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Gute Gründe für den Ausstieg aus Praktikum, Volontariat, Trainee-Programm oder Job

Karge Worte mit frostiger Stimme, unterstrichen mit sparsamen Gesten: So mancher Mitarbeiter, der spontan einem unkontrollierbaren Drang zur Eigenkündigung nachgibt, würde bei der Gelegenheit gern cool und dirty sein wie Harry. Schade, dass man keinen Sheriffstern trägt. Es ist so symbolisch, das Glitzerding wortlos abzunehmen und über dem Schreibtisch des Chefs dengeln zu lassen.

Wer den Job hinschmeißt, verschafft sich Recht oder wenigstens Luft. Und wenn das Timing stimmt, verschafft man sich auch einen würdigen Abgang. Keine Frage, dass akute Verletzungen die meisten Spontankündigungen auslösen. Sozusagen in ständiger Empörungsbereitschaft wartet man auf den letzten Tropfen. Ein letztes PLINK! Na endlich; das Fass ist übergelaufen.

Mein Klient Detlev K. bekam das volle Fass auf die Füße geknallt. Seine Kündigung war ein Reflex auf die absolut unangekündigte Versetzung von der Zentrale in die Provinz. Detlev K. hatte auch gleich einen Verdacht: Es hat eine Managerin gegen mich gemobbt. Ich hab ihre Anmache erwidert und sie dann abblitzen lassen. Plötzlich hatte ich sie im Nacken. Ich dachte, so etwas passiert nur Frauen.

In einer Mischung aus Fluchtinstinkt und Verweigerungshaltung zog Detlev K. die Notbremse und stieg einfach aus. Propere Unterlagen, tadellose Referenzen, ein Mundwerk wie eine Klappermühle und das Expertenwissen des Versicherungsbetriebswirts sorgen dafür, dass für ihn der Übergang in den nächsten Job nicht zur Durststrecke wird.

Gibt es eigentlich gute, von vernünftigen Erwachsenen respektierte Gründe, das Handtuch zu werfen? Eine Ad-hoc-Expertengruppe hat in überraschend kurzer Zeit eine ganze Menge gefunden und gebilligt. Die Reihenfolge bedeutet übrigens keine Rangordnung. Obacht: Ein Kündigungsgrund kann den anderen verstecken!

Einige wirklich gute Gründe, den ganzen Bettel hinzuschmeißen

Man bedroht deine körperliche Integrität.

Du bist in einem Intrigantenstadel gelandet.

Ein Satyr hält dich für seine Nymphe.

Eine Nymphe hält dich für Brad Pitt.

Die Leichen deiner Vorgänger liegen noch herum.

Du verbringst den ganzen Arbeitstag heulend auf dem Klo.

Der letzte, der hier Geld gesehen hat, hat's schnell genommen und ist
gegangen.

Dein Boss versteht seinen Rang als Lizenz zum Demütigen.

Du hast hier weniger zu tun als ein Toter im Sarg.

Der Laden funktioniert als Trinkerunheilanstalt.

Das Raumschiff ist leer, die Rettungskapseln sind weg.

Für den Unbekannten Durchhalter baut keiner ein Denkmal.

Besser ein harter Schnitt, als dass man sich an die tägliche Tracht Prügel gewöhnt.

Mit dieser Laienschar gesehen zu werden, schadet deinem Ruf.

Je mehr du dich anpasst, desto weniger mögen sie dich.

Hyänen lachen gelegentlich. In diesen Fluren hörst du nur Geifern.

Du willst dich nicht schuldig machen.

Du willst dich nicht versündigen.

Du willst nicht das erste Todesopfer sein.

Die Arbeitsbeschreibung verhält sich zur Wirklichkeit wie Gold zu Genitalwarzen.

Was immer diese Menschen hier tun, sie wollen nicht, dass du mitmachst.

Was immer diese Menschen hier tun, sie wollen nicht, dass du es erfährst.

Dein Vorgesetzter zeigt Kontakthof-Verhalten.

Andeutungsweise, mit sparsamen Gesten spielen die Leute hier ARBEIT.

Deine Kollegen tun nihilistisch, dabei sind es nur Nullen.

Sobald sie einen umweltfreundlichen Weg gefunden haben, werden sie dich sowieso entsorgen.

Du wirst diese Frau anders nicht los.

Besser, man geht, bevor einen die Folgen seiner Handlungen einholen.

Du sitzt nicht nur im falschen Boot. Du bist gar nicht für die Seefahrt geschaffen.

Erst wenn du fort bist, werden sie dich vermissen.

Entropie, Bestimmung des Universums. Das Universum auf dem Weg dorthin überholen: Bestimmung deines Betriebs.

Bevor du für immer in den Wäldern verschwindest, möchtest du erfahren, ob es überall in der Industrie so zugeht.

Noch ein Tag länger, und du verlierst deinen Glauben.

Bis sie es herausfinden, hast du schon die Adresse gewechselt.

Keine Frage, der klügste Abgang erfolgt immer als Wechsel. Karriereverhalten ist Timing. Den Profi erkennt man deshalb auch am sicheren Absprung. In der Jobkrise spielt man sein analytisches und strategisches Denken aus. Wo sonst, wenn nicht im persönlichen Arbeitskampf übt man ein, einzustecken, durchzuhalten, sich durchzukämpfen … Kompromisse zu finden. Kritische Übergangsphasen verlangen erst einmal Durchhaltevermögen.

Gegenüber jedem Jobanbieter ist das denkbar stärkste Argument des Selbstvermarkters die aktuelle Position. Flüchten Sie sich erst auf die Straße, wenn wirklich das Haus brennt und klären Sie bis zum letzten Moment ab, wer auf dem Jobmarkt Sie aufnehmen könnte.

Ohne Zweifel sind Sie andererseits, sobald Sie draußen sind, ein paar mächtige Sorgen los. Sofern Sie hoffen können, dass Sie sich im vertragslosen Zustand befreiter und besser vermarkten, nehmen Sie eben die Einkommenseinbuße in Kauf. Finden Sie eine Deutung Ihrer Eigenkündigung, die auch nervöse Jobanbieter beruhigt. Die Industrie honoriert mutige Schritte von Menschen, die allem Anschein nach sonst mit Bedacht handeln.

Manche betreiben aktiv die einvernehmliche Trennung. Man sieht sie als glückliche Abkürzung eines sowieso bitteren Endes. Es geht aber nicht an, nur zu gehen, um eine Abfindung mitzunehmen. Trennungsgelder konsumiert man nicht. Sofern Sie eine Abfindung nicht als Starthilfe begreifen, haben Sie den Ernst der Lage nicht begriffen. Aus dem Job entlassen, benötigen Sie Startkapital für die Selbständigkeit, für die gezielte Weiterbildung, für den Neuanfang im Ausland. Oder Sie bilden mit Ihrem Startkapital mehr Kapital. Hauptsache, Sie machen sich nicht zum Kurzzeit-Rentner. Setzen Sie Ihr Kapital ein, anstatt es zu verzehren.

Ihre anstehende Eigen-Kündigung: Vielleicht ein dramatischer Befreiungsschlag. Vielleicht Symptom für den kompletten Nervenverlust. Vielleicht der Höhepunkt einer Kette von fatalen Ereignissen, an deren Ende Sie eine letzte noch verbleibende Trumpfkarte ziehen. Wer mag es Ihnen noch ausreden, wenn Sie sich die große Geste gönnen. Ich rate Ihnen dennoch, unter keinen Umständen Ihrem Chef gesprächsweise, in der direkten Konfrontation alles hinzuwerfen.

Entwerfen Sie lieber ein Kündigungsschreiben. Feilen Sie ein paar Tage daran. Drucken Sie es aus, stecken Sie es in einen Umschlag. Tragen Sie es mit sich herum. Sie stecken mitten in einem Konflikt. Es geht um Ihre berufliche Existenz. Das Kündigungsschreiben kann da nur das letzte, ultimative Mittel sein. Verstehen Sie es aber nicht als Waffe. Arbeitgeber lassen sich vom Big Bang allenfalls kurzzeitig irritieren. Die schriftliche Kündigung funktioniert tatsächlich als ein Schutzbrief. Ich lagerte mein Schreiben einmal über trostlose 14 Tage hinweg unter meinem Mauspad. Ab und zu tauschte ich den Brief aus, da meine Kündigungsgründe öfter wechselten. Natürlich bewahrte mich mein Verhalten nicht davor, impulsiv zu handeln: Ich zerriss den Umschlag kurzerhand, als ich bereit war zu akzeptieren, dass dies doch nicht der beste Zeitpunkt für den Exit war. Für meine Kündigung habe ich dann später nicht mehr zwei Seiten, sondern nur noch zwei Sätze gebraucht.

Berlin, 3
1. Januar 2006 - Gerhard Winkler
Kommentar an den Bewerbungshelfer: gwinkler@jova-nova.com

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Bild © 2006 Gerhard Winkler, jova-nova.com
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