Ich bin der ältere von zwei Söhnen einer Arbeiterfamilie. Bildungserlebnisse im rotten Backsteinbau der Schule in Brühl (Baden): ein Wandertag am Altrhein und Gedichte von Georg Trakl.
In Schwetzingen besuchte ich eine neusprachliche Schule. In den letzten Schuljahren gab ich mit Thomas Hoffmann die Schülerzeitung heraus. Wir strengten uns an, unser Blatt wurde aber nicht verboten. Im Abitur konzentrierte ich mich auf eine 1 in Deutsch (Danke, Herr Hähnel) und keine 6 in Mathematik. Dabei hätte ich mich beinahe verrechnet.
Ich studierte mit Fleiß Deutsch und Französisch an der Universität Mannheim, beschäftigte mich dort als wissenschaftliche Hilfskraft, verbrachte ein Jahr als Assistent an der Ecole Normale d’Institutrices in Amiens.
Meine wissenschaftliche Arbeit belegt, dass man mit Fleiß und eisernem Willen jede Materie in den Griff kriegt: Sexualität als Moment der Befreiung im französischen Surrealismus.
Unser damaliger Mentor, Professor Rolf Kloepfer, förderte seine Studenten. Das Studium schloss ich mit überdurchschnittlichen Leistungen ab. Mit gedämpftem Enthusiasmus begann ich ein Referendariat in Oberschwaben und brachte es auch zu Ende. Wäre ich Lehrer geworden, könnten meine Schüler am Ende lesen und schreiben.
Da ich annahm, dass es erfolgreichere Formen der Wissensvermittlung als die im staatlichen Schulwesen üblichen gibt, schrieb ich mich bei Friedhelm Wahl in Weingarten für ein neues Kontaktstudium Erwachsenenbildung ein. Ich übernahm Lehraufträge, arbeitete von nun an stets mehr Wochenstunden als jeder verbeamtete Lehrer und verdiente weniger. Ein Fluch, der mich durch mein Arbeitsleben begleitet.
Daneben half ich mit, eine an der Pädagogischen Hochschule Weingarten gegründete pädagogische Initiative, die SOLE e.V., aufzubauen. Irgendwann machte ich dann den anderen Vorstandsmitgliedern das Angebot, eine Abteilung Sprachtraining aufzubauen. Nun gut, ich drängelte, bis ich grünes Licht erhielt. Wer sagt, das sich Obsessivität nicht auszahlt? Zusammen mit Renate Moll führte ich die Vereinsgeschäfte. Bis heute hat sich die SOLE bis auf die Anlauf-ABM immer aus eigener Kraft, ohne externe Fördermittel finanziert. Die SOLE hat ganze Jahrgänge arbeitsloser Lehrer (und dazu Native Speaker, Studenten und ein paar Exoten, die im SOLE-Umfeld endlich aufblühten) mit Jobs versorgt und in Jobs gebracht.
Ich habe Kurse konzipiert, Kunden akquiriert, Lerner beraten und Dozenten geschult. Um den Verein besser zu verwalten, schrieb ich eine relationale Datenbank. Ich textete und produzierte alles selbst, von Zeitungsanzeigen bis hin zu Handzetteln und Broschüren. Meine Formulare erregten den Neid der Mitarbeiter befreundeter Non-Profit-Organisationen. Nebenher unterrichtete ich, bereicherte das Schussental um innovative Kursideen (Deutsch, meine zweite Sprache, Blitzkurs Französisch), und stellte eigene Lernmaterialien her. Für Langenscheidt schrieb ich einen multimedialen Schnellkurs Französisch.
Ich trainierte nebenbei Bewerber und Arbeitslose, unter anderem für einen Förderverein EDV an der PH Weingarten und war selbst für Auswahl und Entwicklung von SOLE-Mitarbeitern zuständig. Meine Lernunterlagen baute ich zu einem ersten sechzigseitigen Textreader AN DIE ARBEIT aus.
Einen Umzug nach Berkeley, Kalifornien, nutzte ich dazu, mich in Web Design und Web Publishing einzuarbeiten. Ich schrieb Intranet-Homepages für Scientific Affairs und Project Management einer Biotech-Company, produzierte eine komplette Product Site und Homepages für Non-Profit-Einrichtungen. Johanna Holldack hat mir die Welt und das Denken der Manager nahegebracht und mich selbst dazu motiviert, mehr aus mir zu machen. Es ist unumgänglich, dass man an sich selbst glaubt, aber es wird unmöglich, wenn nicht auch noch jemand anders an einen glaubt.
In Berkeley habe ich mit Textformen gespielt: www.floribelle.com
Seit Ende 1997 publiziere ich auf meiner Site jova-nova.com meinen Ratgeber für Jobsucher. Zwischendurch nutzte ich meine unerschrockene Unerfahrenheit für Stunts in der Media- und Internetwelt bei den Internet-Dienstleistern Engage Hamburg und optimad Düsseldorf.
Als Bewerbungshelfer optimiere ich Karrierechancen. Zuerst gefunden haben mich im Internet Hochschulabsolventen, Post-Docs, IT-Fachleute, Ingenieure. Unversehens bin ich wieder im Dienstleisterglück.
Mein Bewerbungsdienst spricht sich herum. Bewerbungsberatung ist eine konkrete Sache. Wer meinen Dienst in Anspruch nimmt, sieht sofort, was er erhält und erfährt recht schnell, ob das auch wirkt.
Ich schreibe auf jova-nova.com, für Jobbörsen, Portale und für Verlage. Der Verleger Frohmut Menze in Lichtenau war genau der Richtige, wenn man sehr schüchtern ist und ein gutes Manuskript auf seiner Mac-Festplatte hat. Frank und Ralf Seelig von Smartbooks haben trotz ihres schweizerischen Geschäftssinns die Einführungen Anders bewerben und Anders antworten verlegt. Data Becker und der Deutsche Sparkassenverlag haben mich beauftragt. Erwin Gittinger warb bei der BKK Gesundheit in Balingen für mich und holte mich zu formyourself.de. André Plüschke, damals von der Job-Chance-Berlin.de, machte den Vorschlag, einmal ein Training in Berlin anzubieten. Man sieht, was daraus geworden ist: Einmal im Monat koche ich einige Kannen Kaffee für meine Kursteilnehmer.
Sigrun Laws, meine Mitarbeiterin, versucht mir trotz meiner obstinaten Erkenntnisunwilligkeit einzubläuen, dass jova-nova.com sich längst zu etwas ausgewachsen hat, das man besser im Griff hat, vor allem dann, wenn man Dienstleistungen erbringt und wenn es den Klienten unter den Nägeln brennt.
Je schlechter der Arbeitsmarkt, desto bizarrer die Experten. Dem Bewerberdefizit, die diese Munchkins bekämpfen, entspricht die unerbittliche Flottheit ihres Auftretens. Lassen Sie diese Leute auf ihrem Herrschaftswissen sitzen. Lesen Sie bei mir nach, wie Sie mehr aus sich machen. In meinen Texten komme ich ohne müssen und sollen aus. Je mehr ich vom Geschäft des Bewerbens verstehe, desto mehr zwinge ich mich, kein Besserwisser zu sein.
Beim Durchlesen dieser Zeilen bemerke ich eine konzeptionelle Kontinuität. Keine schlechte Idee, so ein ausformuliertes Curriculum Vitae. Wann schreiben Sie Ihres?
April 1999; Text bearbeitet: Berlin, 15.03.2009.
Ich schreibe für den verständigen Leser. Halten Sie bitte auch mich auf dem Laufenden: über den Jobmarkt, über Ihre Bewerbungswege, Erfahrungen, Abenteuer und Erfolge. Was vermissen Sie auf jova.nova.com? Was sehen Sie anders? Ich freue mich über Ihr Feedback!
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