Alle haben Platz im Internet. Die ganze Arbeitswelt wird dort gespiegelt. Arbeitgeber, Organisationen, Behörden, Dienstleister … Ratgeber wie ich betreiben ihren Auftritt und freuen sich über jeden Gast. Und auch von Vertretern webferner Berufe hört man immer öfter: Job gefunden! Web sei Dank!
Gern möchte man glauben, dass da auch Jobsuchende von der eigenen Heimseite profitieren.
Und tatsächlich tummeln sich im Web Anbieter, bei denen man sein Profil parken kann. Bewerber schätzen wohl vor allem, dass Web-Dienstleister ihnen das InfoDesign abnehmen, dass man nur seine Daten liefern und sich selbst keinerlei gestalterische Mühe geben muss.
Ein Vermarkter von Heimplätzen macht sein Angebot außerdem noch so schmackhaft: "Zum Beispiel durch die Verteilung von Visitenkarten mit Ihrer Homepage - Adresse anstatt der Versendung von teuren Bewerbermappen können Sie schneller als Mitbewerber auf vakante Positionen reagieren … Mit schnellen Reaktionszeiten können Sie bei aktuellen Angeboten die Initiative ergreifen. Sie präsentieren sich professionell und up to date bei einem potenziellen Arbeitgeber."
Ihr Bewerbungshelfer schätzt Visitenkarten, doch hier schüttelt er den Kopf. Festzuhalten bleibt:
Wirklich schnell und schriftlich ist die E-Mail.
Bewerben heißt liefern. Von einer Homepage holt man ab.
Heimseiten-Dienstleister stellen sich‘s so vor: Der Jobanbieter erhält eine Mail mit Link zur Bewerber-Webseite und soll darauf klicken.
Doch warum baut man seinen Jobclaim nicht schon voll und ganz in seinem Mailtext auf?
Und weshalb hängt man nicht umstandslos seinen Lebenslauf im Format .doc oder .pdf dran?
Wieso schluckt man als Homepage-Bewerber eine Formatvorlage, die für alle beruflichen Lebenslagen passt und darum für keine genau?
Warum nutzt man nicht die Chance, aus der aktuellen Bewerbungssituation heraus eine positionsgenaue, argumentativ aufgebaute Präsentation aufzubauen?
Mein Rat:
Signalisieren Sie nicht offen, dass dass Sie permanent beruflich paarungsbereit sind. So etwas erfreut allenfalls unverbindliche Typen, die Mitmacher für ein schnelles Jobabenteuer suchen.
Lebensläufe sind verderbliche Güter. Halten Sie Ihre Leistungsübersicht tagesfrisch, solange Sie auf dem Jobmarkt auftreten.
Ihr Problem ist weniger, ein Profil aufzubauen und in Form zu bringen. Ihre Kernfrage ist, wie man es Jobanbietern unter die Nase reibt, ob man Ihr Angebot also wahrnimmt und ob man es ernsthaft prüft.
Im Datenmeer wird Ihr Leistungsangebot unendlich verdünnt. Warum konzentrieren Sie sich da nicht auf die Abnehmer?
Fazit: Kein webbasiertes Bewerberprofil ist so schnell, so individuell, so aktuell und so zielgerichtet wie Ihre Combo aus Anschreiben + Lebenslauf. Je weniger uniform Ihre Vita, je anspruchsvoller Ihr Jobclaim, je effizienter Ihr Vermarkterverhalten, desto weniger tendieren Sie zum Einsatz einer Bewerber-Homepage.
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Mai 2005; Text zuletzt bearbeitet: Berlin, 22.02.2009.
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