| Blindbewerbung, Kurzbewerbung, Massenbewerbung, Massenmail, Direktmailing, Initiativbewerbung, Arbeitsamt, www.dreineun.de, Präsentation, Gabi Brede, dreineun, Anders bewerben | ||||||||||||
![]() |
||||||||||||
| Teil 1 | ||||||||
![]() |
||||||||
![]() |
||||||||
| Den Wechsel denken |
||||||||
Man kann nicht sagen, dass sich Ludwig L. in den letzten sieben Jahren beruflich weiter entwickelt hat. Er hat sich Routine erworben und das hat zum Überleben gereicht. Sein beruflicher Alltag spielt sich ab wie auf einem Ozeandampfer. Tag für Tag ölt man die Große Maschine, und wenn man dann einmal aufblickt und ausschaut, hat die Szenerie schon wieder dramatisch gewechselt. Manuel M. ein ehemaliger Kollege, litt grässlich unter dem MAIA-Syndrom, dem Märtyrerhaften Alltag Intelligenter Angestellter: tölpelhafte Vorgesetzte, nicht nachvollziehbare strategische Entscheidungen, gnadenloses Abdeckeln der internen Karrierechancen. Manuel M. verließ darum unter heftigem Donner und Blitzen die Organisation und stürzte furios hinein in die nächste. Und dort drehte er für zwei, drei Jahre eine neue Staffel seiner Daily Soap ab. Thema: Mein Chef ist dümmer als ich. Es überrascht kein bisschen, dass er vor einem Jahr erneut einen dramatischen Abgang zelebrierte und sich einen anderen Austragungsort, ein neues Publikum und einen noch unverbrauchten Boss als Sparringspartner suchte. Manuel und Ludwig treffen sich ab und zu. Ludwig wirkt nicht besonders unglücklich. Manuel scheint keineswegs besonders glücklich zu sein. Dies, obwohl er mit seinen letzten Karrierezügen ziemlich weit nach oben gerückt ist. Zudem hat Manuel M. in den letzten Jahren so nach und nach die ganze Bandbreite an verdienstvollen Upper Management-Aufgaben abgedeckt. Seine Wechsel haben aber im Grunde an seiner Konflikt-Konstellation nicht viel geändert. Ludwig L. rechtfertigt es so, weshalb er an seiner Jobsituation nichts ändern will: krisenfestes Unternehmen, fairer Arbeitsvertrag, angemessenes Gehalt, verlockende Prämien, allerlei Vergünstigungen und Bildungsleistungen, Einbindung in einen Kreis netter Kollegen. Die Familie hält obendrein an Haus, am Wohn- und Schulort fest. Nicht zuletzt greift auch die Loyalität zum Arbeitgeber: Alles in allem hat die Organisation ja zu einem gehalten. Der Leitungskreis legt, so wie es aussieht, irgendwie doch Wert darauf, dass man bleibt. Oder er übersieht einen gnädig. Also bleibt man. Fragt man bei Manuel M. nach, so erhält man auch von ihm überzeugende Argumente für sein Wechselverhalten: Anderswo verdient er mehr. Er rückt in der Hierarchie weiter nach oben. Seine Zuständigkeiten mehren sich. Er führt mehr Leute oder zumindest ein stärkeres Team. Er kann an neuen, spannenden Aufgaben wachsen. Er lernt dazu. Der neue Job dient als Trittstelle für seinen Weg nach oben. Er gewinnt insgesamt an Einfluss, Prestige und vielleicht schafft er es auch, jemanden aus der eigenen Supporter-Truppe gut zu plazieren. Hat der neue Arbeitgeber einen umtriebigen PR-Agenten, wächst auch die Mappe mit Presse-Clippings. Manuel M. ist stolz darauf, dess er ab und zu den Branchentalk belebt - und es erleichtert ja auch sein Geschäft, wenn ein Geschäftskontakt bereits vorab von ihm gelesen oder gehört hat. Mit seinen Wechselgründen unterscheidet sich Manuel M. auf frappante Weise vom durchschnittlichen Angestellten. Der versteht einen Jobwechsel kaum als kalkulierten Schritt im Rahmen eines Gesamtplans zur Beförderung der eigenen Karriere. Nicht immer spricht man dabei seine Motivation gelassen aus: Man weicht dem Druck von überharten Chefs und böswilligen Kollegen. Man will einfach nicht mehr länger akzeptieren, dass man ausgebeutet wird und peu à peu ausblutet. Man reagiert übernervös auf ein Personalmanagement, das einen mit List und Tücke aus der Firma hinaus komplimentiert. Man hat genug von der eigenen belanglosen Arbeit. Es ist einem im Lauf der Zeit schlicht zu langweilig geworden. Man ist im aktuellen Job grandios vereinsamt. Man wird von Flusenfägern sexuell belästigt. Man wird vom traurigen Hundeblick eines Ex-Lovers vertrieben. Man hat die Liebe seines Lebens in Paderborn gefunden und mag sich nicht mehr jeden zweiten Sonntag der akzidentiellen Pünktlichkeit der Deutschen Bahn AG unterwerfen. Wo die Wechselwäsche zum logistischen Drama wird, erhalten Wechselgedanken zweifellos einen Kick. Es spricht einiges dagegen, am Arbeitsplatz mit gesenktem Blick vor sich hin zu werkeln und sich in der Routine des beruflichen Alltags zu verlieren. So wie es kein Recht auf zugewiesene Arbeit gibt (verteidigen wir aber unser Menschenrecht, uns Arbeit zu machen), so gibt es auch keinen Anspruch auf den immer gleichen Job oder Arbeitsplatz. In manchen Lebensläufen von Jobwechslern fällt eine erste, langjährige Berufsstation auf, an die sich dann eine Sequenz kurzzeitiger, oft nur mehrmonatiger Arbeitsperioden anschließt: Traurige Dokumente der Niederlage von altgedienten Routiniers, die beruflich aus dem Tritt geraten sind. Die Arbeitsbedingungen in der neuen, meist viel kleineren Firma waren dann nicht ganz so toll, wie man es sich erträumt hat. Jobanbieter lesen aus Stotter-Stationen leider gern, dass es dem Kandidaten an verwertbarem Know-how, an Flexibilität und an Anpassungsbereitschaft mangelt. Es gibt akute Anlässe zum Wechsel. Sie brechen aus wie ein plötzliches Fieber nur dass es da nicht reicht, die Krise einfach auszuschwitzen. Jobkontakte reaktivieren, Jobbörsen screenen, Jobgelegenheiten recherchieren, diskrete Calls und Mailings anlaufen lassen: Das ist bereits bei nahenden Katastrophen angesagt. Reagieren Sie nicht kopflos, aber reagieren Sie entschlossen bei Einbruch des Geschäfts, Firmenverkauf, Merger oder Übernahme, Chefwechsel, Paradigmenwechsel in der Firmenpolitik, Absturz der eigenen Seilschaft, bei Verrat und Intrige, Entmachtung und Kaltstellung, anstehender Personalreduktion und bevorstehenden Technologiesprüngen. Jede größere Organisation füttert ihre Job-Zombies durch: Mitarbeiter, die nicht mehr mitarbeiten oder Untote, die ihren eigenen Abgang überlebt haben. Fühlen Sie Ihre Jobtemperatur und prüfen Sie, ob man Sie schon kalt gestellt hat: Wenn Kollegen sich davor hüten, zusammen mit Ihnen gesehen zu werden, wenn Ihr Vorgesetzter Sie nicht mehr erkennt, wenn Sie nur Aufträge von zweifelhaftem Sinn erhalten und bloß noch Ergebnisse von symbolischem Wert abliefern, dann haftet an Ihnen der Geruch von Moder und Friedhofskapelle. Bei der nächsten Geisteraustreibung sind Sie dran. Nicht verzagen. Karriere macht man dort, wo es andere zulassen. Suchen Sie diesen Ort. Sie finden allemal etwas Besseres als eine Organisation, in der Sie nur noch als wandelnde Karrierescheuche für leicht zu beeindruckende jüngere Mitarbeiter dienen. In der strategischen Karriereplanung von Führungskräften bieten gut vorbereitete, unblutig durchgeführte und durch richtiges Verhalten abgesicherte Jobwechsel langfristige Vorteile. Erfolg braucht ein Milieu. Und das Milieu der Erfolgreichen reicht so gut wie immer über die Organisation hinaus. Von Job zu Job erweitern Manager ihr Adressbuch: Dort stehen Leute in Schlüsselpositionen. Leute, aus denen noch etwas wird. Leute, die gegen einen agiert haben. Leute, mit denen man Allianzen geschlossen hat. Leute, die einen gefördert haben. Leute, denen man gefällig war. Auch leitende Angestellte finden Chefs, Kollegen und Mitarbeiter bisweilen abscheulich, untragbar, inkompetent und gefährlich. Das hält sie aber kaum je davon ab, in wechselnden Jobkonstellationen und Zweckbündnissen miteinander zu kooperieren. Jeder ordentliche beruflicher Werdegang ist eine echte Tour dHorizon, eine Erweiterung des Gesichtskreises und eine Begegnung mit Leuten, die alles mögliche wissen. Ob Sie dort, wo Sie arbeiten, auch in nächster Zeit noch an der richtigen Stelle sind, das analysieren Sie so: 1. Die zweifache Frage nach dem Gebrauchswert der Kompetenz Mein Beruf entwickelt sich weiter. Halte ich mit dieser Entwicklung Schritt? Wie lange werde ich mit meinem aktuellen Know-how den Job machen können? Und andererseits: Meine Organisation agiert auf dem Markt und reagiert auf den Markt. Wie lange wird sie mein fachliches Wissen und Können noch brauchen? Wenn Ihr Können absehbar an Wert verliert, wenn ein Arbeitgeber nicht in Ihre fachliche Entwicklung investiert, wenn Sie von sich aus Ihre Kompetenz nicht aktualisieren und erweitern können: Verändern Sie sich dorthin, wo Ihre Arbeit eine Zukunft hat oder wo man Sie für die Zukunft rüstet. 2. Die doppelte Frage nach Karrierebereitschaft und Karrierechance: Ich wachse und reife mit meiner beruflichen Erfahrung. Bin ich fähig, bereit und willig, meinen Wirkungskreis zu vergrößern und mehr Verantwortung zu übernehmen? Und zugleich: Ist die Organisation, in der ich mich bewege, groß genug, dass ich in ihr wachsen kann? Erkennt, fördert und nutzt sie mein Potential? Kann ich davon ausgehen, dass man meine Eignung unvoreingenommen und fair prüft, wenn eine Funktion oberhalb meiner derzeitigen Position besetzt werden soll? Stellen Sie sich als Baum vor und Ihre Arbeitsstätte als Garten: Sie wollen verwurzeln, sich entwickeln, sich befruchten lassen, aufblühen, wachsen. Ihre Arbeit soll Früchte tragen. Insgesamt soll es in Ihrer Umgebung kultiviert zugehen. Wenn das nicht zutrifft, dann reagieren Sie bitte nicht vegetativ, sondern aktiv: Verpflanzen Sie sich. 3. Die zweifache Frage nach dem möglichen Ende des wechselseitigen Nutzens: Ich habe in dieser Phase meines Werdegangs sehr viel gelernt und wichtige Bewährungsproben gemeistert. Ist es jetzt an der Zeit, um an einem anderen Ort, für eine andere Mannschaft meine Praxis zu verfestigen und auszubauen? Und auf der anderen Seite: Ist die Organisation in einer Phase, in der Projekte und Pläne nicht verzögert oder gefährdet werden, wenn ich sie verlasse? Kann ein neuer Mitarbeiter der Organisation neuen Schwung geben? Einen Richtungswechsel fördern? Vielleicht haben Sie mit Ihrer Arbeit etwas eingeleitet, was dann ein Nachfolger erntet. Vielleicht nehmen Sie aus Ihrer Joberfahrung etwas mit, was Sie anderswo Karriere machen lässt. Kein Grund zur Aufregung. Jobverhältnisse sind Deals. Deals haben Partner. Handeln Sie, wie unter Partnern üblich, fair und vernünftig. Es gibt zwei Umstände, die es zwingend erscheinen lassen, dass Sie Ihre aktuellen Jobumstände ins Auge fassen und Ihren Standort, Ihre Arbeitsbedingungen, Ihre Zukunftschancen und Ziele definieren: Es fällt Ihnen im Traum nicht ein, an einen Jobwechsel zu denken. Sie denken immerzu an einen Jobwechsel. In beiden Fällen bietet mein kostenloses Online-Arbeitsblatt 21 Fragen für Wechselwillige (http://www.jova-nova.com/bewerb/formgw3.htm) den sanften Einstieg in die Selbstanalyse. Mailen Sie diese Web-Adresse aber absolut nicht an Ihre Arbeitskollegen weiter. Man braucht nicht wissen, dass Sie während der Arbeit eine Swinger-Seite besuchen. Für angehende Jobwechsler gelten vor allem auch zwei Prinzipien: 1. Du sollst deine Wechselabsichten für dich behalten. 2. Du sollst die Möglichkeit einer Kündigung keinesfalls als Argument einsetzen. Sie werden sonst, auch wenn sie nur halb im Spaß andeuten, dass der Wind of Change Ihnen schon ins Jackett fährt, dafür zahlen. Von dem Tag an, an dem die lieben Kollegen erfahren, dass man unverbindlich an den Abgang denkt, ist man für sie erledigt und abgeschrieben. Beachten Sie: Den Wechsel professionell abwickeln, heißt die Kollegen, Vorgesetzten, Kunden bis zum Ende einwickeln und erst dann die Wahrheit auspacken, wenn draußen vor der Tür ein Fluchtwagen bereit steht. Mit laufendem Motor. - Weiterlesen Ostrach, 16.05.2004 2 Schmerzlos wechseln 3 Sieben Fragen Einundzwanzig Fragen für Wechselwillige (Arbeitsblatt) Seitenanfang |
||||||||
| Auf dieser Seite 1. Die zweifache Frage nach dem Gebrauchswert der Kompetenz 2. Die zweifache Frage nach Karrierebereitschaft und Karrierechance: 3. Die zweifache Frage nach dem möglichen Ende des wechselseitigen Nutzens |
||||||||
![]() |
||||||||
|
|
|||