Englisch: Wie versprochen, so gebrochen?
Reicht dem Bewerber schon ein Lippenbekenntnis zu Englisch und anderen Sprachen? Erhöhen Zertifikate und Testresultate die Jobchance? Wie viele Sprachen braucht der Mensch? Wie gut ist gut? Und wie viel besser ist verhandlungssicher?
Die kurze Antwort: Zumindest Englisch brauchen Sie zu jeder Zeit mehr, als Sie können. Und Ihre Fremdsprachfertigkeiten haben Sie als Jobsuchender mit allen Tricks zu kommunizieren.
Zwischen Ihnen und dem Job stehen zwei Sorten von Menschen: Die einen schauen gern auf Papier. Die anderen achten darauf, was Sie jetzt machen.
Bedienen Sie beim Bewerben zunächst die Zertifikatsgläubigen. Es gibt keinen Personaler, den eine kurz gehaltene, aber mit verifizierbaren Fakten gespickte Leistungsübersicht nicht zum Auswerten anregt. Verschaffen Sie dem Personaler und auch jedem Manager, der mit der Landessprache eines Auslandsmarkts nicht so sehr vertraut ist, das bisschen Vertrauen in Ihre Sprachkompetenz, das der Business-konforme Kurstitel, die feine Lernadresse, der hohe Punktestand, das Zertifikat im Siegerurkunden-Layout Ihnen verleihen. Dazu legen Sie die Nachweise Ihrer Bewerbung bei. Sie füllen vor allem die Lebenslauf-Rubrik WEITERBILDUNG nach dem Schema:
Monat.Jahr - Monat. Jahr Kurstitel, Institution (+ Rechtsform!), Ort
Zertifikat (800 Punkte)
Vor allem blinken aus eigenem Antrieb verfolgte Lernprojekte, die den Handlungsspielraum im Beruf erweitern, aus jedem Absolventenlebenslauf golden hervor. Die zweite oder dritte Sprache, die man aus freien Stücken neben den Pflichtveranstaltungen in Wirtschafts- oder Technischem Englisch erlernt, verdeutlicht, dass Sie sich selbst in die Pflicht nehmen und selbst fordern. Das erfreut jeden, der Sie in die Pflicht nehmen soll und Sie darauf abklopft, ob Sie auch seinen harten Job-Anforderungen genügen.
Führen Sie Ihre Sprachtrainings zu einem zertifizierten Abschluss: auf der sicheren Seite sind Sie zum Beispiel mit dem TOEFL Test of English as a Foreign Language, dem TFI Test de Francais International, den DELE Diplomas Oficiales de Español como Lengua Extranjera, den Japanese Proficiency Tests, den telc Europäische Sprachzertifikate für Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, dem Cambridge Business English Certificate (BEC), den Qualifizierungen der London Chamber of Commerce and Industry (LCCI).
Den TOEIC Test of English for International Communication setzen Unternehmen bereits zur internen Kontrolle von Lernleistungen ihrer Mitarbeiter ein. Ausländische Firmen, internationalen Organisationen verlangen häufig das erfolgreiche Bestehen als Nachweis der Einsetzbarkeit in einem anderen Land. Firmen, die ihre Mitarbeiter entwickeln, haben auch ein Bildungscontrolling. Die Personalfachleute dort wissen um den Wert qualifizierter Nachweise. Erwähnen Sie später im Jobinterview, dass Sie nicht nur beim Sprachenlernen valide und reliable Ergebnisse liefern.
Für den englischkundigen Berufsstarter gilt:
Schön, wenn Sie im institutionellen Rahmen erworbene Kenntnisse im Lebenslauf notieren.
Noch besser, wenn die Schulen und Lerneinrichtungen der Industrie bekannt, die Abschlüsse anerkannt sind.
Sehr clever und für Personaler in Konzern und Mittelstand beruhigend, wenn Sie ein Sprachzertifikat vorlegen.
Im Lebenslauf notieren Sie Ihre Lernanstrengungen nicht nur unter WEITERBILDUNG, Sie bewerten Ihr Englisch, Französisch … Mandarin auch unter der Rubrik KENNTNISSE. Verhandlungssicher ist ein Äquivalent für perfekt - ohne mehrmonatige Job- oder Projekterfahrung im Ausland kommen Sie nicht dahin. In Wort und Schrift meint sicher, flüssig und fehlerfrei, egal ob Sie präsentieren, mailen, telefonieren oder mit dem Kollegen aus Liverpool die Ente von Lehel versenken. Gute Kenntnisse haben Sie, wenn Sie wohl fleißig gelernt, aber nicht länger aus Deutschland herausgekommen bzw. nicht in die beruflich veranlasste Kommunikation hineingekommen sind. Ausbaufähige Grundkenntnisse oder Schulkenntnisse signalisiert, dass man’s nicht kann, aber bereit ist zu büffeln, sofern es der Arbeitgeber verlangt. Fachsprachensicher hieß früher, dass man die fachliche Diskussion verfolgen konnte - heutzutage haben Sie mitzureden.
Das fein ausdifferenzierte Raster zur Selbsteinschätzung des Sprachvermögens in der Lebenslauf-Vorlage der Europäischen Union beweist, dass man es mit dezidierter Lebens-, Wirtschafts- und Praxisferne immerhin zu einem Formulargestalter unter EU-Flagge bringen kann. (Den ganzen EU-Lebenslauf findet man entweder hanebüchen oder man hat einen Job als Umstandskrämer.)
Die Qualität Ihrer Sprachkenntnisse vermerken Sie auch im Anschreiben. Dass Sie in Ihren Lern- und Arbeitsphasen in London, Paris oder Madrid Ihr Englisch vertieft und poliert haben, brauchen Sie nicht gesondert anzumerken. Sie ziehen im Anschreiben niemals Schlussfolgerungen, die auf der Hand liegen.
Man kann es nicht oft genug wiederholen: Wenn Englisch im Job verlangt wird, haben Sie Englisch im Jobinterview zu liefern. Manager steigen von einem Satz zum anderen in die geforderte Zielsprache um - wenn sie nicht von Anfang an das Gespräch in ihr geführt haben. Rüsten Sie sich ernsthaft dafür, die Sprachenwechsler zu bedienen. Geht es also um Positionen, bei denen die Sprachkompetenz mit entscheidet, dann polieren Sie Ihre Fremdsprache(n). Falls Ihre Interviewer Sie nicht zumindest zeitweise in der Geschäfts- oder Einsatzsprache auf Ihre Tauglichkeit abklopfen, werden Sie häufig durch einen Sprachtest gejagt.
Ihr Studium ist so gesehen ein mehrjähriges Übungsfeld, um sich in freier Rede, sachbezogener Diskussion und im schriftlichen Ausdruck zu perfektionieren. Falls Sie erst kurz vor dem Jobinterview dazu kommen: Erarbeiten Sie in der Zielsprache Ihre Bewerberstory, das heißt Ihren bisherigen Werdegang. Bereiten Sie sich darauf vor, über Ihr Studium, Ihre praktischen Einsätze, die Organisation und vor allem über die anstehenden Aufgaben zu sprechen. Dazu brauchen Sie einen Sparringspartner, der Sie zudem mit den Standard-Interviewfragen löchert.
Am besten für Sie, Sie haben im Ausland gelernt und gearbeitet. Job ist Praxis. Sprache ist Praxis. Verknüpfen Sie Job und Sprache mit dem Auslandspraktikum. Jeder Auslandsjob, jedes Auslandssemester, jedes Forschungsaufenthalt, auch die längere Bildungsreise weisen im Lebenslauf darauf hin, dass Sie da draußen waren und sich durchgeschlagen haben. Und genau das brauchen Sie im Beruf.
Für den Karriere-Starter im internationalen Banken- und Finanzsektor erübrigt sich ein Englisch-Nachweis durch das Studium an einer englischsprachigen Elite-Universität und den korrelierenden, internationalen Erste-Klasse-Praktika. Kommen Sie nicht vom richtigen Ort, ist es egal, wie sprachfertig Sie anklopfen - Sie sind für den Personaler einfach falsch etikettiert.
Falls man sichere Sprachkenntnisse verlangt, sie im Job aber nicht abruft, tun Sie bitte alles, um sich auf dem Stand zu halten. Als Ihr Bewerbungshelfer weiß ich: Der nächste Wechsel kommt bestimmt.
Text zuletzt überarbeitet: Berlin, 17.02.2009.
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