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Karrieremessen für Anfänger Nichts leichter, als sich für den Besuch einer Karrieremesse zu entscheiden. Sie kommen (meist) umsonst rein. Das Event findet in Ihrer Umgebung statt. (Falls nicht, eröffnet sich Ihnen die wunderbare Möglichkeit einer Kurzreise.) Sie treffen an einem einzigen Tag jede Menge interessanter Gesprächspartner - mehr, als Angestellter Mustermann dies in Jahren schafft. Und last but not least: Sie tun was für Ihre Karriere. Auf Karrieretage geht man * wenn das Thema der Messe auf die eigene Zielgruppe (z.B. Absolventen eines Jurastudiums), auf die Branche(n) und auf den Berufszweig passt * wenn man Job- und Karrierekontakte knüpfen will * wenn man live miterleben will, wie der Karrieremarkt funktioniert * wenn man mehr über Stellenanbieter, noch unentdeckte Stellenanbieter, überraschend tolle Stellenbieter erfahren will * wenn man sein Repertoire an Gesprächseinleitungen, Gesprächsstrategien und an Verhandlungsführung erproben und verbessern möchte. Und warum nehmen Stellenanbieter den ganzen logistischen und personalen Aufwand plus den schlammfarbenen Kaffee aus 20-Liter-Kannen in Kauf? * sie betreiben zielgruppengenaues Personalmarketing * sie machen PR für ihr Unternehmen * sie filtern und identifizieren die NUB-DUPs (Noch Unbeschriebenes Blatt - Doch Ungeheures Potenzial) * und natürlich: so einen Shooting Star wie Sie aufzuspüren und zu verpflichten, macht den Tag eines Personalers zu einem guten Tag. Der größte Vorteil einer Karrieremesse ist genau das, was schüchternen Absolventen so große Schmerzen bereitet: Man kann sich selber nicht per Mail, Bewerbungsmappe oder Telefon unsichtbar machen. Man tritt persönlich auf, geht aufeinander zu, setzt sich zusammen und spricht miteinander. Vielleicht geraten Sie in einen Hexenkessel. Vielleicht landen Sie am Referenzort für Nichts los hier. In jedem Fall ist es der richtige Ort, um Distanzen zu überwinden und um unbekannten, lächelnden Menschen einen guten Tag zu ![]() Erfolgreiche Messebesucher fahren am besten mit dem VAN: Vorbereiten - Agieren - Nachbereiten. Vorbereiten * Studieren Sie die Web Site des Messeveranstalters. Zugangsvoraussetzung für die Teilnahme an einer Messe ist manchmal das Einsenden einer Kurzbewerbung. Gute Veranstalter-Sites bieten dafür webbasierte Fragebögen. Das Ausfüllen von Online-Bewerbungsformularen können Sie vorab hier üben: http://www.jova-nova.com/bewerb/formgw9.htm. Recherchieren Sie Rahmenprogramm und die Ausstellerliste. Drucken Sie sich wichtige Seiten mit Terminen, Namen, Telefonnummern aus. Melden Sie sich rechtzeitig vorher an und sichern Sie sich so Ihre kostenlose Eintrittskarte. * Identifizieren Sie die Organisationen, bei denen Sie in jedem Fall vorbeischauen möchten. Plus die, auf die Sie während Ihrer Recherche aufmerksam wurden. Und zuletzt die Firmen, von denen Sie gern einen Kugelschreiber mitnehmen möchten. * Recherchieren Sie im Web alle wichtigen Company-Infos zu den von Ihnen geplanten Messekontakten. Leute, die glauben, Firmenvertreter sind da, um die große Infoshow abzuziehen, haben zwar recht. Aber Jobsucher sind ihrerseits dafür da, um die Firmenvertreter mit ihrem Detailwissen über Geschäft, Marktverhältnisse und wichtige Kennzahlen zu beeindrucken. Nur wenn Sie vorab wissen, was die Firma tut, werden Sie ohne Zeitverlust klar machen können, was Sie für die Firma tun könnten. (Zeit ist die knappste Personaler-Ressource auf einem Karrieretag und auch sonst.) * Buchen Sie vorab so viele Termine, dass Ihr Zeitplan den Tag strukturiert. Lassen Sie andererseits in Ihrem Kalender so viel Luft, dass Sie ad-hoc-Interviews einbauen können. Und dass Ihnen noch Zeit für eine gepflegten Diet Coke mit Ihren Buddies bleibt. * Nehmen Sie sich ihren Lebenslauf vor. Haben Sie noch keinen, ziehen Sie sich selbst die Ohren lang und entwerfen Sie ihn schleunigst. Wie man seinen tabellarischen Lebenslauf in Form bringt, steht auf jova-nova.com. Halten Sie ihn kurz - alles über zwei Seiten ist kontraproduktiv. Ausnahmslos. Montieren Sie aber ein eingescanntes Bewerberporträt in Ihre Persönliche Daten. Drucken Sie diese mehrfach aus. Stellen Sie keine vollständigen Bewerbungsmappen zusammen - Firmenstände sind keine Altpapiersammelstellen. Dokumente nachzureichen und sich bei dieser Gelegenheit erneut zu präsentieren ist eine absolut gute Idee, um Kontakte weiterköcheln zu lassen. Stellen Sie aber eine Belegmappe mit Ihren Zeugniskopien, Arbeitsproben, Publikationslisten, Empfehlungsschreiben zusammen. Vielleicht kommt der günstige Moment, in dem Sie einem interessierten Gesprächspartner mit Material füttern können. Zum Thema Mappe, Tasche oder Rucksack: Es gibt eine große Bandbreite an dem was praktisch und passend ist, doch wenn Sie im Zweifel sind, ob es die handgeknüpfte Yeti-Tasche vom letzten Antiglobalisierungskongress bringt, besorgen Sie sich eine unauffällige Collegemappe aus Leder oder einen Notebook-Case. Üben Sie, sich an einen Tisch zu schlängeln, im Sitzen Ihre Tasche aufzunehmen und (nach etwas Aufwärmtalk) Ihren Lebenslauf heraus zu ziehen. Sie sollten im Ernstfall daraus keine Show "Junger Bewerber contra Tücke des Objekts" machen. * Proben Sie die wichtigsten Frage-Antwort-Sequenzen (Beispiele und Arbeitsblätter auf dieser Web Site). Agieren * Ziehen Sie das an, was Sie an Ihrem ersten Arbeitstag anziehen würden. Sollten Ihnen formale Dresscodes unklar sein, informieren Sie sich vorher. Der erfahrene Verkäufer bei einem exzellenten Herrenausstatter wird Ihre Sache zu seiner machen, wenn Sie ihm frank und frei Ihre Unerfahrenheit gestehen und ihm klar machen, wozu Sie einen Anzug brauchen. Tragen Sie als Frau einen Business-Outfit und erscheinen Sie auch an einem heißen Sommertag nicht ohne Strümpfe. Mit nackten Beinen macht frau vielleicht Karriere, aber nicht in Wirtschaft und Verwaltung. * Ziehen Sie sich aber nicht zu warm an. In der Halle geht es heiß zu. * Erscheinen Sie so früh wie möglich - da ist noch am wenigsten los. Machen Sie in den letzten 45 Minuten noch einmal die Runde - da sind die meisten Besucher schon wieder gegangen und man hat für Sie wieder etwas mehr Zeit. * Für den guten Gesprächseinstieg gibt Personalexperte Michael Altieri ein Beispiel: "Mein Name ist Jupp Schmitz. In zwei Semestern werde ich den Abschluß Diplom-Kaufmann mit Schwerpunkt Ghanesisches Handelsrecht in ostdeutschen Binnengewässern erreichen. Jetzt suche ich eine Position im Bereich ... Haben Sie Möglichkeiten, mich mit diesem Berufsziel einzusetzen?" * Kontakten geht überhaupt ganz leicht, wenn Sie diese Schritte internalisieren: 1. Sich kurz vorstellen - 2. Zeigen, was man über den Ansprechpartner (bzw. dessen Organisation) weiß - 3. Das eigene Profil mit dem (vermuteten) Anforderungsprofil verknüpfen. * Gute Fragen: Könnten Sie mir sagen, welche Jobvakanzen im Bereich ... sich in den nächsten 6 Monaten ergeben werden? - Was müssen die Leute, für die Sie sich interessieren, an besonderen Skills und an Know-how mitbringen? - Was meinen Sie, wie ich bis zum Studienabschluss meine Qualifikationen noch verbessern kann? - Wie läuft das Bewerbungsverfahren bei Ihnen genau ab? - Wie kann ich bis zum Abschluss meines Studiums mit Ihnen in Kontakt bleiben? - Planen Sie in nächster Zukunft Get-togethers oder weitere Infoveranstaltungen? - Könnte man mit einem derzeitigen Trainee von Ihnen Kontakt aufnehmen? * Während des Gesprächs: Bringen Sie Ihre Rolle, Ihre Kleidung, Ihr Gesprächsverhalten in Übereinstimmung. Üben Sie einen angemessenen Händedruck. Treten Sie offen und ehrlich auf. Drucksen Sie nicht herum. Schauen Sie Ihre Gesprächspartner an. Nehmen Sie beim Reden die Hände aus dem Gesicht. Unterdrücken Sie Marotten (rhythmisches Beinewippen, Schaukeln, Nägel kauen ...). Sprechen Sie laut, klar und dialektfrei. * Seien Sie enthusiastisch und begeisterungsfähig. Fokussieren Sie sich auf die Gesprächsthemen. Schneiden Sie beim Erstkontakt nicht die Gehaltsfrage an. Manche Bewerber verhalten sich im Interview wie im Reisebüro und interessieren sich ausschließlich für die Leistungen des Arbeitgebers. * Ein guter Tipp von Michael Altieri: "Holen Sie eine komplette Show-Mappe heraus und fragen Sie, ob Sie an Ihrer Bewerbung etwas verbessern könnten. Das ist ein guter Trick mit nützlichen Nebeneffekten. Manchmal winken die Leute ab, aber manchmal kommt es so zu spannenden Momenten." * Treffen Sie sich während der Messe mit Freunden zum Austausch von Erlebnissen und Zwischenergebnissen. Garantiert hatte einer ein tolles Gespräch mit Leuten, die Sie selber auch unbedingt treffen sollten. (Wirklich gute Freunde bilden auch und gerade in einer solchen Veranstaltung eine Seilschaft.) Bewegen Sie sich aber niemals in einer Gruppe durch die Halle. Sie sind kein Gnu. Nachbereiten * Wenn Ihr Gesprächspartner keine Karte hat, notieren Sie Name, E-Mail und Fon. * Sammeln Sie die Goodies und Prospekte erst am Abend in einer separaten Abschiedstour ein. * Jedes gute Gespräch wird binnen 24 Stunden mit einem Vielen-Dank-Schreiben (per E-Mail) aufgearbeitet. Fazit: Karrieremessen sind Trainigsrunden, Bewährungsproben, Treffpunkte, Marktplätze, Kontaktbörsen, Einstiegsorte. Gehen Sie dort niemals unvorbereitet hin. (Außer, Sie sind im 5. Semester und möchten wissen, was auf sie zukommt.) Aber drücken Sie sich auch nicht davor. Seitenanfang |
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