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Ob es gilt, eine Operation am offenen Herzen durchzuführen, den platten Hinterreifen eines Mountainbikes zu wechseln, einen Topf Gnocchi zu fabrizieren oder den digitalen Virenfänger mit einer weiteren Karte zu füttern: Immer liegt schon schon einer auf der Lauer und ist froh zu beweisen, dass er jedes Problem löst und hinkriegt. Die Welt wimmelt nur so von Spezialisten, freundlichen Helfern und Anhängern des Do-it-yourself-Gedankens. Ein kurzer Blick nur, und sie eilen herbei. Was krönt ihren Tag? Dass sie endlich loslegen dürfen.

Ich für meinen Teil lasse die Experten machen, bleibe im Hintergrund, halte mich vom Lötkolben fern und gehe nicht dorthin, wo das Geschehen gerade aufkocht. Führe ich die kniffligen Sachen selbst aus, enden sie für mich ausnahmslos in Blut, Schweiß und stundenlangem Kühlen der betroffenen Teile.

So haben die himmlischen Mächte wohl kein Interesse daran, dass ich Ölfilter austausche. Sonst hätten sie mir das Quantum Verstand mitgegeben, das man braucht, um kolbentrockene KFZ-Technik zu verstehen. Ich halte mich eisern an die Devise:

Wo man nichts versteht, dort soll man nicht schrauben.

Und ich empfehle gute Fachleute begeistert weiter.

Doch in einigen Dingen des Lebens bin ich anscheinend selbst ein betriebsamer, erfolgreicher und gefragter Experte geworden. Wann immer es um Form, Formgefühl, Formulare und vor allem um Formulieren geht, bin ich schlichtweg formidabel. Sie können das auf jova-nova.com, auf anderen Sites, mittels Druckerzeugnisse und als Klient meiner Bewerbungsberatung nachprüfen und davon auch profitieren.

Dass vor allem meine Schriftlichen Bewerbungen wirken, hat seinen Grund:

Ich mache das schon sehr lange.
Ich erwarte immer mehr von mir als meine Klienten verlangen.


Neben mir arbeiten im Web täglich mehr Standeskollegen, die Ihnen gern die Arbeit abnehmen würden, eine Arbeit zu finden. Ritter der Dienstleistung sind wir alle. Manche schreiben stolz und frohgemut den Schlachtruf "Consult-Bewerbungserstellung" auf's ellenlange Werbebanner. Manche betreiben ihr Geschäft von einer Homepage bei America Online aus.

Viele unverschuldet arbeitslos gewordene Existenzgründer finden die Idee, sich als Bewerbungsberater zu etablieren, einleuchtend und naheliegend. Dank AOL oder T-Online können sie jeden erreichen, der online erreichbar ist. Die Wirklich Weite Welt wird auf einmal zum Wohltuend Wartungsarmen Weltmarkt.

Mag sein, aber das klappt meist nicht mit der selbstgestrickten Web Site vom Billig-Web-Space-Vertreiber. Jetzt fragen gleich die Mitglieder@aol.com pikiert : "Und weshalb nicht?"

Darum. Weil man durchaus klein und bescheiden anfangen kann, aber gefälligst nicht popelig. Als wir noch sehr winzig waren, sind wir Sommers wie Winters barfuß in die Klippschule getrödelt und haben traktoranhängerweise Zuckerrüben gelutscht, aber losgelegt und kleine Geschäfte gemacht haben wir schon damals, und wie!

Und zwar ausschließlich auf unserer formvollendeten Dienstleister--Web Site.

Für Besucherverkehr und auch nur einen Anfangsbestand an Inhalt sind Heimseiten einfach zu klein und zu langsam. Auf einer Homepage kann man Kochrezepte notieren oder Wegsichtskarten einstellen oder den Hund mit der Freundin vor dem Haus mit den Eltern (im Hintergrund) vorführen. Oder mit eingedickten Buttons protzen, aus der Serie 45.000 Cliparts für Leute, die sich auch lebensgroße Steingut-Gänse vor die Haustüre stellen, wie unlängst in Ostrach gesehen.

Fangen Sie also mit einer eigenen Domain und passender Mailadresse an. Erfolgreich bewerben heißt unter anderem, überzeugend präsentieren. Gestalten Sie deshalb als zünftiger Karriere-Kotsch Ihren Webauftritt selbst (so wie ich), texten Sie selbst (so wie ich), vermarkten Sie sich selbst (schlauer als ich). Knüpfen Sie Links zu Leuten mit guten Seiten. Kontakten Sie, als wären Sie Kanzlerkandidat. Machen Sie unverdrossen Eigenwerbung. Speisen Sie Ihre URL in die Suchmaschinen ein, Ihre Beiträge auf andere Sites und propagieren Sie täglich Ihre Erfolge.

Aber preisen Sie nicht eine
"professionelle Bewerbungserstellung" samt "integrierter Drucklegungsdienstleistung", wenn Sie von Design, Typographie, Geschäftskorrespondenz, Informationsauswahl und -arrangement und vom zielgenaue Formulieren nur sowenig verstehen wie ich von Intel-Maschinen. (Ja, ich bin Mac-Anwender. Ja, ich finde, innen schnell ist nicht so gut wie außen hässlich schlecht ist.)

Ich bin mir sicher, dass die Stiftung Warentest bald Bewerbungsberatungen unter die Lupe nehmen und grüngrau unterlegte Checklisten publizieren wird. Und dass umgeschulte Sozialarbeiter sich als TZ-Trainer für allerlei Bewerbungstrainerfortbildungen einbringen werden. Bis dahin müssen Sie die Frage: Was dürfen Sie überhaupt von einem professionellem Bewerbungshelfer erwarten? ad hoc klären.


"Vom aufgedruckten Foto bis zur Anlagenverfielfältigung fertigen wir "(das heißt ein Bewerbungsconsultant) "Ihre Bewerbung nach Ihren individuelle Anforderungen".

Fiele Fertigkeiten zeichnen den fantastischen Bewerbungsfritzen aus. Möchten Sie Ihre Unterlagen an so jemanden senden? Nur zu!

"Dort werden Ihre Daten aufgenommen, und an den zuständigen Berater(in) weitergeleitet. Diese(r) ruft Sie dann -bei noch offenen Fragen zurück."


Vielleicht gefällt Ihnen ja die Transparenz des Geschehens. Ehrlich gesagt, kann ich Zeitverschwender, die einem lang und breit erklären, was sie so tun, immer weniger leiden. Da kann man doch auch gleich zum Arbeitsamt gehen.

Ich möchte meine Mitbewerber um Bewerbungsaufträge nicht attackieren. Es gibt sicher mehr Bedarf an Karriere-Serivices, als wir alle abdecken könne. Darf ich dennoch an dieser Stelle und nur hier gegen den Comment verstoßen und die Dienstleister mit kaufm. Ausbild. und Trainingserf. zur Hölle wünschen? Sie erlauben? - Herzlichen Dank. Also aufgepasst, ihr Berater, Consultants und Humanoide Resources-Experten! Eure Sprache stinkt zum Himmel und das genau ist der Grund, dass man euch, nach eurem finalen Outplacement, dereinst in der Unterwelt schurigeln wird. Dort schmieden sie nämlich auch
"erstklassige Instrumente für eine zielgerichtete Laufbahn- und Karriereentwicklung" und der Große Rußige Karriereberater höchstpersönlich "bietet ... Anleitung beim Selfmanagement und Selfmarketing".

Bitte glauben Sie nach den bisherigen Ausführungen nicht, ich würde so tun, als sei der Bewerbungsservice im World Wide Web weitgehend zum Weinen. Alles, was Jobsucher umstandslos zum Job bringt, ist gut. Doch was halten Sie von einem unrasierten Dealer mit schmutzigen Schuhen, gelöster Krawatte und dem Anspruch, Ihnen einen Bugatti erklären zu wollen? Und wie beurteilen Sie Consultants, die augenscheinlich von aller Fortune verlassen sind in Sachen

DIN Regeln für Maschinenschreiben
perfekte Rechtschreibung
professionelles Texten
überzeugendes Präsentieren?

Allen, denen Jobsuche und Selbstfindung lästig ist oder peinlich oder der Mühe nicht wert, sei es diskret, aber deutlich unter die Nase gerieben: Wenn Sie eine Bewerbungsmappe ordern wie eine Pizza, dampft die Lieferung zwar, riecht aber nicht appetitlich.

Ich wiederhole mich gern: Es gibt auf dieser Welt keine Seele, die über Sie so viel weiß wie Sie selbst. Ein guter Berater sieht immer noch tiefer in Sie hinein. Damit Sie das zulassen, müssen Sie ihm aber vollauf vertrauen.

Können Sie sich auch nur ein kleines bißchen leiden? Glauben Sie, dass Sie sich selbst kein ewig unlösbares Rätsel sind? Na, dann geht's an die Arbeit!

Nachdenken
Bilanz ziehen. Den Werdegang nachzeichnen. Fertigkeiten, Leistungen, Entwicklungen analysieren. Sackgassen und Niederlagen eingestehen. Berufs- und Lebensziele überdenken.

Sichten, Sammeln, Auswählen
Ausbildungs- und Berufsstationen. Daten, Belege, Nachweise für einen lückenlosen Lebensweg. Daten gezielt auswählen und anordnen.

Gestalten
Im Lebenslauf den roten Faden finden/schaffen. Daten, Argumente für eine zielgenaue Erstansprache oder für eine Bewerbung auf ein Angebot auswählen und arrangieren.

Im ersten Teil meines Online-Buchs für Stellensuchende gehe ich übrigens auf diese Phase der Selbstanalyse und alle weiteren Schritte ein. Ich stelle Ihnen Arbeitsblätter und weitere Hilfsmittel zur Verfügung.

Wenn Sie sich diesen Prozeduren selbst unterziehen, beweisen Sie innere Selbständigkeit, gesunden Menschenverstand und den Willen, Ihr Leben eigenverantwortlich zu führen. Vielleicht laufen in Ihnen Prozesse von Zweifel und Klärung, Aufgabe und Neubestimmung, Selbstkritik und Selbstfindung ab. Ich wünsche für Sie, dass dies geschieht und dass Sie davon profitieren.

Ein ausrecherchierter Lebenslauf, eine wohlgeordnete Dokumentenmappe dient Ihnen dann ein Berufsleben lang, in allen Wechselfällen, als Basis für Ihre Aktualisierungen.

Bereits in der frühen Stufe der Konzeptionalisierung setzt eine Bewerbungshelferin im WWW, die sich aufrichtig und ernsthaft um ihre Klienten zu kümmern scheint, mit Ihren Bemühungen ein:

"Sie bringen Ihre Unterlagen mit, und wir führen zunächst ein Gespräch über Dinge wie Vorbildung, beruflichen Werdegang, angestrebte Position, für die Bewerbung wichtige persönliche Eigenschaften u.s.w."

Ich würde dennoch nicht so starten. Unter uns Spezialisten: Studieren wir immer zuerst die Unterlagen. Kandidaten, die über ihren Werdegang reden, vernebeln ihn. Setzen wir also, wenn wir beaufragt werden, dort an, wo Bewerber sich am wenigsten verstellen können: In Anschreiben und Lebenslauf. Es ist immer auf's Neue verblüffend, wie sich aus einer Sprachgestalt eine Persönlichkeit konstituiert. Vielleicht haben wir Berater obendrein, qua unserer Kompetenz (durch Ausbildung, berufliche Praxis, Fachwissen und Übersicht über den Arbeitsmarkt) noch das Vermögen, das Potenzial von Menschen zu entwickeln. Doch diese sind dann keine längst Kunden mehr, sondern uns Anvertraute.

Unser Stärke zeigt sich vor allem auch im Optimieren der Unterlagen. Freut sich der Bewerber, freut sich auch der Personerl.

Ihr "Betreiber von Schreibbüros" aber, die ihr euer Heil über allerlei
"Drucklegungsdienstleistung" hinaus in Wortschöpfung und Bewerber-Promotions sucht: Nutzt euren eigenen Scanservice! Ein Bild sagt mehr als tausend schlechte Worte! Löscht allen Text auf euren Seiten, stellt dafür euer Porträt auf die Homepage. Der Effekt wird begeistern! Mit den Worten eines Consultant: "Es wird der Eindruck vermittelt, dass Sie sich moderner Technik bedienen."

Aber nicht vergessen:

"Als Grundlage Ihres einzuscannenden Fotos sollte ein freundliches, kontrastreiches und freundliches Foto gemacht werden."

Und das freundliche Bewerbungsservice-Serviceteam winkt heiter aus dem Land des ewigen Lächelns.

Bewerberberatung im Web: Ihre Beobachtungen, Erlebnisse und Erfahrungen würde ich gern erfahren. Auf Ihre E-Mail freut sich immer Ihr Bewerbungshelfer!

(Berkeley (CA) 2.2.1998/ 7.8.2002


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Keinen Gedanken zu haben, das schafft jeder. Aber ihn nicht ausdrücken können. dafür braucht es einen Consultant:


"Halten Sie sich
folgendes stets
vor Augen: Wer ein
Stellenangebot
aufgibt, hat ein Problem,
das er von demjenigen,
mit dem er die Stelle
besetzen wird,
gelöst haben möchte.
Sie müssen in Ihrem Anschreiben deshalb
den Eindruck erwecken,
dass Sie dieses Problem
lösen können."

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