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| Bewerber-Präsentation | |||||||
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![]() Früher gestanden eitle Köpfe Schwächen ein, die sie nicht wirklich hatten. Heute prahlen sie mit Defiziten, mit denen sie anscheinend gut leben. Ich bin ziemlich ungeduldig mit meinen Mitarbeitern, verkündet ein Chef. Er scheint darauf auch noch mächtig stolz zu sein. Ich knicke leicht ein, gesteht vorsichtshalber ein anderer Vorgesetzter seinem Mitarbeiter und offenbart, dass er ihn gegenüber der Geschäftsleitung im Stich lassen wird. Unsere Kultur ist im Wandel. Es gilt als clever, über seine Schwächen zu reden. Man macht sich kleiner, rückt sich näher, beugt jeder kritischen Bemerkung durch pädagogisch wertvolle Selbstkritik vor. Und man reduziert drastisch den seelischen und körperlichen Aufwand, der damit verbunden ist, in modernen Teamumgebungen mit ihrem strikten Kooperationsanspruch und ihrem hohen Kommunikationsdruck als unfehlbar, unnahbar und unbelehrbar aufzutreten. Dennoch finden sich durchaus Unterschiede zwischen den Eingeständnissen der Funktionseliten und denen der Werktätigen: Wir kommunizieren unseren Mitarbeitern unsere strategischen Visionen nicht zur Genüge. Wir lassen am Freitag nachmittag auch mal gern den Apfelkorn kreisen. Man ist versucht anzumerken, was dem einen eine Schwäche, ist dem anderen sein Plaisir. Nicht nur, wenn man zum Kaderkreis zählt, wird man in der jährlichen Mitarbeiterbesprechung auch das weniger Gelungene freimütig thematisieren, es eigenen Entwicklungsbereichen zuordnen, daraus Aufgaben ableiten und alles schriftlich fixieren lassen. Hat man etwa in den letzten Monaten eine schwache Leistung als Mannschaftsführer gezeigt, dann empfiehlt der Fachvorgesetzte im Beurteilungsbogen vielleicht: Nicolina hat im kommenden Jahr ein starkes, eingeschworenes, kompetentes und multifunktionales Team aufzubauen. In solchen Situationen offenbaren wir uns freimütig und vertrauensvoll gegenüber Menschen, von denen wir annehmen, dass sie nicht zu unserem Schaden verwenden, was wir ihnen preisgeben. Im Alltag gestehen wir eine persönliche Schwäche ein, um eine erwartbare kritische Reaktion schon im Vorfeld zu entschärfen, um eine schwache Leistung zu erklären, um Ansprüche an uns herunter zu transformieren oder um nach Sympathiepunkten zu angeln. Das ist, wie jeder weiß, gefährlich. Auch wohlmeinende Personen, die von unseren Schwächen wissen, tendieren dazu, sie als Ansatz- und Druckpunkt zu nehmen. Die gebündelte Energie, die wir einsetzen, um die schwachen Seiten von Kollegen, Vorgesetzten, Partnern, Freunden bis hin zu denen unserer ausgesprochenen Kontrahenten und Gegner zu erkunden, diese Energie reicht gewiss aus, um weltweit sämtliche Institute zur Friedensforschung mit Strom zu versorgen. Die deprimierendsten Storys, die man hört, handeln von arglosen Menschen, die unbekümmert um die Folgen ihre offene Flanke zeigen. Jeder weiß eine traurige Geschichte, wie sich eine Person vor einem erschrockenen Publikum demontiert hat. Sozialer Suizid ist nur in Hollywood-Filmen wieder heilbar. Offensichtlich funktioniert das Eingestehen eigener Schwächen als sozial geregelter, ja sogar als ziemlich ritualisierter Akt. Wir alle wissen: Schwach werden ist eine Frage des Timing. Schwäche preiszugeben ist es auch. Eine für Bewerber entscheidende Frage ist, ob das Jobinterview als rechte Schnittstelle von Ort und Zeit fungiert, um als Selbstvermarkter auch über seine weniger positiven Persönlichkeitsanteile zu reden. Ganz sicher ist es keine soziale Situation, die es erlaubt, Ego-Aussagen ironisch zu verpacken. Ehrlich gesagt, verstehe ich nichts von Musik. - Auch als erster Geiger eines A-Orchesters spekulieren Sie damit lieber nicht auf Widerspruch. Und als Nachwuchsstreicher ist das Scherzo sowieso nicht Ihr Genre. Jobanbieter sind auch keine Versteher oder gar Förderer. Mindestens einer in einem eingespielten Frageteam wird Sie zwar besser verstehen als Ihre eigene Mutter. Verstehen Sie ihn zurück und reagieren Sie professionell. Halten Sie sich auf höfliche und gesprächige Weise absolut bedeckt. Man könnte auch fragen, ob denn das Jobinterview nicht im Rahmen einer ehrlichen und interessegeleiteten Lösungsfindung zwischen den Verhandlungspartnern erlaubt, dass man seine eigene Beschränkungen und Einschränkungen mutig einbringt und benennt, um damit seinerseits realistische Rahmenbedingungen für eine künftige Kooperation abzustecken. Die Antwortet lautet: Nein. Es lässt sich durchaus trainieren, das Positive noch positiver auszudrücken und das Negative weiträumig zu umgehen. Das ist sogar ein guter Grund, um ein Training für Selbstpräsentation zu besuchen. Was aber tun, wenn man direkt nach seinen Schwächen oder Stärken gefragt wird? Personaler greifen auf diese und andere Standard-Fragen zurück, die wie saurer Chianti mit dem Alter auch nicht besser werden. Im Jobinterview zünden Jobanbieter dann ihr glanzloses Fragenfeuerwerk. Manche deklarieren das als Stress-Interview. Dabei wird doch nur die Kommunikationsdichte eines gerade ausgelasteten Geschäftsbetriebs simuliert. Ein Standardkracher ist und bleibt: Worin sehen Sie Ihre Schwäche(n)? Es ist absolut ausgeschlossen, dass Sie als Kandidat spontan eine echte Schwäche preisgeben. Gleichfalls verbietet es sich, dass Sie wohlüberlegt von einem Mangel oder Unvermögen berichten. Persönliche oder fachliche Defizite, Wissens- und Erfahrungslücken, charakterliche Dispositionen, eigentümliche Verhaltensmuster bleiben bei der beruflichen Selbstvermarktung strikt außen vor. Es gibt in keiner Phase von Präsentation und Jobverhandlung einen moralischen oder gesprächstaktischen Grund, schlecht über sich oder andere zu reden. Ihre Sache ist die Jobfindung. Dazu spüren Sie im Jobinterview ja geradezu detektivisch auf, was dagegen spricht, beim Jobanbieter anzuheuern. Die andere Partei betreibt Personalfindung. Dazu erforscht sie im Jobinterview so scharf wie ein Staatsanwalt, was dagegen spricht, Sie ins Boot zu nehmen. Und was glauben Sie, was das Interesse des Jobanbieters ist? Wer Jobsuchende nach ihren persönlichen Schwächen oder auch Stärken fragt, der hofft darauf:
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