Der knackige Lebenslauf ist das zweite Gericht, das man sich nach Ihrem gelungenen Appetizer vornimmt. Ihr Bewerbungs- oder Motivationsschreiben hat in Form einer kurzen Rede in Ihre vorzügliche Jobeignung eingeführt. Diesen Vortrag spickten Sie mit harten Fakten. Und eben die verbraten Sie auch im zeitlichen Zusammenhang Ihrer Vita.
Sie hatten ja in Ihrer Zauberküche zuerst einen Lebenslauf aus den natürlichen Ingredienzien des Erfolgs gemixt und Ihre Daten appetitlich angerichtet. Derweil Ihr tabellarischer Lebenslauf ruhte, haben Sie aus denselben Zutaten Ihr Anschreiben fabriziert.
In einer Mail- oder Papierbewerbung tendiert der erste Blick zum Anschreiben. Wie man das als Personaler so hält, ohne große Vorfreude. Die Bewerberschar liefert nun mal sprachliches Fast Food. Um dies zu bestätigen, braucht man keinen Starkritiker zu fragen. Im Angebot dominieren matschige Fritten, triefende Döner und die günstige Combo aus der Bewerbung footlong plus ein 0,5l Soft Skills-Mischgetränk. Gut, ich übertreibe. Manche Absolventin der Kulturwissenschaften bäckt auch betonharte Vollwert-Bewerbungsplätzchen.
Bei Ihnen las man sich wider Erwarten fest: Es schmeckte einfach zu gut, was Sie da aufgetischt haben. Sie schlugen mit dem Anschreiben einen Akkord an, der im Human Resources-Gourmet etwas ausgelöst hat: Er schmeckte erste grundsolide Projekt- und Teamaufgaben, eingebettet in einen frischen Ton an Lernleistungen und gewürzt mit jener besonderen Note an Namen, Orten, Zahlen und Fakten des geschäftlichen Erfolgs, die jedem Kenner zu verstehen geben: Hier gelangt Substantielles zur Reife.
Jetzt greift der Rekrutierer angeregt zum tabellarischen Lebenslauf. Wie der komponiert ist, das entscheidet weder die Personalwirtschaft noch eine intereuropäische Referentengruppe noch irgendein Vorlagen-Designer. Sie allein bestimmen das. Wie Sie den CV aufbauen, ist ganz allein Ihre Sache. Auch wie lang er wird, das bestimmen Sie selbst – solange er nur drei Seiten nicht überschreitet.
Personaler leiden wie alle Office-Arbeiter an der permanenten Info-Überladung. Gerade der Lebenslauf zeigt, ob man einen Entscheidungsträger bei seinem Job der Sichtung und Bewertung wirkungsvoll unterstützt. Gestatten Sie mir die klaren Worte: Rekrutierer sind übersättigte Feinschmecker mit einem gereizten Magen. Was Sie da kochen, wie Sie es auftischen, das will überlegt sein.
Der Lebenslauf ist das zweite Kernstück Ihrer Präsentation. Ab dem letzten Schulabschluss verzeichnen Sie monatsgenau Ihre Stationen. Und die notieren Sie in Stichworten, ohne jede Erläuterung oder Erklärung. Je näher diese Einträge an der Gegenwart liegen, desto mehr heben Sie sie allein durch ihre Datenmenge hervor. Wichtiges bekommt mehr Raum. Logisch, dass das Aktuelle auch das Bedeutsamere ist, denn was man vor fünf oder fünfzehn Jahren gemacht hat, das möchte ein Personaler nicht mehr so detailgenau wissen.
Das erste Drittel der ersten Seite gehört den PERSÖNLICHEN DATEN und der ANGESTREBTEN POSITION. Streichen Sie die Überschrift LEBENSLAUF oder gar das altkatholische Curriculum Vitae in Sperrschrift. Wir sind nicht im Kindergarten. Die ANGESTREBTE POSITION entspricht dem Betreff des Anschreibens. Sie wissen, ich setze da einfach nur die Jobbezeichnung. Beispiel IT-Systemadministrator oder Mitarbeiterin im Vertrieb.
Da das Auge zuerst die Infos im ersten Seitendrittels erfasst, steht in Anschreiben wie im Lebenslauf die wichtigste Information dort, wo man die harten Fakten vermutet. Sie richten sich auf die Erwartung des Bearbeiters aus, umstandslos informiert zu werden.
Was ist vom Standpunkt des Auswerters aus der wichtigste Datenbestand?
Die dritte Rubrik von oben heißt also je nach dem AUSBILDUNG, BERUFLICHE PRAXIS oder KENNTNISSE & FÄHIGKEITEN. Der Aufbau Ihres Lebenslaufs hängt ganz allein davon ab, was Ihr stärkstes Argument ist. Und selbstverständlich ist jeder nach Erfassbarkeit und Wirkung aufgebaute Lebenslauf umgekehrt chronologisch. Ohne jede Ideologie: Wenn Sie traditionell mit der Grundschule als ersten Eintrag im Lebenslauf starten (die hat sowieso im Lebenslauf nichts verloren) und dann Bullet-Punkt für Bullet-Punkt die Seite herunter tröpfeln, dann sind Sie ein Bewerber, der seine Daten nicht halten kann.
Schließen Sie noch WEITERBILDUNG und ENGAGEMENT an. Sie können alle diese Rubriken umbenennen und bei Bedarf auch neue Oberbegriffe wie zum Beispiel VERÖFFENTLICHUNGEN schaffen, aber für jede weitere Titelzeile brauchen Sie einen triftigen Grund.
Nach der Aufbauarbeit kommt das Streichen: Entfernen Sie vor allem die Feldbezeichner wie Name:, Straße: etc. sowie Einträge, die seit dem letzten Lebenslauf an Bedeutung verloren haben. Ihre Regel: Nicht mehr Infos, Worte, Buchstaben als nötig.
Gestalten heißt Wegnehmen. Im Zeitalter des Info-Überdrusses ist es ein Irrglaube, dass mehr Worte mehr bewirken, mehr Umfang die Chance vergrößert und die aufgehübschte Verpackung beim Verkauf hilft. Die Adressaten von Bewerbungen reagieren tatsächlich wie tatsächlich wie auf Werbung. Sie tauchen einfach unter der Infowelle hindurch – mit geschlossenen Augen und zugekniffener Nase.
Folgen Sie auch nicht dem Rat, an Anschreiben und Lebenslauf noch einen Profilbogen und eine Persönliche Seite Drei anzuhängen und womöglich dafür den Lebenslauf auch noch auf eine einzige Seite zu pressen. Sie verzetteln sich, wiederholen sich bloß, und schwächen die Schlagkraft Ihrer beiden Präsentationen.
Überlassen Sie in Ihrem Lebenslauf nichts dem Zufall. Das Arrangement ist nicht zufällig und des ist auch nicht nur gefällig. Selbst das Verhältnis der beiden Spalten ist noch harmonisch, also zumindest im Goldenen Schnitt. Sie tun nur so, als lieferten Sie einen Satz an Daten. In Wirklichkeit liefern Sie eine ausgetüftelte Präsentation.
Das Auge isst beim Bewerben mit. Der leckere Lebenslauf ist deshalb wohl proportioniert und wirkt niemals überladen. Seine Zutaten sind alle hochwertig und er kommt ganz ohne Sättigungsbeilagen aus!
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Berlin, 22.3.2009
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