![]() |
||||||||||
| Bewerbung - Praxisbeispiele | |||||||||||
![]() |
![]() Trainerfrage: "Beruflicher Einstieg nach der Kinderpause: Wo stelle ich denn da die Erziehungszeiten im Lebenslauf ein? Die meisten Frauen sortieren das chronologisch in ihren beruflichen Werdegang, eine Lösung, die mir nicht so gut gefällt. Andererseits bekommt das Kapitel Berufstätigkeit recht große Lücken, wenn ich die Kinderpause(n) als gesonderte Rubrik "Elternzeit" behandle. Was raten Sie in diesen Fällen? Und was halten Sie davon, die Erziehungszeiten als "Familienmanagement" in den beruflichen Werdegang einzubauen?" Berater-Antwort: Jede Mutter betreibt heute Familienmanagement. Selbstverständlich beinhaltet das auch Zeitmanagement. Facility Management schon ab der kleinsten Hütte. Krisenmanagement sowieso. Das Key Account Management leitet Frau nebenbei. Lean Management spätestens dann, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Allein den Begriff Missmanagement wollen wir in diesem Zusammenhang nicht kennen. Genug der Spitzfindigkeiten. Mütter sind stolz darauf, dass sie verdammt gut managen können. Organisieren können viele Berufstätige aber auch. Die beruflich Eingebundenen haben obendrein den Vorteil des kontinuierlichen Trainings on the Job. Effizientes Haushaltsmanagement und Erziehungskünste tragen nicht dazu bei, dass sich Jobkandidatinnen unterscheiden. Im schlimmsten Fall verlieren früher bestens qualifizierte Bewerberinnen nach der beruflichen Auszeit den Anschluss. Mutti-Lebensläufe haben eben einen hohen Anteil an privater Lebensführung. Private Daten sind Daten, die kein Rekrutierer braucht, geliefert von Menschen, die sich streckenweise der beruflichen Nachweispflicht entziehen. Mag sein, dass die partnerschaftlichen, erziehungs- und haushaltsmäßigen Verpflichtungen einer Mutter in der Familienphase weit mehr an Grips, Muskeln und Stamina aktivieren als eine durchschnittliche Teamleitung. Die Bewerberin kann dies aber schlecht beweisen und sie soll es auch gar nicht versuchen. Ein Jobanbieter hat in die Schutzsphäre des Privaten nicht zu schauen. Und deswegen macht man auch als Jobsuchende allenfalls eine Tür ins eigene Arbeitszimmer und nie die Tür in die Privaträume auf. Familienarbeit kennt also kaum jene alltäglichen Aufgaben, Zuständigkeiten, Projekterfolge oder besonderen Leistungen, die argumentativ für die berufliche Selbstvermarktung zu verwursten wären. Nur in einem Paralleluniversum würde man in einem Lebenslauf lesen:
Sie finden das nicht komisch. Rekrutierer finden die Umwidmung einer Hausfrauentätigkeit zum aktiven Familienmanagement lächerlich. Die erste Person, die sprachlich etwas schön färbt, handelt clever. Der nächste, der die Wendung übernimmt, ist froh. Der Trainer, der seinen Kursteilnehmern zu abgegriffenen Euphemismen rät, belügt sie. Ein Einwand lautet, für die von der Wiedereingliederung Betroffenen ist es geradezu notwendig, die eigene Familien- und Erziehungsphase mit Bedeutung aufzuladen. Weiterbildung in der Familienphase lautet füglich ein Lehrgang für Frauen: "Die Teilnehmerinnen bewerten ihre Erfahrungen aus der Familienphase neu. So können sie diese Qualifikationen als Bausteine für eine Aus- oder Weiterbildung oder im Arbeitsleben einsetzen." Jeder Baustein zum beruflichen Selbstbewusstsein ist von Valeur für die Jägerinnen der verschütt gegangenen Stärken. Ein Baustein von Fördermaßnahmen ist es auf der anderen Seite, die ich-schwache Zielgruppe tunlichst anzuleiten, positive Erfahrungen zu bergen und neu zu bewerten. Das schöne Geschäft der Qualifikationsarchäologie Ausgraben, Aufstellen, Aufwerten kommt aber da an Grenzen, wo die polierten Ego-Statements auf der Gegenseite keine Abnehmer finden. Würde Erziehung und Haushalt allein auf mehr als den Einsatz in Hauswirtschaft und Erziehung vorbereiten, dann würden männliche Karrieristen seit jeher auf ihre karrierefördernde Hausmann-Zeit schwören. Jeder ist der Manager seines Lebens. Und jeder hat das Recht auf den Versuch, mit seinem Lebensentwurf glücklich zu werden. Führen Sie ein Privatleben so lange Sie und Ihre Familie dies wollen. Erwarten Sie aber nicht, dass private, unspezifische und kaum nachweisbare Leistungen einen Jobanbieter überzeugen. Als Bewerberberater hat man Lebensweisen nicht zu bewerten, sondern sich darauf zu konzentrieren, dass der Wechsel glückt. Die Wiedereinsteigerin von heute sollte erfahren, dass sich alle Überschriften im Lebenslauf von Fragen ableiten lassen, die ein Rekrutierer an eine berufliche Kurzvorstellung stellt: Wer stellt sich vor? Was will die Person bei uns werden? Welche berufliche Entwicklung führt sie zu uns? Welche Abschlüsse und Ausbildungen bringt sie mit? Hat sie in den letzten Jahren an Lernveranstaltungen teilgenommen? Auf welche Sprachen, welche Werkzeuge greift sie in ihrem beruflichen Handeln zurück? Wofür engagiert sie sich? Wo gestaltet sie aktiv mit? Welchem beruflichen Stand schließt sie sich an? Die Fragen zielen auf PERSÖNLICHE DATEN, ANGESTREBTE POSITION, BERUFLICHE PRAXIS, AUSBILDUNG, WEITERBILDUNG, KENNTNISSE & FÄHIGKEITEN, ENGAGEMENT. Im Lebenslauf vereinigen die Titel gleichartige Stationen oder Dinge gleicher Natur. BERUFLICHE PRAXIS AUSBILDUNG, WEITERBILDUNG und ENGAGEMENT sammeln Geschehnisse in umgekehrt zeitlicher Sequenz. Mutterschaft ist in der Anfangsphase eine Vollzeitbeschäftigung. Man braucht nicht mal genau hinzusehen, um zu bemerken, dass dieser Job auch finanziert wird. Er verlangt jede Menge unbezahlter Mehrarbeit (das ist Freiberuflerschicksal), aber er ist kein ehrenamtliches ENGAGEMENT. Klar kommt Familienarbeit in den Container BERUFLICHE PRAXIS. Eine gesonderte Rubrik ELTERNZEIT verlagert den Akzent vom beruflichen Werdegang zum Lebensbericht. Den Zumutungen der Arbeitswelt kann man ja tapfer seinen Privatlebenslauf entgegenstellen: ZEIT ZUM KIND SEIN, ZEIT FÜR SINNSUCHE, ELTERNZEIT, AUSZEIT, REISEZEIT, SCHLAFENSZEIT. Lange Jahre des Familienmanagements sind ein Zeitraum, in dem aus der Sicht des Jobanbieters nichts Spannendes passiert. Klar, denn der Personaler ist weder mit Ihnen verwandt noch ein Freund der Familie. Wie alle beruflichen Selbstvermarkter haben auch jobsuchende Frauen ein Bild von sich zu zeichnen. Jobanbieter erwarten von Bewerbern, dass sie in der Kunst des Gegenständlichen brillieren. Elternzeit ist aber Privatleben und Privatleben ist im Fresco des beruflichen Werdegangs nur ein neutraler Bildhintergrund. Was kann die langjährige Kinder-Küche-Kabarett-Betriebsleiterin konkret tun, um die eigene Vita für den Job aufzuhübschen? Mein Rat: Variieren Sie das Grundrezept Lebenslauf mit gar nicht so exotischen Zutaten. Reichern Sie Ihre Beschränkung auf das Kernfamiliengeschäft mit einer Prise Joberfahrung an. Das sind selbständige oder angestellte (Teilzeit-) Tätigkeiten, geringfügige Beschäftigungen. Oder Sie unterstützen einen Partner in seiner Selbständigkeit. Fügen Sie ein Pfund frisches Engagement bei: Geeignet sind alle Arten von Pro-Bono-Tätigkeiten für Non-Profit-Organisationen oder Zweckgemeinschaften. Schmecken Sie Ihren Werdegang mit zwei, drei Esslöffeln Weiterbildung ab: Jede Lernanstrengung bringt Sie weiter. Nicht jedes Thema bringt allerdings beruflich verwertbares Know-how. Auf vertiefte Kenntnisse in Pflanzkübel-Feng Shui springen Arbeitgeber kaum an. Schauen Sie einmal auf und blicken Sie um sich. Landauf, landab finden Frauen mehr Varianten an attraktiven Rollenmodellen als Männer: Glückliche Nur-Mütter. Erfolgreiche und selbstzufriedene Karrierefrauen mit Familie. Starke Frauen, die zunächst einmal Ihre berufliche Karriere betreiben. Das überkommene berufliche Übergewicht der Männer gerät doch längst schon ins Wanken. Allein schon die höhere Affinität von Frauen zu Bildung erodiert langsam, aber stark wie keine andere Kraft die männlichen Machtpositionen. Frauen lernen. Und Frauen lernen dazu. In einer auf die Familie ausgerichteten Lebensphase nicht auch noch beruflich verpflichtet zu sein ist ein Glück, aber auch eine Chance, die spätere Rückkehr in das Erwerbsleben strategisch klug vorzubereiten. Den beruflichen Wiedereinstieg erleichtern: Nachweisbare Erfolge als Aktivistin für Bildung und Erziehung, für Schulausstattung und besseren Unterricht. Ein zur Jobfindung verwertbares, breit geknüpftes soziales Netz. Vorzeigbare freiwillige Arbeit. Organisatorische Leistungen. Übernahme von Team- oder Leitungsaufgaben außerhalb des familiären Umfelds. Verständnis und planerisches Vermögen in Geld- und Finanzfragen. Echte, möglichst kontinuierliche Lernanstrengungen. Ein Bewusstsein für das eigene Vermögen, sich auf Neues einzulassen, sich Bewährungsproben zu stellen, krisenhafte Situationen zu bewältigen. Und all das bisher Aufgezählte ist für Sie weniger wichtig als der Rückhalt von Menschen, die an Ihr Können glauben und die Sie beständig bestärken. Berlin, 28. März 2006 - Gerhard Winkler Kommentar an den Bewerbungshelfer: gwinkler@jova-nova.com Seitenanfang |
||||||||||
![]() |
|||||||||||
| Job-Interview: Übersicht Bewerbungshelfer: Übersicht |
|||||||||||
|
|
|||