Neu im Geschäft? Geschäftswagen auf dem reservierten Parkplatz abgestellt? Nu mal los und den Laden auf Vordermann gebracht!
Suchen Sie unverzüglich im obersten Stockwerk nach dem einen gesegneten Raum, der Ihrem gutem Karma, Ihrer neuen Aura und Ihrem Status als Chef voll gerecht wird. Reklamieren Sie dieses Büro für sich. Geben Sie dem verdutzten bisherigen Nutzer ein ganzes (!) Wochenende Zeit, um es zu räumen. Verbinden Sie das mit dem Hinweis, dass Ihr Untergebener am für ihn ausgesuchten Ort künftig weit besser arbeiten kann: kühler, da weniger Sonne; kaum Verkehr auf dem Flur; Ausblick aus Fenster lenkt nicht mehr ab.
Suchen Sie das Einzelgespräch mit jedem Ihrer Mitarbeitern. Legen Sie ganz im Vertrauen offen, wie Ihr skrupelloser Vorgänger die Investoren, den Leitungskreis und jeden einzelnen Kollegen getäuscht, betrogen und belogen hat.
So hat der geschasste Geschäftsführer seiner – nein Ihrer – Organisation noch Restmaterial aus einer privaten Haus-Renovierung untergeschoben. Decken Sie schonungslos alle diese faulen Tricks und Beutezüge auf. Weisen Sie mit dem Zeigefinger hinunter auf den Hof. Unterdrücken Sie den Unterton der Bewunderung.
Und bevor Sie‘s vergessen: Breiten Sie gesprächsweise Gegenstand für Gegenstand aus, was für eindeutige Utensilien sich in einer ominösen Plastiktüte im Schreibtisch Ihres Vorgängers fanden. Man mag sich gar nicht vorstellen, wer sich diese Dinge wann und wo übergezogen oder benutzt hat. Befragen Sie aber jeden Ihrer Zuhörer eindringlich, ob er denn selber nichts von all dem Treiben mitbekommen hat. Blicken Sie dabei nicht genüsslich, sondern aufrichtig besorgt. Dehnen Sie den Begriff ominös, bis er süß im Mund zergeht.
Thematisieren Sie gegenüber Ihren weiblichen Mitarbeitern, insbesondere gegenüber den promovierten Zicken, in welchem bestürzendem Ausmaß Ihr Vorgänger seine Machtstellung für fortwährende sexuelle Andeutungen der widerlichsten Art ausgenutzt hat. Erklären Sie, dass die Geschäftsführung sich um ein Antidiskri-Training bemüht.
Legen Sie dagegen Ihre Hand in Einzelgesprächen jüngeren Mitarbeiterinnen schützend, geradezu väterlich auf die schmale Schulter. Überprüfen Sie dabei den Rücken auf Skoliose.
Stellen Sie im Einzelgespräch mit Mitarbeiter A die Kompetenz, den Charakter oder zumindest den guten Willen von Person B in Frage. Im nächsten Gespräch mit Mitarbeiter B konfrontieren Sie diesen mit den Einschätzungen von A über den Kollegen B. Erfinden Sie notfalls welche. Teilen Sie, bevor Sie das rundum informative Gespräch beenden, stets auch B Ihre ganz persönliche Einschätzung von A‘s Befähigung, dessen Charakter und Kommunikationsverhalten mit.
Arbeiten Sie so den ganzen Organisations-Chart durch. Ihr Wissen ist Macht. Macht nichts, wenn Sie nicht von jeder Person gleich hochwertige Infos erhalten. Mitarbeiter sind eben unterschiedlich befähigt.
Nutzen Sie die ersten Meetings, um in der Runde einzelnen, besonders engagierten und deshalb im Team exponierten Mitarbeitern derart an den Haaren herbeigezogenes Fehlverhalten vorzuwerfen, dass jeder Anwesende sofort verinnerlicht: Eine neue Geschäftsführung heißt nicht, dass man jetzt sein Auskennertum ausspielen kann.
Sie haben sicher noch mehr Einfälle, wie Sie Ihre neue Verantwortung zum Wohle des Hauses und zur Freude der Untergebenen spaßig gestalten. Es sind alles nur Rübchenschäler. Sie halten die Kochlöffel. Und Sie teilen aus.
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21.07.2007; Text zuletzt überarbeitet: Berlin, 14.03.2009.
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