Bewerber gehen an Anschreiben wie Anfänger an den Golfschwung: steif vor Angst und zu jeder Verrenkung bereit. Ihre fixe Idee: an den Briefanfang zu setzen, warum man sich bei einem bestimmten Unternehmen auf eine bestimmte Stelle bewirbt. Wie man auf diese Stelle aufmerksam geworden ist. Oder was einem zum Jobwechsel motiviert. Das Konzept vom Kontext, den man tunlichst herstellt, trägt aber nicht weit. Bewerber, die so ausholen, treffen es einfach nicht.
Bewerbungen wenden sich an Leute vom Fach. Das sind keine Personal-Wesen von einem anderen Stern. Ihr Leseverhalten lässt sich sehr einfach über den ICH-BIN-PERSONALER-TEST bestimmen:
Ihr Outfit ist grau. Ihre Augen sind müde. Der PC-Ventilator surrt leise. Sie sind Personaler… wir blenden uns in Ihren inneren Monolog ein: „Ich bearbeite täglich Bewerberpost und Unterlagen, darunter tolle Leistungsangebote von Jobprofis, forsche Aussagen von Initiativbewerbern, schüchterne Nachfragen um eine offene Stelle, Blindbewerbungen von Blindgängern plus jede Menge Anfragen, Zwischenfragen und Beschwerden von Jobsuchenden. Obacht! Jetzt gerade greife ich zur nächsten Mappe bzw. ich öffne die nächste Mail!“
Wie sind Sie in diesem ‚magischen Augenblick’ disponiert?
1. Zunächst soll man mir verkünden, dass man sich hiermit bewirbt, sonst lässt sich das Schreiben ja gar nicht einordnen?
( ) Ja? ( ) Nein?
2. Als erstes soll man mir sein hohes Interesse bekunden, denn einen uninteressierten Bewerber werde ich mir gar nicht erst anschauen?
( ) Ja? ( ) Nein?
3. Der Bewerber sollte sofort seine unbedingte Liebe zu unserem Haus, seine totale Identifikation mit unserer Firmen-PR und seine Freude an unseren einzigartigen Produkten gestehen.
( ) Ja? ( ) Nein?
4. Das Mindeste an Höflichkeit ist doch, dass man mir anfangs erklärt, wieso man auf unser Haus aufmerksam geworden ist.
( ) Ja? ( ) Nein?
5. Es muss einen triftigen Grund geben, weshalb man sich ausgerechnet bei uns bewirbt. Den zu erfahren, ist mir am Wichtigsten.
Ja? Nein?
6. Ich bin von Natur und Profession aus grässlich unaufmerksam. Deswegen hat man gefälligst meine Aufmerksamkeit zu erregen.
( ) Ja? ( ) Nein?
7. Ich erwarte vom Jobleben nichts mehr. Außer, dass ein Bewerber meiner Machtposition merklich Respekt erweist und am Briefanfang um mich herumscharwenzelt.
( ) Ja? ( ) Nein?
Auswertung:
Einmal JA: Sie wären kein guter Personaler.
Ab zweimal JA: Die Welt kann froh sein, dass Sie kein Personaler sind.
Personaler denken nichts Bestimmtes und sie erwarten keine Einleitung, wenn sie ein Anschreiben auswerten. Jeder Rekrutierer atmet aber auf, wenn Sie als Bewerber ohne Umschweife vorbringen, was konkret und faktisch für Sie spricht, worauf Ihre Leistungen beruhen und wie Ihre Bedingungen sind. Alles Weitere möchten Sie sich bitte schenken und den Damen und Herren aus dem Personalwesen ersparen.
zuletzt überarbeitet: Berlin, 17.2.2009
Ich schreibe für den verständigen Leser. Halten Sie bitte auch mich auf dem Laufenden: über den Jobmarkt, über Ihre Bewerbungswege, Erfahrungen, Abenteuer und Erfolge. Was vermissen Sie auf jova.nova.com? Was sehen Sie anders? Ich freue mich über Ihr Feedback!
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