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Winklers Wegweiser
für Stellensuchende

Kurzum



1
keine Umständlichkeiten
2
keine postalische Empfängerangaben
3
kein Firmenaccount
für Bewerbermails
4
neutrale E-Mail-Adresse
5
Bewerberpost an
Person, nicht an Abteilung
6
im Betreff den Brief-
inhalt auf Schlagwörter
reduzieren
7
aus dem Brieftext alle (!)
Rechtschreib-
und Syntaxfehler
eliminieren
8
Anlagen im Word-kompatiblen Format versenden

10. Folge

Bewerbung per



E-Mail

Einführung

Absender

Empfänger

Betreff

Brieftext

Anlagen

Tips

Layoutvorlagen

[Revision
5.5.1999]


Absender

Als Bewerber suchen Sie immer das Gespräch - ganz gleich, ob Sie sich auf digitalem Weg, auf Papier, telefonisch oder persönlich bemühen. Sie sprechen wildfremde Menschen an, die Sie nur aufgrund ihrer Funktion einschätzen. Ihr Ziel: sich mit diesen Leuten zu treffen, zu verhandeln, sich zu verständigen und vielleicht mit ihnen einig zu werden.

Doch die von Ihnen Angesprochenen wollen zunächst selbst einiges wissen. Zu allererst: Wer schreibt denn da?

Keine Frage ist das bei der Bewerbung per Papier. Sie haben sich sicher bereits einmal schriftlich beworben. Haben Sie sich dabei an die Empfehlungen der DIN 5008 und an die landläufigen Gepflogenheiten gehalten? Dann steht Ihre Absenderangabe mindestens an zwei Stellen:

1. im Briefkopf des Anschreibens
2. unter PERSÖNLICHE DATEN im tabellarischen Lebenslauf.

E-Mail ist nichts anderes als Korrespondenz mit besseren Mitteln.
Mailschreiber reduzieren den Bedarf an Papier und steigern die persönliche Produktivität - das gaben neun von zehn befragten Führungskräften in einer US-Erhebung an (A.T. Cross Co., 7/98). Was jedoch keinesfalls bedeutet,dass wir alle Konventionen des geschäftlichen Briefverkehrs gedankenlos übertragen. Noch schreibt uns kein Rudel promovierter Ergonomen vor, wie Mail formal zu behandeln ist. Lassen wir uns deshalb von unserer praktischen Vernunft leiten und befolgen wir einige wenige Regeln. Eine davon ist universal gültig und lautet:

Keine Umständlichkeiten

Der vernetzte Teil der Menschheit beantwortet E-Mail am einfachsten - per Telefon. Dennoch präferieren die meisten die E-Mail. Zum Telefon greift der Büromensch, wenn er Grund genug und Zeit hat, um mit jemandem zu sprechen. (Reicht die bloße Absicht, 'mal hallo zu sagen', aus? - Na, dann "hallo!") Per Fax oder Briefpost korrespondiert man gewöhnlich dann, wenn der Adressat auf dem bequemsten Weg nicht zu erreichen ist. (Alles, was weiter als einen Mausklick entfernt liegt, macht Arbeit.) Und natürlich auch, wenn es etwas zu verschicken gibt.

Kein Mensch nimmt sich im Geschäftsleben die Zeit, eine Antwort an

Lukas Linden, neue Zeile,
Graf-Berghe-von-Trips-Ring 111a, neue Zeile
Leerzeile,
D 50169 Kerpen-Horrem

zu tippen, wenn er genau so gut im Mail-Programm auf einen Antwort-Knopf klicken kann.

Da während eines gewöhnlichen Bürotages unverhofft, aber oft neue Mails auf dem Bildschirm blinken, werden sie beiläufig angeklickt, schnell überflogen und noch schneller in den Papierkorb oder in die Ablage geschoben. Bei einem Meeting in einem kalifornischen Office läutete der Mail-Client des Gesprächspartners schon vor zehn Jahren im Sekundentakt die ankommenden Botschaften ein.

Ist elektronische Post einmal in berufliche oder private Alltagsabläufe integriert, zwingt die Informationsflut einfach zu kursorischem Lesen. Klug handelt, wer beim Schreiben jeden Datenmüll aus seiner E-Mail entfernt, Briefempfängern alles Überflüssige erspart und den Textumfang minimiert:

Mein Rat: Sie können sich Ihre postalische Absenderangabe sparen. Auch wenn andere das Fehlen als unhöflich abwerten mögen – als Absender sind Sie eindeutig definiert, recht leicht zu identifizieren und rasch zu erreichen. Ihre Postadresse steht obendrein schon im Lebenslauf der Anlage. Wer Ihnen per Papierpost antworten will, hat Ihr Curriculum Vitae sicher ausgedruckt

Wenn Sie es dem Empfänger freistellen wollen, auf welchem Weg er Ihre Mail beantwortet, und vor allem, wenn Sie eine Mail-Bewerbung verschicken, dann fügen Sie Ihre Absenderangaben einfach an‘s Ende des Brieftextes. (Dazu mehr weiter unten.)

Setzen Sie in Ihrer elektronischen Korrespondenz vor allem keine postalische Empfängeranschrift ein. Wo Kommunikationspartner sich im wirklichen Leben aufhalten, ist völlig gleich, solange sie nur ihren elektonischen Briefkasten regelmäßig leeren.

Eine internettaugliche E-Mail-Adresse ist immer ein Unikat, denn

benutzername@organisation

ist in der Datenöffentlichkeit nur einmal vorhanden. Zu lesen ist die Adresse als "eine Person/Gruppe
benutzername (@ ="at") bei einem Unternehmen/einer Einrichtung organisation. Der Web Site-Verwalter kann "benutzername" nur ein einziges Mal vergeben (aber die Adresse einer ganzen Gruppe von Nutzer zuweisen). Global nur einmal existent ist auch die Einrichtung organisation - Typische E-Mail-Adressen, und was man aus ihnen herauslesen kann:

hein@uni-borkum.de
"hein" studiert an der Universität Borkum und hat dort einen (kostenlosen) E-Mail-Account.

fürchtegott@reli-ph.weinburg.de
"fürchtegott" ist Institutsangehörige(r) an der Pädagogischen Hochschule Weinburg

herzl@t-offline.de
"herzl" nutzt einen der großen Deutschen Online-Dienste

irgendwer@ hotmail.com
"irgendwer" hat einen kostenlosen und anonymen E-Mail-Account bei Microsofts Mail-Dienstleister "Hot Mail"

Krash@microzoff.com
"krash" schreibt vermutlich von einem Firmen-Anschluß; die Web Site ist in den USA registriert.

Wer analysiert überhaupt den Absenderteil von externer E-Mail, d.h. von Post, die nicht aus dem firmeneigenen Netzwerk stammt? Ich wette, alle Welt. Personalfachleute sowieso. Meist folgen private E-Mail-Adressen dem Schema

erik_musterfrau@internet_service_provider.de.

Solche Angaben sind neutral und deshalb ohne großen Erkenntniswert. Bei welchem Internet Service Provider Sie sich registrieren lassen, ist egal - solange Sie eine anständige Adresse vorzeigen können. Manche erleben ausgerechnet da ihr Coming Out, handeln programmatisch oder lassen sich unter Ruf- und Scherznamen registrieren:

pumuckl@bayer.net.de
sexyalmut@aol.com
ksc_fan@gw.net.de

Solche Leute haben kein Problem mit sich selbst und Personalverantwortliche nicht mit ihnen.


Unanständig ist es, den Mail-Client der Firma zu verwenden.Was soll ein möglicher Arbeitgeber von Kandidaten halten, wenn sie ihre Privatpost am Arbeitsplatz erledigen, dafür ungeniert Mittel ihres Unternehmens verwenden und sorglos riskieren, dass ihr Tun vom Arbeitgeber registriert wird? (Natürlich werden Mails archiviert. Firmen-Korrespondenz gehört außerdem nicht den Verfassern.) Benutzen Sie für Privatpost einen privaten oder anonymen Account!

Keine Bewerbermails mit Firmenabsender

Findige Stellensuchende, die sich einen privaten Online-Zugang nicht leisten können sowie clevere Net-Surfer richten sich einen kostenlosen E-Mail-Account ein. Einfach die Internet-Adresse anklicken.) Sie suchen sich irgendeinen Namen heraus ("achwiegut@hotmail.com"), geben ein Paßwort an, verraten dem Dienstleister etwas über Ihre persönlichen Vorlieben und können nach erfolgreicher Anmeldung aus einer Web-Seite heraus Briefe schreiben, Anlagen beifügen sowie eingegangene Mails lesen und ablegen. Nachteile: Die Seiten sind mit Werbe-Bannern gepflastert, der Seitenaufbau dauert etwas länger, die Verwaltung von umfangreichen E-Mail-Archiven ist um einiges umständlicher. Die Heißmail von der weltgrößten Programmierschmiede scheint bisweilen Lieferschwierigkeiten zu haben. Damit kann man sich arrangieren - wenn man muss.

Neutrale Adresse: Kostenlos bei E-Mail-Diensten

Neue Post in der Inbox? Was zuerst in's Auge fällt, sind die Absender. Probieren Sie es selbst einmal aus. Erst im zweiten Durchgang werden die Betreffzeilen gescannt. Ausnahme: sachorientierte Menschen, die zuerst die Kolonne mit den 'Subjects' mustern. Doch auch die wollen sofort wissen, wer ihnen Botschaften schickt wie:

SUBJECT FROM
Ja, ich will Helmut
Mittagessen? edith_wucher@umsatzplus.de
Änderung der Tagesordnung herr_chefe@umsatzplus.de


Manche Bewerber machen sich dieses Rezeptionsverhalten zunutze und setzen Augenfänger ein:

t
raumkandidatin@germania.de
wunschbewerber@hotmail.com
marketing_frau@jova-nova.com
vertriebsingenieur@isp.com

Abgelehnt! Ich bin doch keine Marktschreier, schreibt jetzt sicher wieder ein Leser. Und mein eigener Einwand: Im Leben hat man nur seinen guten Namen. Diesen eigenen Namen würde ich unter allen Bewerberumständen propagieren und keinen nom de guerre. Was sagen Sie dazu? Kommentar an gwinkler@jova-nova.com



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