Die letzte Prüfung ist versiebt, die Uni wird sich von Ihnen trennen. Zum Glück haben Sie in den Jahren des Studiums auch einiges an qualifizierter Arbeit geleistet. Das macht Sie für einen Ausbildungsbetrieb interessant. Für den ersten, telefonischen oder persönlichen Kontakt mit Ausbildungsanbietern und auch für Ihr Anschreiben gilt: Niederlagen nicht thematisieren, erklären oder schön reden. Sie bieten sich als Praktiker an. Gerade, dass Sie jetzt einen beruflich verwertbaren Abschluss brauchen, macht Sie für einen Betrieb attraktiv. Vergessen Sie nicht, dass Sie aus Ausbildersicht dank Ihrer Job-Leistungen, Ihres akademischen Hintergrunds und hoffentlich auch dank Ihrer vernünftigen Erwachsenenhaltung weit mehr mitbringen als die Schulabgänger, mit denen Sie konkurrieren.
Es geht natürlich nicht ohne gute Story, um zu begründen, warum Sie ein Studium oder gar mehrere Studien-Anläufe nicht zum guten Ende geführt haben. Ihre Geschichte liefern Sie mit Witz und ohne Bitterkeit im Jobinterview. Sie früher loszuwerden, lohnt nicht. Bleiben Sie dicht an der Wahrheit. Das meiste, was man sich geleistet hat, wird einem verziehen, wenn man zugleich das Positive an der Geschichte und zugleich das Gute in einem selbst aufscheinen lässt.
Halten Sie, wenn Sie Ihren sicheren Ausbildungshafen ansteuern, Distanz zu den Klippen, an denen Ihr Vermarktungsschifflein scheitern könnte:
Überheblichkeit – Ausbildung heißt ganz klar: Regeln akzeptieren. Auch das lernen, was man besser weiß. Sich ins Team und in die Hierarchie einordnen. Ob man von der Uni kommt oder fliegt: Wo Sie landen, erwartet man Respekt.
Unklare Zielvorstellung – Vermitteln Sie, dass Sie zweifelsfrei wissen, wohin Ihre berufliche Reise gehen soll.
Unfähigkeit, den Kurs zu halten – Eine (verkürzte) berufliche Ausbildung wird nicht leichter, nur weil Sie älter, klüger und abgebrühter als die regulären Azubis sind. Auf Sie warten widrige Winde, rauhes Wetter und allerlei Abschweifungen. Schaffen Sie den sicheren Weg bis zum IHK-Abschluss? Werden Sie ihn unbeirrt verfolgen?
Ganz sicher werden Sie mit Ihrer schriftlichen Bewerbung und bei jedem Gesprächskontakt dafür sorgen, dass man keinen Grund sieht, nicht an Sie zu glauben. Vermitteln Sie Ihren guten Willen, Ihre realistische Einschätzung der Lage, Ihr Durchhaltevermögen und Ihren Eifer, sich voll und ganz auf konstante Leistung und auf einen guten Abschluss zu konzentrieren.
Pech im Studium, unstetes Leben, Flops in dichter Folge: Das ist nicht schön, doch es ist gewesen. Nur wenige Menschen und schon gar keine Ausbilder möchten Teil Ihrer Pannenstatistik werden. Nicht vergessen: Sie sind Praktiker. – Sie werden erfahren, guten Leuten kann geholfen werden.
Ich schreibe für den verständigen Leser. Halten Sie bitte auch mich auf dem Laufenden: über den Jobmarkt, über Ihre Bewerbungswege, Erfahrungen, Abenteuer und Erfolge. Was vermissen Sie auf jova.nova.com? Was sehen Sie anders? Ich freue mich über Ihr Feedback!
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