Frage: Letztlich wurde ich völlig überraschend von einem Personalleiter angerufen, in dessen Betrieb ich mich beworben hatte. Muss man grundsätzlich mit solcher Kontaktaufnahme rechnen und wie kann man sich dafür präparieren?
Gerhard Winkler:
Sie haben Ihre Leistungsdaten an einen Jobanbieter übermittelt. Dieser hat wie erhofft reagiert und den Gesprächsfaden aufgenommen. Glückwunsch! Nicht jeder Vermarktungsversuch klappt auf Anhieb so gut.
Ganz gleich, ob man es aus der Sicht des Stellenanbieters oder des Bewerbers betrachtet: Rekrutierungsverfahren verlaufen Schritt für Schritt und regelgeleitet. Erwarten Sie aber nicht, dass dies im Rahmen einer graduellen Annäherung geschieht, bei der man sich peu à peu aus der Sicherheit des Schriftverkehrs in die Zumutungen des direkten Austausches bewegt. Sie legten ein Angebot vor. Wie man reagiert, ist allein Sache des Jobanbieters. Das direkte Gespräch wird man als aktiver Selbstvermarkter sogar immer vorab suchen oder zumindest bewusst anregen. Ihr Anschreiben schließen Sie also mit einer herzhaften Aufforderung: „Ich freue mich über Ihren Anruf oder Ihre Mail!"
Hat es bei Ihnen geläutet? Falls Sie nicht abheben konnten oder wollten, dann haben Sie zumindest den Anrufbeantworter aktiviert. Für den gesamten Zeitraum der aktuellen Jobsuche halten Sie Ihre Begrüßungsbotschaft sachlich neutral. Falls Sie sich in die Welt hinaus oder bei einer Weltfirma bewerben, ist ihr Text natürlich auf Englisch.
Melden Sie sich immer innerhalb von Stunden! Falls tagsüber ein Familienmitglied oder ein freundlicher Mitbewohner die für Sie bestimmten Anrufe entgegennimmt, dann üben Sie das ein oder stellen zumindest klar, was zu tun ist: Den Namen des Anrufers erfragen, den Namen der Organisation notieren und sich immer auch die Rückrufnummer geben lassen! Anrufer verpassen, Anrufe vermasseln: das ist besonders ärgerlich, wenn man mit einer arbeitsintensiven schriftlichen Präsentation schon die Grundlage für ein gutes Gespräch vorbereitet hat. Sollten Sie sich auf ein Telefonat einlassen, ohne die Erfordernisse der Stelle und Ihre eigene Bewerber-Argumentation im Kopf zu haben, werden Sie wohl eher ins Schwimmen geraten als richtig ins Gespräch zu kommen und am Ende vielleicht ruhmlos untergehen.
Im Kopf haben Sie deshalb immer Ihren Job-Claim, den Sie ja auch sonst auf Zuruf spontan artikulieren können. Den eigenen Jobanspruch präzise in Worte zu fassen, zählt zu den Aufgaben, die das Berufsleben einem immer wieder stellt. Ihre Bewerbung auf eine Stelle bedeutet, dass Sie diesen Job-Claim mit einer Zielposition verknüpfen und Ihren Anspruch argumentativ untermauern. Ihr Arsenal an Argumenten steckt vollständig im Lebenslauf. Das Anschreiben ist davon nur eine in wohlgeformte Sätze verpackte Auswahl. Im Telefonat oder im persönlichen Gespräch legen Sie die Fakten erneut auf den Tisch.
Wie sinnvoll, dass Sie einen Ausdruck der Offerte, Ihres Anschreibens und Ihres Lebenslaufs auf dem Telefontisch parat halten. Auch Ihre Antworten auf die Standardfragen haben Sie längst schon im Kopf. Und wenn Sie die Kerndaten von laufenden Bewerbungen in einer Kladde notieren, kann Sie auch unterwegs kein plötzlicher Personaler-Anruf mehr schocken.
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Zuerst erschienen: arbeitsmarkt BILDUNG | KULTUR | SOZIALWESEN Heft 41|2010 (www.wilabonn.de/arbeitsmarkt)
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