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Persoenliches im Lebenslauf

Bewerben ist menschlich. Doch wie viel Mensch darf man sein? Fest steht: Bewerben verlangt vor allem die Profi-Einstellung zu den persönlichen Daten.

“Ich verschlinge jede Art von Büchern (Belletristik und Sachbücher) und reise sehr gern sowohl aktiv als auch passiv in Gedanken … Außerdem gebe ich zu, ein großer Fan von „Wer wird Millionär“ zu sein.” – Nachdem ich einer Bewerberin diesen Lebenslauf-Zusatz ersatzlos gestrichen hatte, schrieb sie mir entgeistert: „Finden Sie nicht, dass auch ein bisschen etwas Persönliches im Lebenslauf seinen Platz finden darf?“

Um nicht als wortfauler Hobby-Killer dazustehen, holte ich weiter aus und verfasste meine zehn persönlichen Anmerkungen zu einem heiklen Thema:

1
Was ist ein Bewerber-Auftritt anderes als pure Ich-Aussage?

2
Nun führt man bei der Ich-Ausmalerei am besten einen sehr feinen Pinsel. Dies gilt für alle sozialen Situationen und vor allem für die heikle Phase des Vorstellens. Nur rings um die heißen Herdplatten der Medien und mancher Lifestyle-Branchen wird goutiert, was der Egomane serviert.

3
Gehen wir von der offensichtlichen Beobachtung aus, dass Ihr Lebenslauf von niemand anderem als von Ihrer Person handelt.

4
Was legen Sie im besten Fall, also mit einem von mir optimierten Lebenslauf vor? Sie liefern mit Ihren persönlichen Daten einen überschaubaren, leicht verständlichen, von allen Trübungen befreiten, mit Fleiß und Spucke aufpolierten Entwicklungs- und Kompetenzreport.

5
Darin sind Ihre Positionen, Leistungen, Zuständigkeiten, Erfolge und Ihre erreichten Meilensteine vermerkt. Dort schlägt sich Ihr Lernverhalten nieder. Dort sind Sie in Organisationen eingebettet. Dort werden Sie anerkannt als Beitragende, als treibende Kraft, als Fördernde und warum auch nicht als Mitmacherin oder simple Teilnehmerin. Dort schreiben Sie am Ende auch Ihren ehrenwerten Einsatz für die sinnvollen, schönen und wichtigen Dinge der Welt fest. Aus all diesen Facetten konstruiert dann ein Personalexperte das für ihn ausreichend vollständige Bild Ihrer Person. Nicht vergessen: Ihr Lebenslauf wird in der Regel von jemandem analysiert, der Mitarbeiter als menschliche Ressourcen definiert.

6
Es fehlt Ihnen jetzt aber noch die persönliche Komponente. Der andere Teil Ihres Ich. Das, was Ihren Charakter ausmacht. Sie möchten obendrein vermitteln, was Sie alles in allem für ein Mensch sind. Schließlich sind Sie ja weit mehr als die Summe Ihrer Arbeits-, Lern- und sonstigen Daten.

7
Einige Bewerbungsempfänger legen sogar explizit Wert darauf, vorab schriftlich über private Aktivitäten, Affinitäten und Angewohnheiten eines Jobkandidaten informiert zu werden. Von Ihrer Seite aus soll es darum den Jobanbietern an keiner entscheidenden Information fehlen.

8
Totalität ist jedoch ganz und gar nicht von Interesse bei der Selektion von Interview-Kandidaten. Zwar existiert das Wunschbild vom gläsernen Bewerber. Doch es bedeutet nur: Die Person ist transparent. Sie verbirgt vor uns keine bösen Probleme oder gar Defekte. Wer als HR-Spezialist so tut, als ob ihm der ganze Mensch wichtig wäre, der ist nicht ganz aufrichtig. Oder er redet für die Firmenzeitung. Glauben Sie mir: Der ganze Mensch ist für die Leute in Wirtschaft und Politik eine Redefigur.

Es fördert das Geschäft, meines ganz sicher, wenn man Menschen in Ihrer Ganzheit erfasset und versteht. Für Jobanbieter ist es aber schon schwierig genug, allein die Jobtauglichkeit von Bewerbern zu bestimmen. Anhand deren Unterlagen kann ein Arbeitgeber bestimmen, ob jemand definitiv nicht in eine Unternehmenskultur passt. Wie gut sich jemand einfügt, das beweist aber nur der Live-Auftritt unter kontrollierten Bedingungen. Ein Personalexperte, der das Fehlen von Hobbys und Interessen dem Bewerber nachträgt, schadet der Organisation, die ihn bezahlt.

9
Ihre Bewerber-Aufgabe besteht auf keinen Fall darin darin, detailliert über alles Auskunft zu geben. Im Gegenteil. Damit man dem drängenden Impuls nachgibt, Sie in persona zu sehen, lassen Sie um Himmelswillen noch einen Rest an Ungesagtem. Das Persönliche ist das, was nicht im Arbeitspapier steht. Auf Sie persönlich soll sich ein Jobanbieter freuen.

10
Konzentrieren Sie sich in der schriftlichen Präsentation darauf, genau die Informationen und nur die Fakten anzubieten, die es braucht, um Ihre professionelle Eignung zu belegen. Bauen Sie sich als kompetente, leistungsstarke und in ihrer Leistung anerkannte Fachkraft auf. Dass Sie absolut vertrauenswürdig sind, dass Sie mithalten, durchhalten und Zielvorgaben einhalten, dass Sie ein Team bereichern, das schreiben Sie nicht nur so hin. Das weisen Sie nach. Den menschlichen Faktor spielen Sie im Telefonat, in der Begegnung, im Gespräch und so gut es geht auch im Anschreiben aus: Ihre Liebenswürdigkeit. Ihre Fähigkeit, Menschen für sich einzunehmen. Ihren Witz. Ihre Überzeugungskraft. Ihre ansteckende gute Laune. Zum Einsatz kommen Kleidung, Stimme, Körpersprache: Im direkten Kontakt bleiben Ihnen viele wirkungsvolle Waffen, um Menschen für sich zu gewinnen.

Treten Sie gegenüber einem Personal-Profi durchweg als Job-Profi auf. Es geht um Arbeit und nicht um Lesen, Reisen, Kuchen backen. Und wenn in der Jobofferte Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit eingefordert werden, dann ist dies keine Aufforderung, im Anschreiben die Kling- und Klangwörter zu wiederholen. Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit weist man durch seine Positionen und deren Pflichten, durch seine Trainings, seine Referenzen, seine Arbeit, seine Präsentation und sein Kontaktverhalten gegenüber dem Jobanbieter nach.

Bitte merken Sie sich für Ihren gesamten Bewerberauftritt: Einiges, was man über sich offenlegt, ist eindeutig gut. Anderes wirkt vorhersehbar schädlich. Wie nun Jobanbieter auf Hobbys und persönlichen Zeitvertreib reagieren, hängt sehr oft von Faktoren ab, die Sie ohne persönlichen Kontakt nicht wissen können. Wie persönlich Sie werden, was Sie von Ihrem Privatleben preisgeben, das entscheiden Sie bevorzugt situativ, also im Gespräch. Sie werden es im Beruf zu nichts bringen, wenn Sie es sich nicht schaffen, stets kalkulierte, abgewogene, auf den Effekt hin abgesicherte Ich-Aussagen zu machen. Sich offen zu geben oder offenherzig zu sein, das ist ein Unterschied wie zwischen Claudia Roth und Bambi.

Für alle Bewerberfälle noch Winklers Hobby-Kunde:

Mein Hobby ergänzt meinen Beruf. – Der Bootsbauer mischt in der 7-Segel-Klasse mit? Dann ist das ein wetterfestes Argument für Anschreiben und Lebenslauf.

Ich bin Leistungssportler (gewesen). – Meist nicht das stärkste, aber das stärkste unterstützende Argument in Anschreiben und Lebenslauf. Sofern man ganze Lebensabschnitte hindurch hauptsächlich gehüpft und gesprungen ist, sind das im Lebenslauf sogar Pflichtangaben.

Ich bin Schulabgänger und habe nicht viel zu bieten. – Laden Sie Ihr junges Leben mit Bedeutung auf. Falls Sie keine exzellenten Schulnoten haben, dann bieten Sie wenigstens Engagement, aktives Freizeitverhalten und Vereinstauglichkeit. Ebenso wichtig: Sammeln Sie in den letzten beiden Schuljahren ein bisschen Joberfahrung.

Ich habe ein Status-Hobby, da will ich wenigstens damit angeben. – Ich kann nicht sagen, ob jeder Jobanbieter schon misstrauisch wird, wenn privates Bewerberverhalten über die Maßen viel Zeit oder Kraft oder Geld kostet. Ich möchte aber persönlich keinen einstellen, der Golf spielt, solange ich mir das nicht selber leisten kann. Und wenn ich selbst golfe, möchte ich vielleicht nicht, dass samstags nachmittags mein Einkäufer vor mir puttet.

Ich laufe Marathon. – See you in Berlin. Sie haben eine echte Trumpfkarte in der Hand. Erst dann ausspielen, um einen wirklich guten Stich zu machen. In jedem Jobinterview öffnen sich die Wolken und die Sonne blinkt, wenn man en courant erwähnt: „Als Marathoni kann ich nur sagen, dass eine Organisation, die sich nicht permanent selbst motiviert, ihr langfristiges Ziel nur schwer erreicht.“

Ich lese gern. – Auch im Dienst?

Ich bin als Leiter, Trainer oder in einer sonstigen Funktion ehrenamtlich engagiert. – Die entsprechende Rubrik im Lebenslauf lautet ENGAGEMENT oder MITGLIEDSCHAFTEN.

Ich male (schreibe, schnitze, spiele Bass in einer Tiefgaragenband). – Nicht jeder Kaufmann oder Verwaltungsmensch reagiert, wie er soll. Flattern seine Augen, sobald Sie ihm vom kreativen Selbstausdruck erzählen? Wechseln Sie sofort das Thema. Berichten Sie vom Selbststudium in Excel-Makroprogrammierung.

Ich singe im Kirchenchor. – Ah, gut. Wann möchten Sie bei uns anfangen?

Ich definiere mich über meine Interessen. – Schön. Und wie groß ist Ihr Jobinteresse?

Ich möchte mich nicht auf ein berufliches Ich reduzieren lassen. – Klar doch. Lassen Sie sich von Ihrem Bewerberberater nicht am Ganzpersoneneinsatz hindern. Auch Ihr nächster Arbeitgeber träumt ja den Traum: „Ich suchte eine Bürokraft und fand einen Menschen.“ Jeder erfahrene Arbeitgeber erinnert sich allerdings noch sehr genau an seine eigenen Anfänge: „Ich suchte einen netten Menschen und holte mir Ärger ins Büro.“

Ostrach, 3.12.2004 - Gerhard Winkler

Kommentar an den Bewerbungshelfer: gwinkler@jova-nova.com


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