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| Teil 3 | ||||||||||
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| Sieben Fragen |
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| Sie sind bereit für den Wechsel. Jetzt gehen Sie noch einmal Ihre Checkliste durch: 1. Haben Sie für Ihre Jobjagd die Ausrüstung beisammen? Keine Jobvermarktung ohne logistische Vorbereitung. Außer natürlich, Sie beschränken Ihre Aktionen auf einen Such- und Wirkungskreis, den Sie notfalls auch abschreiten können. Dort, wo Sie klingeln und vorsprechen, brauchen Sie ja nicht zu mailen. Zum Recherchieren, Kontakten und Bewerben benötigen Sie ansonsten: PC mit Web-Browser, Mailprogramm, Word-kompatible Textverarbeitung. Plus ein Tool zum Erzeugen von PDF-Dokumenten. Gut organisierte Menschen nutzen obendrein einen Kontaktmanager oder eine Adressdatenbank. Intel-Insider investieren unbedingt in Virenschutz. Die Festplatte soll schlackerfrei laufen, solange die Jobvermarktung läuft. Und Sie wollen auch nicht Geschäftsführer, Abteilungsleiter und Personaler mit einer Mail-Anlage wie yourdirtylittlesecret.bat beglücken. Gehen Sie außerdem zum besten Fotografen, bestehen Sie auf digitale Lieferung Ihres Porträts. Oder lassen Sie Ihre Prints von einem Könner einscannen und aufpolieren. Klären Sie ab, wo Ihnen der beste Printer zur Verfügung steht Ihr privates Schnäppchen ist sicher nicht der beste Drucker in der Straße. Falls Sie noch keine neutrale Mailadresse haben (mein.name@freenet.de): Melden Sie sich jetzt an. Steigen Sie in den Dress, in dem Jobanbieter Sie bewundern sollen. Kneift er? Glänzt er? Wirken Sie wie ein Statist in der Sendung Das waren die Neunziger? Dann wirds Zeit für ein Update des Outfits. Lassen Sie sich auch Visitenkarten drucken, falls Ihr Arbeitgeber Ihnen keine zur Verfügung stellt. Sinnvolle Ausgaben des Jobwechslers: Bewerber-Outfit, neue Frisur, Bewerberfoto, Visitenkarten, Weiterbildung, Recherche, eigene Computer-Schrift, Kommunikationstechnik & Internet, Ausgaben für Kontaktpflege. Investition nur, wenn vom Nutzen überzeugt: Karriereberatung, Seminare, Stilberatung, Bewerbungsliteratur, Stellengesuch. Finger weg von: spezielle Bewerbungsmappe, eigenes Briefpapier, kostenpflichtigen Online-Bewerberauftritten. Zu Ihrer Ausrüstung zählt ein aktualisierter Lebenslauf. Er resultiert aus beruflicher Selbstanalyse, Selbstfindung und strategischer Zielbestimmung. Packen Sie den Lebenslauf erst an, sobald ein Jobangebot beantwortet werden soll, haben Sie etwas fundamental falsch gemacht. In dieser Phase stecken Selbstvermarkter einiges an Geld in Ausstattung, Werkzeuge, Hilfsmittel. Handeln Sie als Ihr eigener Investor. Warnung: Investitionsangst reduziert Ihre Vermarktungschancen. Aber investieren Sie auch nicht in Gimmicks. Es gibt mittlerweile eine ganze Zubehörindustrie für Bewerber. Ihre Präsentation ist aber kein Opel. Sie können tunen wie Sie wollen: Ihre bewerberpräsentaion läuft nicht schneller. 2. Haben Sie Ihr Revier bestimmt? Der Jobmarkt ist wie der Frankfurter Zoo, als Sie noch sehr klein waren: Man kann sich drin verlieren und in manche Terrains wollen Sie lieber nicht hineinstolpern. Stecken Sie Ihr Suchrevier ab: nach Positionen bzw. Aufgaben, nach Branchen, nach Firmengröße, nach Firmenzahlen (Marktanteil, Finanzstatus, Produktpipeline, Bewertung) nach Firmenphilosophie, nach geographischen Gesichtspunkten Dieses Revier ist real und lässt sich abschreiten, erwandern, erfahren, überfliegen. (Radeln Sie doch wirklich einmal durch einen Gründerpark, fahren Sie einen interessanten Geschäftsdistrikt im Schritttempo ab. Machen Sie bei Gelegenheit Ihr Sight Seeing zum Bestandteil der Jobsuche.) Ihr Jobrevier ist zugleich ein Informationsraum. Über Nachrichten, Namen, News und Trends halten Sie sich permanent informiert. Zur Mediennutzung Winklers Regeln. Nr. 1: Wenn es durch Werbung unterbrochen wird und es ist keine Business-, sondern Consumer-Werbung, dann glotzen Sie im falschen Kanal. Faustregel 2: Wenn es durch einen roten Balken unterbrochen wird und keinen altehrwürdigen Wirtschaftsteil hat, dann blättern Sie im falschen Blatt. Faustregel 3: Wenn Sie statt Branchentalk nur Teneriffa-Blabla hören, dann reden Sie mit den falschen Personen. Faustregel 4: Wenn Sie keine jobverwertbaren Newsletter beziehen, wenn Sie sich nicht bei Online-Fachzeitschriften und Portalen registriert haben und wenn Sie auch keine berufs- oder branchenspezifischen Kongress- und Eventinfos beziehen, dann dann wollen wir doch zu Ihren Gunsten annehmen, dass Sie sich unaufhörlich im Kollegenkreis austauschen. Nicht vergessen: Sie suchen nicht (nur) Jobofferten, sondern Jobanbieter und Organisationen, die es lohnen, dass man sie etwas länger im Auge behält. 3. Haben Sie sich Routinen angewöhnt? Lance Amstrong glaubt an Wiederholung. Kommissar Derrick steht für Wiederholung. Jedes künstlerische, sportliche oder berufliche Können lebt von Wiederholung. Und auch der Jobwechsler kommt nur durch Wiederholung weiter. Pflegen Sie tägliche Routinen, und Sie nehmen Tag für Tag an Stärke zu. Nur wer unermüdlich seine Kreise zieht, der nimmt die günstige Gelegenheit wahr. Viele behaupten ja, dass sie Arbeit suchen. Doch mancher jobsuchende Existenzialist sieht das mehr als eine Frage der inneren Einstellung. Jobsuche ist keine Haltung, sondern eine nachprüfbare und systematische Aktivität. Täglich kontakten, Zeitung lesen, feste Stationen im Web ansurfen: Das sind die kleinen Routinen des Selbstvermarkters. Vielleicht haben Sie ja Glück und in Ihrer Region funkt ein Wirtschaftssender von FAZ-Qualität. Es gibt keine Karriere und kaum einen geglückten Wechsel ohne Revierpflege. 4. Gehen Sie aus sich heraus? Auch wenn Ihr Derzeit-Job zum Sturzflug ansetzt: Die Crew im Cockpit, die Luschen auf den Nachbarsitzen und das Kabinenpersonal dürfen auf keinen Fall merken, dass Sie in Wechselstimmung sind. Ein paar ausgesuchte Engel sollen es dagegen erfahren Ihre Unterstützer, Berater und Ihre Tröster vom Dienst. Mit etwas Geschick schaffen Sie es, Dritte zu Ihren Agenten zu machen. Die transportieren und verbreiten Ihre Wechselbotschaft. Es kostet Sie vielleicht Überwindung. Gegenüber möglichen Jobanbietern und Multiplikatoren exponieren Sie sich jedoch von sich aus, so aktiv Sie nur können. Machen Sie sich sichtbar. Nutzen Sie jedes Mittel und jede Gelegenheit, aus dem umzäunten Reservat Ihres derzeitigen Jobs herauszukommen: Veröffentlichungen, Beiträge, Leserbriefe. Ehrenamtliches Engagement. Vereins-, Verbandsarbeit. Weiterbildung. Alle guten Gelegenheiten, zu denen sich Ihr Berufsstand, Ihre Branche, Ihre möglichen neuen Arbeitgeber treffen. In gewisser Hinsicht spielen Sie ein Doppelspiel. Nach Innen, Ihrer Firma gegenüber, handeln Sie als die aufmerksame und loyale Verstärkung der Mannschaft. Wenn von der keiner hinschaut, nehmen Sie flugs mit dem Rest der Welt Kontakt auf. Aber um Gates Willen nicht über den Firmenserver! Bei aller Diskretion: Sollten nur der Allmächtige, Ihr Partner und ein paar zufällige Empfänger Ihrer Bewerbungen erfahren, dass Sie wechseln wollen, dann machen Sie garantiert etwas falsch. 5. Setzen Sie Ihre ganze Person ein? Eine persönliche Unterredung ist besser als ein Telefonat. Ein Telefongespräch ist besser als eine Mail. Eine Mail ist besser als ein Brief. Ein Brief ist besser als gar nichts. Legen Sie stets Ihre Person in die Waagschale. Natürlich ist die Welt fürchterlich anonymisiert, es sind auch viel zu viele Jobsuchende unterwegs, die Herren und Damen dort oben wollen uns gar nicht kennen lernen und ziemliche Kopfschmerzen haben wir heute auch. Schluss mit all den Ausreden. Suchen Sie immer den direkten Kontakt. Wenn es zu nichts anderes führt, als dass Ihre Umgangsformen geschliffener werden, Ihre Frustrationstoleranz wächst, Ihr Redeverhalten sich einschleift, Ihre Argumente an Glanz gewinnen und Ihre Kenntnis der menschlichen Natur sich vertieft, dann sind Sie auf dem richtigen Weg. Denn so führt Ihr Verhalten Sie früher oder später zum nächsten Job. 6. Lassen Sie sich auch nicht ablenken? Sie trennen zwischen Arbeit und Freizeit, und in Ihrer Freizeit möchten Sie sich möglichst ablenken und zerstreuen. Der Philosoph von Unterliederbach Liu Luwi sagt: Das Leben kennt drei Häuser. Im einen sitzen die Leute, die sich ablenken möchten. Im zweiten werkeln welche, die das Ablenken besorgen. Im dritten Haus passieren die spannenden Sachen. Das tut zwar hier nichts zur Sache, aber bedenken Sie dennoch: Jobwechsel braucht viel Zeit und volle Konzentration. Ich nenne Ihnen, worauf erfolgreiche Jobwechsler sich konzentriert und wofür sie ihr Zeitbudget eingesetzt haben: Essen gehen mit nützlichen Leuten. Ausländische Jobbörsen abfragen. Sich mit Vertrieblern anfreunden. (Der Außendienst kennt den Markt.) Alte Kontakte reaktivieren. Sich mit Anders antworten, dem Buch für Leute , die nicht Rufeldt heißen möchten, auf Interviews vorbereiten. Ein Videotraining zur Selbstpräsentation absolvieren. Ein Intensivtraining Business English überleben. Jede Möglichkeit zur externen Weiterbildung in Anspruch nehmen. (Dort treffen Sie Leute.) Jede Möglichkeit zur Geschäftsreise nutzen. (Unterwegs finden sich zwar nicht viele Gelegenheiten. Aber wen willen Sie in Ihrem Office anreden? Die Wand?) Das Gespräch mit Personalvermittlern suchen. (Anrufen und einen Termin vereinbaren.) 7. Behalten Sie Ihren kühlen Kopf? Um Adorno zu widersprechen: Es gibt weder ein richtiges Leben noch ein falsches. Aber man kann im wirklichen Leben einiges falsch machen. Hüten Sie sich als Berufstätiger vor Jobwechsel in Panik, Jobwechsel in Hektik, Jobwechsel mittenmang in die Berliner Gehweg-Spezialität. Letzteres passiert, wenn Sie einem drohenden Desaster blindlings ausweichen und nicht aufpassen, in was Sie da eintreten. (Es hat doch tatsächlich ein Hamburger nachgefragt, was denn jetzt die Berliner Gehweg-Spezialität sei.) Sehr oft ist es mit einem Wechsel der Firma nicht getan. Die Probleme, die Sie mit Ihrem Verhalten verursachen, nehmen Sie überall mit. Eine Leserin von jova-nova.com suchte über ein Jahr, hatte viele Gespräche und sagte nirgendwo zu. Sie ließ sich, wie sie schrieb, nicht beirren, weil sie eine Vision von der Organisation hatte, in die sie eintreten wollte. Ihre Vision brauchte Zeit, um Gestalt anzunehmen, aber mein Mut, meinen eigenen Weg zu gehen, wuchs von Gespräch zu Gespräch. Berater und Autoren haben ihre liebe Mühe damit, Menschen zum Handeln zu bewegen. Ich möchte Sie zum strukturierten und planvollen Betreiben Ihres Jobwechsels einladen. Ein Jobwechsel dauert mindestens Wochen, sehr oft Monate. Notieren Sie aus dem Text Stichworte für Ihre eigene Zu-tun-Liste. Überfliegen Sie noch einmal die Passage mit den routinemäßigen Aktivitäten. Erfolg kommt nicht auf Anhieb. Erfolg kommt durch geduldige Wiederholung. Ostrach, 16.05.2004 1 Schmerzlos wechseln 2 Den Wechsel denken Einundzwanzig Fragen für Wechselwillige (Arbeitsblatt) Seitenanfang |
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