Sie wünschen sich Kontinuität im Job und Stetigkeit in der beruflichen Entwicklung noch mehr als sporadische Bonusse, erratische Incentives und den Betriebsausflug nach Hoppegarten.
Kontinuität ist ebenso für jemanden, der Mitarbeiter anheuert und beschäftigt, eine Bedingung, ohne die es nicht geht. Darum suchen Personaler auch in Unterlagen und Auftreten nach Anzeichen von Stetigkeit, Beharrlichkeit, Ausdauer und Loyalität. Arbeitgeber haben dafür sogar ein eigenes Lied. Es heißt Will you still work here tomorrow?
Der rote Faden der Kontinuität lässt sich im Lebenslauf und in der Bewerberstory mehrfach finden: im Ausbildungsweg, in der beruflichen Entwicklung, im sportlichen oder sonstigen Engagement und eben auch in den Anstrengungen zur Weiterbildung.
Jeder, der etwas von Personalauswahl versteht, sucht nach Anzeichen und Belegen für die äußere und innere Kontinuität in der Entwicklung des Bewerbers. Jeder, der sich in die Personaler-Perspektive versetzt, kennt die angesagten Themen:
Wehe, man tappt in der eigenen Lebensgeschichte herum wie ein lustloser Storch im Salat. In die Schule wurde man getrieben. Zur Arbeit wurde man geschleift. Lernen aus eigenem Antrieb war wegen Antriebsstörungen nicht drin … Sie merken, Trägheit und Stillstand sind fürwahr Karrierekiller.
Fast scheint es, je schwerere Aufgaben man sich im Leben aufhalst, desto leichter macht man es anderen, sich für einen zu entscheiden. Bildungsanstrengungen geben immer eine gute Story her – vorausgesetzt, man hat sich dem Jobmarkt nicht durch immer neue Vollzeit-Lernmaßnahmen entzogen. Bildungsfaule produzieren in ihren Lebensläufen dagegen Bildungsstorys zum Fürchten.
Beispiel Jens B.
Eintritt 1996 in ein Frankfurter Unternehmen. Jährliche interne Schulungen bis ins Jahr 2003. Dann 2004 Verkauf des Unternehmens. Mitte 2005 schließlich die betriebsbedingte Kündigung. Daraus liest man: Ein Betrieb baut sein Humankapital auf, kommt in die Krise, spart an der Mitarbeiterqualifikation, wechselt das Management aus, trennt sich von einem Teil der Belegschaft. Jens B. selbst kommt in dieser Story nicht vor. Er nahm zwar mit, was ihm geboten wurde, hat aber die Zeichen der Krise nicht gedeutet. Zu einer Erfolgsgeschichte wäre es geworden, wenn sich Jens B. ab 2003 aus eigenem Antrieb energisch weiterqualifiziert, neu positioniert und sich zugleich aktiv vermarktet hätte.
Beispiel Kathrin J.
Fremdsprachenkorrespondentin. Kontinuierliche Berufspraxis bis heute, aber in den letzten 12 Jahren keine Weiterbildung. Nichts, was den grauen Alltagshorizont aus Verwaltung, Korrespondenz und Sekretariat ein wenig aufgerissen hätte. Auf bohrendes Nachfragen erwähnt Kathrin J. schließlich noch einen VHS-Kurs aus der Sinn-Kategorie Fenchel Shui und die unsinkbaren Bachblüten.
Es liegt nahe, sich Kathrin und Jens als Mitmenschen vorzustellen, die nach Büroschluss kein großes Jobinteresse mehr zeigen, sich durch geistige Unbeweglichkeit und Anspruchslosigkeit auszeichnen und sich eher wenig darum kümmern, wie der Jobmarkt sich verändert und sich die Anforderungen wandeln. Mitmenschen verdienen allen Respekt vor ihren Lebensentscheidungen. Mitarbeitern zollt man gemeinhin Respekt vor ihren Leistungen.
Zeitweilig sind wir alle mal Kathrin oder Jens. Solange wir uns aber koordiniert, kontinuierlich und zielstrebig im laufenden Job weiterbilden, brauchen wir dem Arbeitsmarkt auch nicht hinterher zu laufen. Das Geheimnis lautet, dort zu stehen, wo der Markt hin kommt. James Surowieckie brachte es im New Yorker auf den Punkt: Capital is plentiful. It is skilled people who are scarce.
Machen Sie Weiterbildung zu einem fortlaufenden Thema. Verankern Sie die vorzeigbaren Ergebnisse im Lebenslauf:
Warten Sie nicht passiv ab, bis Ihr Servicemann von der A-Agentur endlich für Sie eine Weiterqualifizierung aus dem Kurskatalog herauspickt. Das Berufsleben ist keine Pauschalreise, sondern eine individuelle arrangierte, selbst finanzierte Bildungsreise. Lernen Sie selbstbestimmt und auf eigene Rechnung. Wenn Sie immer nur warten, dass irgendwer Sie irgendwann abholt, Ihre Defizite bestimmt und Sie zum Nachsitzen trägt, dann zählen Sie sehr bald zu den Zurückgebliebenen.
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Text zuletzt überarbeitet: Berlin, 26.3.2009.
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