den Gegenüber zu respektieren, seine Gedanken aufzunehmen und auf sie einzugehen. Ihre eigene Gesprächsfähigkeit wird positiv vermerkt, wenn Sie erreichbar sind, sich nicht verschließen, sich nicht versteifen, nicht abweichen, das Ziel im Auge behalten und das Timing verinnerlicht haben. Verdeutlichen Sie, dass Sie zuhören: in die Augen sehen, nicken, sich mit dem Körper zuwenden, das Gehörte verbal bestätigen. Unterbrechen Sie auf keinen Fall. Viele Leute unterbrechen andere nicht aufgrund ihrer fehlenden Erziehung, sondern weil sie Angst haben, einen eigenen, wichtigen Gedanken zu verlieren. Üben Sie, aufmerksam zuzuhören und zugleich Stichworte für die eigene Gegenargumentation zu sammeln. Verdeutlichen Sie, dass Sie mitdenken: Greifen Sie das Gesagte auf. Fassen Sie es zusammen. Bringen Sie es auf den Punkt. Jede Vorrede lässt sich sehr leicht loben, anerkennen, würdigen, gutheißen auch und vor allem dann, wenn Sie zu einer Gegenrede ansetzen. Verdeutlichen Sie, dass Sie eine Position haben und verdeutlichen Sie, dass Sie eigene Fragen haben. Schreiben Sie sich Ihre Fragen vorab auf und bringen Sie den Aufschrieb getrost mit ins Jobinterview. Gut macht sich Ihr Fragenblatt, wenn Sie einen in Leder gebundenen Filofax als Gedächtnisstütze einsetzen. Beeindruckt hat mich einmal eine Bewerberin, die alle Flyer und Infos meiner Organisation durchgearbeitet und ihre Fragen darauf notiert hatte. Nicht gut, wenn Sie umständlich nach Blättern kramen und die Fragen laut ablesen. Weichen Sie nicht aus Weichen Sie keiner Frage aus. Wählen Sie stets die konkrete statt der allgemeinen Antwort und die anschauliche, beispielhafte statt der abstrakten Erklärung. Bleiben Sie durchweg im positiven Bereich. Sagen Sie ganz einfach über nichts und niemanden etwas Negatives. Vor allem nicht in ironischer Rede. (Aus dem Satz "ich kleines Doofi habe mich als Einzige in das brennende Hauptgebäude gestürzt und den Prokuristen aus den Flammen geholt" behält man als Hauptinformation "kleines Doofi".) Achten Sie auf die kleinen Wörter, die etwas einschränken oder abwerten. Leider und unglücklicherweise gehören dazu. Jedes Redeverhalten ist automatisiert falls Sie sich tendenziell gern um Kopf und Kragen reden, richten Sie sich auf eine längere Trainingsphase ein, in der Sie Ihre sprachliche Selbstdarstellung und Ihre Redeweise Schritt für Schritt ändern. Zeigen Sie keine Emotionen Aber zeigen Sie Ihre Freude, Ihre Begeisterung und Ihre rundum fröhliche Einstellung zu den Dingen des Arbeitslebens. Insbesondere Wut, Trauer, Enttäuschung, Empörung sind Erregungszustände, die bei Verhandlungen nur fein dosiert und auch nur von echten Profis eingesetzt werden. Sie werden es nicht erleben, dass ein Seelsorger im Gespräch mit Ihnen vom Glauben abfällt. Sie werden es nicht erleben, dass ein Fussballtrainer im Interview den Ball für ein aufgeblasenes Ding hält. Lassen Sie im Jobgespräch keinen Zweifel daran, dass die Arbeitswelt gut eingerichtet ist, dass Ihre Joberfahrungen gut sind und dass Sie selber gut drauf sind. Bei der Jobverhandlung geht es allein darum, sich mit der Gegenpartei zu einigen im schlimmsten Fall über die Tatsache, dass man keine gemeinsame Linie findet. Falls Sie sich Hoffnung auf eine Stelle machen und im Interview erkennen, dass dies doch nicht der passende Job ist, signalisieren Sie es klar, aber äußerst höflich. Jeder Interviewer ist für den Jobsuchenden zugleich ein Kontakt. Stellen Sie sich gut mit allen Ihren Job-Kontakten. Hinterlassen Sie doch Ihre Visitenkarte mit der Bemerkung: Auch wenn es diesmal nicht geklappt hat denken Sie bitte an mich, wenn eine Produktmanagerin mit internationaler Erfahrung gesucht wird. ![]() Ostrach 26 - 07 - 04 Seitenanfang |
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| Job-Interview: Übersicht Bewerbungshelfer: Übersicht |
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| Lächeln Sie nicht planlos. Senden Sie das Signal, dass Sie jemanden anlächeln in dem Moment, in dem Ihr Blick den des Anderen trifft. | |||||||
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