„Wie kann ich am besten schon im Anschreiben mein fortgeschrittenes Alter (47) als einen Gewinn für den zukünftigen Arbeitgeber vermitteln?“
Alter schützt nicht vor Eitelkeit. Manche Bewerber kokettieren geradezu mit ihrem Alter. Sie wirken auf den ersten Blick ziemlich von sich eingenommen. Dahinter steckt jedoch meist die blanke Unsicherheit. Wirke ich alt und verbraucht? Sind meine Erfolge und Leistungen verblasst? Bin ich irgendwie zu anspruchsvoll und zu teuer? Wer als Jobsuchender seine Bejahrtheit in irgendeiner Form anspricht, der macht sich in der Regel einfach nur Sorgen um sein Alter. Wie wirkt das, wenn man schon auf die 50 zusteuert?
Auf Personaler hat das Alter zunächst einmal gar nicht zu wirken. Es gehört zu den acht Diskriminierungsfallen, die im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) eingebaut sind. Ein unbedachtes Wort vom Rekrutierer, und der beflissene Bewerber wird sich zum erbosten Kläger verwandeln. Dabei ist den Personalverantwortlichen die Altersstruktur ihrer Mitarbeiter kaum egal. Das Lebensalter eines Bewerbers wird zumindest dann als Kriterium in den Beurteilungsprozess einfließen, wenn ein im Unternehmensinteresse erforderlicher Altersmix gewährleistet sein soll. Als Bewerber wird man interne Vorstellungen und Vorgaben zur Personalstruktur jedoch nicht erfahren. Ein Jobkandidat kann nur schwer einschätzen, ob er als neuer Mitarbeiter den Altersdurchschnitt erhöhen oder absenken wird. Und auch die Durchblicker vom Dienst können oft nur spekulieren, ob eine langjährige Praxis im speziellen Bewerbungsfall ein Vorteil oder ein Handicap ist.
Wenn man kein besseres Argument hat als sein Alter, sieht man im Anschreiben sowieso sehr alt aus. Der einfache Grund: Das Anschreiben handelt von einer spezifischen, sogar einzigartigen Eignung. Es gibt nun aber keine zwingende Korrelation zwischen Befähigung und Geburtsdatum. Im Anschreiben klärt man zudem darüber auf, was einen jetzt dazu befähigt, diese eine Position auszufüllen. Jobtauglichkeit ist aktuell oder sie ist gar nicht. Es war einmal ist Reminiszenz. Es wird einmal sein ist Futurologie. Bei der Stellenbesetzung gilt das Faktische: So sieht es aus.
Mancher Kandidat zählt dank seines glücklichen Karriereverlaufs zur Top-Leistungsklasse. Auch dann wird er den Rückblick nicht zur Nostalgieschau verklären. Texter von Anschreiben haben die nicht ganz leichte Aufgabe, das bislang von ihnen Erreichte so herauszuarbeiten, dass es ihre Kompetenz für das belegt, was ansteht. Das Setting, die Personenkonstellation und die Wirkungsabsicht erfordern nun mal, dass ein Bewerber im Anschreiben:
– kurz und bündig vorbringt, was zur Feststellung der besonderen Eignung dient
– dazu die Jobtitel, Arbeitgeber sowie die Pflichten, Zuständigkeiten und Erfolge aufzählt
– dann die berufsqualifizierenden Abschlüsse, sowie passende Weiterbildungen, Wissensschwerpunkte und praktische Fertigkeiten angibt
– die eigene Glaubwürdigkeit über Referenzangaben erhöht
– seine Bewerbungsmotivation oder den Nutzen einer Mitarbeit für die Zielorganisation verdeutlicht
– seine eigenen Bedingungen und Erwartungen spezifiziert.
Ganz sicher brauchen Sie nicht vorzubringen, wie alt Sie sind und wie lange Sie wo verweilt, gelernt oder gearbeitet haben. Ihre Arbeit, da ist sich ein Personaler ganz sicher, kann ebenso gut von einem Jüngeren oder von einem Älteren erledigt werden. Alter ist wie Haarfarbe ein akzidentielles Attribut. Wozu im Anschreiben erwähnen?
Jobeignung ist in der Tat jetzt oder nie. Was länger zurück liegt, das ist einfach nicht mehr so relevant. Deshalb werden Sie als ausgebuffter Selbstvermarkter Ihre Leistungen keinesfalls dadurch implizit bewerten, dass Sie im Anschreiben irgendwelche Zeitmarker setzen. Wer Chronologie sucht, der wird sie im Lebenslauf und in der Bewerberstory finden.
Der Sinn Ihrer Mitarbeit liegt für einen Arbeitgeber darin, dass ihm Ihre Leistung künftig etwas einbringt. Siebenundvierzig erreicht zu haben ist keine besondere Leistung. Was haben Sie als Lerner und Schaffer erreicht und geleistet? Davon sollen Sie schreiben!
Texten Sie flott, dicht und konzentriert. Betulichkeit, Umständlichkeit und Schwerfälligkeit im Ausdruck machen Sie zum Methusalem. Das Alter heraushängen und auch noch müde zu wirken: so etwas ruiniert jedes Anschreiben.
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Neuenhagen bei Berlin, Far unfit to bear the bitter cold, im Februar 2011
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