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Jobs & Internet:
Praktikumsbericht Web Publishing Aus Norddeutschland stammt der Bericht von einem, der auszog, um das Web Design zu erlernen. - Nicht nur zur Lektüre, auch zur Nachahmung empfohlen! "Guten Tag, Herr Winkler, Ihr - oder besser: unser - Bewerbungsschreiben war ein voller Erfolg. Aus dem unsicheren Studenten ist ein zielbewusster Webdesigner geworden! Im Juni bat ich um die Kommentierung einer Bewerbung für einen Praktikumsplatz im Bereich Web-Publishing. Sie baten um eine Rückmeldung, damit meine Erfahrungen weitergereicht werden können. Hier mein Bericht: Unsicher bewarb ich mich bei der führenden Internet-Agentur in [ ] um einen Platz als Application Programmer. Firma [...] verschreckt durch diesen großen Namen, druckte ich meine Bewerbungsunterlagen mehrmals, bis letztlich kein Staubkörnchen das Erscheinungsbild störte. Nervös wurde das Werk abgeliefert. Den Geschäftsführer, ein knapp dreißigjähriger Wirtschaftsinformatiker, interessierte das herzlich wenig. Wir hatten uns bereits auf einer Messe kennengelernt und beim erneuten Aufeinandertreffen war das "Du" nach zwei Minuten gefallen. Wir unterhielten uns fast eine Stunde - ohne Zwang, ohne Druck. Erfahrungen und Erwartungen wurden ausgetauscht, die Räumlichkeiten wurden gezeigt und die Bande der Programmierer vorgeführt. Programmierer wie aus dem Bilderbuch: Hier die Coke, da die Mailing-Liste, ein hexadezimaler Taschenrechner fest eingebaut. Zwei Wochen später kam die Zusage. Das gesamte Team hatte für mich gestimmt. Der Chef hatte meine Unterlagen nicht einmal gelesen, dafür die neugierige Sekretärin. Dennoch bestand man auf die Unterlagen. Sie waren die Eintrittskarte zum Interview. Ich hatte gezeigt, dass ich das Praktikum wollte. Gezeigt, dass ich die Form wahren kann. Meine miese Abi-Note war kein Hindernis - im Gegenteil: "Da warst Du mir sympathisch ...", erfuhr ich später. Die ersten zwei Wochen gehörten klar der Eingewöhnung. Netzwerk verstehen lernen, Datenbanken kennenlernen, wieder in die Programmiersprache kommen. Zwei Wochen musste ich auch kämpfen, um ernst genommen zu werden. Aus einer riesigen Datei (dBASE, 40.000 Zeilen a 180 Spalten) sollte ich Veranstaltungsdaten heraus filtern. Ich schimpfte in mich hinein, biß mich aber durch und meisterte die Aufgabe. Es dauerte anscheinend endlos, die Stolpersteine waren groß und ich stellte auch viele Fragen, um Neues zu lernen. Langsam jedoch erkannte man, dass meine Einwände durchaus Ernst zu nehmen waren. Nach drei Wochen hatte ich mein erstes Projekt. Die [ ] in [ ] sollte ins Web. Anfangs plante man mich als billige Arbeitskraft zu Übertragung von Daten aus der alten Präsentation in die neue ein, dann aber ließ man mich nach meinen Vorstellungen arbeiten. Gewiß hatte ich noch nicht die Arbeitsgeschwindigkeit und Routine der hauptberuflichen Programmierer und mindestens dreimal am Tage stand ich bei ihnen in der Bude und rief: "Kann mal einer kommen?" Immer sprang einer auf, meist derselbe, der als Autor für diverse Computerzeitschriften (c't, iX, DOS; LinuxMagazin...) schreibt und toll erklären kann. Meist zeigt er auf ein fehlendes Semikolon.... Ich war auf einmal sehr tief in die Technik gerutscht, wurde völlig akzeptiert und langsam bildeten sich Freundschaften heraus. Befasst war ich mit einfacher Datenbankprogrammierung (SQL, MySQL), Scriptprogrammierung (PHP, Perl), HTML-Codierung und Grafikerstellung mit Photoshop. Nach etwa sechs Wochen passierte etwas Ungewöhnliches. Mein Ansprechpartner kam und schaute, was ich mache, bis er sagte: "Ah! Das müssen die anderen sehen!". Nacheinander kamen die Techniker und der Chef. Alle sagten sie "Toll! Eine Online-Hilfe für die Verwaltungsseiten!" - Damit hatte ich gewonnen. Ich gehörte zum Team mit allen Rechten und Pflichten. Mit Fertigstellung des Projekte rückte die Endabnahme näher. Sieben Pinguine von [ ] in zwei Mercedes-Boliden direkt vor der Haustür, nicht etwa auf dem Parkplatz parkend, machten mir zunächst Angst. Dann waren es jedoch auch nur Menschen, so unentschlossen bisweilen, dass ich und der Geschäftsführer uns kaum ein Lächeln verkneifen konnten. Am Ende lobten mich die Herren, der Chef amüsierte sich darüber, dass ich als Techniker gegenüber diesen Herren das verwirrende Wort "Cookie" verwendete und unsere Chefverkäuferin lobte meine seriöse Kleidung. Ich war wieder erfolgreich. Eine Woche später kam das Jobangebot. Als Ergebnis möchte ich folgende Punkte festhalten. Vermeintliche "Top-Agenturen" kochen auch nur mit Wasser. Es gibt mehr oder minder gute Techniker. Einige können vielleicht sogar weniger als engagierte Amateure. Sie haben jedoch Erfahrung und sie wissen, wie man mit einem Kunden umgeht. Wer Geduld und Lernbereitschaft mitbringt, wird schnell in diesem Kreis aufgenommen ... Das Anforderungsprofil an einen Webdesigner bei [...] sieht zur Zeit etwa so aus: - kreativ und teamfähig - berufliche Herkunft fast egal - Sehr gute Kenntnisse in HTML 3.2, grobe Kenntnisse in HTML 4.0 - JavaScript Erfahrung erwünscht, aber kein Muß, weil Wissen in diesem Bereichleicht weitergegeben werden kann. - erste Erfahrungen mit Datenbanken, mindestens Kenntnis der drei wichtigstenSQL Befehle (select, insert, update) und ein grober Überblick über Relationale Datenbankmanagment-Systeme - unverzichtbar ist Erfahrung in einer Scriptsprache (PHP, Perl, ASP). - wünschenswert sind erste Erfahrungen in Photoshop und ein Auge für ein typographisch sauberes Layout. - wünschenswert, aber schnell lernbar sind Erfahrungen mit Unix bzw.WinNT. Freundlichkeit und ein sicheres Auftreten sind nicht fehl am Platze. Zur gleichen Zeit, als ich mich um ein Praktikum bewarb, sandte ich die Bewerbung auch an zwei andere Agenturen. Sie suchten studentische Aushilfen. Beide luden mich zu einem Bewerbungsgespräch ein. Hinter der kleinen Agentur verbirgt sich ein Zwei-Mann-Betrieb. Ein junger Betriebswirt, der gerade sein Studium beendet hat und eine gute Idee mit einem klaren Konzept verbindet, suchte nach Aushilfen. Das Gespräch verlief distanziert und kühl. Kritischer Moment war die Frage nach meiner Honorarvorstellung. Ich wich aus. Weder sei es ein Profisatz, noch ein Taxifahrerlohn. Eine Woche später kam ein kleiner Auftrag. Die Programmierung eines Scripts. Das Ergebnis wurde akzeptiert, inzwischen gab es weitere Aufträge. Meist schreibe ich einen Kostenvoranschlag und warte auf die Reaktion. Bislang immer positiv; inzwischen gibt es auch Aufträge ohne Kostenvoranschlag. Reich werde ich nicht, da ich beginne, betriebswirtschaftlich zu kalkulieren. Ich gewinne vor allem an Erfahrung. Dadurch mache ich zwar in gewisser Weise den Markt kaputt, aber ich will mich weiterentwickeln und dafür benötige ich Erfahrung. Hinter der großen Agentur verbirgt sich das einzige Unternehmen in Deutschland, welches eine DIN-Plakette für elektronisches Publizieren trägt. Entsprechend beeindruckend war das Empfangskomitee bei meinem Bewerbungsgespräch. Geschäftsführer, Projektleiter, Personalchefin und Praktikantin baten mich in einen säuberlich hergerichteten Konferenzsaal. Während der Geschäftsführer und die Personalchefin mir erklärten, wie sehr Sie auf Qualität achten und dass ich bloß etwas HTML erstellen solle, interessierte mich der Projektleiter. Ermutigt durch die jüngsten Erfolge, fragte ich nach dem Bereich Programmierung und kritisierte die Verwendung von [...]. Verwirrt schaute der Geschäftsführer zum Projektleiter, der zugeben musste, dass [...] keinen tollen HTML-Quellkode produziere. Auf die obligatorische Frage, ob ich mir die Aufgaben zutraue, antwortete ich laut und deutlich mit "Ja!" Einen ersten Auftrag, für den man mir einen Festpreis bot, der nur leicht unter meinem Satz liegt, habe ich ausgeführt. Ich habe meist mit dem Projektleiter zu tun. Er ist sehr freundlich, versteht es zu loben und versucht ein wenig zu führen was ich persönlich ja für überflüssig halte. Drei Firmen, von klein bis groß, drei verschiedene Bewerbungen und doch eineGemeinsamkeit. Ein erster, formaler Kontakt bildeten den Einstieg. Mehr oder minder schnell wurde es lockerer, die Formalitäten schwanden. Verärgerung kamnur dann auf, wenn Auftragsangebote nicht sofort beantwortet wurden (Notfalls ein Mobiltelefon anschaffen!). Zuverlässigkeit ist alles. Und: Eine klassische Bewerbung ist anscheinend immer noch die Eintrittskarte in ein Unternehmen." Oktober 1998. Seitenanfang |
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| Auch im Online-Service der Sparkassen finden Schulabgänger und Studenten meine Bewerbungsbeispiele. Im AOL-Verlag ist ein Heft mit Bewerbungsvorlagen und eine Einführung "Fit für den Ausbildungsplatz" erschienen. |
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