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Einfach ausfüllen und bequemer bewerben oder ganz einfach ignorieren?
 
Wenn man sich bewirbt, gibt man seiner Absicht eine Form. Dieser Grundsatz fiel mir am Strand wieder ein, beim Beobachten von Sandburgen-Bauern. Die Erwachsenen diskutierten noch heftig Baupläne, während die Kinderburgen bereits Gestalt annahmen. Bei mancher Solo-Anstrengung war man als Zuschauer platt, andere Solo-Versuche endeten geplättet. Versuchen Sie mal, Ihr inneres Schloss zu erschauen und es mit Material aufzubauen, das einem glatt aus den Händen rieselt. Fein raus ist man, wenn man da Förmchen einsetzen kann oder ein Eimerchen. Das Ergebnis mutet ein wenig seriell an, aber was soll's: Originalität ist auch nicht gerade das bestechende Verkaufsargument bei deutschen Immobilien.
Stellen Sie sich vor, die schriftliche Bewerber-Präsentation ist wie Bauen mit Wasser und Sand. Dann entsprechen Online-Formulare den Eimern & Förmchen. Sie wollen gefüllt werden und geben die Form vor. Nichts leichter, als Formulare zu bearbeiten. Viel mehr als einen Stift zum Ankreuzen, eine Maus zum Anklicken und einem Gedächtnis wie ein Elefant braucht es nicht in der Epoche datenhungriger Organisationen und datenverarbeitender Maschinen. Schultern wir also unser Datenschäufelchen und untersuchen wir, wie wir gut in Form zum Job kommen.
Ob ein buntes Förmchen etwas taugt oder ob der Förmchenfabrikant nicht ganz gebacken ist, das findet schon ein Kind spielend heraus. Bei Online-Formularen gehen verständige Nutzer davon aus, dass alles schon seine Ordnung und seine Richtigkeit hat. Man denkt: Die Jobanbieter werden schon wissen, was sie da abfragen und wozu sie das brauchen. Wer ein bisschen im Web stöbert, merkt aber bald, dass Bewerbungsformulare schrecklich uneinheitlich, einheitlich schwerfällig und oft auch nicht leicht zu begreifen sind. Auf manchen Firmenseiten hat man den Eindruck, der Jobanbieter interessiert sich mehr für Formalkram als für das, was ein Bewerber an Kompetenz mitbringt. Andere Fragen aus dem Formular, inklusive der, ob man sich schon einmal beim Unternehmen beworben hat, findet man vielleicht etwas zudringlich. Ab und zu hat man den Eindruck, dass die Anbieterseite zu scherzen beliebt:
Haben Sie eine Idee, welches Produkt Beiersdorf auf den Markt bringen könnte?
Die Idee hätte man schon, Massageöl mit Selbstbräunungseffekt. Nur findet man es erstaunlich, dass man schon für den Brain-Pool vereinnahmt wird, während man noch nicht einmal richtig zum Bewerber-Pool gehört.

Als Jobsuchender auf Online-Safari findet man schnell die Vor- und Nachteile von Online-Bewerbungsbögen, von Kandidatenprofilen und von webbasierten Bewerbungsmappen heraus:
Bewerber-Formulare fragen ab, was die andere Seite erfahren will.
Sie leiten einen Schritt für Schritt durch die Prozedur.
Sie sind weitgehend narrensicher.
Man erspart es sich, seine Bewerbung selbst in Form zu bringen.
Oft kann man zusätzliche Dokumente mit hochladen.
Die Bewerbungen gehen stets an die dafür bestimmte Adresse.
Online-Bewerbungen verursachen kaum Kosten.
Man erspart sich einiges an zeitraubender Tüftelei und an vergeblichem Ringen um die beste Formulierung.
Dagegen spricht je nach Bewerbungsfall:
Bewerber-Formulare sind starr und erlauben oft nicht einzugeben, was man eigentlich zu sagen hat oder sonst noch sagen möchte.
Die Eingabeprozedur ist bisweilen umständlich oder bizarr.
Online-Formulare scheinen oft von Dummys für Doofis fabriziert worden zu sein.
Da man die Kontrolle über Inhalt und Form seiner Bewerbung abgibt, gibt man die Kontrolle über seinen Auftritt vollständig ab. Man wird zum anonymen Datenspender.

Online-Formulare mit Upload-Funktion verlangen, dass man viele Daten manuell eingibt, die man für weniger wichtig hält und andererseits Zugaben hoch lädt, die man für die Hauptsache hält. In der Regel stecken die seitenweise abgefragten Infos bereits in den eigenen Unterlagen. Und über Datei laden Zugriff auf die eigene Festplatte zu erlauben ist nicht ganz ohne. Schon mancher hat sich im Nachhinein gefragt, ob er das richtige Dokument ins Datenall gejagt hat.

Dann ist da noch die bange Frage: Wer weiß, wo meine Eingabe landet, wer da alles mitliest und welcher schlecht gelaunte Praktikant meine persönlichen Daten doof findet und löscht?

Und nicht zuletzt: Über Web-Formulare kommuniziert die Masse und nicht die Klasse.

Je selbstbewusster Sie sind, je wichtiger Sie Ihr berufliches Selbst nehmen und je wertvoller Ihr Arbeitsbeitrag für eine Organisation sein kann, desto weniger werden Sie geneigt sein, über ein Online-Firmenformular Kontakt aufzunehmen. Und in dieser Haltung kann ich Sie nur ausdrücklich bestärken.

Je unspezifischer eine Jobqualifikation, je unerfahrener ein Bewerber, je weniger er willens oder in der Lage ist, sich schriftlich angemessen zu äußern und zu vermarkten, desto freudiger wird er allerdings Fragebögen akzeptieren.

Für die ganze Palette an webtypischen Textsorten, ob Formblätter, Profile in Jobbörsen oder Bewerber-Homepages gilt gleichermaßen: Im besten Fall sind es simple und unifizierte Datenblätter. Im schlimmsten Fall sind es Murks-Präsentationen.

Besonders traurig und lächerlich sind übrigens die Anschreiben auf den Heimseiten von Bewerbern. Diese Bewerbungsschreiben sind Signale aus der schwärzesten Bewerbereinsamkeit. Es ist wie nächtliches Pfeifen aus dem dunklen Kohlenkeller. Nur wenn man gut gemachte Arbeitsproben vorzeigen kann oder wenn sich die Arbeits- oder Dienstleistung eines Jobsuchenden auch in freiberuflicher Tätigkeit vermarkten lässt, dann wird die HTML-Anstrengung nicht zur Hochpeinlichen Trübseligen Multimedia-Leichenschau. Dann hat sie eine Berechtigung in der Jobakquisition. Liebe Besitzer von Bewerber-Homepages: Legen Sie Ihre Seite umgehend still und danken Sie Gott, dass er bis heute kaum einen Besucher zu Ihnen geführt hat.

Personaler und Vermittler suchen praktisch nie nach Bewerber-Homepages. Sie hassen es geradezu, zum Besuch einer privaten Webpräsentation aufgefordert zu werden: Warum kann dieser Mensch nicht hier und jetzt bündeln, was für ihn spricht? Allerdings gehen Jobanbieter davon aus, dass man die von Ihnen vorgegebenen Bewerbungswege einhält.

Darum werden sich besonders Schulabgänger, Einsteiger und Normalbewerber an die Prozedur des Bewerberformulars halten. Nutzen Sie aber bitte jede Chance, Ihren Anspruch und Ihren Auftritt mit den beiden Kerndokumenten Anschreiben und Lebenslauf zu verstärken. Bereiten Sie diese Dateien nach Vorschrift zu, aber schalten Sie Ihren gesunden IT-Verstand nicht aus. So empfiehlt Otto, das Foto darf im Format ".jpeg", ".gif" oder ".png" sein. Doch reduzieren Sie Ihr Porträt bitte nicht auf ein 256 Farben-GIF. Sie werden sonst Ihr farbloses Wunder erleben.

Personaler, Vermittler, Jobanbieter forschen mehr und mehr in den Bewerber-Pools der Jobbörsen. Die Online-Profile auf den Jobportalen sind wie die Jobseiten der Firmen nichts anderes als Datenbanken mit Web-Schnittstelle. Nur haben Sie als Bewerber auf Ihr Online-Profil jederzeit Zugriff. Sie können es aktualisieren, anpassen und es perfektionieren. Darum haben moderne Jobsuchende heute weit mehr zu tun als zu jenen Zeiten vor der globalen Vernetzung und ständigen Verfügbarkeit.

Die Web-Möglichkeiten nutzen Sie sinnvoll:
1. Sie stellen Ihre Daten in sämtliche für Leute Ihrer Profession angesagte Jobbörsen ein.
2. Sie geben sich dabei genau so viel Mühe, wie bei einer konventionellen Bewerbung. Zum Beispiel tüfteln Sie am aussagestarken Titel Ihres Online-Profils. Sie grenzen Ihr Kompetenz-Profil und Ihre Wünsche präzis ein. Sie liefern Fakten, Fakten, Fakten und keine Allgemeinheiten.
3. Sie halten immer auch einen tabellarischen Lebenslauf und eine Anschreiben-Vorlage parat. Dies sind die beiden zentralen Dokumente für Ihre Selbstvermarktung: Geben Sie sich bei der Erstellung alle Mühe.
4. Sie recherchieren Firmen-Sites, nutzen die Online-Bewerbungsmöglichkeiten und gehen den dort vorgeschriebenen Weg. Aber eben nur, falls Ihnen keine bessere Strategie einfällt. Die besten Bewerbungswege bleiben immer noch, einen starken Fürsprecher vorschicken, einen Vermittler dazu zu bringen, dass er auf einen zukommt oder aber die maßgebliche Person in der Organisation zu identifizieren und sie zu bearbeiten. Jede Jobentscheidung hängt mindestens von einer Person ab. Darum ist Jobfindung ausnahmslos eine persönliche Angelegenheit.
Leser dieser Seiten berichten häufig, dass auf Online-Bewerbungen über Firmen-Formulare wochen- oder monatelang keine Reaktion erfolgte und dann doch überraschend Interesse signalisiert wurde. Offensichtlich sammelt und hortet man in Firmen gern. Man meldet sich erst bei Bedarf. Dienstleistern, die Angebote bei Firmen abgeben, ist diese Haltung natürlich vertraut. Bewerber erwarten eigentlich eine umgehende Reaktion. Kalkulieren Sie diese von Seiten des Jobanbieters durchaus rationale Verhaltensweise der Vorratshaltung von Bewerberprofilen mit ein. Jobsuche ist zwar meist akut; dem Jobsuchenden pressiert es. Doch für Ihre längerfristige berufliche Weiterentwicklung ist es genauso nützlich, in den Datenbanken attraktiver Firmen seine Visitenkarte abzulegen.

Man kann sagen, die berufliche Elite spart sich das Formularwesen und in weiten Teilen sogar die Internetrecherche. Der Bewerber für das Mittelfeld kann sich dafür weitaus offener und unbekümmerter vermarkten und hat mit Web und Mail vor allem die besten Informations- und Kontakt-Werkzeuge, die es je gab. Probieren Sie alle Online-Möglichkeiten der Selbstvermarktung aus. Auf jova-nova.com finden Sie ein kostenloses Test-Formular zum Üben. Halten Sie aber keines der Formular, die Ihnen im Web begegnen für amtlich. Bei allen Online-Bewerbungsbögen sind Sie gut beraten, wenn Sie genauer informieren, als vom Formularanbieter verlangt.

Ostrach, 16.09.2004 - Gerhard Winkler
Kommentar an den Bewerbungshelfer: gwinkler@jova-nova.com


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