Nachtgespräch mit dem BewerbungshelferCommunity heißt das Zauberwort von NBC GIGA. Wer TV und PC zugleich nutzen will, ist bei giga.de "jeden Tag live dabei - im Fernsehen und im Internet". Haben Sie das Gemeinschaftserlebnis Nite Chat mit jova-nova.com verpasst? Auf dieser Seite finden Sie eine Printfassung.
NBC GIGA residiert am Düsseldorfer Media-Hafen, einer Location mit dem Hippness-Faktor Hamburg hoch zwei. Je angesagter der Laden, desto schwieriger, sich überzeugend vorzustellen. Wie soll eine Bewerbung in einem Medienhaus aussehen? Kreativ, aber nicht verspielt. Originell, aber nicht albern. Witzig, aber nicht verkrampft. Ansprechend, aber nicht anbiedernd. Bei giga.de gehen täglich ausgefeilt-exotische Bewerbungen ein. Um einiges bodenständiger: Meine Anfrage nach einem Praktikumsplatz bei giga.de .
Nachtarbeit für jova-nova.com
Der hoffentlich weithin bekannte Web-TV-Sender NBC giga.de fragte an, ob ein Mitarbeiter aus dem Redaktionsteam von jova-nova.com in der Live-Sendung Nite Chat etwas zum Thema „Schöner Bewerben" (oder so ähnlich) äußern könnte.
Ich rief zurück und stellte klar: Erstens, dass jova-nova ein 1-Mann-Plus-Sein-Mac-Unternehmen ist. Zweitens, dass es bislang von mir zwar bewegende Aufnahmen, aber noch kein einziges bewegtes Bild gibt. Drittens, dass die meisten, die mir schon mal zugehört haben, es danach vorziehen, zu lesen, was ich zu sagen habe. (Das liegt nicht an mir. In der Weltstadt Mannheim versteht man zum Beispiel Wendungen wie „Bitte 3 Bollen Zitroneneis." In D’dorf oder Hamburg kugeln sich die Eisverkäufer vor Lachen.)
Betretenes Schweigen bei Nadine vom giga.de-Redaktionsteam. Deshalb rief ich kurzerhand in den Hörer: „Einverstanden. Ich komme!"
Das war clever. Wär ich nicht hingegangen, hätte ich auch nicht erfahren, wie es ist, wenn man von ein paar ferngesteuerten Kameras gefilmt wird und deshalb nervös auf einem roten Sofa herumrutscht, wobei man mit dem gut aufgelegten Marco plaudert, der gleichzeitig auf seinem iBook eingehende Live-Anfragen aus der Chat-Community abliest und sie an einen weiterreicht, während im Hintergrund des kapellengroßen Sende- und Produktionsraums ein paar giga.de-Youngster ihre vernetzten PCs zum virtuellen Kampfsportplatz umfunktionieren und fighten, bis der Joystick zittert.
Auf dem Archiv der Community-Seiten von giga.de liegt eine gekürzte Mitschrift und (ab Mitte Februar 2001) die Video-Aufzeichnung des Nite Chat mit dem Bewerbungshelfer. Verstehen Sie diesen Hinweis bitte als Warnung und stöbern Sie nicht auf den Archivseiten der giga-Gemeinschaft herum!
Die hier vorgestellten Textauszüge aus dem Nite Chat hat das komplette Redaktionsteam von jova-nova behutsam geglättet, erweitert und an die Sprachgepflogenheiten unserer Landsleute zwischen Kerpen und Gröbzig angepasst. Die Fragen & Antworten durchzulesen empfehle ich besonders den Bewerbern der AUA-Klasse (Ahnungslose Unerfahrene Anfänger).
Am Mittwochabend den 24.01.2001 um 21.00 Uhr hatten wir Gerhard Winkler von www.jova-nova.com zu Gast. ... Ob Basistraining (www.jova-nova.com) oder individuelle Beratung in allen wichtigen Fragen (www.bewerberinfo.de) - das World Wilde Web bietet ungezählte Vorbereitungsmöglichkeiten, den persönlichen Auftritt zu verbessern, so dass man gute Chancen hat, auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich sein zu können.
Frage von Hetzerei: Was muss ich bei einer Bewerbung beachten?
Man muss die Dinge, die man in der Bewerbung schreibt, immer beweisen. Allgemeine Skills wie "Teamfähigkeit", „Organisationstalent", „Verantwortungsbewusstsein" und all das, was der Arbeitgeber hören will, sollte man immer konkret und anschaulich belegen.
Zum Beispiel auch, wenn man sich ehrenamtlich betätigt hat, in Organisationen tätig ist …
Gerade der erste Satz des Anschreibens fällt unheimlich schwer; die Leute finden nicht den Einstieg. Dabei ist es so leicht: Keine Höflichkeitsfloskeln, sondern sofort mit dem stärksten Argument loslegen …
(Originelle Bewerbungen – ja oder besser doch nicht?)
Ich würde keine unheimlich kreativen Einleitungen benutzen, weil es meist doch zu weit hergeholt ist, großspurig und überheblich klingt und in der Regel halt überhaupt nicht originell ist …
Man sollte alle Regeln in Sachen Bewerbung kennen, bevor man gegen sie verstoßen kann – dann kann man besser abschätzen, welcher Regelverstoß von anderen als genial und welcher eher als ungeschickt angesehen wird …
Frage von China: Wie beratet Ihr die Leute? Per Mail? Also individuell? Oder eher allgemein?
Wenn man auf www.jova-nova.com nachschaut, dann wird einem das sofort klar. Ein mündiger Bewerber übernimmt keine Floskeln, sondern findet für sich heraus, was in ihm steckt, was er selber kann, wie er es am besten ausdrücken kann und rüberbringt. Deshalb will ich zwar konkrete Anleitungen und Leitlinien geben, aber keine Vorlagen nur zum Abtippen.
Wenn man mir Bewerbungen zur Begutachtung schickt, dann antworte ich (meist) darauf und gebe Tipps.
Frage von China: Seit wann gibt es schon jova-nova?
Seit 1997. Zu dem Zeitpunkt, als ich noch in Berkeley, California war, suchten vor allem Akademiker Rat. Jetzt ist da eine unheimlich große Bandbreite an Usern im Web. Sehr viele Schüler und Schulabgänger.
Frage von DoTo: Kann man im Vergleich zu vor 5-6 Jahren Trends ausmachen, was heute mehr gefragt ist als damals bzw. umgekehrt? Gibt es da Sachen, mit denen man sich selbst disqualifiziert?
Man kann sich mit sehr vielen Dingen disqualifizieren! Sehr viele Dos und Don’t dos findet man auf meiner Seite …
Viele Verhaltensweisen beim Job-Interview führen sofort zum Ausschluss. Zum Beispiel, wenn man über den ehemaligen Arbeitgeber herzieht …
Prinzipielle Schwäche: Wenn die Bewerbung nichts aussagt. Wenn man nur Worthülsen benutzt und sich nicht einmal sprachlich von seinen Mitbewerbern abhebt …
Jeder, der Bewerbungen durcharbeitet und Mitarbeiter auswählt, tut damit seinen Job und ist damit in aller Regel mehr als ausgelastet, Deshalb die Grunddevise: Nervt den Empfänger nicht und erleichtert vor allem denjenigen die Arbeit, die eure Bewerbungen bearbeiteten …
Man muss seine Bewerbung als Service für den Leser verstehen!
Gerade so etwas wie eine CD-Rom würde ich nicht beilegen, damit umzugehen ist für viele Empfänger einfach zu aufwendig. Man sollte auch nicht zu viel Arbeit und Zeit in seine Bewerbung stecken. Einfach mit dem kleinsten Krafteinsatz das Optimale herausholen …
Schnörkel und Spielereien sind überflüssig. Je mehr Zeit man damit verbringt, seine Unterlagen aufzupeppen, desto weniger Zeit bleibt einem für konkrete Bewerbungsaktionen: Recherchieren, Kontakte aufbauen und pflegen, telefonieren …
Frage von DoTo: Wie sieht es bei Online-Bewerbungen mit der Anrede aus? Bleibt generell die Förmlichkeit erhalten?
Am häufigsten sehe ich in Bewerbungen „Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren" …
(Moderator Marco zeigt putzige Anschreiben an NBC giga.de)
Ich wäre vorsichtiger, vielleicht ist die Firma ganz cool, vielleicht sitzt aber in der Personalabteilung ein eher konservativer Bearbeiter …
Am besten ist es, erst herauszufinden, wer in der Personalabteilung sitzt, um dann genau auf diese Person eingehen zu können. Je mehr man von dem Adressaten weiß, desto besser. Deshalb: Anrufen! Nachfragen, an wen die Bewerbung gehen soll …
Ein Anschreiben ist ein absolutes MUSS!!! Egal ob als E-Mail oder auf Papier, das Anschreiben ist Pflicht!!!
Ein Anschreiben ist die Chance, direkt und gezielt jemanden anzusprechen, sich genau der Person zu präsentieren, auf die es ankommt!
Ich habe drei Hefte zusammengestellt, mit allen wichtigen Details. Die kann man bei aol-verlag.de bestellen. Die Inhalte finden sich aber auch auf meiner Homepage. Die Broschüren sind ein wenig aktueller, dichter geschrieben …
Frage von Niobe: Kann ich dann im Endeffekt auch eine "chaotische" Bewerbung abgeben und kann trotzdem genommen werden?
Da spielen viele Sachen mit - zum Beispiel das nette Bewerbungsfoto, das eine schlechte Bewerbung (leider) oft wett macht …
Viele Leute versieben sich die Bewerbung, wenn sie trotz guter Eignung ein hingeschlampertes Bewerbungsschreiben abliefern!
Ein Anschreiben ersparen kann sich jemand, der schon einen Namen hat, der viele Erfolge vorweisen kann, oder Fähigkeiten, die vielleicht kein anderer mitbringt. Dann ist die Form der Bewerbung zweitrangig, aber schriftlich kommunizieren, Begleit-Mails zu Dokumenten verfassen, das muss ein jeder können …
Man sollte aber immer davon ausgehen, dass man nicht der einzige ist, der sich bewirbt!
Frage von Sven: In wieweit muss man seine Körpersprache unter Kontrolle halten bei einem Bewerbungsgespräch?
Da gelten dieselben Regeln, wie in jeder normalen Kommunikationsituation auch.
Man sollte sich unter Kontrolle haben, andere ausreden lassen, immer gut zuhören und auf den Fragenden eingehen. Nicht einsilbig antworten, nicht versuchen, das Gespräch an sich zu reißen.
Wenn man zu aufgeregt ist, schwitzt, rot anläuft, stottert, dann sollte man seine Nervosität nicht krampfhaft unterdrücken. Es akzeptieren und sich einfach nicht darum kümmern, dass der Körper chaotisch reagiert. Die Nervosität legt sich im Lauf der ersten 5 Minuten. Erfahrene Personalbearbeiter kennen das übrigens und sehen darüber gnädig hinweg.
Frage von Sven: Wie soll man reagieren, wenn einem der eventuelle Arbeitgeber die berühmte Zigarette anbietet???
Gerhard Winkler (entrüstet): Die Zigarette, die einem der Arbeitgeber anbietet, nicht nehmen!!!
(Moderator Marco hat aber mit allen giga-PraktikantInnen, die er zum Interview eingeladen hatte, zusammen den Aschenbecher vollgeraucht.)
Gerhard Winkler: Lass mich meine Einwände ausführen. Wenn man etwas zu trinken angeboten bekommt, immer ja sagen! Man kann das total gut nutzen, ein Glas Wasser trinken, um damit eine kurze Redepause einzulegen – vielleicht, weil man damit eine Pause überbrücken kann oder ein Nichtwissen überspielen.
Bei Alkohol und Nikotin kann das aber auch ein Test sein. Wenn man zum Mittagessen eingeladen wird, dann sollte man keinen Alkohol trinken, da das Essen keine gemütliche Runde unter Freunden ist, sondern nach wie vor Teil eines Bewerbungsverfahrens. Da werden dann soziale Skills und persönliche Eigenschaften getestet. In einer Gesellschaft, in der Rauchen immer schlechter bewertet wird, sollte man mit Nikotinmissbrauch wirklich vorsichtig sein.
Das Bewerbungsgespräch verlangt volle Konzentration vom Bewerber. Man muss nicht gehemmt wirken oder steif und verbissen. Man darf sich aber auch nicht innerlich zurücklehnen, nur weil man glaubt, man wäre zufällig auf die besten Kumpels der Welt gestoßen.
Wenn man zum Beispiel in einem Raum sitzt, und ein zweiter Interviewpartner ist Nichtraucher, dann kann es sehr wohl passieren, dass dieser sich über den qualmenden Bewerber aufregt. „Noch ein weiterer Stinker in der Firma? Mit mir nicht."
Frage von Niobe: Ist es erlaubt, in einer Internetbewerbung Smilies etc. zu verwenden?
Auch bei einer Internetbewerbung sollte man formal bleiben und grundlegende Dinge beachten.
Lass uns einmal ein Anschreiben durchgehen:
„Sehr geehrte Damen und Herren" - immer schlecht, da man den Namen des Adressaten wissen sollte …
Man sollte auch keinesfalls so beginnen wie dieser Bewerber: „Ich habe mich schon mal bei euch beworben, hat aber nicht geklappt."
Das Wort: "hiermit" ist völlig überflüssig. Wir sind doch nicht auf dem Einwohnermeldeamt. 'Hiermit tue ich dies und das. ‘ Womit sonst?. Mit was sonst als eben diesem Schreiben sollte man sich bewerben?
Im Betreff sollte zusammengefasst stehen, was ein Brief bzw. eine Mail soll. Wenn im Betreff schon vermerkt ist, dass es sich um eine Bewerbung handelt, dann ist es völlig unnötig, dies im Brieftext noch mal zu sagen …
Ein Anschreiben ist wie ein Hinterhalt. Mit dem dicksten Brocken (dem besten Argument) sollte man zuerst werfen. Wenn der Personalbearbeiter nur kurz die Bewerbung überfliegt, dann hat man die meisten Chancen, wenn man gleich am Anfang die besten Argumente bringt …
(Anmerkung: Die Smiley-Frage hatte ich damit natürlich nicht beantwortet. Darf man Emoticons, Szene-Signale und Slang in Bewerbungsschreiben einsetzen? Klar, wenn es der Sache nützt. Immer dort, wo es am meisten auf soziale Skills, Teamgeist, Fähigkeit zu moderieren, Jugendlichkeit ankommt. In der protestantischen Stadtranderholung. In der innerstädtischen Jugendarbeit. Im Girls & Boyscamp. Im Friseurkollektiv 'Schicke Micky‘.)
Frage von DoTo: Wenn man eines der Kriterien einer Stellenanzeige nicht erfüllt, sollte man sich trotzdem bewerben? Wenn es z.B. um den Umgang mit PC bzw. spezieller Software oder Fremdsprachen etc. geht?
Es kommt darauf an. Manche Forderungen sind einfach absolut wichtig. Photoshop für Grafiker, Maschinenschreiben für Verwaltungskräfte. Um zu wissen, ob fehlendes Fachwissen ein Ausschlusskriterium ist, macht einfach die Gegenprobe: Würdet ihr selbst jemanden einstellen, der diesen Punkt nicht drauf hat? Riskieren, dass ein Projekt in die Hose geht oder überhaupt nicht vorankommt? Jemanden bezahlen für etwas, was der nicht kann?
Sicheres Englisch, dies nur nebenbei, sollte man von vorne herein mitbringen.
Wenn man ein Programm nicht kennt, ein gleichartiges aber umso besser, dann kann man das ja sagen und vorschlagen, sich in das andere selbständig einzuarbeiten. Programme sind Tools. Wenn man mit einem anderen Programm prima Ergebnisse bringt, dann zählt das viel mehr.
Wenn man aber zwei, drei dieser Essentials nicht kann, dann sollte man es gleich lassen. Kein Bewerbungsaufwand, wenn man sowieso chancenlos ist!
Eine der Grundregeln, die ich von einer beruflich sehr erfolgreichen Frau abgekupfert habe, lautet: Stick to the Facts. Wenn die Fakten nicht stimmen, erreicht man mit den schönsten Worten nichts.
Das bedeutet: Geh als möglicher Praktikant immer davon aus, wen Leute in einer Firma wirklich suchen: Jemanden, der DIESES und JENES und nicht zuletzt DAS DA erledigen kann: Unbeaufsichtigt, ohne zu trödeln, ohne andere zu nerven, ohne Fehler zu machen …
Frage von Sven: In wie weit spielt das Äußere (Outfit, Erscheinungsbild) bei Bewerbungsgesprächen und auf den Fotos eine Rolle?
Man sollte möglichst neutral angezogen sein und lieber gesellschaftskonform auftreten. Es kann zwar sein, dass man dann bei der Arbeit völlig relaxed auftreten kann. Allerdings sollte man schon in der Bewerbung zeigen, dass man bei allen formalen Events ein gutes Bild macht.
Ich würde mich fürs Bewerberfoto und für ein Interview so anziehen, dass mein Boss mich damit zu einer wichtigen Besprechung oder zu einem Großkunden mitnehmen könnte. Oder mich dem Firmenleiter vorstellen kann.
Frage von Fulcrum: Wie ist das, wenn ich mit anderen Bewerbern zu einem Test eingeladen werde und wir gebeten werden, den Personalchef in die Kantine zu begeleiten; wirft es ein gutes Licht auf mich, wenn ich Interesse zeige, indem ich mich zu Angestellten setze...
Nein, wenn eine ganze Gruppe mit dem Personaler zum Essen geht, dann sollte man sich auch mit denen zusammensetzen. Bei einer Abteilungsbesichtigung sollte man sich aber schon mit den dort Beschäftigten auseinandersetzen, Fragen stellen, Interesse zeigen.
Frage von china: Aus wie vielen Mitarbeitern setzt sich das Team hinter jova-nova zusammen und woher bezieht Ihr Eure Richtlinien. Worauf basieren Eure Tricks und Kniffe?
Ihr seht das gesamte Team von jova-nova hier sitzen. Ich habe aber viele Freunde und Bekannte, die fachliches Wissen haben, mir Tipps geben und mich beraten.
Ich lerne sehr viele Bewerber kennen und hatte früher einen Job, in dem ich fast täglich Personalgespräche führen musste. Die Ratgeber-Site mache ich, weil ich meine Erfahrung weitergeben will und ein bisschen was von einem Besserwisser an mir habe.
Irgendwann in meinem Leben musste ich mich bewerben, hatte überhaupt keine Ahnung, lieh mir die gängigen Bücher aus der Bibliotheks, bemerkte, dass die nicht viel bringen, da sie viel zu dröge geschrieben waren.
Erfolgreich bewerben heißt Argumente sammeln, wirksam formulieren, kontakten, sich präsentieren, sich vorstellen, verhandeln, Kompromisse schließen. Und Ziele erreichen
Und es ist Teil einer Lebensplanung. Was will ich in meinem Leben erreichen? Wo möchte ich sein? In vier Wochen, in zwei Jahren? Mit wem zusammenarbeiten? Unter welchen Bedingungen?
Frage von Taxi: Inwiefern werden schriftliche Eignungstests im Verhältnis zum Auftreten bei der Bewerbung selbst gewichtet?
Das hängt immer vom Unternehmen und den Personalern ab. Einmal sagte mir ein sehr erfahrener Firmenleiter, dass er nur auf das Anschreiben Wert legt. Die ersten zwanzig Zeilen waren ihm wichtig, da hat er gefunden, worauf es ihm ankommt. Lebensläufe hat der gar nicht gelesen! Aber das ist keinesfalls die Regel.
Viele Gesprächspartner wissen selber nicht, wie man Leute auswählt. Da muss man das Gespräch dann selbst in die Hand nehmen. Gerade kleinere Unternehmer müssen einstellen und können das nicht. Das ist denen oft peinlich. Die erzählen dann mehr von sich selbst, als dass sie fragen.
Da muss man das Gespräch steuern. Wenn der zukünftige Arbeitgeber anfängt zu monologisieren, dann sollte man den unterbrechen und das Gespräch auf sich und die Stelle zurückbringen.
Es gibt mehr unerfahrene Entscheider, als man glaubt.
Man sollte sich immer vorab über das Unternehmen, bei dem man sich bewirbt, informieren. Einfach auf die Homepage gehen und nachlesen. Sich auch darüber informieren, wer die Konkurrenten im Markt sind. Die Produktpalette sollte man genau kennen, Standorte, Firmengeschichte etc.
Eignungstests sind für bestimmte Altersgruppen
Frage von Sven: Darf ein Personalleiter nach persönlichen Dingen fragen, wie privaten Verhaltensmustern oder politischen Ansichten? Wenn nicht, wie kann ich mich verhalten?
Es gibt eine Liste von unzulässigen Fragen, die man auf jova-nova.com studieren kann, es gibt aber auch einige schmerzhafte oder peinliche Fragen, die man beantworten muss.
Ist die Frage für die zu besetzende Stelle wichtig, sollte man sie beantworten. Zielt sie eindeutig aufs Privatleben, weist man darauf hin, dass dies ein Bereich ist, der mit dem Job nichts zu tun hat.
Wenn jemand solche Fragen stellt, weiß die Person entweder ganz genau, dass sie die Frage nicht stellen darf oder sie hat keinen Schimmer von Personalauswahl.
Einem Personaler würde ich erklären, dass er sich damit aufs rechtliche Glatteis begibt. Einem unerfahrenen Geschäftsführer würde ich signalisieren, dass er Grenzen zu beachten hat.
Frage von Sven: Das Gehalt ist immer eine heikle Angelegenheit. Sollte man generell seine Gehaltsvorstellungen höher einbringen oder erst auf ein Angebot warten?
Geh ins Gespräch mit dem Wissen, was du verlangen kannst. Man sollte sich definitiv vorher informieren!!! Man sollte aber auch unbedingt vermeiden, als erster mit einem Gehaltsvorschlag herauszurücken. Unbedingt. Die Regel ist: Der erste, der eine Zahl nennt, verliert!
Der Arbeitgeber versucht natürlich, den besten Mitarbeiter zu den geringsten Kosten anzuheuern.
Gehaltsvorschläge immer eins, zwei Tage lang überdenken.
Frage von Sven: Ein alte Regel besagt: Wer fragt, der führt. Was könnte passieren, wenn man selbst die Gesprächsituation in die Hand nehmen will?
Gute Personaler sind Leute, die lange Jahre an Erfahrung mitbringen. Da sollte man kein Dominanzverhalten an den Tag legen. Außer, wenn man sich als Sales-Person bewirbt, da könnte es schon angesagt sein, dass man auftrumpft.
Man sollte auf eine ausgeglichene Gesprächssituation achten! Sich nicht kleinreden lassen, die eigene Würde bewahren. Aber auch nicht ein Gespräch als Kleinkrieg ansehen.
Frage von Sven: Welche Rolle spielt die Teamfähigkeit? Wie kann ich einschätzen, ob ich teamfähig bin? Gibt es da vorbereitende Tests?
Testen ist so eine Sache. Es gibt viele Leute, die glauben nicht an Tests.
Im Leben hat man so oft Gelegenheiten, Teamarbeit zu leisten. Im Verein, in der Schule etc.
Für die, die es geschafft haben, Karriere zu machen, gilt oft, das sie schon früh in Vereinen und Vereinigungen gearbeitet haben, Chefredakteure in der Schülerzeitung waren, sich im Studium oder während der Ausbildung engagiert haben.
Engagement, Erfahrungen, Erfolge während der Ausbildung sind wichtig.
Frage von Niobe: Spielt bei Bewerbungen das Alter eine Rolle? Angenommen ich bin über 40 und habe gute Kenntnisse. Kann ich noch genommen werden? Auch wenn ich schon älter bin oder ist bei vielen Bewerbungen das Alter ausschlaggebend?
In den USA wird das Alter im Lebenslauf nicht angegeben. In Deutschland war es in den letzten Jahren vor allem in der Industrie so, dass Leute ab 45 wenige Überlebenschancen hatten. Da wollte man junge Leute haben. Heute ist es wieder so, dass man ältere Leute einstellt.
Frage von DoTo: Man hört öfter von dem Motto "Wenn sie mich wirklich haben wollen, können sie auch einen Tag warten" Wie sieht es damit aus? Kann man sich nach einem recht erfolgreichen Gespräch mit dieser Aufschiebung der Entscheidung wieder disqualifizieren?
Ich würde mir immer ein, zwei Tage Bedenkzeit einräumen lassen. Man sollte sich diesen großen Schritt wirklich überlegen. Gerade wenn man noch zwei, drei andere Gespräche am Laufen hat, kann man sich ein wenig Spielraum freihalten. Man sollte damit aber nicht herumtricksen!
Normalerweise sagen Arbeitgeber auch nicht sofort: Ja! Wir wollen dich!
(Sendezeit läuft ab, G. W. ist kaum zu bremsen.)
Wenn Ihr noch Fragen habt, könnt Ihr Euch gern an mich wenden. Meine E-Mail-Addy: gwinkler@jova-nova.com
Und meine letzte Bitte an euch: Bleibt authentisch, geht euren eigenen Bewerbungsweg.
4. Februar 2001; Text zuletzt überarbeitet: Berlin, 28.02.2009.
Ich schreibe für den verständigen Leser. Halten Sie bitte auch mich auf dem Laufenden: über den Jobmarkt, über Ihre Bewerbungswege, Erfahrungen, Abenteuer und Erfolge. Was vermissen Sie auf jova.nova.com? Was sehen Sie anders? Ich freue mich über Ihr Feedback! Text-Piraten: Der Content auf meinen Seiten ist keine Public Domain.
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