Wurden Sie schon einmal von der Information überrascht, dass sich ausgerechnet in Ihrem Betrieb eine neue, attraktive Jobchance für Sie eröffnet? – Dann haben Sie am Arbeitsplatz geschlafen.
Heben Sie ihre Nase in den Wind und schwören Sie sich darauf ein, so wie alle anderen die internen Stellenausschreibungen anzusehen. Sie wollten doch im Berufsleben weiter kommen. Da darf Sie eine sich plötzlich ergebende Karrieregelegenheit beim Arbeitgeber nicht unvorbereitet treffen.
Raum ist in der kleinsten Hütte, aber jeder Aufstiegsgedanke braucht zu seiner Realisierung ausreichend Platz. Ihr aktueller Standort im Organisationsgefüge eines Unternehmen ist Ihnen bewusst. Je ausgedehnter das Organigramm, desto mehr Raum haben Sie, um sich zu entwickeln.
Lächelt die Personalleitung inniglich-versonnen, sofern man das Thema Nachwuchspflege anschneidet, so befindet man sich als Einsteiger mit hohem Potential keinesfalls auf dem falschen Dampfer. Jede Organisation, die langfristig denkt, setzt auch auf interne Besetzungsverfahren und bereitet die besonders Befähigten auf Fach- und Führungsaufgaben vor. Gut für Sie, wenn Sie und Ihre Kollegen von einer Kultur der Förderung, der Anerkennung und der Pflege des eigenen Talent-Pools profitieren können. Als ein hellsichtiger Mitarbeiter brauchen Sie jedenfalls nicht allzu lange, um festzustellen, ob die Aussichten, sich innerhalb der eigenen Organisation zu verändern, auf Dauer trübe sind.
Manche leicht angegrauten Mitarbeiter spekulieren darüber, wann ihr Boss beim Drachensegeln für immer oben bleibt, beim Wandern vom Weg abkommt oder beim Mauscheln über die eigenen Füße stolpert. Vielleicht ist ein innerbetrieblicher Aufstieg überhaupt nur in dem Fall möglich, dass Ihr direkter Vorgesetzter aus irgendeinem Grund seinen Platz räumt. Machen Sie sich nicht zu große Hoffnungen. Gern stellt man dann einen neuen Manager ein, denn Sie werden ja wie bisher gebraucht, um die Arbeit zu besorgen. Angezweifelt wird auch oft, nicht zuletzt vom Kandidaten selbst, ob man sich den Respekt der Kollegen auch in der neuen Stellung bewahren wird.
Innerbetriebliche Karriere braucht Gelegenheiten, die sich öfter als nur alle paar Jubeljahre bieten sowie ein ermutigendes Klima. Und jeder braucht zum Aufsteigen mehr als nur einen Steigbügelhalter. Karriere startet dann, wenn andere, Größere, auf einen setzen.
Kann der eigene Vorgesetzte ein Unterstützer sein? Wir leben nicht in der besten aller Jobwelten, wo sich erfahrene Vorgesetzte engelhaft um das Weiterkommen ihrer befähigten Mitarbeiter bemühen. Sprechen Sie jedoch dann offen mit Ihrem Boss, wenn er von sich aus ehrlich mit Ihnen spricht und wenn er sich als ein echter Mentor erweist.
Sie wollen vielleicht deshalb wechseln, weil etwas nicht stimmt. Sie leiden zum Beispiel unter Boss-Konflikten, Arbeitsfrust, Kollegenknatsch, echtem oder gefühltem Mobbing und vermutlich fühlen Sie sich außerdem massiv unterbezahlt. In diesen Fällen nehmen Sie bei der Versetzung ziemlich sicher Ihre alten Probleme mit. Und Sie bekommen dazu ein paar neue. Mancher ist gut beraten, sein eigenes Handicap zunächst an Ort und Stelle zu verbessern, bevor man sich auf einen unbekannten Meisterschaftsplatz begibt.
Interne Besetzungsverfahren laufen in größeren Organisationen regelgeleitet ab. Der Betriebsrat hat mehr als ein Wort zu sagen und man hat meist auch Vorsorge getroffen, dass ein offen angemeldeter Versetzungswunsch das Verhältnis zu Vorgesetzten nicht mehr belastet als unumgänglich. Glauben Sie also, wenn es Sie entlastet, an die Macht der geheimen Absprachen, an Klüngelei und Vetternwirtschaft. Handeln Sie aber stets in Kenntnis der innerbetrieblichen Prozeduren. Befolgen Sie die vorgeschriebenen Abläufe und unterwerfen Sie sich den Anweisungen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie wenig Mitarbeiter auf die Idee kommen, einfach nachzufragen, wie etwas von statten geht. Noch bedenklicher ist, dass mancher zum eigenen Betriebsrat Distanz hält. Jeder Betriebsrat hat ein genuines Interesse daran, die Mannschaftstalente nach Kräften zu fördern.
Sie sind im Betrieb integriert, wenn Sie von mancher Offerte hören, bevor sie am Schwarzen Brett oder im Intranet auftaucht.
Sie kommen besser ins Rennen, wenn Sie interne Stellenausschreibungen aufmerksam mitverfolgen und sich aktiv für das Geschick der Organisation interessieren.
Sie machen es richtig, wenn Sie Ihren Boss nicht über eine Teilnahme an einer internen Ausschreibung informieren. In vielen Unternehmen schreiben es interne Verhaltensregeln sogar fest, dass ein Vorgesetzter erst von der Person im Unternehmen in Kenntnis gesetzt wird, bei der man sich vorgestellt hat. Dann hat er sie auch innerhalb einer definierten Frist auch freizugeben.
Sie dürfen sicher sein, dass der Gesprächspartner in der Zielabteilung Ihre Personalakte kennt und Ihren Bewerbungsbogen in der Hand hatte. Sie können ebenso sicher sein, dass die eigentlich unnötige Bewerber-Combo aus Anschreiben und Lebenslauf Ihren Jobclaim deutlich aufwertet.
Sie können einem neuen Vorgesetzten vertrauen, dass er zu gegebener Zeit Ihren aktuellen Boss informiert und mit ihm den Wechsel abklärt. Handeln Sie auch im Bewusstsein Ihrer grandiosen Unersetzbarkeit nicht über-aktiv. Zum Überlebenswissen eines Mitarbeiters gehört, wann er die Dinge laufen lässt.
Zu den besten Mitarbeitertugenden zählt es, einen aufgeräumten Schreibtisch zu hinterlassen, die Dinge geordnet zu übergeben und vielleicht sogar den eigenen Nachfolger aufgebaut und in Stellung gebracht zu haben.
Falls Ihr Arbeitgeber einen Einstellungsstopp, einen Versetzungsstopp und einen Head-Count-Freeze deklariert hat, ist dies eine enorm wichtige Phase, um sich für die nächste Wachstums- oder Erneuerungsphase in eine günstige Ausgangsposition zu bringen. Jeder Sturm hat einen Ausgang und dort, am Ende der Krise, sollten Sie sich auch dann schon visualisieren können, wenn Sie voll damit beschäftigt sind, sich nicht von Bord spülen zu lassen.
Mein Beispiel für einen internen Bewerbungsbogen finden Sie hier: Bewerbungsbogen WinklerWerke.
Beachten Sie bitte:
Mit dem Bewerbungsbogen liefern Sie einen Satz an Daten. Bewerbungsbögen decken alle möglichen Bewerbungsfälle ab. Sie eignen sich nicht besonders gut, ein individuelles Leistungsprofil aufzubauen und zu präsentieren. Mit dem Bewerbungsbogen genügen Sie einer Informationspflicht. Mit dem Lebenslauf präsentieren Sie Ihr unverwechselbares Leistungsangebot.
Auch wenn Sie im Bewerbungsblatt den Grund angeben, weshalb Sie sich innerbetrieblich verändern wollen: Ihren Jobclaim melden Sie am besten mit einem Anschreiben an. Geben Sie ein zielgenaues Anschreiben auch dann mit ab, wenn man es nicht haben möchte. Es gibt kein besseres Mittel, um kurz und bündig vorzutragen, was einen für eine Aufgabe in besonderem Maß befähigt!
Übertragen Sie aus Ihrem Lebenslauf die entsprechenden Daten in die Abfragefelder des Bogens. Packen Sie hinein, was geht, doch kürzen oder streichen Sie Angaben, die länger zurück liegen und kaum Erkenntniswert in Bezug auf Ihre aktuelle Eignung haben.
Stärken Sie Ihren Jobclaim, indem Sie Ihre derzeitigen Aufgaben, Zuständigkeiten, besonderen Leistungen, Projektteilnahmen, Erfolge, Verdienste getreulich und ausführlich notieren.
Handeln Sie den Bewerbungsgrund nicht allgemein und unpersönlich ab. Keine Floskeln à la „möchte ich mich weiterentwickeln“, „neuer Herausforderung stellen“, „mehr Verantwortung übernehmen“! Notieren Sie, was Sie und das Unternehmen genau davon haben! Schreiben Sie, was Sie konkret machen und tun wollen und weshalb es Sie und den Betrieb weiter bringt. Mit einem Wort: Zeigen Sie den konkreten Nutzen auf!
Berlin, 28. September 2009
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