„Was tun, wenn Arbeitgeber nicht so professionell auftreten, wie die Bewerber? Ihre Tipps haben mich bis ins Vorstellungsgespräch gebracht. Das Gespräch lief jedoch nicht wie erwartet, weil man nicht "nach Plan" gefragt hat. Vier Personen, die kein erkennbar geübtes Gesprächsverhalten an den Tag legten! Es ging sofort in medias res: "Erzählen Sie mal, wer Sie sind, wo Sie herkommen und wie Sie auf diese Wahnsinnsidee kamen, sich hier zu bewerben!" Und so immer weiter, meistens drei Fragen in einer. Darauf war ich leider nicht vorbereitet. Ich sprach dann doch mehr ins Blaue, auch wenn ich Antworten auf die einzelnen Fragen parat gehabt hätte." (Sarah P.)
– Auf ein vielstimmiges, planloses, wüstes Fragenkonzert kann man sich kaum vorbereiten. Allerdings können Sie sich selbst beim nächsten Zusammenstoß mit einer Chaostruppe etwas abverlangen, was jeder Vorbereitung zunächst Hohn spricht: Auf der Stelle zu improvisieren.
Lassen Sie mich das als Empfehlung formulieren:
Vergessen Sie dabei nicht das Ziel. Ungesteuert und planlos heißt nicht automatisch heillos. Sie sind in eine Situation geraten, wo man (anscheinend) auf Abläufe und Regeln pfeift und wo man (wie Sie es sehen) spontan vorgeht. Es braucht nicht unbedingt einen Plan, damit ein Gespräch Methode hat. Sie brauchen sich auch nicht um die geheimen Absichten der Verhandlungspartner zu kümmern. Stellen Sie sich auf die offensichtlichen ein. Vergessen Sie vor allem Ihren eigenen Ablaufplan, wenn es nicht nach Plan läuft. Ihr Gesprächsmotto lautet in der Gesprächskrise: Nichts läuft nach Plan? Dann feuere ich aus allen Rohren!
– "Erzählen Sie mal, wer Sie sie sind, wo Sie herkommen und wie Sie auf diese Wahnsinnsidee kamen, sich hier zu bewerben!"
– "Das ist eine lange Frage, die ich kurz beantworten will: Ich bin Derivate-Spezialistin, komme von der Dresdner Kleinlaut Ltd. und ich hoffe, Sie brauchen mich schon deshalb, weil ich klare Antworten auf komplexe Fragen geben kann."
Orientieren Sie sich in Ihrem Verhalten an Personen, die von Berufs wegen oft durch ein Fragefeuer von Interessenten, Kunden, Medienleuten, Anhängern oder Gegnern gehen:
Sie wollten doch sowieso über den Job reden. Über das, was Sie zum Job besonders befähigt. Über die Konditionen und Perspektiven. – Eben das ist ja Ihr Job im Jobinterview. Alle Fragen, mit denen man Sie konfrontiert, sind bloße Anlässe, um Rekrutierer gesprächsweise dazu zu bringen, dass sie Ihre Sicht der Dinge so weit wie möglich übernehmen. Auf ihrer Agenda steht: So geht der Job. So werde ich ihn machen. Das werden Sie davon haben. Das werde ich dazu brauchen.
Schon mit den richtigen Inhalten und dem Gehalt Ihrer Rede werden Sie auch ein unstrukturiertes Gespräch subtil steuern. Als Selbstvermarkterin hat Ihnen klar zu sein: Von einem erfolgreichen Auswahlgespräch bleiben am Ende die Antworten übrig und nicht die Fragen.
Berlin, 20.5.2009.
Ich schreibe für den verständigen Leser. Halten Sie bitte auch mich auf dem Laufenden: über den Jobmarkt, über Ihre Bewerbungswege, Erfahrungen, Abenteuer und Erfolge. Was vermissen Sie auf jova.nova.com? Was sehen Sie anders? Ich freue mich über Ihr Feedback!
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