
Kontakten am Stand: Weder breite Mappe noch große Klappe
„Welche Mappe soll ich verwenden? Ich habe noch dreiteilige Mappen aus einem dezenten grauen Karton. Auf der Vorderseite ist mein Name eingeprägt, nicht in Farbe, sondern nur durch Prägen des Kartons. Wenn man den Karton aufschlägt, liegen 3 Teile sichtbar vor einem. Auf der linken Seite ist eine Klarsicht-Lasche, dreieckig, an der linken unteren Ecke. Da könnte ich zum Beispiel das Anschreiben einstecken. Es lässt sich mit einem Griff herausholen und wieder einstecken. In der Mitte ist eine Klemmschiene eingeklebt, da könnte vielleicht der Lebenslauf mit der linken Blattseite eingeklemmt werden. Rechts ist wieder eine Klemmschiene, da würden die Zeugnisse Platz finden. Vom Leseablauf wäre das stimmig, von links nach rechts Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse. Von der Handhabung wäre es allerdings praktischer, die Zeugnisse in die Mitte zu plazieren, da es eine größere Menge und dementsprechend schwerer ist. Damit hätte die aufgeschlagene Mappe ein besseres Gleichgewicht. Drei Seiten Lebenslauf lassen sich auch leichter aufklappen als über ein Dutzend Zeugnisse. …“
– Eigentlich ist es egal, welche Mappe Sie nehmen. Personaler verarbeiten alles. Ihre plastische Schilderung, wie Sie schon mental an der Bestückung Ihres Dreiteilers scheitern, beantwortet jedoch Ihre Frage von vorne herein. Die dreifaltige Mappe dient ja nicht als Lastwagen mit drei praktischen Ladeflächen zum Transport Ihrer gedrittelten Unterlagen. Sie ist fürwahr ein Vehikel, aber leider zur Bruchlandung bestimmt.
Eine Drei-Komponenten-Mappe resultiert aus der Idee, dass der Bearbeiter eine Bewerbung liest wie ein Menü und nicht wie ein Dossier. Die Präsentation soll er wie eine Art Speisekarte ausbreiten - aber das heißt, dass der Auswerter Platz auf dem Schreibtisch hat, dass er eine Weile schwelgen und schauen will und dass die drei Elemente Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse sich so deutlich voneinander unterscheiden wie Vorspeise, Hauptspeise und Nachtisch.
Lebenslauf und Anschreiben sind zwei vollwertige Präsentationen eines und desselben Sachverhalts, nämlich Ihrer Jobeignung. Das Auge wandert nicht zwischen Briefing und Datenblatt hin und her - außer, der Personaler ist irre. Vor allem gibt es gar keinen Grund, den Zeugnisstapel daneben zu arrangieren. Zeugnisse sind nur Belege und nicht Bestandteil der Beweisführung. Dreiflüglige Mappen: ein tragischer Irrtum für jede Art der Bewerbung, außer man sucht einen Job als Schuhfetisch-Modell und präsentiert seine Füßchen auf drei Seiten mal bestrumpft, mal beschuht und mal frisch gewaschen.
Gehen Sie Ihr Anschreiben, Ihren Lebenslauf und Ihre Zeugnisse beherzt an. Das Ganze schieben Sie in einen Klemmhefter. Fertig.
__
Mai 2008 - Gerhard Winkler; Text zuletzt überarbeitet: Berlin, 17.02.2009.
Ich schreibe für den verständigen Leser. Halten Sie bitte auch mich auf dem Laufenden: über den Jobmarkt, über Ihre Bewerbungswege, Erfahrungen, Abenteuer und Erfolge. Was vermissen Sie auf jova.nova.com? Was sehen Sie anders? Ich freue mich über Ihr Feedback!
Zurück zur Übersicht »