Was ich kann, das können Sie brauchen: Know-how vermitteln. Selbstvertrauen aufbauen. Sie auf dem Weg zum beruflichen Erfolg begleiten.
Coole Einleitung. Habe ich damit Ihre Aufmerksamkeit geweckt? Freut mich. Jetzt muss ich nur noch Ihr Interesse festhalten und steigern. Solange, bis Ihr Wunsch etwas zu tun, auf meine Aufforderung trifft, endlich zu handeln. Solange, bis Sie mir begeistert Ihre Unterlagen einschicken. (Am besten gleich als Vollzahler. Mein kostenloser Kurzcheck ist ja bloß eine Winklerfalle. Ärzte, Automechaniker und Bewerbungshelfer finden immer etwas SCHLIMMMES, an dem sie dann stundenlang schrauben müssen.)
Meine Leser kennen meine bewährte Strategie, keinesfalls mittels irgendeines Effekts die ach so volatile Aufmerksamkeit des Personalers fangen zu wollen. Als beherzter Zur-Sache-Kommer, so schrieb ich, kann man prima Anschreiben basteln. Sie haben sich das getreulich zu Herzen genommen. Sie machten sich froh an Ihr Anschreiben. Und sie verzweifelten oft schon beim ersten Satz.
Das Augenmerk soll der Bewerber ja ganz auf sich, auf die eigene Person lenken. Doch gesundes Selbstvertrauen hin, Größenwahn her: Der scheinbar leichte Einstieg steht meist vor einem wie eine glatte Wand. Nichts, wo man auch nur ein bisschen ansetzen könnte.
Klar, die Anfangshürde kann man nehmen, indem man einen Gag lanciert:
So salopp anfangen? Ich wette, eher möchten Sie die Kaffeekasse der Kinderkrankenpflegeschule Marburg klauen.
Es gibt eine Alternative. Leser P.K. hat irgendwo eine Anleitung ausgegraben:
„Sehr geehrte,
1. Absatz: Bezug auf die ausgeschriebene Position (falls nicht im Betreff vermerkt) und Begründung für Ihr Interesse.
2. Absatz: Darstellung Ihrer fachlichen Qualifikationen im Hinblick auf das Anforderungsprofil im Stellenangebot."
Klingt dröge, aber vernünftig. Ist dennoch nicht schlau. Zumindest nach der Theorie von der Abnehmenden Größe der Felsbrocken. Kernsatz dieser Lehre für alle Veranstalter eines erfolgreichen Hinterhalts: Wenn Du jemanden konkret aus den Socken hauen willst, wirf die dicksten Brocken zuerst. (Und verschwende keine Zeit, Dein Interesse zu verkünden.)
Was Ihr Bewerbungshelfer mit diesem Gleichnis sagen will? - Na, von Anfang an kräftig klotzen:
"Sehr geehrte Frau Schafschmidt,
ich bin Leiter des Projektmanagements sowie der Klinischen Forschung Onkologie. In dieser Doppelfunktion führe ich 60 Mitarbeiter ..."
Solche umstandslosen Starter sind aber gar nicht originell, sagte mir einmal eine strenge Kritikerin. Na und? Wenn Originalität eine Einlasskarte wäre, dann stünden fast alle draußen und unsere TV-Komiker hätten sowieso das Datum verschwitzt. Originalität ist die letzte Zuflucht des Spießers. Nichts liegt näher als das Original – es ist tatsächlich ganz bei sich – und nichts liegt ferner als der Bewerber, der auf originell macht.
Lernen wir am besten vom prallen Leben und betrachten wir, wie Leser im das Problem 'Einstieg in Anschreiben‘ gelöst haben.
Ihr Einstieg:
"sind Sie an einer Mitarbeiterin interessiert, die etwas zu bieten hat und noch dazulernen möchte?"
Mein Kommentar:
Wenn ich jetzt NEIN sage?
Ihr Einstieg:
„hiermit möchte ich mich bei Ihnen über Beschäftigungsmöglichkeiten erkundigen."
Mein Kommentar:
Wissen Sie, was Selbstreferentialität ist? Den Lokus mit den Worten ich verschwinde jetzt mal auf das Örtchen aufzusuchen.
Ihr Einstieg:
„hiermit möchte ich mich für die von Ihnen gesendeten Broschüren zur Ausbildung bei … bedanken."
Mein Kommentar:
Wollten Sie danken oder sich bewerben?
Ihr Einstieg:
„Ihre Anzeige hat mein besonderes Interesse gefunden."
Mein Kommentar:
Soll der Leser jetzt vor Freude erröten?
Ihr Einstieg:
„ja, Ihre Stellenanzeige im General-Anzeiger vom … hat mein Interesse geweckt."
Mein Kommentar:
Je nach dem, wie Sie das ja aussprechen, ist es eine Unverschämtheit oder eine Kindlichkeit.
Ihr Einstieg:
"Ich beziehe mich auf Ihr Inserat vom … im .... Hiermit bewerbe ich mich als Mitarbeiter im Bereich …. Sie entnehmen meinem Lebenslauf, …"
Kein Kommentar.
(Anmerkung: Alle meine Kommentare sind nachträglich im Ton leicht gemildert.)
Liebe Leser, wir kommen zum Punkt, an dem ich Ihnen kundtun werde, wie die ideale Einleitung auszusehen hat.
Sind Sie bereit?
Nun ja. Das Anschreiben kommt ganz ohne Einleitung aus. Nach der höflichen Anrede markiert eine Leerzeile jenen Moment der Stille, in dem man den Schrei einer fallenden Stecknadel hören würde, sofern sie denn fiele. Doch alles hält still und wartet darauf zu hören, wie Sie diese Frage beantworten:
Welcher Punkt spricht am meisten dafür, mir den Job zu geben?
--
Berkeley, 27.1.99; zuletzt aktualisiert: Berlin, 25.3.2009
Ich schreibe für den verständigen Leser. Halten Sie bitte auch mich auf dem Laufenden: über den Jobmarkt, über Ihre Bewerbungswege, Erfahrungen, Abenteuer und Erfolge. Was vermissen Sie auf jova.nova.com? Was sehen Sie anders? Ich freue mich über Ihr Feedback!
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