"Die Gelegenheit nutzen"
Wenn man als Absolvent noch nicht so viel Berufserfahrung aufzuweisen hat, kann man da wohl kaum in Bedrängnis kommen. Gemäß dem Lebenslauf und den Zeugnissen sollte man seine beruflichen Stationen und erworbene Fähigkeiten und Kenntnisse ins rechte Licht rücken. Prinzipiell sollte man bei seinen Ausführungen jedoch die für diese Stelle besonders relevanten Qualifikationen entsprechend ausführen, weniger relevante berufliche Ereignisse nur anreißen, nicht ins "Geschwalle und Geschwärme" über besonders tolle Erfahrungen verfallen, sondern sachlich darstellen. Vor allem nicht dabei auf die Uhr sehen („wann sind die 10 Minuten endlich um?"), sondern diese Gelegenheit dafür nutzen, sich selbst und seine Qualifikationen zu empfehlen.
[Anja Rösler]
"Vorbereitung essentiell"
Ich selbst frage so - vor allem dann, wenn mir im Lebenslauf Lücken, Wechsel o. ä. aufgefallen sind und wenn ich gleichzeitig etwas über die Ausdrucksfähigkeit einer Person herausfinden will.
Kann er/sie sich gut darstellen?
Hat er/sie sich wirklich Gedanken gemacht, wie er/sie mir im Vorstellungsgepräch gegenübertritt?
Hat sich der Bewerber/die Bewerberin auf den Termin vorbereitet?
Ist ihm/ihr die Stelle wichtig, was tut er/sie dafür, um sie zu bekommen? (Ich halte eine gute Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch für eine Investition in die eigene berufliche Zukunft.)
Oder verliert er/sie sich in Phrasen, Gemeinplätzen, fängt an zu plaudern? (Für mich bedeutet das häufig, dass sich ein/e Kandidat/in über die Bedeutung des persönlichen Kennenlernens keine Gedanken gemacht hat.
Werden Zeitvorgaben eingehalten? (nicht auf die Sekunde genau, das verlangt ja keiner. Nur ein kleiner Tipp: So etwas kann man auch lernen - und man muss es üben).
Ich weiß, dass diese Frage häufig auf Missfallen trifft. Man ist eh nervös, und muss unter diesem Druck (der durch die Zeitvorgabe und dadurch, dass man ja weiß, dass man von seinem Gegenüber genau beobachtet wird, noch verstärkt wird), auch noch derartige Fragen beantworten. Nicht einfach das Ganze.
Viele haben auch das Problem, dass sie sich, ihr Können und ihre Leistung, im besten Licht darstellen sollen/wollen, sich anpreisen müssen. Im Endeffekt gleicht ein Vorstellungsgespräch einem Verkaufsgespräch. Damit haben viele Schwierigkeiten. Vor allem Frauen fällt es schwer, ihre Leistungen hervorzuheben, auf eigene Erfolge hinzuweisen. Um zumindest den Werdegang richtig darzustellen, empfehle ich, sich den Lebenslauf sehr gut einzuprägen. Man bringt sonst zu leicht auch Zeiten oder Jobs durcheinander.
So etwas macht selbstverständlich keinen guten Eindruck.
Auch sollte man sich vor dem Gesprächstermin genau überlegen, wie man Lücken im Lebenslauf, Zeiten der Arbeitslosigkeit, häufige Wechsel etc. begründen kann, damit sie im Endeffekt eher positiv erscheinen (soweit das im Rahmen der Glaubwürdigkeit möglich ist).
[Gabi Zimmermann]
"Präsentation braucht Übung"
Kein Problem mit dieser Frage? Haben Sie aber doch. Sie denken nämlich, dass Sie schon wissen, was Sie auf Anfrage schildern. Und dass es reicht zu wissen. Das tut es aber nicht.
Sie müssen es nicht bloß wissen, sondern es auch können. Das erreichen Sie nur durch Einüben. Dagegen revoltiert jetzt bestimmt Ihr Ehrgefühl. Welches da meint: Einüben heißt schauspielern heißt sich verstellen, pfui Teufel! Wenn Sie schon mehrmals täglich Ihre Seele verkaufen, möchten Sie doch wenigstens beim Jobinterview authentisch auftreten.
Verstehe ich voll. Deutsche machen sich immer so gründlich Gedanken. Dann brauchen wir Denker ja auch nicht zu handeln. Handeln heißt in diesem Zusammenhang: Sachverhalte in einem zeitlichen Rahmen vor einem genau bestimmbaren Publikum zu präsentieren. Gibt’s da was zu problematisieren? Mit jeder Antwort außer NEIN! liegen Sie falsch. Aber es gibt etwas zu erlernen. Trainieren Sie mit dem Coach Ihres Vertrauens (Genau dafür sind Freunde, Partner nämlich da! Zum Üben!).
Proben heißt n i c h t Einstudieren im Sinne von Auswendiglernen. Sie sind kein Schauspieler, haben kein vorgeschriebenes Skript. Ihre Aufgabe: Informationen zu liefern. Seien Sie froh, dass Sie einen Soloauftritt haben. Da pfuscht Ihnen keiner ins Handwerk – außer … Schauen Sie doch nicht so misstrauisch. Üben Sie lieber mal fleißig!
[Gerhard Winkler]
"Keine Fallstricke"
Ich sehe in dieser Frage keinen tieferen Hintergrund seitens des Fragestellers. Wahrscheinlich soll dieser Hinweis einen Zeitrahmen, den der Fragesteller sich selbst gegeben hat, unterstützen. Nicht alle Fragen im Interview sind hintergründig. Die zehn Minuten sollten allerdings nicht wesentlich überschritten werden (Schwätzer). Wer sich knapper hält, liegt dann aber nicht so falsch. Wer aber in zwei Minuten fertig ist, hat nichts zu bieten.
Letztlich ist ein Zeitrahmen von zehn Minuten für die Selbstdarstellung seines beruflichen Werdeganges in einem Vorstellungsgespräch nicht ungewöhnlich (10-20 Minuten).
[Michael Altieri]
"Roter Faden"
In fast jedem Vorstellungsgespräch gibt es seltsame Fragen. Dazu gehört diese: Können Sie in zehn Minuten Ihren beruflichen Werdegang schildern? - Warum nicht!
Der Zeitfaktor scheint hier eine wichtige Rolle zu spielen. Am besten auf das Wesentliche konzentrieren. Schule, Studium, Berufsausbildung kurz beschreiben., Berufserfahrungen aufzählen und kurz erläutern, warum diese Stationen auf dem aufsteigenden Weg wichtig waren, der dazu führte, dass man als der perfekte Bewerber heute hier sitzt.
Ein roter Faden im Lebensweg zeichnet Traumkandidaten aus. Eine Begründung in wenigen Sätzen, warum man diesen und nicht jenen Weg eingeschlagen hat, kommt immer gut an.
Die Tatsache, dass man vielleicht erst viele Jahre später versteht, warum man dieses oder jenes gemacht hat, geht niemanden etwas an.
Für diesen Interviewpunkt die Devise: Präzise, kurz und folgerichtig
[Dr. Johanna Holldack]
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Text zuletzt überarbeitet: Berlin, 22.02.2009.
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