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| Bewerber-Präsentation | |||||||||
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Jobinterview: korrekter Umgang mit quengelnden Jobanbietern Für mich etwas überraschend startete neulich ein Personalberater, seines Zeichens Diplom-Ökonom, unser erstes Gespräch gleich mit einem Klagelied. Das gipfelte in der Forderung: "Ingenieure müssen lernen, dass Geld erarbeitet werden muss." Da ich dem Ingenieursclan angehöre, war ich irritiert und wollte spontan kontern: "Und ein Ökonom muss seinerseits Technikverständnis entwickeln." Am liebsten hätte ich aber dem Herrn aber über den Kopf gestreichelt und ihm mit den Worten "Wer könnte dies besser nachvollziehen als ich" mein Bedauern bekundet. Letztlich entschied ich mich aber, seinen Satz voll und ganz zu ignorieren, da ich unglaublich interessiert an der ausgeschriebenen Stelle war. War dies taktisch richtig? Während des Gesprächs ist der Vermittler übrigens nicht mehr auf das Thema zurückgekommen. Dem guten Willen geht schnell die Luft aus, wenn zur Begrüßung statt heißem Kaffee nur lautes Klagen serviert wird. Auf der Suche nach einem 4-Wochen-Job empfing man den Fachschüler Thomas H. mit den Worten: Bei uns jobben will jeder; am zweiten Tag fällt den Leuten dann eine Palette auf den Fuß. Absolventin Mia S. bekam als erstes zu hören, dass die Berufsanfänger von heute ihr Deutsch komplett verlernt, alle Benimmregeln vergessen und jede Arbeitslust verloren haben. Der Ravensburger Bildungsmanager Karl Schotten gesteht: Ich selber leite Interviews ab und zu mit einer Lamentation über diejenigen Pädagogen ein, für deren Berufswahl hauptsächlich versorgungsrechtliche Gesichtpunkte ausschlaggebend waren. Damit gebe ich dem künftigen Lehrer Gelegenheit, sich entrüstet zu distanzieren. Beteuert der Kandidat dann noch, das Unterrichten sei seine Herzensangelegenheit, dann kann ich wiederum geschickt einfließen lassen, dass man bei unseren bodennahen Honorarsätzen wirklich nur aus Liebe zum Beruf arbeiten kann. Viele Interviewkandidaten reagieren erst einmal erschrocken. Vor allem, wenn man einen Personalberater aufsucht, sieht man sich ja auch ein bisschen als Kunde. Das Beratervolk selbst versteht sich als Mittler zwischen Industrie und den besonders Qualifizierten. Solche Fachleute verstehen aber soviel vom Geschäft, dass sie über ihre Abteilung hinaus blicken. Insofern wirkt jede pauschale Kritik eher als unprofessionelle Fehlleistung denn als kalkulierte Provokation. Marcus L. stand vor der Wahl, nicht zu antworten oder auf den Sermon einzugehen. Er hat sicher gut daran getan, auf eine höfliche Weise nicht zu reagieren. Wer sich unter keinen Umständen provozieren lässt, bleibt immer auf der sicheren Seite. Auch wenn man sich nicht zu einer eindeutigen Haltung entschließen kann, übergeht man verbrämte Unterstellungen oder Vorwürfe erst einmal schweigend. Souverän nicht zu reagieren, ist allerdings gar nicht so leicht. Jeder von uns hat verinnerlicht, dass man Kritik besser nicht stehen lässt. Einen direkten oder pauschalen Vorwurf einfach zu überhören, das kommt selten in Frage. Als Schüler haben wir sehr schnell gelernt, dass Schweigen den Lehrer provoziert. Im Arbeitsteam gerät jeder, der nicht kommuniziert, in Konflikt mit der Gruppe. Und in einer Partnerschaft droht man dem unkommunikativen Stoffel gern mit einer Gesprächstherapie. Das Jobinterview ist eine besondere Gesprächskonstellation. Hier ist es wichtig, einen professionellen Standpunkt zu besetzen und sich unter keinen Gesprächsumständen davon abbringen zu lassen. Nehmen wir an, eine Tirade ist zwar ziemlich pauschal, aber Sie vermuten, dass man Sie darin einschließt. Ein Feedback kann dann unterstützend und bejahend ausfallen: "Da haben Sie recht. Ich selbst habe erlebt, dass manche Kollegen völlig marktfern forschen." Oder Sie sorgen persönlich für den Gegenbeweis: Sie werden erstaunt sein, aber im letzten Jahr habe ich für mein Unternehmen Einsparungen in Höhe von 90T Euro erzielen können. Man denkt als Bewerber: Prima Gelegenheit zu punkten. In Wahrheit hat man sich in eine Defensivposition locken lassen. Ab Ihrer ersten Einlassung stehen Sie unter dem Zwang zu liefern. Man kann auch interessiert und ermutigend antworten: "Sie hören sich an, als hätten Sie schlechte Erfahrungen gemacht." Nachteil: Man fordert geradezu auf, in ein Thema von seiner negativen Seite aus einzusteigen. Wenn der Jobanbieter jetzt länger ausholt, verliert man nur Zeit. Es wäre doch viel besser gewesen, man hätte mit Ihnen angefangen. Oder verkörpern Sie nicht geradezu all das, was man positiv über Ihren Berufsstand sagen kann? Sicher kann man sich auch sybillinisch und neutral geben: "Sie vertreten da eine bemerkenswert klare Position." Sich zu äußern, ohne Farbe zu bekennen ist allerdings weitaus nachteiliger, als sich gar nicht zu äußern. Man braucht nicht unbedingt etwas zu signalisieren, aber andere als zustimmende Signale darf man nicht geben. Die harte Tour fahren Sie, wenn Sie antworten: Wissen Sie was, mich interessieren Ihre Probleme gar nicht. Ich möchte etwas über meine Einsatzmöglichkeiten als Entwickler von Schaltkreisen wissen. Als berufserfahrener, geradliniger Erfolgstyp, der eben keine Lust auf Spielchen hat, kommt man damit sogar durch, sofern man für einen Jobvermittler oder Anbieter der kapitale Fang ist. Falls Sie reagieren und Stellung beziehen möchten, machen Sie stets deutlich, dass Sie sich nicht persönlich angesprochen fühlen. Sobald Sie Pauschalkritik auf sich beziehen, bringen Sie die Gegenseite auf die Idee, dass Sie angreifbar sind. Wenn Sie gar nichts sagen, darf auch Ihr Körper nicht sprechen. Bleiben Sie einfach auf den Gesprächspartner fokussiert. Verziehen Sie keine Miene. Runzeln Sie nicht die Stirn. Rümpfen Sie nicht die Nase. Winden Sie sich nicht. Lehnen Sie sich nicht zurück. Ihr Ausdruck bedeutet neutrale Aufmerksamkeit und sonst gar nichts. Der lamentierende oder gar schimpfende Gegenüber möchte etwas loswerden. Warten Sie doch ab, ob er noch etwas nachschiebt. Die Situation wird selten schon für Sie brenzlig, nur weil sich ein Jobanbieter vor Ihnen erhitzt. Wer klagt, hat viele Sorgen. Wer viele Sorgen hat, der hat sie qua seiner wichtigen Funktion. Unterstützen Sie den Gesprächspartner in seiner Selbstwahrnehmung als Schlüsselperson, die es schwer hat und erklären Sie: Sie haben da in Ihrer Position sicher schon einiges erlebt. Joberfahrene lassen sich von der kalten Dusche eines ersten Wortschwalls auch deshalb nicht erschrecken, weil es oft einer rituellen Abschreckung gleich kommt, bevor man dann in medias res eintaucht und sich in der Diskussion gemeinsam freischwimmt. Es gibt allerdings Führungskräfte mit Tunnelblick. Die stellen einen zwar ein, doch nur, damit man ihr tiefsitzendes Vorurteil bestätigt. Man kann in Folge Qualitätsarbeit leisten, Kosten senken, die Vorgaben einhalten, den Output maximieren, exakt auf den Markt und dessen Bedürfnisse zuarbeiten, dem Vertrieb die beste Unterstützung bieten und alle Welt zufrieden machen. Nur den schlecht gelaunten Boss, der Leute Ihrer Profession und damit auch Sie selbst nur als Kosten- und Problemfaktor einstuft, den werden Sie mit Ihren guten Taten kaum je überzeugen. Mancher Arbeitgeber perfektioniert geradezu das System Beweisen Sie mir, dass Sie anders sind. Man arbeitet sich ab und hat doch nie eine Chance. Sie können keinen Manager daran hindern, dass er aus Prinzip nichts Besonderes in Ihnen sehen will. Sie können sich aber auf Ihrem Berufsweg bevorzugt an jene Vorgesetzte und Arbeitgeber binden, die von Anfang an mehr in Ihnen sehen, als in Ihnen zu stecken scheint. Im Mehr-Personen-Gespräch ist auch die Führungskraft anwesend, an die man im Job direkt oder indirekt berichten würde. Manchmal hat man mit ihr auch ein separates Gespräch. Fängt ausgerechnet diese Person mit einer unvermittelten Tirade an, dann gibt sie Ihnen damit ein denkbar starkes Signal: ERHÖHTER EVALUIERUNGSBEDARF. Ein Vorgesetzter lässt auf seine Untergebenen nichts kommen. Tut er es doch, egal, wie allgemein und indirekt, dann verrät er sie. Auch unfokussierte Beschwerden weisen auf ganz konkrete Defizite in seinem Führungsverhalten, auf Ärger und Unzufriedenheit im Team oder im gesamten Unternehmen hin. Fehlender Gemeinschaftssinn, gestörte Kommunikation sind Symptome, auf die jeder Jobsuchende zu achten hat. Lamentierende Headhunter verstehen vielleicht ihren Job nicht. Polternde Geschäftsführer verraten sich vielleicht als unerquickliche Vorgesetzte. Doch die Fachvorgesetzten, die im Jobinterview eruptiv ihren Frust heraus jagen, signalisieren: Ich verstehe nicht zu führen. Was soll man aber in einer Abteilung, in der es offenbar schon dem Kopf stinkt? Bewerber im Jobinterview achten insbesondere auf notorische Nörgler - wird man mit so einem zusammenarbeiten? notorische Besserwisser - gilt Fachkompetenz in der Organisation so wenig? notorische Hackordnungshüter - gibt's für die nichts Besseres zu tun, als ständig ihre Position zu festigen? Anzeichen der Krise - manche Kapitäne vergrößern dann noch die Besatzung, wenn Ihr Schiff schon senkrecht im Wasser steht. Deuten Sie die Befindlichkeit, die Aussagen und das Gesprächsverhalten der Gegenseite. Ziehen Sie Schlüsse auf die Kultur des Unternehmens und Führung. In einer Unterredung fallen oft unbedachte Äußerungen. Auch Jobanbieter können sich im Eifer ihrer Rede vergaloppieren. Die Gelassenheit, erst einmal etwas stehen zu lassen und nicht sofort darauf anzuspringen, hilft einem, manch heiklen Moment zu überstehen. Andererseits gilt: Es liegt an Ihnen zu bestimmen, ob der Jobanbieter vor Ihrem kritischen Blick besteht. Bewerber überzeugen schlechter, wenn sie klagen. Jobanbieter eben auch. Lernen Sie vor allem, mit einer gewissen Unerschütterlichkeit auch vage Zweifel an Ihrer Kompetenz und Ihrer Leistung gar nicht erst an sich heran zu lassen. Eine scharfe Replik an einen generalisierenden Stänkerer ist nicht unbedingt gute Idee, wenn der generalisierende Stänkerer einen unbedingt einstellen soll. Im beruflichen Alltag selbst sind Sie natürlich verpflichtet sicherzustellen oder dazu beizutragen, dass Unzufriedene Gehör finden und Miesmacher neutralisiert werden. In einer transparent geführten Firma, wo Prozesse und Entscheidungen kommuniziert werden und wo eigenverantwortliches Mitarbeiterverhalten gefördert wird, empfängt man Bewerber weitaus seltener mit einem Klagelied. Je mehr man von Ihnen erwartet, desto mehr freut man sich auf Sie und desto weniger will man Ihre gute Laune trüben. Nölende Interviewer verderben einem den Interviewspaß. Direktes, auch kritisches Fragen und Nachbohren gehört allerdings zum Geschäft des Personalers. In jedem gut geführten Gespräch sind Fragen ein Analyse-Werkzeug. Dass man den beruflichen Teil der Bewerber-Persönlichkeit kritisch ausleuchtet, ist Teil des Deals, den Sie mit Ihrer Zusage zum Jobinterview vereinbart haben: Informationen gegen Informationen. Sich von Jammern und Klagen nicht provozieren lassen. Sich selber des vorwurfsvollen Tons strikt enthalten. Auf direkte, gerechtfertigte Fragen umstandslos antworten. Selber direkt angehen, was man erfahren möchte. So geht man aufrecht durch Jobinterviews. Wenden Sie nicht ein, dass alle um Sie herum sowieso beständig schimpfen und über andere klagen. Sagen Sie nicht, dass Konsensfindung in Deutschland überhaupt so funktioniert, dass man nach Sündenböcken sucht, über die man sich gemeinsam ärgern kann. Wer sich nur gegen die Unfähigen oder Dummen definiert, der braucht sie mehr, als ihm lieb sein kann. Ostrach, 15.09.2004 - Gerhard Winkler Kommentar an den Bewerbungshelfer: gwinkler@jova-nova.com Seitenanfang |
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| Job-Interview: Übersicht Bewerbungshelfer: Übersicht |
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Wer hat die Deutungshoheit?
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