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Analytisches Denken – Auffassungsgabe – Auftreten – Belastbarkeit – Englisch – Loyalität

Analytisches Denken
Denkfaule Leute meinen, dass methodisches Nachdenken nicht erlernbar und reine Begabungssache wäre. Einen Sachverhalt auf einzelne Merkmale hin untersuchen; ein komplexes Problem in leichter verstehbare Teile zu zergliedern und somit erst einmal klarzulegen: das üben Kopfarbeiter vielleicht schon in der Oberstufe und spätestens im Studium ein. (Wer’s da nicht lernt, wird manchmal doch Minister.)

Analytisches Denken zielt zum Beispiel auf Produkte, Zielgruppen, Märkte. Im Alltagsleben analysiert man tagein, tagaus – beim Thema Sport das letzte Heimspiel, in der Politik, wie man sich am besten aus ihr raus hält, im Beruf das Überleben der Firma oder das eigene Überleben unter einem schwierigen Vorgesetzten.

Längeres analytisches Denken im Dienst eines Arbeitgebers führt zum Formulieren von Berichten, Empfehlungen, Vorschlägen oder Zielsetzungen, ist also immer auch ergebnis- oder zielorientiert. In direktem Bezug zu dieser Fähigkeit stehen andere Kunstfertigkeiten: eigenständiges Arbeiten oder auch die Fähigkeit zu präsentieren und zu überzeugen.

Als Bewerber notiert man im Lebenslauf Erfolge, die indirekt auf ein analytisches Denkvermögen verweisen. Man hat ein neues Vetriebstools mitkonzipiert, hat Geschäftspläne miterstellt, und dergleichen mehr. Im Vorstellungsgespräch hält man ein treffendes Beispiel aus dem eigenen beruflichen Erfahrungsschatz parat und schildert so kurz wie plastisch die Abfolge von Aufgabe – Analyse – Umsetzung der Erkenntnisse – Lösung. Analytische Denker nutzen MS Office-Anwendungen zum Berechnen, Texten, Präsentieren und haben ein Motto: Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.
Auffassungsgabe, rasche -, leichte -
Beobachten Sie einmal, wie ein Kleinkind einen Gegenstand auffasst. Es greift und betastet ihn und versucht, ihn von allen Seiten zu beäugen. Gerade in dem Moment, wo es mit einem Oh! das Objekt von sich werfen will, stellen Sie fest, es handelt sich um den Honiglöffel vom Frühstückstisch. Dank Ihrer leichten und schnellen Auffassungsgabe sehen Sie Problem und Lösung und hechten los. Zu spät. Glück währt nur kurz, Mißgeschick bleibt kleben.

Wird von Ihnen am Arbeitsplatz eine rasche Auffassungsgabe verlangt, müssen Sie spuren. Man expediert Sie vielleicht zu einem Krisenherd, wo eine der weniger angenehmen Aufgaben Ihres Berufsstands auf Sie lauert. Erwartet wird dann, dass Sie das Problem erkennen, bevor Sie es lösen und dass Sie es lösen, bevor der Chef vorbeikommt und nachsieht. Häufiger noch wird Ihnen ein Vorgesetzter eine Aufgabenstellung präsentieren und, falls er in Redelaune ist, dazu das gewünschte Vorgehen erklären.

Aktivieren Sie in diesem Fall umgehend Ihr Vermögen, Sachverhalte zu begreifen und Vorgänge nachzuvollziehen. Schalten Sie auch Ihren gesunden Menschenverstand ein. Sprudeln Sie nicht damit heraus, dass Ihnen spontan ein kürzerer und viel besserer Lösungsweg eingefallen ist. Hören Sie sich bis zum Ende an, was man Ihnen erläutert. Überdenken Sie es in aller Ruhe. Entscheiden Sie erst, ob Sie die Arbeit auf Ihre eigene Weise erledigen wollen, nachdem Ihr Vorgesetzter den Raum verlassen hat. Wer auffasst, nimmt auf. Wer aufnimmt, gibt nichts dazu. Vor allem nicht seinen Senf.

Wenn Sie den Auftrag tadellos und genauso erledigt haben, wie Sie sich das vorgestellt hatten, können Sie ja wie F. S. laut Ihr eigenes Loblied singen: I did it my way.

In Meetings und Konferenzen bleibt Teilnehmern in der Regel genügend Zeit, um ihre Checkung von Null auf ein sozial verträgliches Maß zu liften. Wurde Ihnen eine schnelle Auffassung nicht auf den Gabentisch gelegt, können Sie sich also retten, indem Sie während der ersten Minuten eisern schweigen. Man muss allerdings kein Schnelldenker sein, um manchmal zu merken, dass die anderen genauso im Nebel stochern wie man selbst. Fragen Sie in diesem Fall laut, worüber man eigentlich diskutiert und beharren Sie darauf, dass man darauf eingeht. Aufklärung ist die Abkehr der Gruppe von ihren fremdgesteuerten Tagesordnungspunkten.

Eine gute Auffassungsgabe geht einher mit gewandtem Auftreten , Verständnis für die berufsspezischen Besonderheiten, problemlösungsorientiertem und analytischem Denken. Notieren Sie Ihr Schnellmerkertum im Anschreiben vor allem dann, wenn Sie untergeordnete Aufgaben erledigen sollen. Vorgesetzte mögen nicht auch noch demonstrieren, auf welche Weise das Salz auf die Pommes oder der Sand in den Schubkarren kommt.

Im Jobinterview stellt man kurze Rückfragen, vergewissert man sich, fasst man Gehörtes noch einmal in einem Satz zusammen. Dass man etwas schnell begreift, lässt sich signalisieren. Irritation bis Hassgefühle lösen Sie aus, wenn Sie nicht sichtlich mitdenken, sondern den Blick unverwandt in Richtung Erdmittelpunkt senken, in Broschüren blättern, sich nur auf das konzentrieren, was der Wind vor dem Fenster mit den Blättern treibt. Auch wenn Sie längst wissen, wie die Zahnpasta in die Tube kommt: Im Jobinterview blicken Sie dem erklärenden Fachmann in die Augen, nicken an den richtigen Stellen, schmunzeln an der Stelle mit den Streifen und geben sich insgesamt höchst interessiert.

Etwas auffassen heißt, sich dem Unbekanntem auszusetzen, um es zu erfassen. Wie alle Verstandesleistungen kann man das trainieren. Wenn Routine zur Trägheit wird, so raten einem in Ehren ergraute Tippgeber, dann soll man sich neue Aufgaben suchen. Wie ist Ihre Auffassung dazu?
Auftreten, gewandtes -, motivierendes -, sicheres -, gewinnendes -
Hoppla, jetzt kommen erst einmal Sie? - Auftreten hat nichts mit Sich-In-Szene-Setzen zu tun. Wer auftritt, tritt erst einmal in Erscheinung, zeigt anderen sein Benehmen, agiert in einer oder mehreren Rollen.

Nicht selten arten typische Zweierkonstellationen im beruflichen Alltag, zwischen Kollegen oder zwischen einem Untergebenen und seinem Vorgesetzten, zu wahren Fehden und erbittert geführten Macht- und Territorialkämpfen aus. Je gewandter man auf Provokationen reagiert, desto unangreifbarer tritt man auf. Mit unerschüttlich freundlichem und verbindlichem Auftreten gewinnt man störrische Mitarbeiter, skeptische Vorgesetzte, desinteressierte Kunden. Und wie bewältigt man die Kommunikations- und Kontaktdichte in Teams, das Sich-Einfinden in Hierarchien, das Besetzen und Vertreten von Positionen? Am besten, indem man gewandt, also geschickt, urban, geschliffen und gebildet auftritt.

Auf der Überholspur zur Karriere drängeln Aufblender und Linksblinker. Die Langsameren rücken zwar zur Seite, lassen Raser aber bei passender Gelegenheit links liegen. Berufseinsteiger sollten deshalb beherzigen: Eine Organisation verzeiht einem auch Fehler. Schlechte Manieren bleiben unvergessen.

Dem passenden Auftreten verwandte Tugenden sind Kommunikationsfähigkeit, Freude im Umgang mit Menschen, Führungsgeschick, Dienstleistungsorientiertheit. Die Fähigkeit, unter allen Umständen richtig aufzutreten, behauptet ein Bewerber nicht, sondern demonstriert sie: Mit der Präsentation seiner Bewerbung, mit unaufgeregter Freundlichkeit am Telefon und während der Vorstellungsrunde. In Stellenanzeigen für Führungskräfte nicht genannt, aber immer erwartet wird die Fähigkeit, im Bedarfsfall energisch aufzutreten. Durchsetzungsvermögen und gewinnendes Auftreten widersprechen sich also nicht. Zum Glück kann man beides trainieren. Und wenn Ihnen als New Economist das Thema Auftreten meilenweit am Heck vorbeigeht, dann kümmern Sie sich eben um Ihre Performance.
Ausstrahlung, natürliche -, positive -

Ausstrahlung, die geheimnisvolle Kraft: „Ausstrahlung hat viel mit dem inneren Lot, mit einer inneren Balance zu tun“, so Verena Unger. „Vor allem stimmt die innere Persönlichkeit mit dem äußeren Tun überein.“ Ganz so tief wollen wir nicht schürfen. Schauen wir, was an der Oberfläche passiert. Wie fein eine Persönlichkeit ihre inneren Balanceakte auch austariert, sie sendet nicht zu übersehende, überdeutliche Signale aus. Einige Beispiele:

Die feinpolierten Schuhe sagen: Ich achte darauf, wohin ich den Fuß setze.
Die makellosen Bügelfalten sagen: Wer diese Hose trägt, der wird sich nicht bücken.
Farbton, Muster, Qualität der Jacke sagen: Ich kann mich hier wie überall sehen lassen.
Gesicht, Hände, Frisur sagen: Ich bin mir etwas wert, ich respektiere mich selbst.
Der Gesamteindruck sagt: Ich bin, was meine Kennzeichen signalisieren.

Kleider machen Leute. Dies gilt für Erfolgsmenschen wie für Verlierer, für Geistliche wie für Generäle, für Heilige wie für Medialeute: Von Kopf bis Fuß wird jeder Fleck genutzt, der Bedeutung schaffen kann. Manchmal stört ein einziges Accessoire die positive Ausstrahlung. Der gütige Weise mit dem Maschinengewehr, der Vorstandsvorsitzende mit der Gelfrisur, der erfolgreiche Vertriebsmann mit den abgewetzten Schuhen.

Halten wir fest: Wer etwas Bestimmtes austrahlen will, der achtet darauf, dass seine äußeren Merkmale einheitlich, eindeutig und stimmig sind.

Natürlich nutzt dabei eine positive, ausbalancierte Einstellung. Was in uns vorgeht, spiegelt sich meist mehr oder minder unkontrolliert an der Oberfläche. Ungewohnt sein und deshalb sichtliches Unbehagen erzeugen können eine Umgebung, eine Gesprächssituation, die Kleidung, die verwendete Sprachebene, das Gesprächshema, der Zwang zur Selbstdarstellung.

Reden wir nicht drum herum: Wenn Sie Angst vorm Bewerben haben, dann bewerben Sie sich eben. Wenn es Ihnen schwerfällt, sich anderen vorzustellen, suchen Sie fleissig Anlässe und üben Sie das Kontakten ein. Wenn Ihnen absolut nichts oder nur das offensichtlich Falsche über Ihren Werdegang und ihre beruflichen Ziele einfallen will, dann machen Sie sich sachkundig. Üben Sie Ihre Statements ein! Seriöse Kleidung tragen lernt man, indem man sie häufig trägt. Machen Sie als Bewerber bitte Ihre Hausaufgaben, bevor Sie spirituell werden und versuchen, „Herz und Verstand in Einklang zu bringen“.

Vor dem, was manche Jobkandidaten ausstrahlen, möchte man sich ducken:

Die Herren dort oben haben mich arbeitslos gemacht und auch Sie werden mir nicht helfen.
Ich trau mir den Job nicht wirklich zu und die Firma liegt sowieso nicht in Sichtweite meiner Wohnung.
Eigentlich möchte ich den Job nur, wenn ich mich sofort nach Einstellung krank schreiben lassen kann.
Warum sollte gerade Sie anders sein als die Mobber und Quäler von dort, wo ich herkomme?
Arbeit zu finden ist nicht meine dringendste Sorge. Selbst, wenn ich diesen Job kriege, kümmere ich mich vorrangig um meine eigenen Probleme.

Wie aber strahlt man Vertrauenswürdigkeit, Verläßlichkeit, Stetigkeit, Belastbarkeit, Arbeitsfreude, soziale und fachliche Kompetenz aus? Ganz einfach.

  1. Machen Sie sich mit den Anforderungen der Stelle und mit Ihrer eigenen Eignung vertraut.
  2. Üben Sie die Gesprächsabläufe im Jobinterview ein.
  3. Ändern Sie ihr Äußeres, bis es einem erfolgreichen Vertreter Ihres Berufsstands gleicht.
  4. Kontrollieren Sie jedes Detail Ihrer Kleidung. Auf der Checkliste stehen: Angemessenheit, Sauberkeit, Gepflegtheit.
  5. Werden Sie nicht nachlässig gegenüber ihrem Körper.
  6. Kontrollieren Sie Ihre Körperhaltung. Sitzen Sie aufrecht? Halten Sie still? Setzen Sie Augen und Hände ein? Wer raucht, lässt sich von seinen aktuellen körperlichen Bedürfnissen dominieren. Oder er signalisiert Unsicherheit.
  7. Kontrollieren Sie Ihre Sprache und Ihr Sprechen auf Klarheit, Kürze, Bestimmtheit, Bezug auf den Adressaten und vor allem auf Verständlichkeit.
  8. Optimieren Sie Ihre Manieren.
  9. Blenden Sie nicht. Geben Sie niemals vor, jemand zu sein, der Sie nicht sind. Wenn Sie im Gespräch merken, dass man jemand anderen und nicht Sie sucht, dann sagen Sie das bitte umgehend.
  10. Gehen Sie nur in ein Gespräch, wenn Sie definitiv wissen, dass Sie etwaige Zusagen auch erfüllen können. Sie wünschen sich Verlässlichkeit, die Gegenseite tut’s auch.

Gehen Sie einmal all die wirklich tollen Leute durch, die Ihnen begnet sind. Was fällt Ihnen auf? Charismatische Menschen sind weder schlecht gelaunt noch egozentrisch noch aggressiv-dominant. Sie sind liebenswürdig, aufmerksam, äußerst höflich, gewinnend - allerdings auch bestimmt, verbindlich und selbstbewusst. Man wagt es kaum mehr zu schreiben, aber eine natürliche Ausstrahlung haben wohlerzogene Menschen.

Belastbarkeit, hohe-
Belastbar sein, heißt Druck auszuhalten. Hätten Sie als Mitarbeiter von Jack Welch den Erfolgsdruck überlebt? In der Regel bestellte der Boss von General Electric seine glanzlosen Manager zwei, dreimal ein und ließ sich über den Stand der Dinge berichten. Bewegten die sich nicht, handelte er, ohne zu zögern: „No one should ever be surprised when they are asked to leave.“

Jede Organisation hat im Innern ihre eigenen Druckverhältnisse. Mit ein wenig Erfahrung oder Instinkt erahnen Bewerber schon vorab den internen Belastungsgrad. In einem Friseurstübchen Inh. Claudia Roth geht man die täglichen Aufgaben eher besonnen an. Weit mehr auf sich nehmen dagegen Mitarbeiter einer Organisation, die unter ständigem Kosten-, Konkurrenz- und Innovationsdruck steht.

Einige typische Prüfsteine für Stellenbewerber:

- Zeitliche Verfügbarkeit. Je flotter der Unternehmensgeist, desto verhasster die 9–-bis-5-Mentalität. Glücklose Bewerber beklagen sich im Interview gern, dass man sie im letzten Job dazu gezwungen hat, ewig Überstunden zu machen. Oder sie verweisen auf ihre Sekundärtugenden: „Ich fange immer pünktlich an und gehe auch pünktlich.“
- Leistung unter Zeitdruck. Auftrag drängt, Zeitrahmen zu eng, Ressourcen fehlen, Kollegen genervt: Respekt, wenn man gegen alle Widrigkeiten überzeugende Ergebnisse liefert! Noch größer die Wertschätzung, wenn man dies verlässlich tut.
- Resistenz gegenüber Zumutungen. Der ständige Hochdruckeinfluss katastrophaler Kunden, hochneurotischer Mitarbeiter, ständig nachfassender Vorgesetzter verursacht Kopfschmerzen und führt in schweren Fällen zum mentalen oder körperlichen Zusammenbruch. Vorbeugend tritt man gewandt und sicher auf, spielt man seine kommunikativen Stärken aus, befleissigt man sich eines problemorientierten Arbeitsstils.

Die eigene Belastbarkeit behauptet und untermauert man im Anschreiben, lebt man im Vorstellungsgespräch vor und belegt man auf Anfrage. Letzteres immer anschaulich, aber naicht ausschweifend nach dem Muster „wie wir für einen spontan agierenden Chef in knappster Zeit immer wieder coole Präsentationen und Steilvorlagen zusammenstellten, mit denen er dann aus dem Nichts einen Markt samt eifrig nachordernden Kunden zauberte.“

Wie schützt man sich selbst vor erhöhten beruflichen Beanspruchungen und den damit verbundenen Belastungen physischer und psychischer Art? Von den vielen Überlebenstipps für Angestellte helfen diese nachweislich: Leben Sie in stabilen (Familien-) Verhältnissen. Klären Sie Ihren Kopf und kümmern Sie sich um Ihren Körper: Treiben Sie Ausgleichssport. Entwickeln Sie Ihren persönlichen Mut. Üben Sie, fest aufzutreten, wo es nötig ist, nachzugeben, wenn es klüger ist und sich zu verändern, wenn es angesagt ist. Klinken Sie sich in Seilschaften ein, finden Sie Mentoren, von denen Sie lernen können. Meiden Sie den Umgang mit Office-Nihilisten, Klimavergiftern, zeitraubenden Herzausschüttern. Können Sie sich selbst organisisieren? Aufgaben konzentriert und schnell lösen? Effizienz löst schwere Brocken auf in lauter machbare Teilaufgaben.

Je stärker die Belastung, desto größer die Belohnung. Wer viel von Ihnen verlangt, muss auch viel geben. Gilt dies nicht für Ihren Vorgesetzten, dann reden Sie ihm doch ins Gewissen. Sie sind ja belastbar, aber bestehen auf Fairness. Falls der Chef nicht kapieren will, belasten Sie sich nicht länger mit ihm. Suchen Sie sich einen anderen.
Englisch

Als gesamtdeutscher Bewerberberater bemerke ich, dass die jungen Aufsteiger aus Ost und West gleich starke Lebensläufe abliefern. Kennzeichen: Lernzeiten im Ausland, Englisch plus eine oder zwei weitere Sprachen, Jobs neben Schule und Studium, von sich aus geplante Weiterbildungen und Zusatzkurse.

Die Älteren, die ihr Arbeitsleben noch in der ehemaligen Demonstrativen Republik gestartet haben, legen bemerkenswert landestypische Lebensläufe vor: guter schulischer Standard in den Abschlüssen, längerfristige Beschäftigungsverhältnisse, keine steilen und glanzvollen be-ruflichen Aufstiege. Verweilen im erlernten Beruf. Unaufgeregte Berufswege bis zur Wende. Danach eine Folge von Zitterpartien, Abstürzen, Leerzeiten. Meine Leser aus dem Osten mö-gen es mir nachsehen, wenn ich hier meine Beobachtungen vermerke. Gestandene Jobsuchen-de aus Jena, Halle und Leipzig sind oft überrascht zu erfahren, dass der Anspruch „Ich kann und will arbeiten“ nicht ausreicht. Für maliziöse Jobanbieter, zumal für westliche, sind noch zu viele Lebensläufe, die sich im alten Arbeiter-ohne-Baumarkt Staat gründen, nichts als Bele-ge für die Richtigkeit von Vorurteilen. Der Lebenslauf sieht aus, als wäre er auf der Erika e-lectronic 6007 getippt. Es fehlt die Auflistung der KENNTNISSE & FÄHIGKEITEN. Es fehlen die WEITERBILDUNGEN. Von ENGAGEMENT keine Spur. Statt dessen vermerkt man getreulich „Fremdsprachen: Russisch“.

Russisch als einzige Fremdsprache. Oha.

Hätte man damals doch nur die Sprache eines der kleineren, unbedeutenden Nachbarn er-lernt. Aber wer hätte auch wissen können, dass man nach dem Staatsbankrott jäh im Kapita-lismus landet, mit Polen, Tschechen, Ungarn Handel treiben, mit ihnen Geschäfte machen und Unternehmungen gründen kann. Die geistige Befindlichkeit einer Gesellschaft, in der sich der Fremdsprachenerwerb auf ein paar Pflichtstunden in der Besatzersprache beschränkt hat, er-schreckt mich im Nachhinein.

Über ein mumifziertes Russisch hinaus finde ich kaum Fremdsprachenkenntnisse in ostdeut-schen Bewerberprofilen der Generation Enddreißiger bis Endfünfziger. Das hat seine gewichti-gen zeitgeschichtlichen Gründe. Von meinem Standpunkt als Bewerberberater und als ehema-liger Leiter einer westdeutschen Sprachenschule kann ich die ostdeutsche Sprachlosigkeit nur tragisch finden. Es fehlt an Englisch. Es fehlt an Interesse für europäische und außereuropäi-sche Weltsprachen. Es fehlte vermutlich an der inneren Motivation und am äußeren Anlass, über das Erforderliche hinaus Lernleistungen zu erbringen.

Ich habe Sprachtraining an den Mittelstand ebenso wie an Privatlerner verkauft. Ich habe in den USA und in Frankreich gelebt und dort deutsche Leistungsträger getroffen. Es besteht kein Zweifel: Englisch und möglichst noch eine weitere Sprache gehören in den Überlebenskoffer eines jeden europäischen Erwachsenen. Zumindest ausbaufähige Kenntnisse des Englischen bringen junge Menschen heute aus der Schule mit. Die allgemein gestiegene Lernbereitschaft, der wachsende Aufwand, den man für Spracherwerb und -vertiefung betreibt: All das beweist, wie wichtig es ist,

- im Ausland sprachlich zu überleben
- den Anforderungen moderner Arbeitsplätze zu genügen
- in mehrsprachigen Teams zusammenzuarbeiten
- sich mit Sprache, Kultur und Denkweise von Kollegen, Geschäftspartnern, Kunden, Gäs-ten und Mitmenschen aus anderen Ländern auseinanderzusetzen.

Können Sie sich mit Anrufern auf Englisch verständigen? Besucher und Gäste begrüßen und betreuen? Im Smalltalk eine gute Figur machen? Fachliteratur lesen? Fachsimpeln?
Versetzt Ihr Englisch Sie in die Lage, Mails zu verstehen und zu schreiben? Mit Kunden und Partnern verhandeln? Verträge aushandeln, komplizierte Vertragswerke verstehen und selber welche entwerfen?
Hörverständnis und Lesefähigkeit reichen heute nicht aus. Die weiteren Bewährungsproben sind Gesprächsführung und Korrespondenz. Je nach Position und Aufgabenstellung wird man auch Reports, Präsentationen, Pläne, Dokumentationen auf Englisch oder in einer anderen Unternehmenssprache erstellen.

Ich habe in meiner Karriere Fremdsprachen unterrichtet, mich selbst weitergebildet, Trainer geschult und ich weiß alles über Sie, den durchschnittlichen oder besonders hellen oder scheinbar völlig unbegabten Sprachenlerner. Abgesehen von den traurigen Fällen, wo einer nicht nur sprichwörtlich auf den Kopf gefallen ist, kann wirklich jeder Erwachsene eine neue Sprache lernen. Sie werden auch im Alter noch in Mandarin oder Japanisch geläufig, wenn Sie sich dafür Zeit nehmen, dran bleiben, beharrlich arbeiten, nicht aufgeben und über Zeiträume hinweg kontinuierlich lernen. Modernes Sprachtraining berücksichtigt die verschiedenen Lern-typen und Lernweisen. Es ist spielerisch, anregend und kreativ. Nicht zuletzt ist es darauf an-gelegt, dass Lerner beim Lernen auch Spaß haben.

Sprachtraining bedeutet, sich der Sprache und ihren Sprechern auszusetzen, in eine Sprach-welt einzutauchen, andere Weltsichten und Kulturen zu entdecken und vor allem üben, üben, üben. Mit Multimedia-Training und eLearning können Sie noch recht neue, aber schon unge-heuer wirkungsvolle Werkzeuge für den notwendigen Selbstlern-Teil nutzen. Im Berliner Ta-gesspiegel habe ich vor einiger Zeit bitterböse Leserreaktionen provoziert. Ich bemerkte, manche Langzeitarbeitslose erwarten, dass man ihre Defizite gnädig übersieht oder gefälligst für sie ausgleicht. Man darf mir gern böse sein. Ich will aber auch sehen, dass ein Jobsuchen-der aus eigener Initiative an sich arbeitet. Bringen Sie sich zumindest Englisch bei. Verlieren Sie dabei weder Ihren Mut noch Ihre Geduld. Lernen Sie mit anderen. Je stabiler die Lerngrup-pe, desto mehr profitiert der Einzelne. Lernen Sie aber auch, allein zu lernen. Dieser Teil des Spracherwerbs verlangt von Ihnen besondere Selbstdisziplin und Ausdauer. Man kann Ihnen diese Arbeit aber nicht abnehmen. Fordern Sie sich und überfordern Sie sich dabei nicht.

Bei der Selbsteinschätzung Ihres Sprachniveaus für Bewerbungszwecke sollten Sie berücksich-tigen, dass Ihre Angaben zwar oft nicht mehr überprüft, angegebene Kenntnisse aber dann al-lemal als tatsächlich vorhanden vorausgesetzt werden. Übertreiben Sie nicht und schätzen Sie Ihren Kenntnisstand ehrlich und realistisch ein.

Bei
verhandlungssicherem Englisch erwartet ein Arbeitgeber, dass Sie komplexe wirtschaftli-che und juristische Zusammenhänge in der Zielsprache schriftlich wie mündlich beherrschen. Dazu brauchen Sie fundiertes Faktenwissen über Ökonomie, Recht und Gesellschaft. Geben Sie dieses hohe kommunikative Niveau nur dann an, wenn Sie in der jeweiligen Sprache schon er-folgreich Geschäfte eingeleitet und abgeschlossen und auch Verträge ausgehandelt haben.

Bei
sehr guten Sprachkenntnissen erwartet der Jobanbieter, dass Sie frei und sicher kommunizieren können - mündlich wie schriftlich. Geringfügige Lücken im aktiven Wortschatz sowie leichte grammatische Unsicherheiten akzeptieren US-Amerikaner sowieso. Für Engländer ist und bleibt korrektes, in feines Tuch gekleidetes Englisch eine Klassenfrage.

Bei
guten Sprachkenntnissen können Vorgesetzte davon ausgehen, dass Sie sich am Telefon, im persönlichen und schriftlichen Kontakt flott und ohne grobe Schnitzer verständigen können.

Fachsprachensicher bedeutet, dass Sie fachliche Texte verstehen und sich an einer Diskussion über berufsspezifische Themen aktiv beteiligen können.

Ausbaufähige Kenntnisse bzw. Grundkenntnisse einer Sprache besitzt ein Schulabgänger mit durchschnittlicher Note.

Mischen Sie im Lebenslauf bitte nicht die Kategorien: Vermeiden Sie Wendungen wie „sehr gu-te Sprachkenntnisse in Wort und Schrift“. Es reicht nicht aus, nur lakonisch die Sprache zu vermerken. Ein nacktes „Englisch“ im Lebenslauf bedeutet: Sie haben Englisch in der Schule verpennt. Bitte vermerken Sie als Deutscher nicht „Deutsch“ unter Ihren Sprachkenntnissen. Es gibt dafür eine offensichtliche und eine tiefere Begründung. Letztere lautet, dass viele Deutsche ihre Sprache eher unbeholfen sprechen und gar nicht gut schreiben. (Ich gehöre da-zu, aber ich arbeite auch täglich daran, dies zu verbessern.) Sobald man „Deutsch“ unter Sprachkenntnisse vermerkt, signalisiert man entweder, dass man noch etwas doofer ist oder dass man sich für etwas Besseres hält. In Deutschland fällt man aber besser auf keiner Seite aus dem Rahmen. Im Lebenslauf notieren Sie auch keine toten Sprachen - außer, Ihre Lauf-bahn führt Sie in Lehre und Forschung.

Vermerken Sie im tabellarischen Lebenslauf Ihre In House-Kurse und Ihre Sprachtrainings bei der VHS oder bei Sprachinstituten monatsgenau unter WEITERBILDUNG:

seit 06.2002 Technical English, SOLE e.V., Ravensburg

Jobanbieter dürfen und sollen erfahren, dass Sie büffeln, während die anderen TV glotzen.

An anderer Stelle habe ich einmal einige Überlebenshelfer in der westlichen Zivilisation zu-sammengefasst. Dazu zählen Englisch, die Fähigkeit zum Smalltalk, tadellose Umgangsformen und Sicherheit im schriftlichen Ausdruck. Diese Fähigkeiten sind gleichfalls überlebenswichtige Bewerberstärken. Vielleicht wollen Sie ja nicht unbedingt Karriere machen. Ich wünsche Ihnen aber, dass Sie zumindest auf jedem Parkett eine gute Figur machen.

Loyalität
Wie zeigt sich Loyalität? Als GF einer Bildungseinrichtung kam mir manchmal zu Ohren, dass Firmen direkt mit unseren freiberuflich tätigen Sprachtrainern abrechnen wollten. Die deutschen Lehrkräfte wiesen den Vorschlag freundlich, aber bestimmt ab und verwiesen auf unsere Organisation, die sich ja stets für sie stark gemacht hatte. Die Muttersprachler dagegen fanden die Idee meist klasse, lösten die Geschäftsbeziehungen zu unserer Organisation umgehend auf und nahmen ihre, das heißt unsere Sprachkurse mit.

Wie immer man Loyalität definiert – als Vertragstreue, Achtung vor den Interessen anderer, Anständigkeit, Redlichkeit oder als Treue gegenüber dem Vorgesetzten – der kurzfristige persönliche Vorteil fiel bei unseren Englischtrainern oft mehr ins Gewicht.

Wer im Berufsleben stets sein eigenes Süppchen kochen will, verbrennt sich früher oder später die Finger. Illoyalität am Arbeitsplatz gilt wie Unehrlichkeit oder sexuelle Belästigung als AUS-Kriterium, wird zu recht als Absolut Unentschuldbare Schuftigkeit behandelt. Andererseits gilt aber auch: Ein Stellenanbieter, der Loyalität abverlangt, muss sich selbst dieser Haltung befleißigen.

Wie Solidarität gründet sich loyales Verhalten auf strikte Gegenseitigkeit oder sie scheitert. Die Forderung nach Loyalität in einer Stellenofferte bringt nun den wechselwilligen Bewerber in eine vertrackte Lage. Die Bewerbung könnte ja als illoyaler Akt gegenüber dem derzeitigen Arbeitgeber gewertet werden. Dem Eindruck vorbeugen wird man, indem man starke Gründe im Anschreiben nennt: Man ist dort am Ende der Karriereleiter angelangt, der ganze Betrieb wird gerade umstrukturiert, die Führungsriege wurde ausgewechselt, man möchte sich umorientieren und dergleichen mehr. Mit Loyalität geht einher Pflichtgefühl, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit. Wenn Sie im Jobinterview berichten können, wie Sie Ihrem Unternehmen auch in schwieriger Zeit loyal zur Seite standen, dann werden Sie tüchtig punkten.

... wird fortgeschrieben

Liebe Leser, ich freue mich über ihr Feedback und Ihre Anregungen: gwinkler@jova-nova.com


18.September 2004 © Gerhard Winkler.

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Teil 2
Bausteine Stärken

Teil 3
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Ohne Beharrlichkeit sind alle Ihre anderen Stärken nichts wert.

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