„SCHREIBEN ist nicht mein Ding. Alle Ihre Ratschläge laufen jedoch auf SCHRIFTLICHES Bewerben hinaus. Könnten Sie nicht auch mal ein paar Vorschläge für proaktive Winner-Typen abdrücken?“
Wer nicht tippen will, spitzt eben seine Zuhörer an. Wie das geht, erkläre ich gern anhand von konkreten Beispielen. Sie wissen, konkrete Beispiele sind ausnahmslos aus der Luft gegriffen. Holen Sie tief Luft!
Abendliches Get together des „33. Blech- & Zink Kongresses vereinigt mit eBlech”. Im Gewühl erspähen Sie einen von Schranzen umgebenen Vorstandsvorsitzenden. Sie bahnen sich den Weg und sagen: “Hallo. Ich weiß, dass Sie Ihren Verkaufsleiter lieber heute als morgen loswerden möchten. Nur haben Sie noch keinen gefunden, der so gut ist wie ich."
Dies ist ein Beispiel für Direktmarketing.
Mittagsbüffet der “Fachtagung Ostallgäuer Bergbahnbetriebe”. Im Gewühl erblicken Sie einen potenziellen Arbeitgeber. Sie zahlen einer Kollegin zehn Euro dafür, dass sie sich vor dem Geschäftsführer aufbaut und ihm sagt: “Hallo. Mein Kollege dort drüben ist als Verkaufsleiter noch schärfer als die Bügelfalte seiner Hose. Den sollten Sie sich mal näher anschauen.”
Das kann man nicht anders nennen als Werbung.
Verschnaufpause im Wochenendseminar. Es lautet “Was uns der Fluss sagt. Führungskräfte im Entscheidungskontinuum” und ist so langweilig, dass Sie sich ertränken möchten. Unten am Ufer lagert ein Forschungsleiter und knabbert getrocknete Ananas. Sie geben zwei Kursteilnehmern je 20 Euro, damit sie sich in Hörweite des guten Mannes darüber unterhalten, dass Sie persönlich denen in Stanford gezeigt haben, wie man das Gras wachsen hört.
In der Fachwelt heißt das Public Relations.
Kaffee und Kekse nach dem dritten Vortrag während des Wochenend-Retreat Ihrer Firma. Auf dem Gang erkennen Sie den Unit-Leiter Nordeuropa wieder. Sie nähern sich ihm, sprechen ihn an, erwähnen die goldenen Zeiten in Budapest, bringen ihn zum Lachen. So lange bis er prustet: “Aber hallo, Du bist immer noch das Verkaufsgenie von früher. Du wärst der Mann für meine Schwedinnen.”
Das ist Customer Relationship Management.
325 Jahre Business-Löwen Zehlendorf. Die Gäste drucksen herum. Sie stecken im scharf gebügelten Outfit, treten mit guter Laune an jedes Grüppchen heran. Ihr Beißer-Lächeln überstrahlt noch den gelben Glanz des Deckenlüsters. Ihr Witz taut die schwer unterkühlten Gattinnen brandenburgischer Produktionsleiter auf. Ihr Charme bringt die Sektkelche von auftoupierten Chefsekretärinnen zum Klirren. Sie sind Mr. Nice Guy des Abends. Wie zufällig wenden Sie sich an den Besitzer der Grunewalder Kies- und Schotterwerke Frank Resch Nachf. und sagen: “Hallo, auch kleine Kiesel brauchen große Vermarkter. Wollen wir miteinander ins Geschäft kommen?“
Das ist Hard Selling.
Candle Light Dinner im Il Mulino. Sie sind gut drauf und chillen im Dreivierteltakt, als einige Tische weiter eine Bewegung entsteht,sich jemand aufrichtet und im Aufstehen Guido die Serviette in die Hand drückt, dann zielstrebig Ihren Tisch ansteuert: CEO Wörbel von Personal Cult & Consult. Er spricht Sie an: “Hallo. Wörbel mein Name. Personal Cult & Consult. Sie machen jetzt also den Prenzl’Berg zu Ihrem Turf?“
Das, lieber Leser, ist nichts anderes als die Kraft der Marke.
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Zuletzt überarbeitet: Berlin, 26.3.2009.
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