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Vorbereitung auf das Job-Interview

Thema Jobinterview

Bausteine für ein Arbeitszeugnis

Winklers Wegweiser für desorientierte Jobsucher

Wo haben Sie sich noch beworben?
Michael (TU Chemnitz) schreibt:

"Ich habe bis jetzt nirgendwo (auch in verschiedenen Büchern nicht) einen Hinweis gefunden, wie man auf eine solche Frage, so sie gestellt wird, antworten sollte. Einerseits sind Parallelbewerbungen heutzutage üblich, andererseits wirken dadurch Beteuerungen, dass man 'diesen und keinen anderen Job' haben will, doch wenig glaubhaft. Sollte man also sagen, dass man noch weitere Bewerbungen laufen hat? Und auch die Firmen dazu nennen?"

Gegenfrage

Auf Fragen wie "Wo haben Sie sich noch beworben?" oder "Sind Sie zur Zeit noch im Gespräch mit anderen Stellenanbietern?" würde ich vor allem nicht so reagieren:

"Welche Bewerber sind denn noch in der engeren Auswahl?"

Das wirkt vielleicht schlagfertig, verstößt aber gegen die bewährte Anstandsregel, auf Fragen nicht mit Gegenfragen zu kontern. Ihre Interviewer wollen schließlich das Gespräch f ü h r e n. Bringen können Sie solche coolen Konterattacken allenfalls von Barhocker zu Barhocker, bei einem Meeting im Schatten der Frankfurter Börse. Oder wenn einem als Gesprächspartner ein schmallippiger Eisenbeißer gegenübersitzt, den man ja gar nicht leiden möchte.

Ausweichen

Wenn Sie nicht als Frechdachs, sondern als verständiger Bewerber auftreten möchten, empfehle ich, sich höflicher zu äußern:

"Als Absolvent bin ich natürlich aktiv auf Stellensuche."
"Ich verfolge schon seit letztem Semester das Geschehen auf dem Stellenmarkt".
"Ich habe mich bisher voll auf mein Examen und auf die Vernetzung der evangelischen Studentengemeinde konzentriert."

Generaltendenz dieser Statements: Wahrheit plus Indirektheit. Flunkern würde ich nicht, weil es dafür absolut keinen Grund gibt. Genauer antworten würde ich schon gar nicht, weil Bewerbungsaktionen niemanden etwas angehen. Es ist weder widersprüchlich noch anrüchig, diskret zu handeln. Sie machen sich nicht unglaubhaft, wenn Sie eine besondere Aufgabe in einem bestimmten Unternehmen bevorzugen und zugleich weitere Gesprächstermine bei anderen Firmen vereinbaren. Äußerungen wie

"Ich habe da zwei coole Jobangebote"

sind jedoch töricht - vor allem, wenn sie nicht wahr sind. Bewerber, die Personalleute unter Druck setzen wollen, leiden nicht nur unter akuter Hybris, sondern auch unter Realitätsverlust.

Jeder trifft und kennt Leute, die sich damit brüsten, begehrt und gefragt zu sein. Jeder wartet darauf, dass diese Angeber bald wieder ungefragt werden und lautlos verschwinden.

weiter

Namen

Wollen Sie Namen nennen? Stellen Sie sich vor, Sie offenbaren A. beim ersten Rendez-vous, dass Sie sich gestern auch mit B. getroffen haben und morgen nach C. fahren werden, um die wunderbare D. kennenzulernen.- Da wird es zunehmend schwerer, Sie rundum sympathisch zu finden.

Wer wie ich selber in formalen Gesprächssituationen stets ein wenig befangen und anfangs noch sehr schüchtern ist, dann aber schnell auftaut und allzu leicht allzu zutraulich wird, der plappert gern zu viel auf einmal aus. Niemals Freundlichkeiten mit Indiskretionen vergüten! Ziehen Sie eine Grenze. Listen Sie vor Ihrem ersten Vorstellungsgespräch im Geiste auf, was Sie auf keinen Fall preisgeben werden. Halten Sie sich daran. Eisern!

Not

Was aber, wenn Sie in echter Not sind? Wenn bereits eine Zusage in der Tasche brennt, Sie sich (auch wegen des ausstehenden Interviews) noch Bedenkzeit ausbedungen hatten und jetzt während des Gesprächs erkennen: Das wäre der Traumjob?

Eine Frau vom Fach, die vielgefragte Leute einstellt, versichert mir, so etwas passiert recht häufig. Sie fragt deshalb vorsichtshalber nach, - vor allem, wenn Ihre Top-Kandidaten am Gesprächsende unruhig werden und scheu herumdrucksen. Dann sagt man´s aber auch klar:

"Sie sind meine erste Wahl - aber ich kann Ihnen nur bis zum .... zur Verfügung stehen. Ich würde mich sehr freuen, noch vor diesem Zeitpunkt von Ihnen zu hören."

Finden Sie den richtigen Ton. Wenn Sie nicht auftrumpfen, problematisieren oder drohen, solange Sie vernünftig und flexibel verhandeln, machen Sie es sich selbst und den anderen leichter.Und mehren Ihre Chance auf Erfolg.


Fazit

So reizvoll es ist, umworben zu sein, so nervig ist es, damit zu hausieren. Was für Sie sprechen soll? - Ihre eigenen Leistungen, Fähigkeiten, Stärken. dass auch Schröder Sie für seine Mannschaft haben will, ist schön und recht, aber noch lange kein Argument.

Wo Sie sich überall vorgestellt haben und was dabei alles passiert ist - das können Sie mir ganz unbesorgt erzählen. Und je heftiger Sie umworben werden, desto mehr freut das Ihren Bewerbungshelfer in Berkeley, CA.

7.7.98/6.8.2002

© Gerhard Winkler. Hinweis: Meine Site jova-nova.com ist neutral und unabhängig. Damit es so bleibt, bitte ich Sie, jova-nova.com zu fördern. Empfehlen Sie mich weiter. Mailen Sie mir vor allem auch Ihre Anregungen, Kommentare, Erfahrungen. Gemeinsam schlagen wir die Schema-F-Bewerber!

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