
Sie kommen, sehen, und wundern sich …
Veni, vidi, vici, das ideale Motto für den Lebenslauf von Siegertypen, stammt von Herrn Caesar, der Ihnen vielleicht nicht so sehr bekannt ist, da er noch vor dem Siegeszug des Privatfernsehens gelebt und gewirkt hat. Die klassische Überschrift C U R R I C U L U M V I T A E, von Thomas Hoffmann einst kongenial übersetzt mit Das Leben ist eine Currywurst, ziert den aktuellen Lebenslauf eines Machertypen, der seinen biographischen Daten mit einer prominent auf Seite 1 plazierten Selbsteinschätzung die Krone aufsetzen will. Seine Selbstaussage lautet:
Profilbeschreibung:
Eine selbstständige, dynamische und vielseitige Persönlichkeit mit überdurchschnittlichem Engagement und einer positiven Einstellung. Umfassende Erfahrungen in Qualitätssicherung, Regelgebung und Logistik.
Gute kommunikative Fähigkeiten, sehr kundenorientiert, Organisationstalent, kreativ und zielorientiertes Handeln.
Ergänzen Sie diese Würdigung mit vertiefte Kenntnisse des Prekariats, und Sie haben das Porträt eines Berliner Busfahrers. Ersetzen Sie Qualitätssicherung, Regelgebung und Logistik durch Ihre ureigenen Wirkungsbereiche, und Sie finden sich weitgehend selbst.
Qualitäten sind Etiketten. Jede Individualität, alle Persönlichkeit verschwindet unter diesen Billig-Aufklebern. Wer sein Selbstbild dermaßen aufbrezelt, spiegelt nicht den idealen Bewerber, so wie ihn sich der Personaler wünscht. Der beste Mitarbeiter behauptet nicht zu sein, er macht sichtbar, wer er ist.
Beachten Sie bitte, dass es unabhängig vom Was-bin-ich-Talk der ganzen Personaler-, Psychologen- und Beraterbranche bei der beruflichen Selbstvermarktung nicht darauf ankommt, durch Ego-Statements zu glänzen. Sie präsentieren Ihre Leistungsbilanz und lassen andere aus der Datenlage, dem Faktenbestand und natürlich auch aus Ihrem Kontakt-, Präsentations- und Redverhalten auf Ihre Stärken schließen.
Für Sie spricht in der schriftlichen Präsentation ausschließlich, was Sie bislang getan, gelernt und geleistet haben. Selbstbeschreibungen, übrigens auch die der Unternehmen in Stellenofferten, haben einen dermaßen hohen Feuchtwischfaktor, dass der Text auch nach Tagen nicht trocknen will. Wenn Sie so sehr den Hang zur Selbsttypisierung verspüren, warum schreiben Sie dann nicht gleich:
Aufgeschrecktes Huhn, blind vor Angst und Loyalität, an Bodenhaltung gewöhnt, sucht neuen Wirkungskreis.
Das garantiert Ihnen echte Aufmerksamkeit.
Bewerber finden das Bewerben mühsam, weil Selbstbewertungen seltsam sind. Dabei ist Bewerben so einfach: Sie sind ein Anwalt in eigener Sache. Konzentrieren Sie sich auf die Beweisführung. Wie man das Vorgetragene dann würdigt und einordnet, das gehört zur Kernkompetenz der Rekrutierer.
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11.11.2008; zuletzt aktualisiert: Berlin, 14.2.2009
Ich schreibe für den verständigen Leser. Halten Sie bitte auch mich auf dem Laufenden: über den Jobmarkt, über Ihre Bewerbungswege, Erfahrungen, Abenteuer und Erfolge. Was vermissen Sie auf jova.nova.com? Was sehen Sie anders? Ich freue mich über Ihr Feedback!
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